0

Von Männern, die keine Frauen haben: Eine Erzählungssammlung von Murakami [Buchrezension]

Von Männern, die keine Frauen haben ist Haruki Murakamis neuste Erzählungensammlung. In ihr befinden sich sieben Erzählungen, die – wie der Titel vermuten lässt – sich mit Männern auseinandersetzen, die aus irgendwelchen Gründen keine Frau haben, sie verlieren, nicht gewinnen können oder niemals hatten. Es ist – bis auf wenige Ausnahmen – die unmurakamieske Erzählungssammlung bisher.

Von Männern, die keine Frauen haben fasst sieben Erzählungen und Kurzgeschichten Haruki Murakamis in einem Band zusammen.

Es gibt ein Spiel Namens Murakami-Bingo, bei dem sich wiederholende Motive aus Murakamis Werken abgehackt werden, während man einen seiner Romane liest. Wendet man diese Liste auf Von Männern, die keine Frauen haben, so findet man Mysteriösen Frauen, Etwas, dass verschwindet, das Gefühl verfolgt zu werden (zumindest am Rande), unerwartete Anrufe, Katzen, Alte Jazz Musik, Urbane Erzählungen, sonderbare Teenager, Kochen, mit Katzen sprechen (am Rande), seltsamen Sex, Tokyo bei Nacht, seltsame Namen und verschwundene Katzen. Damit erhält man zur Abwechslung tatsächlich nicht eine komplette Reihe bei Murakami-Bingo, obwohl man ansonsten fast alle Themen in jedem einzelnen Buch abhacken kann. Dass so viele klassische Murakami-Motive fehlen passiert zwar häufiger in seinen Kurzgeschichten, doch dass sie gleich in so vielen Geschichten auf einmal ausbleiben ist äußerst sonderbar. Genauso wie die Tatsache, dass alle Erzählungen unter einem Grundthema zusammengefasst sind: Die fehlenden Frauen. Und dann auch noch meist in der Kombination, dass nicht nur eine Frau fehlt, sondern auch noch einem anderen mann davon erzählt wird.

Aber gehen wir einmal wieder zurück zum Beginn des Buches. Wie bereits erwähnt enthält dieses Werk sieben von Murakamis Erzählungen. Gleich in der ersten geht es um einen Mann, dessen Frau gestorben ist, doch auch vorher hat er eine gewisse Abwesenheit seiner Frau gespürt. All dies wird ihm nach und nach klar, während er mit seiner Chauffeurin über sein Leben redet.

In Yesterday geht es um einen jungen Mann, dessen bester Freund ihm vorschlägt mit seiner Freundin auszugehen, da er sich selbst nicht bereit fühlt eine ernsthafte Beziehung einzugehen und er befürchtet, dass seine Freundin ihn sonst mit einem Fremden betrügen könnte. Die Situation finden zur Abwechslung auch einmal der Protagonist und die betroffene Freundin sonderbar und es kommt nicht zu seltsamen Sexszenen. Dafür jedoch zu dem sehr schönen Dialog, indem der beste Freud erklärt, dass Menschen so wie Bäume nur durch Erfahrungen reifen können und Jahresringe erhalten, doch so sehr der Protagonist über diesen Vergleich nachdenkt, er landet mit seinen Gedanken immer wieder bei Baumkuchen.

Das eigenständige Organ ist eine der traurigsten Geschichten, die ich seit langem gelesen habe. Es erzählt von einem Mann, der an gebrochenem Herzen stirbt und den Umständen die dazu führten. Auch hier erzählt Murakami von bodenständigen Gefühlen, ohne sonderbare Ereignisse, sondern einfach von den einfachsten menschlichen Regungen, die es gibt.

Gefolgt von Scheherazade, einer Geschichte in einer Geschichte und Kinos Bar, in der sich endlich sonderbare Ereignisse überschlagen, Jazzmusik gehört und sich mit Katzen unterhalten wird. Es ist die Geschichte, die dafür sorgt, dass zumindest einige der Motive im Murakami-Bingo abgehackt werden können.

Genauso wie die darauf folgende Geschichte Samsa in Love, in der ein Mann eines Tages erwacht um festzustellen, dass er sich in Gregor Samsa aus Die Verwandlung von Kafka verwandelt hat. Die Geschichte ist äußerst bizarr, stellt jedoch eine sehr schöne Verbindung zu dem Autor dar, der immer wieder als heimliche Inspirationsquelle für Murakami herzuhalten scheint.

Schließlich endet die Sammlung mit der titelgebenden Geschichte Von Männern, die keine Frauen haben, die sich in sonderbaren philosophischen Gedanken und widersprüchlichen Anekdoten verliert.

Ja, ich fand, dass dies nicht Murakamis beste Sammlung war. Der Elefant verschwindet oder Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah sind um Längen besser als seine neuste Sammlung. Dann wiederum handelt es sich um quengeln auf hohem Niveau, denn natürlich liefert Murakami brillant erzählte Geschichte ab, die seine Leser in Stauen versetzen, überraschen und in ihren Bann ziehen. Häufig enden die Geschichten so weit entfernt von ihrem Anfang, dass man sich unweigerlich fragen muss, wie man dort gelandet ist. Gerade Das eigenständige Organ ist eine fantastische Erzählung, die ihres gleichen sucht. Auch Kinos Bar ist eine wirklich sehr gute Erzählung, die zeigt wie fantasievoll Murakami erzählen kann.

Dennoch fehlt mir gerade diese fantasievolle Art in seinen anderen Erzählungen. Sie wiederholen Motive, die wir bisher kennen. Sie erzählen immer wieder die Geschichte des Mannes, der die Frau seiner Träume nicht haben konnte, sie unter den falschen Umstanden verloren hat oder der erst, als er bei einer anderen war, feststellt, was ihm eigentlich fehlt. Es sind nicht die feinen Denker, die uns sonst begegnen, sondern Männer der Tat, die von großen Eroberungen prallen oder in ihren Tag hineinleben.

Beinahe wirken die Geschichten, als hätte Murakami Zeitdruck gehabt und musste schnell sieben Geschichten zusammenschreiben. Leider erhärtet sich dieser Eindruck bei mir je mehr neuere Werke ich von ihm lese. Sie experimentieren weniger, sie sind weniger ausgeklügelt und sie zeigen uns weniger emotionalen Tiefgang, als wir es nach Werke wie Naokos Lächeln gewohnt sind. Sind die Geschichten zugänglicher? Ja, dass alle mal. Aber ist es das, was man erwartet, wenn man ein Werk von Murakami in die Hand nimmt? Ich glaube nicht. Ich möchte mehr Fische, die vom Himmel regnen, während alte Jazzplatten laufen. Sex, der Menschen zur völligen Selbstaufgabe bewegt. Ich möchte Emotionen, die über den Tod hinaus eine Seele an diese Welt binden und Welten, die nur Murakami sich erdenken kann und die gleichzeitig dem existierenden Tokyo so seltsam ähneln.

Sollte man Von Männern, die keine Frauen haben als Murakami-Fan lesen? Ja, unbedingt, denn es sind wieder einmal sehr gut erzählte Geschichten. Sollte man dieses Buch lesen, wenn man nichts mit Murakami am Hut hat? Ja, es wird selten einen einfacheren Einstieg in sein Werk geben. Dennoch sollte man im Hinterkopf haben, dass diese Werke, sollten dies die ersten Texte sein, die man von Haruki Murakami liest, weit von de entfernt sind, was er sonst im Stande ist zu leisten.

Von Männern, die keine Frauen haben | 2016 | 254 Seiten | btb Verlag | Bei Amazon kaufen


Dieses Buch wurde mir von btb zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

0

Weihnachtsgeschenke für Buchwürmer [SaSo]

In diesem Artikel soll es weniger darum gehen euch zu sagen: „Kauft dieses Buch zu Weihnachten für alle Menschen, die Bücher mögen.“, sondern darum echt Inspirationesquellen für gute Buchgeschenke zu geben. Dabei müssen Geschenke für Menschen, die Bücher mögen nicht zwingend Bücher sein, sondern können auch sehr schöne Dinge mit Buchbezug sein.

Etsy: Handgemachte Buchgeschenke

Etsy ist eine Fundgrube für kreative Geschenke. Sucht dort einfach nach dem Titel einer Lieblingsreihe, eines Lieblingsbuches oder eines Lieblingsautoren der zu beschenkenden Person. Auch das Wort „Buch“ alleine bringt euch viele schöne Ergebnisse. Besonders schön sind zum Beispiel Geschenke wie diese Poe-Tasse von JitterMug oder literarische Kerzen, wie jene von The Bookish Flame, bei denen Gerüche, die im Buch mit einem Ort oder einer Person assoziiert werden, in den Geruch einer Kerze umgewandelt werden.

Wichtig: Findet vorher heraus welche Reihen, Bücher, Autoren euer Buchwurm mag.

Redbubble: Kleidung und Kissen mit bedruckten Motiven

Auf Redbubble findet ihr ebenfalls viele kreative Geschenke. Während die Gegenstände bei etsy jedoch in der Regel handgefertigt werden, gibt es hier vor allem Print-Produkte. Dies können Poster und Postkarten sein, aber auch Aufdrücke auf T-Shirts, Pullis und Kissen. Eines meiner liebsten Fundstücke dort ist das Bedtime-Kissen von FandomizedRose. Dies definiert die Bettzeit als eine Zeit in der Fangirls sagen, dass sie schlafen gehen um dann die Nacht hindurch zu lesen.

Auch hier findet ihr viele schöne Geschenke, wenn ihr nach Autoren, Buchtiteln oder den Wörtern „Buch“ und „Book“ sucht.

Society6: Hochwertige Kunstdrucke

Society6 ist gar nicht so anders als Redbubble, denn auch hier findet ihr Drucke aller Art. Auch hier sucht ihr nach einem passenden Stichwort und findet dann so schöne Dinge wie dieses Hogwarts-Poster von Anne Lambelet@Society6.

Bücher

Wer hätte das gedacht, Buchwürmer mögen eventuell auch Bücher. Hier könnt ihr entweder den Buchwurm direkt auf einen Buchwunsch ansprechen – auch wenn dies eventuell verrät, was ihr vorhabt – gucken ob er bei Goodreads (einem Sozialen Netzwerk für Bücher) angemeldet ist und eine Liste mit Buchwünschen angelegt habt, oder sein Buchregal durchstöbern um Inspirationen zu finden.

Wenn ihr nun immer noch keine Ahnung habt, was ihr verschenken sollt, so empfehle ich diese beiden Bücher / Reihen:

Wenn der Rabe ruft / The Raven Cycle

Die Raben-Reihe / the Raven-Cycle ist definitiv eine der besten Reihen, die ich seit langem gelesen habe und meine Lieblingsreihe aus 2016. Es erzählt die Geschichte von Blue, die als einziger Mensch ohne besondere Fähigkeiten in einem Haus voller Wahrsager groß wird. Von Ronan dem Träumer. Von Noah, dem Besorgten. Von Adam, der mehr in seinem Leben erleben will. Und natürlich Gansey, der einen vor Jahrhunderten gestorbenen König finden und auferwecken möchte um sich einen Wunsch erfüllen zu können. Man könnte es als Schicksal bezeichnen, dass sich diese fünf in einer kleinen Stadt über den Weg laufen um gemeinsam das Abenteuer ihres Lebens zu erleben.

Die Reihe ist abgeschlossen und besteht aus vier Bänden. Bald soll es einen dreiteiligen Ableger geben.

The love that Split the world

The love that split the world ist von allen Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe, mein absoluter Favorit. Die Highschoolschülerin Natalie ist seit Jahren in Psychologischer Behandlung, da die Dinge, die sie sieht, nicht zu einem gesunden Verstand zu passen scheinen. Bis sie Beau trifft, der scheinbar die Antworten auf all ihre Fragen bereithält und gleichzeitig viel mehr aufwirft. Ein fantastisches Buch über die Frage was real ist. Eine Frage, die bis zum Ende des Buches offen bleibt. Emotional, grandios geschrieben und einfach großartig.

0

To all the boys I loved before: Ein romantisches Teenie-Komödien-Hörbuch [Rezension]

Ihr mögt Young Adult-Bücher und romantische Teenie-Komödien à la Zehn Dinge, die ich an dir hasse? Dann ist To all the boys I loved before das perfekte Hörspiel.

To all the boys I loved before, ein Jugend-Hörbuch über Lara Jean, eine erfundene Beziehung und die Frage wann man weiß ob man verliebt ist.

Ungefähr zehnmal habe ich euch bereits die Reihe von Jenny Han (Autorin der The Summer-Reihe) ans Herz gelegt und wenn ihr immer noch nicht dazu gekommen seit To all the boys I loved before zu lesen oder gerade weil ihr es bereits gelesen habt, möchte ich euch das dazu passende Hörbuch von cbj audio ans Herz legen.

Han erzählt in ihrem Roman die Geschichte von Lara Jean. Die Highschoolschülerin war viermal so richtig verliebt, doch statt dem jeweiligen Jungen ihre Liebe zu gestehen, hat sie für jeden Jungen einen Liebesbrief geschrieben, den sie für immer in ihrer Hutschachtel aufbewahren will. Nur blöd, dass die Briefe ausversehen versendet werden. Und dann auch ausgerechnet an den beliebtesten Jungen der Schule, ihren besten Freund und zwei Jungs, mit denen sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen hat.

Doch damit nicht genug. Um seine Ex-Freundin eifersüchtig zu machen und damit Lara Jean endlich mit dem Jungen zusammenkommen kann, in den sie eigentlich verliebt ist, beschließen sie und Peter – Lacrosse-Spieler, gut aussehend und zufällig einer der Jungen, an den einer ihrer Briefe ging – so zu tun, als wären sie ein Pärchen. Was kann da schon schief gehen…?

Angenehme Hörbuch-Stimme und sonderbare Kürzungen

Gelesen wird das Hörbuch von Schauspielerin Leonie Landa, deren Stimme man häufiger in Hörspielen und als Synchronsprecherin lauschen durfte. Ihre klare Aussprache, die fast schon zögerlichen, gewählten Worte, machen aus dem Hörbuch plötzlich ihre Geschichte und es klingt nicht mehr so, als würde sie ein Buch vorlesen, sondern als würde sie ihre eigene Geschichte erzählen und man kann nicht anders, als ihr weiter zuzuhören.

Auf sechs CDs und in fast siebeneinhalb Stunden liest sie Lara Jeans Geschichte vor. Die Regie übernahm Wolfgang Stockmann, der ebenso wie Landa aus der Theaterszene stammt. Im großen und ganzen hat auch er seinen Job gut gemacht, denn wer das Buch nicht kennt, wird wohl nur an wenigen Stellen bemerken, dass es sich bei dieser Lesung um eine gekürzte Fassung handelt. Besonders viele Szenen mit Lara Jeans älterer Schwester, dem Altersheim und John fehlen. Was leider bedeutet, dass wenn ihr Teil eins nur als Hörbuch gehört habt, ihr in Teil zwei – P.S. I still love you – nur bedingt verstehen werdet was gerade passiert. So dass euch dann nur übrig bleibt To all the boys I loved before doch noch zu lesen.

Die Frage: „Sollte ein Hörbuch ein Buch ersetzen können?“ und weitere Informationen zur Reihe

Natürlich sollte man sich beim bewerten dieses Hörbuchs fragen ob es überhaupt die Aufgabe des Hörbuchs ist das eigentliche Buch komplett ersetzten zu können? Sollte es nicht nur unterhalten, so wie auch eine Verfilmung uns mehr unterhalten soll, als sich penibel an jedes kleine Detail des Buchs zu halten? Ich persönlich finde es immer komisch, wenn man sich bereits die Mühe macht ein siebeneinhalb Stunden langes Hörbuch aufzunehmen und dann die letzte halbe Stunde oder vielleicht noch ganze Stunde, die fehlen würde, damit das Buch komplett ist, einfach rausschneidet. Natürlich, das Hörbuch ist auch ohne John und Stormy einigermaßen vollständig, aber ernsthaft, die wenigen Seiten die Fehlen machen, nun ja, den Kohl auch nicht mehr fett – um es flapsig auszudrücken. Außerdem würde es allen Hörern des Hörbuchs ermöglichen direkt in Band zwei einzusteigen und weiterzulesen, bevor es ein zweites Hörbuch gibt, bzw. falls es überhaupt eins geben sollte.

“It’s not like in the movies. It’s better, because it’s real.”
― Jenny Han, To All the Boys I’ve Loved Before

Betrachtet man das Hörbuch einfach nur als ein Mittel um die Grundhandlung losgelöst zu erzählen, so muss man dem Team eingestehen, dass es eine wirklich sehr gute Leistung erbracht hat. Es fällt nicht auf, dass es Kürzungen gab, denn auch so wirkt die Handlung noch kohärent. Landas Stimme ist wirklich fantastisch gewählt und versprüht einen jugendlichen Charm, dem eine gewisse Sehnsucht nach der großen Liebe innewohnt ohne kitschig zu wirken. Naja, ein wenig kitschig, dies ist jedoch der Handlung von To all the boys I loved before geschuldet.

Wie bereits erwähnt besteht die Reihe bisher aus zwei Bänden, von denen Band ein unter dem Originaltitel in Deutschland bereits veröffentlicht wurde. Für Band zwei gibt es in der Deutschen Fassung noch keinen Erscheinungstermin, obwohl das Buch bereits in der Englischen Fassung erschienen ist. Ein dritter Band – Always and Forever, Lara Jean – ist für April nächsten Jahres angekündigt.

Im Grunde ist meine Empfehlung für oder gegen das Hörbuch gar nicht so unentschlossen, wie es bis hierher vielleicht klingen mag. To all the boys I loved before ist ein fantastisches Hörbuch, welches ich mir sicherlich noch häufiger anhören werde. Landa ist fantastisch und die Geschichte enthält genug Kitsch, Drama und Humor um als romantische Komödie zu gelten, ohne vollkommen schmalzig zu werden. Eine sehr schöne Produktion und eine echte Alternative zum Buch.

To all the boys I loved before | Hörbuch | 2016 | cbj audio | Bei Amazon kaufen


Dieses Hörbuch wurde mir von cbj audio zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.


Weiterhin in der Reihe erschienen:

0

Eine Sammlung von Geschenken: Adventskalender [SaSo]

Am heutigen Sammlungssonntag sprechen wir über Adventskalender, den ob ihr es glaubt oder nicht, nächste Woche Donnerstag ist bereits der erste Dezember und somit der erste Tag an dem eure Liebsten einen Törchen öffnen dürfen. eine der wichtigsten Fragen vor der Adventszeit ist immer: Kaufen oder selber Basteln. Wie haltet ihr es? Mittlerweile kann man ja wirklich viele verschiedene Adventskalender kaufen. Egal ob Teekalender, Pralinen oder Bier [ich mache keine Scherze], für jeden Geschmack ist etwas dabei. Für alle, die einen gekauften Kalender zu unpersönlich finden, für die habe ich ich heute ein paar Tipps, denn dass schwierigste am Kalender ist der richtige Inhalt. Nicht wahr?

Einen Adventskalender basteln

Natürlich gibt es sehr viele schöne Kalender, die man selber befüllen kann, aber erst ein komplett selber gebastelter Kalender macht so richtig etwas her.

Adventskalenderinspirationen zum selber Basteln.

Der Klassiker am Ast von La Petite Cuisine; weiß-schwarzer Adventskalender von Meine Svenja; Adventskalender aus Tüten zum Hinstellen von Lieber Backen; bei Tabula Rosi kommen die Adventskalendergeschenktüten an die Wand; bei mir gab es Schneemänner nach einer Vorlage von Minieco und Spaaz.

Sowohl der Adventskalender, der an einem Ast befestigt wird, als auch der bei dem Toilettenpapierrollen gesammelt und befüllt werden, gehören wohl zu den Bastelklassikern schlechthin. Aber besonders die Idee Frühstücktstüten zu nehmen, diese zu verzieren und dann zu befüllen, ist wirklich sehr hübsch, schnell umsetzbar und vor allem dekorativ. So oder so gilt jedoch für jeden Adventskalender: Die Verpackung muss groß genug sein für eure Geschenke. Wenn ihr noch nicht wisst, was in den Kalender soll, dann könnt ihr euch später bei der Befüllung nach der Größe der Beutel, Rollen, etc. richten. Stellt ihr später fest, dass ihr etwas in den Kalender geben wollt, welches dann doch zu groß ist, so könnt ihr das jeweilige Törchen einfach mit einem Gutschein befüllen und das eigentliche Geschenk später hervorzaubern.

Dieses Jahr habe ich mich tatsächlich mal für einen relativ einfachen Kalender entschieden. Die einzelnen Geschenke wurden in buntes, weihnachtliches Geschenkpapier eingeschlagen und dann mit selbstgemachten Etiketten aus meinem Etikettiergerät beklebt:

Adventskalender müssen nicht aus komplizierten Basteleien bestehen: Auch bunt verpackte Geschenke machen viel her.

Einen Adventskalender befüllen: Kreativ und Praktisch

Doch nicht die Frage: „Wie soll der Adventskalender aussehen?“, ist von Bedeutung, sondern viel mehr die Frage: „Womit befülle ich den Kalender?“ Die Antwort richtet sich natürlich danach für wen man den Kalender befüllt. Kinder? Beste Freundin? Partner? Mutter?

Generell gilt: Was für Interessen hat diese Person? Was für Vorlieben hat er / sie? Wie viel Geld wollt ihr ausgeben? Den meisten Menschen macht ihr bereits damit eine Freude, dass ihr daran gedacht habt einen Adventskalender zu schenken. Bonuspunkte gibt es dabei immer dafür, wenn ihr ihn selber gestaltet habt.

Konkret eignen sich diese Dinge sehr gut zum befüllen eines Adventskalenders:

  • Süßigkeiten: Beispielsweise gemischte Tüten mit unterschiedlichen Schokoriegeln von Aldi / Lidl
  • Tee: Kauft unterschiedliche Sorten und mischt die Beutel gut durch
  • Badezusätze: Bei DM, Rossmann und ähnlichen Drogeriemärkten gibt es eine große Auswahl an Badezusätzen (Beutel, Badekugeln, Badestangen, Badesalz in kleinen Flaschen)
  • Witziger Krimskrams: Bei Kodi, Tedi und ähnlichen Ketten findet ihr viele witzige Kleinigkeiten. Egal ob Bastelkram, Spielzeug oder Scherzartikel, hier findet ihr auf jeden Fall etwas
  • Spielzeug aller Art
  • Nützliches: Socken, Erkältungsschutz, Handcreme, etc.

Generell ist es immer gut kleine Geschäfte, die Krimskrams anbieten, aufzusuchen und Produkte in kleinen Verpackungsgrößen von DM und Rossmann zu nutzen. Außerdem macht es Sinn Nützliches und Spaßiges miteinander zu mischen. Schenkt niemandem einfach nur Socken und Duschzeug, sondern mischt Spielzeug und tollen Tee mit hinein.

Gute Kombinationsmöglichkeiten sind zum Beispiel:

  • Für Kreative: Diverse Bastelsachen (Washitape, tolles Papier, Scheren, Klebe, Sticker, …)
  • Für Köche: Diverse Gewürze, besondere Zutaten (Achtung, achtet auf Verderblichkeit) und unterschiedliche Rezepte zum beispiel auf schön gestalteten Rezeptkarten
  • Für die Winterzeit: Tee, Badezusätze (achtet darauf, dass die Person, die ihr beschenkt eine Badewanne hat) und Mittel, die Erkältungen vorbeugen
  • Für Naschkatzen: viel, viel Süßes

Wenn ihr wisst, dass jemand auf Japanische und Koreanische Marken steht (Gudetama, Hello Kitty, Molang, Rillakuma, …) lohnt es sich immer nach Kleinkram bei Aliexpress zu suchen. Aber Vorsicht, die Waren brauchen bis zu zwei Monaten, so dass eine solche Befüllung langfristig geplant werden sollte.

Ich habe in den letzten Jahren meinem Freund beispielsweise einen Adventskalender mit unterschiedlichen Teesorten, Filmen für seine Analogkamera und Pokémonfiguren befüllt. Einer meiner Lieblingskalender als Kind war einer bei dem ich jeden Tag ein Matchbox-Auto bekam und zu Weihnachten einen Stadtteppich und ein Parkhaus erhielt (oh ja, ich bin ein Mädchen, welches sehr gerne mit Autos gespielt hat xD).

0

Blood & Ink: Die Bücher von Timbuktu [Buchrezension]

In einer Zeit, die geprägt ist von Furcht vor dem Islam, versucht Stephen Davies in seinem Jugendbuch Blood & Ink Motive bon Attentätern und Besetzern, den arabischen Frühling und dessen Konsequenzen und die wirkliche Ausrichtung des Islam für Kinder und Jugendliche aufzubereiten.

Blood & Ink: Die Bücher von Timbuktu

Der Roman Blood & Ink erzählt die Geschichten von Kadija und Ali, die sich 2012 zufällig, sich als Gegner gegenüberstehen und versuchen die Beweggründe des jeweiligen anderen zu verstehen. Kadija ist dabei ein fünfzehnjähriges Mädchen, welches mit seiner Familie in Timbuktu lebt und auf einen Teil der wertvollen Handschriftsammlung aufpasst, die über tausende von Jahren überliefert wurden.

Der sechszehnjährige Ali wiederum ist Mitglied der Dschihadisten, die Timbuktu innerhalb kürzester Zeit einnehmen und alles zerstören wollen, was ihrer Meinung nach nicht Teil des wahren Glaubens ist. Dazu gehört das zerstören der Nachtclubs, das Verbot Musik zu hören oder als Frau unverschleiert umherzulaufen. Und natürlich sind auch die bösartigen Handschriften etwas, dass die Verteidiger des Glaubens keinesfalls innerhalb der Stadtmauern dulden können.

Doch so schwarz-weiß, wie die Motive der einzelnen Beteiligten zu Beginn wirken, sind sie gar nicht. Für Ali ist der Kampf gegen den falschen Glauben tatsächlich eine Herzensangelegenheit und gleichsam eine Möglichkeit seiner verarmten Familie eine bessere Zukunft zu bieten. Zudem muss er schnell feststellen, dass seine Vorstellungen wie man den islamischen Glauben weiter verbreiten und reformieren kann, weit von dem entfern, was die Dschihadisten vorhaben, die am liebsten alle Ungläubigen mit Gewalt und wenn es sein muss auch dem Tod bestrafen wollen.

Die Einzelheiten der Invasion habe ich erfunden und dabei die Hauptregel des Romanschreibens verwendet: Im Zweifelsfall Ninja hinzufügen.

Die Geschichte von Davies basiert hierbei lose auf wahre Begebenheiten. Timbuktu wurde 2012 tatsächlich eingenommen und es gab viele Verbote, die mit großer Gewalt durchgesetzt wurden. Auch die Handschriften, die eine äußerst wichtige Bedeutung für die Stadt innehaben, gibt es wirklich und sie wurden unter großen Mühen beschützt.

Doch nicht nur setzt er auf realen Ereignissen auf, er versucht auch zu erklären welche Motive die beiden Seiten haben. Weshalb melden sich junge Menschen freiwillig für einen Glaubenskrieg, ist nur eine der Fragen, die er zu antworten versucht. Vor allem versucht er zu zeigen, dass der Islam als solches eine Religion wie jede andere ist, der selbst von Fanatikern ebenso bedroht wird, wie jede andere Kultur der Welt.

Hierbei konzentriert er sich in klaren Worte darauf zu zeigen wie die Bevölkerung unter den Regeln leidet und mit welchen Mitteln Dschihadisten gegen Anhänger ihrer eigenen Religion vorgehen. fast möchte man meinen, dass jene „ungläubige“-Muslime noch mehr hassen, als alle Anhänger anderer Religionen. So schafft es Davies noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir im Kampf gegen Fanatiker und deren Terror alle auf der selben Seite stehen, egal welcher Religion wir angehören und gerade viele Muslime sehr viel mehr unter Dschihadiste zu leiden hatten als Christen und Juden.

Besonders beeindruckend wird seine Leistung dadurch, dass er diese Tatsachen für Kinder und Jugendliche zusammenträgt und sie vereinfacht, ohne die Komplexität der Problematik zu untermauern. Ein fantastischer Roman, der perfekt in unsere Zeit passt und der für mehr Frieden unter den Menschen wirbt.

Blood & Ink | Stephen Davies | Aladin Verlag | 2016 | 288 Seiten | Bei Amazon kaufen


Blood & Ink wurde mir freundlicher Weise vom Aladin Verlag (Carlsen) zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung über diesen Roman nicht beeinflusst.

0

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind [Filmrezension]

Neun Jahre nachdem J.K. Rowling ihr letztes Werk der Harry Potter-Reihe veröffentlicht hat, entführt sie uns nun in ein vollkommen neues Abenteuer rund um den Magiezoologen Newt Scamander: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind: Newt und Tina müssen zusammenarbeiten.

Credits: Warner Bros.

Rowling entführt uns nun in das Jahr 1926 – also eine Zeit gut 70 Jahre vor der Handlung der Harry Potter-Reihe – in der der Britische Forscher Newt Scamander gerade mit einem Koffer voller magischer Wesen in New York eingereist ist. Es kommt wie es kommen muss: Newt und ein Muggle namens Jakob verwechseln ihre Koffer und der überraschte Nichtmagier sieht sich plötzlich einem Haufen sonderbarer Kreaturen gegenüber, die er nun gemeinsam mit Newt wieder einsammeln muss.

Beiläufig hören wir immer wieder, dass die ersten Nichtmagier vermuten, dass es noch immer Magier gibt, so dass eine Art Hexenjagd veranstaltet werden soll. Auch wird darüber spekuliert wo Grindelwald, ein schwarzer Magier, der jahrelang ganz Europa terrorisiert hat und nun plötzlich verschwunden ist, eigentlich steckt und ob er als nächstes Amerika attackieren möchte.

Genau soviel hat auch der erste vollständige Trailer über Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind verraten. Auch wusste man zu dem Zeitpunkt bereits, dass David Yates, der als Regisseur bereits für die letzten vier sehr guten Harry Potter-Filme verantwortlich war, auch mindestens den ersten Teil dieser fünfteiligen Reihe umsetzen würde. Die Musik kommt von James Newton Howard, der als neues Mitglied dem Harry Potter-Team beitritt und vorher beispielsweise die epische Musik für die Tribute von Panem-Filme oder für Nightcrawler schrieb.

Auch neu im Team ist Kameramann Philippe Rousselot – Sherlock Holmes (2009 / 2011). Dafür kommt der Schnitttechniker Mark Day zurück, der bereits an den letzten vier Harry Potter-Filmen mit Rowling und Yates arbeitete.

Auch überraschend natürlich ist die Tatsache, dass dieser Film nicht auf einem von Rowlings Büchern basiert, sondern auf einem von ihr alleine verfassten Drehbuch. Ein Novum für sie. Die bisherigen Drehbücher entstanden immer in Zusammenarbeit mit anderen Autoren oder wurden – im Falle von Das verwunschene Kind – von anderen Autoren verfasst.

Aber ist Phantastische Tierwesen nun wirklich ein guter Film?

Die Befürchtung, die die meisten Leser der Reihe bisher umgetrieben hat, war natürlich nach der Frage der Qualität des Films und der Handlung. Natürlich, dass Team hinter dem Film ist fantastisch und wir wissen, dass es großartige Schauspieler, schnelle Schnitte, eine angenehme Kameraführung und natürlich epische Musik haben wird. All dies könnte jedoch auch einen Film wie Transformers hervorbringen, wenn die Handlung nicht gut erzählt wird. Außerdem muss diese Erzählung nicht nur für einen Film, sondern für ganze fünf reichen und somit eine komplett neue Serie ins Rollen bringen.

Kurz gesagt: Dieser Film ist wirklich phantastisch. Eddie Redmayne ist ein sehr sympathischer Newt Scamander, der sich so leicht von nichts aus der Ruhe bringen lässt, aber eigentlich sich lieber in aller Ruhe um seine Tierwesen und deren Erhalt einsetzen würde, als gegen Grindelwald in die Schlacht zu ziehen. Katherine Waterston war eine tolle Tina, die den Film um tolle emotionale Momente bereichert hat und natürlich darf man Dan Fogler als Jacob – den ersten Nichtmagier in einer wichtigen Rolle – nicht vergessen, der alleine durch seine Gesichtsausdrücke für einen Großteil der wirklich komischen Momente verantwortlich war.

Gemeinsam erzählen diese Figuren – und ihre Schauspieler – eine sehr viel leichtere Handlung als die, die den Harry Potter-Filmen zu Grunde liegt, da es eben nicht darum geht Voldemort aufzuhalten, sondern lediglich ein paar Tierwesen wieder einzufangen. Und dies in dem wirklich sehr schönen Szenario der 20er-Jahre.

Gleichzeitig schafft es Rowling eine Gefahr mit einzubringen, die im Hintergrund immer wieder sichtbar ist und über allen Handlungen der Protagonisten schwebt, denn die Ruhe täuscht. Genau dieser Kunstgriff ist es, der dafür sorgt, dass man zuversichtlich sein kann, dass ihre Geschichte auch über vier weitere Filme hinweg erzählt werden kann. Dabei werden wir vermutlich sehr viel über Dumbledore und Grindelwald erfahren, über die Vergangenheit der magischen Welt und vielleicht sogar mehr über die Zeit erfahren, die Voldemort hervorgebracht hat. Ich kann es auf jeden Fall kaum erwarten Teil zwei zu sehen.


Wer nicht immer wieder ins Kino gehen mag, kann sich die englische Fassung des Scripts übrigens bei Amazon bestellen.

0

London: Ein Uralte Metropole Roman [Rezension]

Einmal abgesehen vom Inhalt des Romans, um den es natürlich später noch gehen wird, ist London von Christoph Marzi ein fantastisches Beispiel dafür wie wichtig ein gutes Cover, ein ausgeklügelter Klappentext und das restliche Layout eines Romans sind. Denn erst nachdem ich mit dem Lesen des Romans begonnen hatte, fiel mir auf, dass er scheinbar ein Teil einer Reihe sein müsste. Dabei weißt weder der Klappentext, noch eine Auflistung innerhalb des Buches darauf hin. Es gibt keine Liste von „weiteren Büchern“ des Autors, wie man sie für gewöhnlich vorne in Büchern findet, wenn es sich um eine Reihe handelt, oder einen Klappentext, der Sätze wie „Das Ende einer Saga“ enthält.

Die Hinweise „Der Autor von Lycidas“, oberhalb des Autorennamen auf dem Cover kann lediglich darauf verweisen, dass es sich hierbei um einen weiteren Roman Marzis handelt und auch „Ein Uralte Metropolen Roman“ schreit nicht unbedingt „Ich bin ein Teil einer Reihe“, zumal heutzutage viele Bücher einen Zusatz unter dem Titel besitzen und dieser Roman eben – wie der Klappentext zusammenfasst – in den Uralten Metropolen spielt.

Christophs Marzis neuer Roman über die Uralte Metropole, die sich unter den Straßen Londons erstreckt.

Natürlich, ich hätte vorher recherchieren können wer der Autor ist, was er vorher geschrieben hat und ob dieses Werk ein Teil einer Reihe sein könnte. Doch wer tut dies, wenn man ein Buch in einer Buchhandlung sieht. Zum Glück für Heyne lässt sich dieses Buch auch als eigenständiger Fantasie-Roman lesen, dessen Vorgängerbücher somit eine Art Prequel darstellen können.

Alles auf Anfang: London ist verschwunden!

Emily Lainge wartet in Cambridge auf einen Zug nach London, der niemals erscheint. Wie sie bald feststellen muss ist sie die einzige Person, die sich an die Stadt London erinnert, während alle anderen Menschen zu glauben scheinen, dass Oxford die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs ist. Einzig die beiden seltsamen alten Damen, die plötzlich vor Emily auftauchen scheinen ihr zu glauben, doch bevor sie die beiden weiter befragen kann, wird sie von ihnen betäubt und wacht plötzlich in einer Londoner U-Bahn-Station auf.

Wittgenstein, ein Alchemist und Emilys Mentor, widmet sich, als die vollkommen verwirrte Emily in sein Haus stürmt, gerade einem viel wichtigeren Problem, denn so wie es aussieht scheint sich London nach und nach aufzulösen. Ganze Stadtteile scheinen zu verschwinden und in den restlichen kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Bevölkerung, die bereits erste Tode mit sich gezogen haben.

Um zu klären ob es einen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen gibt müssen Emily und Wittgenstein weit hinab in die Tiefen von Londons Untergrund steigen. Dorthin wo sich die Uralte Metropole mit ihren geheimen Geschäften, Häusern und Wesen verbirgt.

Reihe oder Roman: Emily ist erwachsen geworden

Marzis fünfter Roman der Uralten Metropolen-Reihe liest sich wie eine sehr gut durchdachte Fantasiegeschichte. Die Uralte Metropole, ihre Bewohner und ihre Dynamik ergeben ein sehr gutes Gesamtbild. Die Figuren werden jeweils eingeführt, ihre Fähigkeiten, ihre Vergangenheit und ihre Beziehungen erklärt, bevor sie sich richtig ins Abenteuer stürzen.

Dies ist nicht nur für diejenigen wichtig, die den Roman als Einzelwerk lesen, sondern auch jene, die die Reihe gelesen haben. Schließlich liegen zwischen dem Erscheinen von Somnia, dem Vorgängerwerk von London, und dem fünften Roman acht Jahre. Eine Zeit in der Leser sich durchaus an einige Details nicht mehr erinnern können und die Auffrischung durchaus gerne hinnehmen. Außerdem hat sich die Protagonistin weiterentwickelt. Sie ist erwachsen und unabhängig geworden. Das kleine Mädchen, was einst gerettet werden musst, kann sich nun selber retten und beschützen.

Und mit ihr ist auch der Erzählstil gereift. Erzählt wird keinesfalls eine fantastische Geschichte für Kinder, sondern ein ausgeklügelter Fantasieroman indem es um Macht und Politik, Verschwörungen und dunkele Machenschaften geht. Trotz aller Politik und Realität streut Marzi dennoch genug fantastisches in seine Geschichte ein nicht ganz echte Welt zu erschaffen. Eine Welt, die gerade nur wegen der Existenz der Uralten Metropolen existieren kann. Eine Welt in der sich Elfen in Bibliotheken arbeiten und magische Fähigkeiten dort schlummern, wo man sie nicht erwartet.

Kurzum handelt es sich bei London um einen wirklich spannenden Roman, der als Einzelwerk oder Teil einer Reihe gelesen werden kann – so wie er eigentlich erdacht wurde. Die Handlung ist spannend und wortgewand erzählt und zieht den Leser direkt in die Geschichte aus der man gar nicht mehr auftauchen möchte. Bravo, Marzi zeigt, dass Deutsche Fanatsie-Romane nicht kitschig sein müssen, sondern klug und postmodern erzählt werden können.

London | Christoph Marzi | 704 Seiten | Fantasie | 2016 | Heyne | Bei Amazon kaufen

Andere Romane der Reihe:
Lycidas
Lilith
Lumen
Somnia


London wurde mir vom Heyne Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.