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Von Beruf Schriftsteller – Murakamis lang ersehnte Autobiographie als Taschenbuch [Review]

Jahre lang hat Haruki Murakami so gut wie gar nicht über sich selbst gesprochen, nun ist sie endlich als Taschenbuch erhältlich: Seine Autobiographie Von Beruf Schriftsteller.

Ein Buchstapel mit Büchern von Haruki Murakami. Oben auf liegt Von Beruf Schriftsteller.

Bereits seit 1979 ist Haruki Murakami als Autor tätig und hat nicht nur den großen japanischen Nachwuchspreis gewonnen, sondern wird seit über einem Jahrzehnt als Anwärter auf den Literatur Nobelpreis gehandelt. Für den berühmtesten Autor Japans, ist er dennoch besonders still und tritt wenig in der Öffentlichkeit auf. Umso überraschender war die Erscheinung seiner Autobiographie im Jahre 2015, die nun endlich auch in der deutschen Taschenbuchversion vorliegt.

In ihr widmet sich Murakami nicht nur seinem Leben und wie er zum Schreiben gekommen ist, sondern versucht vor allem neuen Autoren Tipps zu geben, wie man einen guten Roman schreibt. Dabei verwendet er sich selbst – wie er so schön schreibt in Ermangelung eines anderen Beispiels – als Testobjekt und schildert wie ihm die jeweiligen Tipps bei verschiedenen Romanen geholfen haben.

Murakami ist es dabei wichtig zum einen zu zeigen, dass Schriftstellerei routinierte Arbeit ist, hinter der viel – nunja – Arbeit steckt. Zum anderen jedoch zu beschreiben, wie diese Routine vereinfacht werden kann. Tipps wie: Schreibe jeden Tag 400 Zeichen – 400 japanische Zeichen entsprechen dabei etwas mehr als 1000 Zeichen in römischen Buchstaben / einer halben Din-A4-Seite Computertext – um am Ball zu bleiben und schreibe somit innerhalb eines Jahres einen kompletten Roman, sind besonders hilfreich für jeden, der schreibt.

Auch seine Schilderungen dazu wie schwierig es ist einen eigenen Still zu finden, kann jeder, dessen Handwerk das Schreiben ist, nur zu gut nachvollziehen und verstehen jene, die davon träumen ein eigenes Buch zu verfassen, wahrscheinlich besser als jeder anderer.

All seine Tipps werden mit Beispielen seiner selbst und dem Hinweis: Das was ich hier sage gilt für mich und ich komme damit gut zu recht, es muss jedoch nicht der richtige Weg für jeden sein, untermalt. Genauso wie seine Beispiele darauf hinauslaufen, dass er vielleicht genauso gut zu Beginn nur reines Glück hatte entdeckt zu werden. In seiner japanischen Zurückhaltung versucht er gleichsam nicht anmaßend zu wirken, wenn er Tipps für Schriftsteller vergibt, während es sich gleichsam bei ihm um einen der erfolgreichsten Autoren unseres Jahrhunderts handelt. Der Ruhm gibt ihm also gewissermaßen Recht Ratschläge zu verteilen.

Und davon hat Murakami nicht zu wenige in seiner Autobiographie verborgen.

Autobiographie oder Ratgeber

Und genau diese Betitelung stellt eine Schwierigkeit für den Einstieg in Murakamis Von Beruf Schriftsteller dar, denn während Verlagshäuser die Erscheinung als Autobiographie feiern, handelt es sich mehr um einen Ratgeber mit autobiographischen Charakter. Murakami begleitet einen fiktiven Autor auf seinem Weg vom Anfang der Karriere, über das routinierte Schreiben zum Weg ins Ausland. Er beschreibt Hürden, die jedem Autor begegnen und wie man mit diesen umgehen kann.

Gleichsam verwendet er sich selbst als Beispiel um zu zeigen wie die einzelnen Stationen einen Schriftsteller-Karriere aussehen können und wie ein Autor es schaft mehr als ein One-Hit-Wonder zu werden. Dabei argumentiert er resolut gegen das Schreiben für eine bestimmte Zielgruppe und dem folgen von Trends. Er beschreibt jedoch auch die Schattenseiten dieser Einstellung und seine Ausgrenzung innerhalb der Literaturlandschaft Japans und wie ihn diese Ausgrenzung ins Ausland getrieben hat, wo er für seine Japanhaftigkeit plötzlich gefeiert wurde.

Gerade diese autobiographischen Passagen lesen sich fast wie eine Rechtfertigung für seinen Erfolg, während sie gleichsam versuchen jedem Autor, der sich nicht innerhalb des Literaturapparats wiederfindet, Mut zu machen dennoch seinem eigenen Weg zu folgen.

Wichtig ist dabei für Murakami lediglich, dass ein Autor seinem eigenen Herzen treu bleibt, seine Kreativität richtig nutzt, lieber jeden Tag ein wenig schreibt als in eine Schreibblockade zu rutschen (Routine gegen Unkreativität), sich mit Literatur in jeglicher Form auseinandersetzt um einen eigenen Schreibstil überhaupt formen zu können und für einen imaginären Leser schreibt, der den eigenen Literaturgeschmack teilt, ohne dabei ein Geschlecht oder Alter haben zu müssen.

Murakami außerhalb seiner Komfortzone

Im Grunde ist es egal ob es sich bei Von Beruf Schriftsteller eine Biographie handelt oder nicht. Zwischen den Zeilen erfährt man, dass Murakami gerne mit Katzen spielt, Bücher liebt, Jazz vergöttert und Baseball mag. Außerdem reist er gerne während er schreibt. All dies hilft das Mysterium Murakami zu ergründen, doch im Grunde sind dies, wenn man seine Romane gelesen hat, keine wirklichen Neuigkeiten.

Er wagt sich mit seinem Ratgeber weit genug aus seiner Komfortzone heraus um sich mehrfach für seine Meinung und seine Impertinenz zu entschuldigen. Gleichsam gibt er nur so viel über sich als Person preis, wie gerade nötig ist um seine Meinung wirklich unterstreichen zu können. Dabei entsteht der Eindruck, dass seine Tipps zum Schreiben viel persönlicher sind, als jedes Detail zu Haustiervorlieben es jemals sein könnte und genau dies macht die Stärke von Haruki Murakamis Von Beruf Schriftsteller aus.

Von Beruf Schriftsteller | Haruki Murakami | BTB Verlag | 240 Seiten | Japanische Literatur | 2018 | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Wenn der Wind singt | Pinball 1973 – Murakamis erste Romane endlich in Deutsch [Review]

Passend zum Erscheinen von Murakamis Autobiographie als deutsches Taschenbuch sind nun endlich auch seine ersten beiden Romane außerhalb von Japan publiziert worden und vervollständigen damit die Trilogie der Ratte, zu der als dritter Band Wilde Schafsjagd gehört.

Ein Buchstapel mit Haruki Murakami-Romanen. Oben auf liegt der Doppelband Wenn der Wind singt & Pinball 1973.

Der Doppelroman beginnt mit einem Auszug aus Murakamis Autobiographie Von Beruf Schriftsteller in welchem er beschreibt wie er eines Tages auf die Idee kam einen Roman zu schreiben, zudem nach dem Gewinn des Nachwuchspreises ein zweiter und ein dritter wurde. Es beschreibt jedoch auch, dass er im Nachhinein das Gefühl hatte alles an diesen Romanen hätte besser machen zu können, was ihn unter anderem dazu führte seine Erstlingswerke nicht in anderen Ländern zu publizieren, was die Trilogie der Ratte für die meisten Leser somit unvollständig ließ.

Wenn der Wind singt

Roman eins beginnt relativ unspektakulär mit einer Kleinstadt am Meer, in der der Protagonist und sein bester Freund Ratte nicht genau wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Immer wieder treffen sie sich in der Bar von Jay und reden über alles und nichts. Sie philosophieren über das Leben und die Zukunft, ohne dabei jedoch konkret auf das eigene Leben einzugehen.

Wenn der Wind singt lebt dabei von unpräzisen Momentaufnahmen. Wie ein Polaroidalbum, welches durcheinander geraten ist, jedoch ausreicht um zu zeigen, wie die beiden jungen Männer einen gemeinsamen Sommer verbrachten, auf Rendezvous gangen, tranken und Bahnen im Freibad zogen.

Die Geschichte ist genauso kurzweilig wie kurz und zeigt perfekt von welchem Ausgangspunkt sich Murakami weiterentwickelte. Bereits der erste Roman beinhaltet fast alle Elemente, die heute einen klassischen Murakami ausmachen, auch wenn sich gerade die ersten Seiten anfühlen, als hätte jemand alle Sätze, die ihm durch den Kopf geschossen sind, niedergeschrieben. Wenn man der autobiographischen Einleitung glauben darf, ist dies ebenfalls genau das, wie sie entstanden sind.

Pinball 1973

Der zweite Roman der Trilogie der Ratte begleitet den Protagonisten nach Tokyo, wo er beginnt in einem Übersetzungsbüro zu arbeiten. Er beschreibt seinen Alltag, das Mädchen, das im Büro aushilft, seine Freunde und seine Suche nach einer Erfüllung. Er steht an einem Scheideweg in seinem Leben und weiß nicht was er weiteres tun soll. Da erinnert er sich daran, wie er eine Weile ganz vernarrt war in Pinball-Automaten und begibt sich auf die Suche nach seinem Lieblingasutomaten, von dem nur eine geringe Anzahl hergestellt wurde.

Gleichsam befindet sich Ratte immer noch in seiner Kleinstadt. Den Kontakt zum Protagonisten hat er schon lange verloren, nur noch Jay und seine Bar sind da. Sie scheinen das einzige stabile Element in seinem Leben zu sein. Und auch dieses kann er nicht mehr in seinem Leben haben.

Pinball 1973 ließt sich deutlich klarer und strukturierter als sein Vorgänger. Die Präzision Wörter auszuwählen und Begebenheiten zu schildern schreitet ebenso voran, wie sonderbare Ereignisse, die sich langsam in den Roman einschleichen, bevor sie in Band drei endlich ausbrechen dürfen.

Absolutes Lesemuss für Murakami-Fans

Was lässt sich über diese beiden Romane eher sagen, als, dass sie für Murakami-Fans ein absolutes Muss sind? Sie zeigen den Ursprung einer Romancier-Karriere, vervollständigen eine Trilogie und bilden überdies hinaus eine perfekte Ergänzung zu Murakamis Autobiographie, die immer wieder zu seinen ersten beiden Romanen zurückkehrt.

Doch auch für jemanden, der noch nie einen Murakami-Roman in der Hand gehalten hat, bilden diese beiden Romane einen wundervollen, Einstieg in sein Werk. Sie beginnen lebhaft und fröhlich und entwickeln sich langsam in eine melancholische Richtung, die philosophisch das Leben betrachtet und wohl am ehesten mit dem portugisischen Saudade beschrieben werden kann.

Wenn der Wind singt | Pinball 1973 | Haruki Murakami | BTB Verlag | 272 Seiten | Japanische Literatur | 2018 | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Von Männern, die keine Frauen haben: Eine Erzählungssammlung von Murakami [Buchrezension]

Von Männern, die keine Frauen haben ist Haruki Murakamis neuste Erzählungensammlung. In ihr befinden sich sieben Erzählungen, die – wie der Titel vermuten lässt – sich mit Männern auseinandersetzen, die aus irgendwelchen Gründen keine Frau haben, sie verlieren, nicht gewinnen können oder niemals hatten. Es ist – bis auf wenige Ausnahmen – die unmurakamieske Erzählungssammlung bisher.

Von Männern, die keine Frauen haben fasst sieben Erzählungen und Kurzgeschichten Haruki Murakamis in einem Band zusammen.

Es gibt ein Spiel Namens Murakami-Bingo, bei dem sich wiederholende Motive aus Murakamis Werken abgehackt werden, während man einen seiner Romane liest. Wendet man diese Liste auf Von Männern, die keine Frauen haben, so findet man Mysteriösen Frauen, Etwas, dass verschwindet, das Gefühl verfolgt zu werden (zumindest am Rande), unerwartete Anrufe, Katzen, Alte Jazz Musik, Urbane Erzählungen, sonderbare Teenager, Kochen, mit Katzen sprechen (am Rande), seltsamen Sex, Tokyo bei Nacht, seltsame Namen und verschwundene Katzen. Damit erhält man zur Abwechslung tatsächlich nicht eine komplette Reihe bei Murakami-Bingo, obwohl man ansonsten fast alle Themen in jedem einzelnen Buch abhacken kann. Dass so viele klassische Murakami-Motive fehlen passiert zwar häufiger in seinen Kurzgeschichten, doch dass sie gleich in so vielen Geschichten auf einmal ausbleiben ist äußerst sonderbar. Genauso wie die Tatsache, dass alle Erzählungen unter einem Grundthema zusammengefasst sind: Die fehlenden Frauen. Und dann auch noch meist in der Kombination, dass nicht nur eine Frau fehlt, sondern auch noch einem anderen mann davon erzählt wird.

Aber gehen wir einmal wieder zurück zum Beginn des Buches. Wie bereits erwähnt enthält dieses Werk sieben von Murakamis Erzählungen. Gleich in der ersten geht es um einen Mann, dessen Frau gestorben ist, doch auch vorher hat er eine gewisse Abwesenheit seiner Frau gespürt. All dies wird ihm nach und nach klar, während er mit seiner Chauffeurin über sein Leben redet.

In Yesterday geht es um einen jungen Mann, dessen bester Freund ihm vorschlägt mit seiner Freundin auszugehen, da er sich selbst nicht bereit fühlt eine ernsthafte Beziehung einzugehen und er befürchtet, dass seine Freundin ihn sonst mit einem Fremden betrügen könnte. Die Situation finden zur Abwechslung auch einmal der Protagonist und die betroffene Freundin sonderbar und es kommt nicht zu seltsamen Sexszenen. Dafür jedoch zu dem sehr schönen Dialog, indem der beste Freud erklärt, dass Menschen so wie Bäume nur durch Erfahrungen reifen können und Jahresringe erhalten, doch so sehr der Protagonist über diesen Vergleich nachdenkt, er landet mit seinen Gedanken immer wieder bei Baumkuchen.

Das eigenständige Organ ist eine der traurigsten Geschichten, die ich seit langem gelesen habe. Es erzählt von einem Mann, der an gebrochenem Herzen stirbt und den Umständen die dazu führten. Auch hier erzählt Murakami von bodenständigen Gefühlen, ohne sonderbare Ereignisse, sondern einfach von den einfachsten menschlichen Regungen, die es gibt.

Gefolgt von Scheherazade, einer Geschichte in einer Geschichte und Kinos Bar, in der sich endlich sonderbare Ereignisse überschlagen, Jazzmusik gehört und sich mit Katzen unterhalten wird. Es ist die Geschichte, die dafür sorgt, dass zumindest einige der Motive im Murakami-Bingo abgehackt werden können.

Genauso wie die darauf folgende Geschichte Samsa in Love, in der ein Mann eines Tages erwacht um festzustellen, dass er sich in Gregor Samsa aus Die Verwandlung von Kafka verwandelt hat. Die Geschichte ist äußerst bizarr, stellt jedoch eine sehr schöne Verbindung zu dem Autor dar, der immer wieder als heimliche Inspirationsquelle für Murakami herzuhalten scheint.

Schließlich endet die Sammlung mit der titelgebenden Geschichte Von Männern, die keine Frauen haben, die sich in sonderbaren philosophischen Gedanken und widersprüchlichen Anekdoten verliert.

Ja, ich fand, dass dies nicht Murakamis beste Sammlung war. Der Elefant verschwindet oder Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah sind um Längen besser als seine neuste Sammlung. Dann wiederum handelt es sich um quengeln auf hohem Niveau, denn natürlich liefert Murakami brillant erzählte Geschichte ab, die seine Leser in Stauen versetzen, überraschen und in ihren Bann ziehen. Häufig enden die Geschichten so weit entfernt von ihrem Anfang, dass man sich unweigerlich fragen muss, wie man dort gelandet ist. Gerade Das eigenständige Organ ist eine fantastische Erzählung, die ihres gleichen sucht. Auch Kinos Bar ist eine wirklich sehr gute Erzählung, die zeigt wie fantasievoll Murakami erzählen kann.

Dennoch fehlt mir gerade diese fantasievolle Art in seinen anderen Erzählungen. Sie wiederholen Motive, die wir bisher kennen. Sie erzählen immer wieder die Geschichte des Mannes, der die Frau seiner Träume nicht haben konnte, sie unter den falschen Umstanden verloren hat oder der erst, als er bei einer anderen war, feststellt, was ihm eigentlich fehlt. Es sind nicht die feinen Denker, die uns sonst begegnen, sondern Männer der Tat, die von großen Eroberungen prallen oder in ihren Tag hineinleben.

Beinahe wirken die Geschichten, als hätte Murakami Zeitdruck gehabt und musste schnell sieben Geschichten zusammenschreiben. Leider erhärtet sich dieser Eindruck bei mir je mehr neuere Werke ich von ihm lese. Sie experimentieren weniger, sie sind weniger ausgeklügelt und sie zeigen uns weniger emotionalen Tiefgang, als wir es nach Werke wie Naokos Lächeln gewohnt sind. Sind die Geschichten zugänglicher? Ja, dass alle mal. Aber ist es das, was man erwartet, wenn man ein Werk von Murakami in die Hand nimmt? Ich glaube nicht. Ich möchte mehr Fische, die vom Himmel regnen, während alte Jazzplatten laufen. Sex, der Menschen zur völligen Selbstaufgabe bewegt. Ich möchte Emotionen, die über den Tod hinaus eine Seele an diese Welt binden und Welten, die nur Murakami sich erdenken kann und die gleichzeitig dem existierenden Tokyo so seltsam ähneln.

Sollte man Von Männern, die keine Frauen haben als Murakami-Fan lesen? Ja, unbedingt, denn es sind wieder einmal sehr gut erzählte Geschichten. Sollte man dieses Buch lesen, wenn man nichts mit Murakami am Hut hat? Ja, es wird selten einen einfacheren Einstieg in sein Werk geben. Dennoch sollte man im Hinterkopf haben, dass diese Werke, sollten dies die ersten Texte sein, die man von Haruki Murakami liest, weit von de entfernt sind, was er sonst im Stande ist zu leisten.

Von Männern, die keine Frauen haben | 2016 | 254 Seiten | btb Verlag | Bei Amazon kaufen


Dieses Buch wurde mir von btb zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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6 Monate – 20 Bücher – 1 Outfit am Rande [Outfitmittwoch]

Auf dem Bild zu sehen, die Bücher, die ich in der ersten Hälfte 2016 geschafft habe. Darunter die Luna Chroniken, ein paar Bücher von Rainbow Rowell & Haruki Murakami und ein paar Young Adult-Romane. Außerdem meine Ballett-Schuhe und meine Fuchstasse, denn was passt besser zu Bücher, als Tee?

Oh ja, ihr werdet vermutlich nie den Tag erleben, an dem ich wirklich wieder ein Outfitfoto an einem Mittwoch poste. Trotzdem kommen viele von euch Mittwochs hier hin. Heute gibt es zumindest am Rande so etwas wie ein Foto eines Outfits. Ich trage mein absolutes Lieblingskleidungsstück dieses Jahres: Einen Faltenrock von H&M. Ich liebe Faltenröcke. Vermutlich, weil sie mich immer etwas an Schuluniformen erinnern und ich als Kind, nachdem ich zunächst zu viele Folgen von Hanny und Nanny gesehen und später zu viele Harry Potter-Bücher gelesen habe, unbedingt eine Uniform tragen wollte. Dazu meine wunderbaren neuen Grinsekatzesocken (Primark), eine Leggings, da es immer noch super kalt ist, (ebenfalls Primark) und meine Ballettschuhe, weil ich damit angeben wollte, dass ich immer noch zum Ballett gehe und damit einen meiner eher aufwendigeren Vorsätze des Jahres einhalte.

Und wenn wir schon bei Vorsätzen sind, können wir auch gleich zu dem Hauptbestandteil dieses Fotos übergehen: Meinen Büchern. Oder eher einem Teil meiner Bücher, nämlich dem Teil, den ich bereits dieses Jahr gelesen habe. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen dieses Jahr zwölf Bücher zu lesen, nachdem ich letztes Jahr gerade so auf zehn gekommen bin. Ein Buch pro Monat erschien mir reichlich realistisch. Mittlerweile bin ich bei meinem einundzwanzigsten Buch angekommen. Meine Goodreads-Lesechallange habe ich also kurzerhand auf 45 Bücher aufgestockt – man soll sich ja anspruchsvolle Ziele setzen.

Deteialansicht der Bücher, die ich 2016 bisher gelesen habe. Darunter Südlich der Grenze Westlich der Sonne, The Love that Split the World, die To All the Boys I loved before-Reihe, Ich und Earl und das sterbende Mädchen, Disrupted, einige Werke von Murakami, Der Marsianer und die Luna Chroniken.

Foto: Screenshot von Goodreads „Your 2016 Challenge Books“

Ein genauer Blick auf die Bücher: Young Adult, Murakami und Technik

Naja, so oder so ähnlich ließen sich wohl die Bücher mehr oder weniger zusammenfassen. In chronologischer Reihenfolge habe ich dieses Jahr folgende Bücher gelesen:

Im Durchschnitt habe ich den Büchern knapp vier Sterne gegeben. Entweder bin ich nicht kritisch genug oder die Bücher waren wirklich alle sehr gut. Das müsst ihr jetzt entscheiden.

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Südlich der Grenze, westlich der Sonne: Eine Murakami Liebesgeschichte

Südlich der Grenze, westlich der Sonne von Haruki Murakami ist die Neuübersetzung von Gefährliche Geliebte.

Haruki Murakamis Gefährliche Geliebte gehört in Deutschland zu einem seiner umstrittensten Romane. Und dies liegt nicht allein, an der widerspenstigen Liebesgeschichte, die erzählt wird, sondern vor allem an der Reise die der Roman durchmachen musste um in seiner heutigen Form publiziert zu werden.

Eine Roman über vertane Chancen

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wird Hajime geboren. Er lebt ein unaufgeregtes Leben im Japan der 1950er Jahre und erlebt die Heftigkeit der Studentenproteste mit einer seltsamen Gleichgültigkeit. Nie schaft er es wirklich enge Freunde zu finden oder eine Beziehung lange zu erhalten. Man könnte gar sagen, dass Menschen ihn langweilen.

Die einzige Person mit der er jemals eine wirkliche Freundschaft pflegte war seine Kindheitsfreundin Shimamoto. Das hinkende Mädchen, mit welchem er sich nur anfreundete, weil es sein Lehrer von ihm verlangte, war die einzige Vertraute, die er jemals hatte und mit der er über alles sprechen konnte. Doch nachdem seine Familie umzog, verloren sich die beiden aus den Augen.

Nun mit 36, als glücklicher Familienvater, taucht sie plötzlich in seiner Bar auf und zeigt ihm auf, wie das Leben hätte sein können, wenn sie sich nicht aus den Augen verloren hätten. Und mit jeder ihrer Begegnungen wird für ihn die Frage danach, ob sein Leben aus einer Ansammlung verpasster Chancen und Möglichkeiten besteht größer.

Die komplizierte Irrfahrt von Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Bereits im Jahre 2000 wurde die damals noch umbenannte Gefährliche Geliebte von Murakami veröffentlicht. Schon damals galt er vieler Orts als einer der Anwärter für einen Nobelpreis, eine Einschätzung, die einige deutsche Feuilletonisten nicht gerade teilten und die unter anderem dafür sorgte, dass Sigrid Löffler nach einer heftigen Debatte mit Marcel Reich-Ranicki das Literarische Quartett verließ.

Ausgelöst wurde dieser Streit vor allem dadurch, dass einigen Kritikern die Sprache zu herb und unangemessen war. Während in dem Roman von Liebe, Tod und Verlangen gesprochen wurde, benutzte Murakami gleichzeitig scheinbar Wörter wie „vögeln“ und andere platte Ausdrücke um Handlungen zu beschreiben.

Während dies eher dafür sorgte, dass Kritiker etwas verwirrt waren und diese Wortwahl nicht wirklich zu den neueren Werken Murakamis zu passen schien, die eher durch eine starke Feinfühligkeit und sehr gewählte Wortwahl überzeugen, lag das Problem an einer ganz anderen Stelle: Der Roman wurde nicht aus dem Japanischen, sondern aus einer sehr vereinfachten Amerikanischen Fassung übersetzt. In dieser ging es nicht so sehr darum den Sprachrhythmus Murakamis wiederzugeben, sondern den Text dem amerikanischen Publikum möglichst leicht zugänglich zu machen.

„Wahrscheinlich fühlten wir beide, dass wir noch unfertige Geschöpfe waren, auf der Suche nach einem neuen, zu erreichenden Etwas, das uns erfüllen und vervollkommnen würde. Zeh Sekunden lang standen wir Hand in Hand vor dem Tor zu diesem Neuen. Nur wir beide. Im Schein eines trüben, flackernden Lichts.“
– Harumi Murakami, Südlich der Grenze, westlich der Sonne, Ende des ersten Kapitels

Ein typischer Fall von Lost in Translation, bei dem der Sinn und die Wortwahl bei der Übersetzung vom Japanischen ins Englische ins Deutsche einfach verloren gegen war. Und während sich zwischen den Worten erahnen lies, dass es sich um eine tiefgehenden Liebesgeschichte handelte, wurde diese durch Worte zerstört und überlagert, die nicht der Situation angemessen schienen.

Erst 2013, nachdem Ursula Gräfe bereits einige Werke Murakamis aus dem Japanischen übersetzt und neu übersetzt hatte, wurde auch die Gefährliche Geliebte, wie der Roman bis dahin hieß, neu übersetzt. Jetzt ist auch die Taschenbuchversion im btb-Verlag erschien.

Eine unpassende Liebesgeschichte und ein unsympathischer Protagonist

Man mag über dieses Buch sagen was man will, aber Hajime, der Protagonist, ist ein ziemlich mieser, arroganter Mensch. Seine erste Beziehung scheitert, weil er seine Oberschul-Freundin mehr oder weniger zum Sex drängen möchte. Als diese ihn immer wieder abweist, beginnt er kurzerhand eine Affaire mit ihrer Cousine. Auch in späteren Jahren ist er nicht wirklich eine treue Seele und man wundert sich, warum er kaum ein Problem damit hat seine Freundinnen oder später seine Frau zu betrügen.

Erst als plötzlich seine Kindheitsfreundin vor ihm steht und er sich auf immer neue Treffen mit ihr einlässt und sich dadurch auch emotional an sie bindet, beginnt er seiner Familie gegenüber ein schlechtes Gewissen zu entwickeln.

Doch auch mit diesem deutlich unsympathischen Protagonisten, der kaum selbst fassen kann, dass ihn sein Karma noch nicht eingeholt hat, ist dies eine wirklich schöne und sanfte Liebesgeschichte, die sich immer wieder mit der Frage beschäftigt: „Was wäre wenn?“

Was wäre gewesen, wenn er und Shimamoto sich auch nach seinem Umzug weiter getroffen hätten? Was wäre gewesen, wenn sie ihn hätte besuchen können? Was wäre gewesen, wenn er sie auf der Straße angesprochen hätte? Was, wenn, was, wenn,… ?

Immer wieder überkreuzen sich die Wege der beiden und dennoch scheint es das Schicksal nicht mit ihnen gut zu meinen, denn nie schaffen sie es den anderen zu erreichen, sei es durch fehlenden Mut oder durch wirkliche Hindernisse.

Sanft beschreibt Murakami, wie sich Hajime immer wieder neu in Shimamoto verliebt oder sich vielleicht auch niemals wirklich entliebt hat. Er erzählt die Geschichte in Hajimes Worten und aus seiner Sicht. Er beschreibt die wundervolle Liebe seines Lebens, die er nie wirklich zu erreichen scheint und die nun zum greifen nah vor ihm steht.

Und obwohl die wirklich gut gewählten Worte eine wirklich schöne Liebe beschreiben, wirken sie doch gleichzeitig berechnend. Sie wirken als würde sich Hajime zu rechtfertigen suchen. Als bräuchte es für ihn 224 Seiten um zu beschreiben, warum er seine Frau emotional betrügen möchte und weshalb es für ihn okay ist dadurch seine Familie und seine gesamte Existenz aufs Spiel zu setzen.

In seiner Erzählweise ein sehr unmukamiesker Roman

Auch wenn sich die Worte und Beschreibungen wie eines von Murakamis Werken lesen, so fehlt das vollkommen absurde Momentum, indem Shimamoto plötzlich nur noch ein Geist aus der Vergangenheit ist, der nicht nur im übertragenen Sinne ein ‚Geist der Vergangenheit‘ darstellt, sondern wortwörtlich zurückgekommen ist um Hajime etwas wichtiges vor Augen zu führen.

Gerade deshalb, weil Murakami in Südlich der Grenze, westlich der Sonne lediglich mit seiner Wortgewalt und den großen Metaphern für Leben und Tod, Liebe und Verlangen hantiert, ist dies einer seiner am leichtesten zugänglichen Romane. Die Liebesgeschichte fühlt sich vollkommen deplatziert an und gleichsam kann sie nur deshalb so intensiv wirken, weil sie zur vollkommen falschen Zeit sich entfaltet. Und auch wenn Hajime vermutlich der unsympathischste von Murakamis Protagonisten ist – und ja, dies schließt auch Kafka aus Kafka am Strand mit seiner eigenartigen Liebesgeschichte ein –, schafft er es dennoch die Geschichte so zu erzählen, dass man mit ihm mitfiebert und sich fragt, wann es endlich wieder anfängt zu regnen und Shimamoto zurückkommt.


★★★★☆ Südlich der Grenze, westlich der Sonne ist als Taschenbuch 2015 bei btb erschienen und kann unter anderem bei Amazon kaufen.

Das Buch wurde mir freudnlicher Weise von btb zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Instagram-Rückblick: Rom, Bayern, Bücherwurm [SaSo]

Es sind schon wieder drei Monate seit dem letzten Instagram-Rückblick vergangen und es ist einiges passiert. Ich habe einiges gelesen, war in Rom und bin durch Bayern gereist.

Fangirl / Carry On, Boku dake ga inai machi, Romreise

Ich hab die sehr tollen Bücher Fangirl und Carry On gelesen, Boku dake ga inai machi durchgesüchtelt (so ein toller Anime!) und Rom unsicher gemacht.

Romreise, Fangirl, Katzensitting, Okini

Unter anderem das Kolosseum in Rom besichtigt, mein Reisetagebuch erweitert, Katzen gesittet, weiter über Fangirl gefangirlt und im Okini leckeres japanisches Essen gegessen.

Lieblingsbücher, Ufomaschine, Bento, Carry On, Python

Über Lieblingsbücher nachgedacht, über Her fearful Symmetry gesprochen, eine Ufo-Maschine mit Tsumtsums gebaut, Aristotle and Dante discover the secrets of the universe gelesen und ein Bento genossen, über Carry On gefangirlt und angefangen Python aufzufrischen [das Bild mit den Äffchen stammt von Codecadamy].

Mochi-Eis, Programmierung, Harry Potter, Bento, Tee, Inspirations-Wand

Mochi-Eis für mich entdeckt, Hello Ruby, ein Buch, welches Kindern Programmieren näher bringen möchte, entdeckt, Harry Potter-Lesezeichen und Geschenkpapier erstellt, Murakami gelesen und ein Bento gegessen, Tree of Tea-Tee ausprobiert (sehr yummy) und meine Inspirations-Wand fast vervollständigt.

Murakami, Risiko, Frühlingsanfang, Lieblingsbücher, Gudetama, Carcassonne

Noch mehr Murakami gelesen, Game of Thrones-Risiko ausprobiert [puh, die Missionen sind teilweise wirklich viel zu leicht], den Frühling begrüßt, über Gestern war auch schon ein Tag gesprochen, Sushi gegessen und Carcassonne gesüchtelt.

Bloggeburtstag, Machi Koro, Katzensitting, Hanafuda, Sailor Moon Drops, Stahlhöhlen

Das zehnjährige Blog-Jubiläum gefeiert, Machi Koro gespielt [ein sehr süßes Kartenspiel, welches sowohl strategisch, als auch recht simpel gespielt werden kann], noch einmal auf Katzen aufgepasst, Hanafuda gespielt, zu viel Zeit mit Sailor Moon Drops verbracht und Die Stahlhöhlen von Asimov gelesen.

Disrupted, neue Frisur, Ich und Earl und das sterbende Mädchen, Bayern Urlaub

Disrupted gelesen [sehr gutes Bücher über einen erfahrenen Journalisten, der bei einem Start-up zu arbeiten beginnt], meine Haare mal wieder kurz schneiden lassen, Ich und Earl und das sterbende Mädchen gelesen, ordentliche viele Comics beim Gratiscomictag abgesahnt, den ESC geguckt und mit meinem Freund wie wahnsinnige Nerds Splatoon gespiel. Und ja, es hat sich nicht schlecht angefühlt zwei Fernseher im Wohnzimmer zu haben. Haha xD

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Everland bekommen, die Japan Candy Box ausprobiert, Scandi Do it yourself zugeschickt bekommen [dazu bekommt ihr auch noch eine Review ;)] und To all the boys I loved before gelesen, nach Bayern gefahren um dort Landsberg zu besuchen und italienisches Eis in München zu essen.

Bayern Urlaub, To all the Boys I loved before, P.S. I still love you, Litblog Convention

Außerdem ging es in München zum Englischen Garten um Surfer zu beobachten, meine Cousine hat mir Gänseblümchenschmuck angefertigt und es gab traditionelles bayrisches Essen. Ich hab angefangen P.S. I still love you zu lesen und war auf der Litblog Convention, einer Veranstaltung auf der Blogger das Verlagswesen kennenlernen sollten. Unter anderem habe ich einen Vortrag von Ursula Gräfe, der Murakami-Übersetzerin (!!!), über Übersetzungen angehört und einen Workshop von Poppy J. Anderson zu E-Books und Selfpublishing besucht.

Litblog Convention, X-Men

In zwei weiteren Workshops der Litblog Con ging es um Coverdesign und den Unterschied zwischen Young Adult– und New Adult-Literatur. Vorher war mir gar nicht bewusst, dass es da einen Unterschied gibt. Wie peinlich. Abschließend hab ich endlich, passend zum Kinofilm, einen Teil der X-Men:Apocolypse-Comics durch. Der Film war immer noch deutlich besser als die Avenger-Filme, aber auch schwächer als seine Vorgänger. Der Comic hingegen ist genauso spannende wie ich ihn in Erinnerung hatte, auch wenn mich die vielen parallelen Universen langsam verwirren.

Puh, in den letzten drei Monaten ist echt einiges passiert. Die nächste Zeit dürfte vielleicht etwas ruhiger sein…

Übrigens findet ihr mich auf Instagram unter @chochi_rain

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Afterdark: Eine Nacht, zwei Schwestern [Buchreview]

Afterdark von Haruki Murakami war tatsächlich das erste seiner Bücher, welches ich gelesen habe. Da das nun auch schon wieder zehn Jahre her ist, habe ich die Gelegenheit ergriffen und es noch einmal gelesen. Dieses mal etwas reifer und nachdem ich all seine anderen Romane und Erzählungen verschlungen habe.

Haruki Murakamis Roman Afterdark von 2005.

In seinem Roman beschreibt Murakami eine Nacht in Tokyo. Dabei wechselt die Handlung zwischen Mari, die die Nacht unbedingt weit weg von ihrem Elternhaus verbringen möchte und seit Monaten nicht mehr richtig schlafen kann, und Eri, ihrer Schwester, die seit zwei Monaten durchgehend zu schlafen scheint.

Perspektivisch begleitet man die beiden Schwestern als stummer Beobachter, der immer wieder beschreibt, was wir sehen und wie sich die Atmosphäre anfühlt. Es ist dabei Eri, die zwar zu schlafen scheint, aber in Wirklichkeit in sonderbare Ereignisse verstrickt ist. Mari hingegen möchte eigentlich nur in ruhe ein Buch lesen und wartet darauf, dass die Nacht endet. Stattdessen trift sie immer wieder auf einen Bekannten, der sie dazu bringt mehr über sich preis zu geben und so nach und nach aufdeckt, was mit ihrer Schwester los ist.

Daran angelehnt wird man Zeuge von verschiedenen Ereignissen, die innerhalb dieser einen Nacht passieren und die auf verschiedene Arten Mari und Eri beeinflussen.

Eine Erzählung wie ein Drehbuch

Als ich Afterdark das erste Mal kurz nach seiner Erscheinung (2005) gelesen habe, fand ich es besonders spannend wie Murakami die Atmosphäre beschreibt. Man kann sich sehr gut vorstellen wie die Welt von Mari aussieht und sich anfühlt, ohne jemals selber in Tokyo gewesen zu sein. Beim zweiten Lesen hat sich dieser Eindruck zwar bestätigt, noch faszinierender hingegen fand ich wie sehr sich der Schreibstil dieses Buches von den anderen Murakamis unterscheidet. Während seine anderen Romane von sehr ausgewählten, feinen Erzählungen und Beschreibungen leben, wirkt der Text zwischen den Dialogen fast schon wie ein Drehbuch. Er beschreibt die Atmosphäre mit so wenigen Worten wie möglich und geht dann dazu über möglichst viele Dialoge einzubauen. Wer schon einmal etwas von Murakami gelesen hat weiß, dass seine Dialoge schnell zu einem Art Monolog werden können, indem Erzählungen stattfinden und die oft seitenlang sein können. Hier hingegen finden tatsächliche Gespräche statt. Fragen werden sofort beantwortet und geben dem Roman somit eine ganz eigene Dynamik.

Gerade dadurch, dass sich der Text mehr wie ein Drehbuch anfühlt, ist es ein sehr kurzweiliger Roman, den man innerhalb kürzester Zeit verschlingen kann. Und auch wenn sich der Text so anfühlt, als hätte Murakami versucht mit Sprache zu experimentieren, so bleibt er doch seinen Motiven treu: Zwei parallele Erzählungen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben scheinen, etwas Übersinnliches und viele psychologische Analysen innerhalb von scheinbar vollkommen unbedeutenden Unterhaltungen.

Ein guter Einstieg

Häufig höre ich, dass sich Menschen mit Murakamis Romanen irgendwie schwer tun. Dies mag daran liegen, dass sie fast schon ‚klinisch‘ perfekt formuliert sind und diese in Kombination mit den etwas sonderbaren Motiven für viele eine Überforderung darstellen. Um jedoch einen Zugang zu seinem Werk zu finden, eignet sich Afterdark wie keines seiner anderen Werke. Es ist ein spannender Roman, der mit seinen gut 300 Seiten schnell zu lesen ist. Die vielen Dialoge und präzisen Beschreibungen ermöglichen einen leichten sprachlichen Zugang. Außerdem wird man in Murakamis Motive eingeführt und kann sich somit langsam an sein Werk herantasten.

Doch auch als einzelner Roman, außerhalb von Murakamis Kanon, ist dies eins ehr guter Roman, der den Leser in eine turbulente tokyoter Nacht verschlägt und ihn, wie auch die Protagonistin Mari, immer wieder aufs neue mit diversen Ereignissen überrascht.

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