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Ins Magisterium mit Charlotte Holmes mit Mangan im Gepäck: Meine Leseliste der ersten drei Monate [SaSo]

Kaum zu glauben, aber das erste Quartal 2017 ist schon wieder um. Es ist schon April und damit Zeit um einen Blick auf die Bücher zu werfen, die ich bisher gelesen habe. Obwohl ich mir vorgenommen habe, dieses Jahr wieder deutlich mehr Literatur für die Zielgruppe „Erwachsene“ und Klassiker zu lesen, habe ich bisher fast nur Jugendbücher und ein paar Manga gelesen. Hoppala!

Bisherige Buchfavoriten: Magisterium, Das Buch der Wunder, The Last of August, Mein Freund Pax, Ano Hana und Eden Summer.

Bilder: Amazon.de

Moonatics

★★☆☆☆ [Sci-Fi] – Arne Ahlert | 2016 | Heyne – Im Grunde geht es um Hipster, die auf dem Mond Leben und frei nach dem Motto YOLO ihr Leben verschwenden. Die Handlung war mir viel zu dünn. – Ganze Rezension zu Moonatics lesen | Moonatics bei Amazon kaufen

Magisterium Band 1-3

★★★★☆ [Young Adult, Fantasy] – Cassandra Clare & Holly Black | 2014 | ONE – Zauberer-Internat mit sarkastischem Erzähler. Sehr tolle Fantasy-Reihe, die ich innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Band vier folgt in diesem Jahr. – Rezension zu Magisterium lesen | Band 1 der Magisteriums-Reihe bei Amazon kaufen

Angstmädchen

★★★☆☆ [Horror, Thriller] – Jenny Milewski | 2017 | Heyne – Sonderbare Ereignisse passieren in einem Studentenwohnheim und niemand glaubt der Protagonistin, bis es fast zu spät ist… Schöne Geistergeschichte ohne große Überraschungen. – Vollständige Rezension von Angstmädchen | Angstmädchen auf Amazon kaufen

Das Buch der Wunder

★★★★☆ [Indie Literatur, Philosophie, Coming of Age] – Stefan Beuse | 2017 | Mairisch Verlag – Tom und Penny sind zwei gegensätzliche Kindern, die an Vernunft und Gefühle glauben. Immer wieder nimmt Penny Tom auf fantastische Reisen in fremde Welten mit, bis sie plötzlich verschwindet und nur noch das Buch der Wunder übrig bleibt. – Vollständige Rezension des Buch der Wunder | Das Buch der Wunder bei Amazon kaufen

The Last of August

★★★★☆ [Krimi, Young Adult] – Brittany Cavallaro | 2017 | Katherine Tegen Books – Die Ur-Ur-Ur-Enkel von Sherlock Holmes und John Watson stürzen sich in ein neues Abenteuer. Sehr guter zweiter Teil der Charlotte-Holmes-Reihe! – The Last of August bei Amazon kaufen

Zelda: Ocarina of Time Band 1+2

★★★☆☆ [Manga, Fantasy] – Akira Himekawa | 2009 | TOKYOPOP – Ocarina of Time als Manga: Link muss Prinzesin Zelda retten und reist dabei ausversehen durch die Zeit… Der Zeichenstil gefiehl mir nicht sonderlich und es gab einige Abweichungen zum Spiel. – Zelda: Ocarina of Time Band 1 bei Amazon bestellen

Eden Summer

★★★☆☆ [Jugendbuch, Young Adult, Thriller] – Liz Flanagan | 2017 | Aladin – Jess beste Freundin verschwindet und nur Jess glaubt daran, dass sie Eden, die beliebte Highschoolschülerin, wiederfinden wird. Gut geschriebenes Jugendbuch. Punktabzug gibt es für übertriebene Dramatik. – Vollständige Rezension von Eden Summer lesen | Eden Summer bei Amazon bestellen

Ano Hana

★★★★★ [Manga, Romance, Drama] – Mitsu Izumi | 2016 | TOKYOPOP – Nach dem Tod von Menma haben sich die fünf übrigen Freunde immer weiter voneinander entfernt. Mit sechzehn haben sie gast alle keinen Kontakt mehr zueinander und besonders Jinta leidet sehr darunter. Bis Menma plötzlich als Geist vor ihm erscheint und ihn bittet ihren letzten Wunsch zu erfüllen. Nur blöd, dass nur Jintan sie sehen kann… Vermutlich der perfekte Manga: Gleichzeitig super witzig und unfassbar traurig. Eine sehr schöne Liebesgeschichte, die selbst den Tod überdauert. – Ano Hana bei Amazon bestellen

Mein Freund Pax

★★★★☆ [Jugendbuch, Kinderbuch] – Sara Pennypacker | 2017 | FISCHER Sauerländer Verlag – Peter und sein Fuchs Pax sind beste Freunde. Bis der Krieg kommt und beide getrennt werden. Nun gibt es nur noch ein Ziel für die beiden: Wieder zusammen sein. Ein nachdenkliches und sehr schönes Buch über Krieg, Frieden und Füchse. – Vollständige Rezension von Mein Freund Pax lesen | Mein Freund Pax bei Amazon bestellen

Bisherige Lieblingsbücher 2017

Im Durchschnitt habe ich bisher 3,6 Sterne verteilt, was entweder zeigt, dass ich zu unkritisch bin, oder wirklich sehr viele gute Bücher gelesen habe. Besonders die Magisteriums-Reihe, The Last of August und Ano Hana kann ich wirklich jedem empfehlen. Gerade lese ich Hundert Stunden Nacht, von dem ich auch sehr begeistert bin!

8

Mein Freund Pax: Ein Buch über Krieg, Hoffnung und Füchse [Buchrezension]

Peter und sein Fuchs Pax sind unzertrennlich. Bis der Krieg kommt und Peter gezwungen wird seinen Fuchs auszusetzen. Schnell wird ihm klar, dass dies der größte Fehle seines Lebens war. Und so macht er sich auf den Weg um seinen besten Freund zu retten.

Das Jugendbuch Mein Freund Pax überzeugt durch seine wundervolle Handlung und die liebevollen Illustrationen.

Es gibt kaum eine Liebe, die größer ist als die zwischen einem Kind und seinem Haustier. Auch für den zwölfjährigen Peter in Mein Freund Pax sieht dies nicht anders aus. Erst recht nicht, da er seinen Hausfuchs Pax als Welpen gerettet und selber aufgezogen hat.

Doch als sein Vater dazu aufgerufen wird als Soldat im Krieg zu dienen und Peter zu seinem Großvater ziehen soll, muss er Pax aussetzen. Noch am selben Abend wird ihm klar, dass dies das schlimmste ist, was er jemals getan hat und, dass er zurück zu seinem besten Freund muss. Jedoch ist der Wald indem der Fuchs ausgesetzt wurde fast 300 Kilometer entfernt und Peters Großvater wird ihm niemals helfen dorthin zu kommen.

Peter tut also das einzige, was ihm übrig bleibt: Er macht sich alleine auf den Weg. Eine beschwerliche Reise beginnt.

Zwei Perspektiven, ein Ziel

Was dieses Buch so grundlegend besonders macht ist, dass die Geschichte nicht nur von Peter erzählt wird, sondern auch aus der Sicht von Pax. Dem Fuchs, der seinen Menschen kennt und genau weiß, dass er zu ihm zurückkommen wird. Dem Fuchs, der noch nie auf sich alleine gestellt war und nun lernen muss zu jagen und sich gegen die anderen Füchse im Wald zu behaupten. Besonders gegen Bristle und ihren kleinen Brunder Runt.

Allein durch die Tatsache, dass Pax ein Fuchs ist und nicht immer begreift wie die Welt um ihn herum funktioniert, driftet seine Erzählstimme immer in eine Richtung ab, die beinah episch, poetisch erklärt was geschieht. Die seltsamen Gerüche, die plötzlich aus dem Boden dringen und die Erde, die von den Menschen zerfetzt wird. „Es ist der Krieg.“, erklärt der alte Fuchs, den Pax trift, während er am ausharrt. Der Krieg, den weder Pax noch Peter begreifen.

Wundervolle Handlung und liebevolle Fuchsillustrationen

Natürlich wird für viele das Cover mit dem sehr niedlichen Fuchs als Verkaufsargument ausreichen. Spätestens, wenn man das Buch aufschlägt und feststellt, dass auch innerhalb der Geschichte immer wieder sehr feine Illustrationen mit liebevollen Details auftauchen, ist man jedoch von diesem Buch überzeugt.

Doch, es ist nicht nur ein hübsch gestaltetes Jugendbuch, welches von dem äußerst talentierten Jonathan Klassen bestückt wurde, sondern vor allem eines, welches das Herz berührt und welches man nicht mehr aus der Hand legen möchte. Die Geschichte über Freundschaft und die Auswirkungen des Krieges, ist fesselnd und beeindruckend umgesetzt. Ein solch schwieriges Thema in Worte zu fassen, die Kinder und Jugendliche nachvollziehen können, gehört zu einer der größten Herausforderungen, denen sich Sara Pennypacker in Mein Freund Pax stellen musste.

Sie schaft es durch Bilder, Gespräche und die naive, fast schon poetische Haltung des Fuchses, das Thema Krieg in ein für Kinder greifbares Ding zu verwandeln. Es ist nicht mehr nur ein abstrakter Gegenstand, über den man etwas gehört hat. Nein, er hat konkrete Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Beziehungen, Verhalten und die Natur. Wie diese aussehen können beschriebt sie in ausgewählten Worten.

Dabei werden ihre Bilder an manchen Stellen etwas zu plastisch, so dass man sich fragen kann ob das empfohlene Lesealter von mindestens zehn Jahren nicht etwas zu niedrig angesetzt ist. Alles in allem handelt es sich jedoch um ein Buch, welches nicht nur junge Kinder, sondern vor allem Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen anspricht und verzaubert, eben weil es sich auf eine relativ simple, aber vor allem geschickte Art mit schwierigen Themen auseinandersetzt, die uns alle gleichermaßen berühren. Gerade in der heutigen Zeit, in der der Krieg, vor dem so viele Flüchtlinge fliehen, nur noch ein abstrakter Gegenstand ist, der immer wieder in den nachrichten angeschnitten wird, ist es wichtig, Kindern verdeutliche zu können, was es bedeutet, wenn Krieg herrscht.

Genau dies schaft Pennypacker und das auch noch mit zwei liebenswerten Protagonisten und vielen wunderbaren Füchsen.

Mein Freund Pax | Sara Pennypacker | 2017 | 304 Seiten | FISCHER Sauerländer Verlag | Bei Amazon kaufen


Mein Freund Pax wurde mir als Rezensionsexemplar von FISCHER Sauerländer zur Verfügung gestellt.

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Otago: Spaceman Spiff in Englisch? [Musikrezension]

Hannes Wittmer, besser bekannt als Spaceman Spiff, verzaubert seit 2009 mit poetischen Texten und melancholischen Gitarren-Klängen. Nun wechselt er mit seiner Band Otago vom Singer-Songwriter zur experimentellen Indieband und vom Deutschen ins Englische. Der Versuch eine Rezension zu schreiben.

Otago, das neue Bandprojekt von Hannes Wittmer - Spacemann Spiff.

Ab hier hört dieser Text auf auch nur zu versuchen journalistisch zu sein. Musik ist ein Herzensthema von mir, dass genau deswegen so wenig von mir behandelt wird, weil ich selten Worte finde, die ausdrücken wie ich mich fühle, wenn ich Musik höre. Ich kann nicht ohne sie. Gute Musik ist wie Luft zum Atmen. Punkt.

Und gerade die Alben von Spaceman Spiff gehören seit Jahren mit zu meinen festen Begleitern. Sie laufen irgendwo im Hintergrund, werden lauthals mitgesungen und von mir immer wieder in den Raum geworfen, wenn Menschen behaupten, dass es keine gute Deutsche Musik mehr gibt.

Dabei zeigt Hannes Wittmer besonders schön wie facettenreich die Deutsche Sprache klingen kann. Wie viel Wortwitz in kleinen Silben liegen kann und wie man mit winzigen Bemerkungen ganze Geschichten erzählen kann. Immer unterlegt mit wunderbarer Gitarrenmusik oder minimalistischen Instrumenten, die den Text tragen ohne ihn übertrumpfen zu müssen. Nachdem es seit 2015 eher still um Wittmer geworden ist, kann man sich vorstellen wie sehr ich mich freute, als der Mairisch Verlag ankündigte, dass ein neues Album erscheinen würde. Zwar mit neuer Band und in einer anderen Sprache, aber immerhin ein neues Album.

Wortspiele funktionieren in der eigenen Sprache einfach besser

Und dann hielt ich endlich das Album Otago, was genauso heißt wie die Band dahinter, in der Hand und hörte es zum ersten Mal. Dann zum zweiten Mal. Beim dritten Mal stellte sich bei mir langsam das Gefühl ein, dass sich bei mir kein Gefühl einstellen würde. Mit Wörtern elegant zu spielen funktioniert nun einmal in der eigenen Sprache sehr viel besser als in einer, in der man fremd ist.

i go too slow when i walk
i’m way too fast when i run
i get so cold in the night
but i’m always hot in the sun
– Otago – A silent Smile

Mit Wörtern wird auf diesem Album sehr wenig gespielt. Wenn dann eher mit Phrasen, die man in amerikanischen Liedern immer und immer wieder gehört hat, die neu zusammengewürfelt und kombiniert wurden. „I’ll be honest if you let me but if you need me to lie I’ll try“ aus Battles ist mit Abstand die schönste Strophe des Albums, aber damit noch meilenweit von „schon das xte mal / die Hacken meiner roten Schuhe / dreimal zusammengeschlagen / und ich bin immer noch hier“ (Yellow Brick Road) entfernt.

Stattdessen gibt es immer wieder Wiederholungen der gleichen Worte, ein paar unschöne Reime und relativ kurze Texte, die relativ wenig sagen. Leider, den dass Hannes Wittmer wirklich gelungene Texte formulieren kann hat er bereits auf drei Alben bewiesen.

Vermutlich könnte ich über die seichten Lyrics hinwegsehen, wenn da nicht die sonderbar oberflächlichen Melodien wären, die zwar versuchen mit Instrumenten und Geräuschen zu spielen, sich dann jedoch in recht simplen Musikstücken verlieren, die man irgendwie schon mal gehört hat.

Die Stimme wird mit Echos und elektronischen Geräuschen unterlegt, die diese sonderbar flach wirken lässt. Auch scheint Otago bemüht zu sein möglichst glatt zu singen. Dabei sind es genau die Ecken und Kannten in Wittmers Stimme, die seine Musik bisher so spannend gemacht haben. Da werden Töne mal nicht perfekt getroffen oder etwas zu sehr hinausgepresst, aber eben weil sie mit Wut oder Fraglosigkeit untermalt sind. Weil er fragt was wird, wenn nichts mehr übrig ist und ob man dann einfach weitermachen kann. Seine Lieder funktionieren, da man ihm diese Emotionen abnimmt.

Otago hingegen wirkt von allen Emotionen befreit. Es geht viel mehr darum mit Musik zu experimentieren und zu gucken was passiert, wenn man nur Perkussions für eine Minute im Hintergrund hört, wie in A Silent Smile, die nur durch wenige Instrumente nach und nach ergänzt werden. Es geht darum wenig Text in viel Musik zu hüllen und über die Gitarre hinaus Lieder zu erschaffen. Und vor allem geht es darum sich von Spaceman Spiff zu trennen und etwas neues zu schaffen.

Anders als das Erwartete und damit schlechter?

Ist Otago im Vergleich zu gängiger Popmusik ein schlechtes Album? Nein, auf keinen Fall, dafür wagt es zu viel. Trotz allem versucht es mit Melodien und Instrumentzusammenstellungen zu spielen und etwas neues zu schaffen. Das komplette Album ruft laut: „Ich bin anders.“ Es ist anders als andere Deutsche Musik und anders als viele andere Indiebands. Otago ist aber auch anders als Spaceman Spiff. Es ist musikalisch etwas neues und auch textlich geht es in eine andere Richtung.

Komm ich mit diesem Album nicht zurecht, weil ich Spaceman Spiff in Englisch erwartet habe? Das mag auf einer Ebene stimmen, aber darüber hinaus finde ich auch keinen anderen Zugang zu dieser Musik. Sie berührt mich nicht und über alles andere hinaus müssen Lieder dies für mich leisten, damit ich sie wieder anhören möchte. Ja, auch die Alben von Spaceman Spiff sind schwer zugänglich, aber schon beim ersten hören nehmen sie einen mit auf eine emotionale Reise, die bei jedem hören tiefer geht. Dies schaft Otago leider nicht und auch wenn ich das Album sicherlich häufiger im Hintergrund laufen lassen werde, ist es doch keines, welches ich aktiv hören will, weil ich mitsingen / mitleiden / mithoffen will.

Otago | Otago | Mairisch | 2017 | Album bei Amazon kaufen


Dieses Album wurde mir von Mairisch zur Verfügung gestellt, es hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Eden Summer: Ein Buch des Dramas [Buchreview]

Jess‘ Leben ist schon kompliziert genug, als ihre beste Freundin Eden plötzlich verschwindet und sie die einzige ist, die daran glaubt, dass Eden noch lebend gefunden werden kann. nach allem was mit Iona passiert ist kann Edens Familie wohl kaum noch ein weiteres Unglück überstehen.

Das Jugendbuch Eden Summer von Liz Flanagan.

Eden Summer ist der erste Roman von Liz Flanagan. Das Jugendbuch rund um die Oberschülerin Jess folgt den Ereignissen rund um Edens Verschwinden und Jess‘ verzweifelter Suche nach ihrer besten Freundin. Gleichzeitig erzählt Jess jedoch auch von den schlimmen Dingen, die ihr zugestoßen sind und dem zurückgliegenden Sommer, der Eden für immer geprägt hat.

Dabei schafft es Flanagan gleichzeitig eine gewisse Grundspannung aufzubauen und diese zugleich durch übertriebene Dramatik zu zerstören. Es reicht nicht aus, dass Jess ein Trauma hat, nein ihre beste Freundin braucht ein zusätzliches und mit Iona stimmt auch irgendwas nicht. Selbst Liam, Edens Freund, scheint irgendwie belastet zu sein. In dieses Mischmasch aus überdramatischen Ereignissen – die jeder Grey’s Anatomy-Folge Konkurrenz machen würden – wird dann auch noch eine sonderbare Liebesgeschichte und eine sehr merkwürdige Szene mit einer Wahrsagerin geworfen, die absolut unrelevant für die komplette restliche Handlung ist und niemals wirklich aufgeklärt wird. Zusätzlich gibt es Angststörungen, Menschen, die das Haus nicht verlassen, Berührungsängste, Alkoholmissbrauch und sonderbare Dokumente.

Solide geschriebenes Buch für alle, die auf Drama stehen

Bitte nicht falsch verstehen, dieses Buch ist immer noch sehr gut geschrieben und hat einen Spanungsbogen, der den Leser langsam in seinen Bann zieht und der immer wieder die Frage aufwirft, was denn nun eigentlich vorgefallen ist und ob Eden wieder auftauchen wird. Stellenweise fiebert man sogar mit den Figuren mit, bis einem klar wird, dass die komplette Handlung sich mehr oder weniger an einem Tag ereignet und an diesem nicht nur sämtliche schockierenden Familiengeheimnisse entlüftet werden, ein Mädchen verschwindet und Jess nebenbei ihr eigenes Trauma überwinden und sich über ihre romantischen Gefühle einig werden muss.

Wäre Eden verschwunden, nachdem Iona gestorben ist, wäre dies eine vollkommen ausreichende Handlung gewesen. Hätte Jess darüber hinaus ein Trauma gehabt, wäre dies vielleicht auch noch in Ordnung gewesen. Das Mädchen, dass trotz ihrer Angststörung hinausgeht in die Welt um ihre beste Freundin zu finden, während niemand mehr an sie glaubt.

Aber die komplette Hintergrundgeschichte zu Jess ist einfach etwas zu überdramatisch, die Liebesgeschichte ist vollkommen fehl am Platz und auch die Hintergrundgeschichte zu Iona wirkt eher etwas zu übertrieben. Manchmal ist weniger mehr und lässt einen beim Lesen nicht denken: „Nun lass es endlich vorbei sein.“

Dennoch möchte ich noch einmal betonen, dass es sich um ein Buch handelt, dem ich drei von fünf Sternen gebe, denn es ist eben nicht absurd schlecht geschrieben, sondern ganz im Gegenteil sogar recht gut. Auch ist das Buch interessant, wenn auch zu sehr angereichert mit dem kompletten Drama der ganzen Menschheit.

Eden Summer | Liz Flanagan | Aladin | 2017 | 368 Seiten | Bei Amazon kaufen


Dieses Buch wurde mir von Aladin (Carlsen) zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Breath of the Wild: 100% Liebe [Videospielrezension]

Breath of the wild ist eines der besten Videospiele, welches jemals gemacht wurde. Punkt. Geht es euch kaufen. Ausrufezeichen. Genau so klingt genau jede Rezension, die man zu Nintendos neuem Titel Breath of the Wild, der zeitgleich für die Wii U und die neu erschienen Nintendo Switch erschienen ist, liest. Aber ist das Spiel wirklich so fantastisch wie alle sagen? Ein Blick auf Breath of the Wild nach 80 Stunden Spielzeit.

Endlich geht es mit The Legend of Zelda auf der Nintendo Switch mit Breath of the Wild weiter.

Screenshot aus Breath of the Wild von Nintendo

Breath of the Wild beginnt in einem Schrein, indem der Held – Link – nach einem hundertjährigen Schlaf erwacht. Ohne Erinnerungen betritt er ein vollkommen zerstörtes Hyrule. Die Menschen haben dieses Gebiet fast vollständig verlassen, wenn sie das Glück hatten dem alles vernichtenden Krieg zu entgehen. Doch was ist vor hundert Jahren eigentlich geschehen?

Genau so ließe sich grob die Grundhandlung von The Legend of Zelda: Breath of the Wild zusammenfassen. Oder um es kurz zu machen: Link muss wieder einmal Zelda und Hyrule vor Ganon retten. Es ist die Handlung von ungefähr jedem Zelda-Spiel, welches jemals herausgebracht wurde und dennoch ist es nicht einfach ein Klon von Twilight Princess oder Ocarina of Time, sondern es entfaltet seine ganz eigene Welt.

Open World-Spiel mit phänomenalen Gameplay

Allein dadurch, dass das Spiel das erste Open World-Zelda ist, kann es nur anders sein als alle andere Teile. Der Spieler selbst kann bestimmen was er tun möchte. Direkt zum Schloss gehen und versuchen Ganon auszulöschen? Mit dem Pferd tagelang durch Hyrule reiten? Erinnerungen sammeln? Nebenquests erfüllen? Waldgeister unter Steinen hervorziehen? Dem Spieler stehen alle Türen offen und das kann schnell auf die Nerven gehen, den in vielen bereichen gibt es keinerlei Anleitung. Niemand nimmt einen an der Hand und sagt: „Zu diesen Orten musst du reisen um deine Erinnerungen zurück zu bekommen.“ oder gibt uns konkrete Hinweise. Alles muss selber erarbeitet werden. Wer Glück hat und den richtigen NPC zur richtigen Zeit trifft, erfährt wo man hin muss, wie man kocht oder ein Pferd reitet. Man kann natürlich auch einfach ausprobieren was man so alles mit den vielen Knöpfen des Controllers anstellen kann.

Genau dieses macht viele Spieler wahnsinnig, die dann doch daran gewöhnt sind, dass es irgendwo einen roten Pfaden – außerhalb der Haupthandlung, die man in beliebiger Reihenfolge durchlaufen kann – gibt. Es ist aber auch jene Sache, die Breath of the Wild auf eine Stufe zu Spielen wie Mordors Schatten bringt.

Vollkommene Freiheit bedeutet eben genau dies: Die Freiheit alles zu tun und zu erleben, wie es der Held von Hyrule erleben würde. Und dies bedeutet eben auch, dass man zufällig die richtigen Dinge in einen Kochtopf werfen muss um leckeres und vor allem heilendes Essen zu kochen, oder per Zufall einen Ort von einem Foto wiedererkennt. So funktioniert das richtige Leben und wer ein richtiges Abenteuer erleben möchte, der muss eben auch nach Schreinen suchen und bekommt nicht einfach einen fetten leuchtenden Punkt auf einer Karte angezeigt.

Obwohl, um fair zu sein, muss man natürlich zugeben, dass das Spiel die Spieler nicht vollkommen hilflos zurücklässt. Die bereiche der Haupthandlung werden auf der Karte angezeigt und in wenigen Gesprächen findet man zumindest heraus wie man sich gegen die Kält oder Hitze schützt. Ansonsten kann man sich darüber freuen auf wie viele verschiedene Arten man in Hyrule sterben kann und wie schnell man dazu lernt, dass alle Umwelteinflüsse potenziell tödlich sein können. Ob man beim Klettern abrutscht, ertrinkt, vom Blitz getroffen wird, erfriert, verbrennt oder einfach von einem Gegner – und sei er einfach eine Ziege, die man ärgert – besiegt wird, die ganze Welt kann eine potenzielle Todesfalle sein. Und ja, so ist das Leben nun einmal, wenn man versucht im Gewitter einen Berg zu erklimmen oder in einem dünnen Shirt durch den Schnee stapft.

Tolle Grafik, seltsam viele Tasten und atmosphärische Musik

Viele Menschen mögen den papierartigen look nicht, den die letzten Zelda-Titel und besonders Spiele wie Wind Waker hatten. Statt 3D-Animation, die „echte Welt“ schreit, spielt die Reihe schon seit längerem mit einem Stil, der eher versucht wie ein Bilderbuch zu wirken. Persönlich finde ich genau dies sehr, sehr schön, denn das Spiel erzählt eine Geschichte – ein Märchen, wenn man so möchte –, welches durch die gängige 3D-Animation mit highend-Texturen schnell wie jedes andere open World-Fantasy-Spiel wirken würde und nach wenigen Jahren veraltet wirkt.

Stattdessen wagt Nintendo etwas anderes und gibt Breath of the Wild einen Stil, der malerische Landschaften – nun ja – wie gemalt aussehen lässt. Dies erschafft wunderschöne Bildwelten, die man stundenlang betrachten möchte. Einziger Wermutstropfen: Manchmal sind die Animationen nicht ganz auf den Punkt. So greift Link beim Klettern in die Luft.

Auch an die vielen Tasten, die gleichzeitig im Kampf gedrückt werden müssen, wirken im ersten Moment etwas zu kompliziert. Ja, der neue Nintendo Switch Controller hat 18 Tasten, aber müssen sie wirklich alle bei einem Spiel eingesetzt werden? Zudem sind die beiden Joysticks, die auf unterschiedlichen Höhen des Controllers liegen, nicht ganz optimal platziert, aber dafür kann das Spiel ja nichts.

Wenn man sich auf etwas bei Zelda verlassen kann, dann sind es Hühner und Krüge. Und natürlich auch der wirklich sehr gute Soundtrack. In diesem Fall stammt die Musik von Manaka Kataoka, der auch schon den Soundtrack für The Legend of Zelda: Spirit Tracks und Animal Crossing: New Leaf lieferte. Egal in welcher Situation, die Geräusche und Lieder passen perfekt zur Stimmung. Mal schicken die Lieder den Spieler auf die Reise in eine friedlichere Zeit, mal warnen sie ihn vor drohender Gefahr. Dabei werden altbekannte Lieder wie Zeldas Wiegenlied wieder aufgegriffen und subtil erneuert.

Zu recht gehypt?

Es ist vollkommen verständlich, dass Breath of the Wild solch fantastische Rezensionen bekommen hat. Die Grafik und der Sound sind unglaublich beeindruckend. Die komplette Atmosphäre des Spiels ist einfach nur toll. Spieler, die die alten Spiele kennen, werden sich über kleine Details – Die Zitadelle der Zeit, Krogs, Impa – freuen können, während neue Spieler ein wirklich großartiges Spiel vorfinden.

Das Gameplay ist nicht unbedingt revolutionär, zeigt jedoch, dass Nintendo vollkommen in der Gegenwart angekommen ist und nicht nur Spiele für Kinder und casual gamer produziert. Persönlich hätte ich mir noch mehr Handlungsszenen gewünscht, aber da ist ja jeder Spieler anderes.

Nach gut 80 Stunden Spielzeit habe ich die Haupthandlung, 3/4 der Schreine, etwa die Hälfte aller Krogs, alle Erinnerungen und einen guten Teil der Nebenquests erledigt. Aber, nach so vielen Stunden ist eben noch genug in Hyrule übrig, was entdeckt werden kann und was ich entdecken möchte. Und im Zweifelsfall kann man einfach mit seinem Pferd in den Sonnenuntergang reiten und die wundervolle Atmosphäre genießen.

The Legend of Zelda: Breath of the Wild ist für Wii U und Nintendo Switch erhältlich (Jetzt bei Amazon kaufen)

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Nach einer wahren Geschichte: Ein Hörbuch über die Wahrheit

Nach und nach fällt es der Autorin Delphine immer schwerer zu schreiben. Bis sie irgendwann nicht einmal mehr eine E-Mail verfassen kann. Nur ihre Freundin L. was von ihrem Geheimnis, ja, sie ist es sogar die Delphine deckt und ihre Texte verfasst, als jene nicht einmal mehr zwei Worte miteinander verbinden kann.

Nach einer wahren Geschichte vn Delphine De Vigan ist einer der besten Roman, die jemals geschrieben wurden und ein wunderbares Hörbuch, welches man lieben muss.

Delphine hat gerade ihren großen Roman veröffentlicht. Die Geschichte ihres Lebens, die sie schnell zu einer der meist gefeiertsten Autoren Frankreichs machst. Doch immer wieder muss sie sich die gleiche Frage anhören: Wie viel aus dem Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert, entspricht wirklich der Wahrheit und was wurde hinzugefügt? Gleichsam stellt sie sich die Frage, was sie überhaupt noch als nächstes schreiben soll oder vielmehr schreiben kann, denn im Schatten dieses Romans wird jedes andere Buch keine Chance mehr haben.

Mitten in dieser Sinnkrise trifft sie auf einer Party die überaus beeindruckende L., die schnell zu einem festen Bestandteil von Delphines Leben wird, sie als Freundin unterstützt und ihr gleichzeitig immer wieder die Frage stellt, wann sie denn endlich ein neues Buch verfassen wird.

Es ist auch L., die als erstes bemerkt, dass Delphine nicht mehr schreiben kann und nahe zu in Panik verfällt, wenn sie nur einen Brief beantworten soll. Und somit übernimmt L. nach und nach das Schreiben für Delphine. Und obwohl Delphine ihrer neuen Freundin kaum dankbarer sein könnt, kann sie doch nicht das Gefühl abschütteln, dass mit L. irgendetwas nicht stimmt.

Phänomenaler Roman mit unglaublich guter Erzählstimme

Mit Nach einer wahren Geschichte ist Delphine de Vigan ein wahres Meisterwerk gelungen, welches sich mit zwei großen Fragen der Literatur auseinandersetzt. Zum einen thematisiert der Roman den Roman als solches. Er fragt danach was ein Roman leisten kann, was er über einen Autoren aussagt und vor allem wie viel Wahrheit ein Roman enthalten kann. Selbst bei einem autobiographischen Roman schwingt immer die Perspektive des Autors mit und wird uns niemals ein objektives oder wahres Bild liefern können.

Zum anderen fragt Nach einer wahren Geschichte was überhaupt „wahr“ ist. Wann wird etwas zur Wahrheit oder Wirklichkeit? Wenn genug Menschen an etwas glauben, wird es dann wahr? Und wenn dieses Wahre von einem Autor festgehalten wird, entspricht es dann immer noch der Wahrheit oder wird es lediglich zu einer Geschichte, wie jede andere?

„Selbst wenn es geschehen ist, selbst wenn etwas geschehen ist, was dem gleicht, selbst wenn etwas nachprüfbare Fakten sind, bleibt es immer noch eine Geschichte, die man sich erzählt. Wir spielen uns gegenseitig etwas vor. Und im Grunde ist vielleicht das das Entscheidende.“
– Nach einer wahren Geschichte – Delphine de Vigan

Diese Frage nach der Wahrheit ist es, die die Protagonisten immer wieder in Gesprächen thematisieren. Auch sorgen sie dafür, dass Delphine jene Filme und Bücher, die sie sieht und liest, immer kritischer hinterfragt, denn viel zu viele basieren auf wahren Begebenheiten, ohne dass sie kennzeichnen würden, wo die Fantasie aufhört und die Wahrheit beginnt.

Und so ist es auch sie, die Erzählstimme des Romans – und somit des ungekürzten Hörbuchs –, die uns immer wieder darauf hinweist, dass das, was wir gerade lesen, nur ein Roman ist. Eine Geschichte, die zwar für sich beansprucht Nach einer wahren Geschichte entstanden zu sein und dennoch nur ein Roman ist. Dieser unzuverlässige Erzähler, der uns permanent eine Geschichte als autobiographisch verkaufen möchte nur um dann wieder zu sagen, dass wir ihm auf keinen Fall trauen dürfen, ist es, die diesen Roman zu einem der besten macht, den ich jemals gelesen habe.

Eine Stimme zum verlieben, eine Stimme, der man nicht trauen darf

In der ungekürzten Hörbuchfassung von Randomhouse Audio verleiht die Schauspielerin Martina Gedeck (Nachtzug nach Lissabon, Das Tagebuch der Anne Frank) Delphine ihre Stimme. Ihre sanfte, melancholisch und gleichzeitig kräftige Stimme, lässt direkt das Bild einer fröhlichen Französin entstehen, die durch die Straßen von Paris streift, mit ihren Freunden philosophiert und sich ihrer Macht als Frau durchaus bewusst ist.

Sie entführt den Zuhörer in ihre eigene Welt und dort bleibt ihm nichts anderes übrig, als gebannt an ihren Lippen zu hängen und jedem ihrer Wörter zu lauschen, bis sie ihre Erzählung beendet hat. Dabei bin ich sehr, sehr froh, dass sich der Verlag gegen eine gekürzte Fassung entschieden hat, denn Nach einer wahren Geschichte ist ein Roman, der von jedem noch so winzigen Detail lebt. Eine Geschichte über eine beiläufige Geschichte über einen Fantasiefreund kann schnell dafür sorgen, dass man das komplette Geschehen der Geschichte in Frage stellt. Und dieser eine Nebensatz, der viele Seiten später noch einmal aufgegriffen wird, bekommt plötzlich eine vollkommen neue Bedeutung, wenn man ihn in einem anderen Zusammenhang liest. Und genau diese Überraschungen, die der Roman beinhaltet, werden von Gedecke mal nachdenklich, mal voller Überzeugung nicht nur vorgelesen, sondern mit Leben versehen. Und immer ist es ihr leicht schelmischer Unterton, der uns fragt: „Ist dies alles wahr?“

Nach einer wahren Geschichte | Randomhouse Audio | Hörbuch | 9h 37min | 2016 | Bei Amazon kaufen


Dieses Hörbuch wurde mir von Randomhouse zur Verfügung gestellt. Es hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Das Buch der Wunder: Es gibt keinen Traum, nur unterschiedliche Frequenzen [Buchrezension]

„Es gibt keine Fantasie.
Es gibt keinen Traum.
Alles, was gedacht oder geträumt werden kann, existiert. Nur auf anderen Frequenzen. Du allein bestimmst was aus dem Nebel der Möglichkeiten wirklich auftaucht. […] Es gibt keine Grenzen.“
– Stefan Beuse – Das Buch der Wunder

Der neue Roman von Stefan Beuse Das Buch der Wunder.

Tom und Penny sind die wohl unterschiedlichsten Geschwister, die man sich vorstellen kann. Tom liebt die Wissenschaft und alles, was man durch sie erklären kann. Und in seinen Augen kann man alles durch Wissenschaft erklären. Penny hingegen hofft nicht nur auf Wundern, nein, sie ist überzeugt davon, dass sie sie selbst vollbringen kann. Doch während Tom an seiner Meinung festhält, wirft ihn das von Penny geschriebene Buch der Wunder vollkommen aus der Bahn. Kann das, was sie aufgeschrieben hat, wirklich der Wahrheit entsprechen?

Jahre später ist Tom bei einer Agentur angestellt und ist sich sicher, dass alles, was er als Kind erlebt hat, einem Fiebertraum zuzuschreiben sein muss. Denn das was er gesehen hat, kann niemals der Wirklichkeit entstammen. Auch nicht jener, die Penny für ihn beschrieben hat…

Feinfühlig geschriebener Roman auf der Suche nach der Wirklichkeit

Der Autor und Journalist Stefan Beuse befasst sich in seinem achten Roman hauptsächlich mit der Frage danach was Wirklichkeit eigentlich ist. Kann sie für jeden Menschen gleich sein und wenn nicht, welche Form der Realität entspricht dann der Wahrheit? In philosophischen Gespräche, die als harmloser Dialog zweier Kinder beginnt, versucht Penny ihrem Bruder immer wieder zu beweisen, dass es Wunder gibt, während er mit Hilfe von Wissenschaft Gegenargumente zu finden sucht.

Fein granuliert versucht er nicht nur seinen Protagonisten, sondern auch den Leser mit un erklärlichen Vorfällen zu konfrontieren nur um danach zu fragen: Und wo ist deine Wissenschaft jetzt?

„Und irgendwann hatte es eine Version der Geschichte gegeben, mit der sie zufrieden war. Das sei jetzt die Wahrheit, hatte sie gesagt, und die Wahrheit dürfe nicht verändert werden.“

Besonders faszinierend hierbei ist die Veränderung die Tom im Laufe des Romans erlebt. Er reift vom Kind zum Jugendlichen zum Erwachsenen heran. Durch Schicksalsschläge und Veränderungen entwickelt er sich weiter und gleichzeitig behält er immer Pennys Fragen im Hinterkopf und mit ihnen die alles umspannende Gewissheit, dass nichts, was im Buch der Wunder steht wahr sein kann und dennoch wahr sein muss. Schließlich hat er den Spiegelsee gesehen. Oder etwa nicht?

Wunderbar!

Der in vier Teile, vier Lebensabschnitte, vier Erkenntnisphasen gegliederte Roman Das Buch der Wunder ist eines der spannendes Werke des Jahres. Mal beschreibt er trocken humorvoll die Vorgänge in einer Werbeagentur – so nah an der Realität, dass viele die Beschreibung für vollkommen übertrieben hinnehmen werden –, dann wird das Innenleben zweier Kinder untersucht, die mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Vaters überfordert sind. Immer ist es die gleiche Reflektierende Stimme, die die Handlung voran treibt und die Ereignisse und Vorhersagen miteinander verwebt, bis nicht mehr klar ist ob es sich um ein von langer Hand geplantes Geschehen oder eine zufällige Übereinstimmung handelt.

Wirklich sehr wunderbar ist auch die Gestaltung des Romans, welches den Omnipräsenten Dschungel auch auf dem Umschlag des Romans weiterleben lässt. Wer wirklich etwas finden möchte, was man an diesem Buch bemängeln kann, dann wohl nur, dass das Coverdesign, welches um den Umschlag herumläuft, durch einen sonderbaren blauen Buchrücken unterbrochen wird. Wenn man den unbedingt etwas bemängeln muss.

Das Buch der Wunder | Stefan Beuse | Mairisch Verlag | 2017 | 222 Seiten | Bei Amazon kaufen


Vielen Dank an den Mairisch Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.