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Von Beruf Schriftsteller – Murakamis lang ersehnte Autobiographie als Taschenbuch [Review]

Jahre lang hat Haruki Murakami so gut wie gar nicht über sich selbst gesprochen, nun ist sie endlich als Taschenbuch erhältlich: Seine Autobiographie Von Beruf Schriftsteller.

Ein Buchstapel mit Büchern von Haruki Murakami. Oben auf liegt Von Beruf Schriftsteller.

Bereits seit 1979 ist Haruki Murakami als Autor tätig und hat nicht nur den großen japanischen Nachwuchspreis gewonnen, sondern wird seit über einem Jahrzehnt als Anwärter auf den Literatur Nobelpreis gehandelt. Für den berühmtesten Autor Japans, ist er dennoch besonders still und tritt wenig in der Öffentlichkeit auf. Umso überraschender war die Erscheinung seiner Autobiographie im Jahre 2015, die nun endlich auch in der deutschen Taschenbuchversion vorliegt.

In ihr widmet sich Murakami nicht nur seinem Leben und wie er zum Schreiben gekommen ist, sondern versucht vor allem neuen Autoren Tipps zu geben, wie man einen guten Roman schreibt. Dabei verwendet er sich selbst – wie er so schön schreibt in Ermangelung eines anderen Beispiels – als Testobjekt und schildert wie ihm die jeweiligen Tipps bei verschiedenen Romanen geholfen haben.

Murakami ist es dabei wichtig zum einen zu zeigen, dass Schriftstellerei routinierte Arbeit ist, hinter der viel – nunja – Arbeit steckt. Zum anderen jedoch zu beschreiben, wie diese Routine vereinfacht werden kann. Tipps wie: Schreibe jeden Tag 400 Zeichen – 400 japanische Zeichen entsprechen dabei etwas mehr als 1000 Zeichen in römischen Buchstaben / einer halben Din-A4-Seite Computertext – um am Ball zu bleiben und schreibe somit innerhalb eines Jahres einen kompletten Roman, sind besonders hilfreich für jeden, der schreibt.

Auch seine Schilderungen dazu wie schwierig es ist einen eigenen Still zu finden, kann jeder, dessen Handwerk das Schreiben ist, nur zu gut nachvollziehen und verstehen jene, die davon träumen ein eigenes Buch zu verfassen, wahrscheinlich besser als jeder anderer.

All seine Tipps werden mit Beispielen seiner selbst und dem Hinweis: Das was ich hier sage gilt für mich und ich komme damit gut zu recht, es muss jedoch nicht der richtige Weg für jeden sein, untermalt. Genauso wie seine Beispiele darauf hinauslaufen, dass er vielleicht genauso gut zu Beginn nur reines Glück hatte entdeckt zu werden. In seiner japanischen Zurückhaltung versucht er gleichsam nicht anmaßend zu wirken, wenn er Tipps für Schriftsteller vergibt, während es sich gleichsam bei ihm um einen der erfolgreichsten Autoren unseres Jahrhunderts handelt. Der Ruhm gibt ihm also gewissermaßen Recht Ratschläge zu verteilen.

Und davon hat Murakami nicht zu wenige in seiner Autobiographie verborgen.

Autobiographie oder Ratgeber

Und genau diese Betitelung stellt eine Schwierigkeit für den Einstieg in Murakamis Von Beruf Schriftsteller dar, denn während Verlagshäuser die Erscheinung als Autobiographie feiern, handelt es sich mehr um einen Ratgeber mit autobiographischen Charakter. Murakami begleitet einen fiktiven Autor auf seinem Weg vom Anfang der Karriere, über das routinierte Schreiben zum Weg ins Ausland. Er beschreibt Hürden, die jedem Autor begegnen und wie man mit diesen umgehen kann.

Gleichsam verwendet er sich selbst als Beispiel um zu zeigen wie die einzelnen Stationen einen Schriftsteller-Karriere aussehen können und wie ein Autor es schaft mehr als ein One-Hit-Wonder zu werden. Dabei argumentiert er resolut gegen das Schreiben für eine bestimmte Zielgruppe und dem folgen von Trends. Er beschreibt jedoch auch die Schattenseiten dieser Einstellung und seine Ausgrenzung innerhalb der Literaturlandschaft Japans und wie ihn diese Ausgrenzung ins Ausland getrieben hat, wo er für seine Japanhaftigkeit plötzlich gefeiert wurde.

Gerade diese autobiographischen Passagen lesen sich fast wie eine Rechtfertigung für seinen Erfolg, während sie gleichsam versuchen jedem Autor, der sich nicht innerhalb des Literaturapparats wiederfindet, Mut zu machen dennoch seinem eigenen Weg zu folgen.

Wichtig ist dabei für Murakami lediglich, dass ein Autor seinem eigenen Herzen treu bleibt, seine Kreativität richtig nutzt, lieber jeden Tag ein wenig schreibt als in eine Schreibblockade zu rutschen (Routine gegen Unkreativität), sich mit Literatur in jeglicher Form auseinandersetzt um einen eigenen Schreibstil überhaupt formen zu können und für einen imaginären Leser schreibt, der den eigenen Literaturgeschmack teilt, ohne dabei ein Geschlecht oder Alter haben zu müssen.

Murakami außerhalb seiner Komfortzone

Im Grunde ist es egal ob es sich bei Von Beruf Schriftsteller eine Biographie handelt oder nicht. Zwischen den Zeilen erfährt man, dass Murakami gerne mit Katzen spielt, Bücher liebt, Jazz vergöttert und Baseball mag. Außerdem reist er gerne während er schreibt. All dies hilft das Mysterium Murakami zu ergründen, doch im Grunde sind dies, wenn man seine Romane gelesen hat, keine wirklichen Neuigkeiten.

Er wagt sich mit seinem Ratgeber weit genug aus seiner Komfortzone heraus um sich mehrfach für seine Meinung und seine Impertinenz zu entschuldigen. Gleichsam gibt er nur so viel über sich als Person preis, wie gerade nötig ist um seine Meinung wirklich unterstreichen zu können. Dabei entsteht der Eindruck, dass seine Tipps zum Schreiben viel persönlicher sind, als jedes Detail zu Haustiervorlieben es jemals sein könnte und genau dies macht die Stärke von Haruki Murakamis Von Beruf Schriftsteller aus.

Von Beruf Schriftsteller | Haruki Murakami | BTB Verlag | 240 Seiten | Japanische Literatur | 2018 | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Wenn der Wind singt | Pinball 1973 – Murakamis erste Romane endlich in Deutsch [Review]

Passend zum Erscheinen von Murakamis Autobiographie als deutsches Taschenbuch sind nun endlich auch seine ersten beiden Romane außerhalb von Japan publiziert worden und vervollständigen damit die Trilogie der Ratte, zu der als dritter Band Wilde Schafsjagd gehört.

Ein Buchstapel mit Haruki Murakami-Romanen. Oben auf liegt der Doppelband Wenn der Wind singt & Pinball 1973.

Der Doppelroman beginnt mit einem Auszug aus Murakamis Autobiographie Von Beruf Schriftsteller in welchem er beschreibt wie er eines Tages auf die Idee kam einen Roman zu schreiben, zudem nach dem Gewinn des Nachwuchspreises ein zweiter und ein dritter wurde. Es beschreibt jedoch auch, dass er im Nachhinein das Gefühl hatte alles an diesen Romanen hätte besser machen zu können, was ihn unter anderem dazu führte seine Erstlingswerke nicht in anderen Ländern zu publizieren, was die Trilogie der Ratte für die meisten Leser somit unvollständig ließ.

Wenn der Wind singt

Roman eins beginnt relativ unspektakulär mit einer Kleinstadt am Meer, in der der Protagonist und sein bester Freund Ratte nicht genau wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Immer wieder treffen sie sich in der Bar von Jay und reden über alles und nichts. Sie philosophieren über das Leben und die Zukunft, ohne dabei jedoch konkret auf das eigene Leben einzugehen.

Wenn der Wind singt lebt dabei von unpräzisen Momentaufnahmen. Wie ein Polaroidalbum, welches durcheinander geraten ist, jedoch ausreicht um zu zeigen, wie die beiden jungen Männer einen gemeinsamen Sommer verbrachten, auf Rendezvous gangen, tranken und Bahnen im Freibad zogen.

Die Geschichte ist genauso kurzweilig wie kurz und zeigt perfekt von welchem Ausgangspunkt sich Murakami weiterentwickelte. Bereits der erste Roman beinhaltet fast alle Elemente, die heute einen klassischen Murakami ausmachen, auch wenn sich gerade die ersten Seiten anfühlen, als hätte jemand alle Sätze, die ihm durch den Kopf geschossen sind, niedergeschrieben. Wenn man der autobiographischen Einleitung glauben darf, ist dies ebenfalls genau das, wie sie entstanden sind.

Pinball 1973

Der zweite Roman der Trilogie der Ratte begleitet den Protagonisten nach Tokyo, wo er beginnt in einem Übersetzungsbüro zu arbeiten. Er beschreibt seinen Alltag, das Mädchen, das im Büro aushilft, seine Freunde und seine Suche nach einer Erfüllung. Er steht an einem Scheideweg in seinem Leben und weiß nicht was er weiteres tun soll. Da erinnert er sich daran, wie er eine Weile ganz vernarrt war in Pinball-Automaten und begibt sich auf die Suche nach seinem Lieblingasutomaten, von dem nur eine geringe Anzahl hergestellt wurde.

Gleichsam befindet sich Ratte immer noch in seiner Kleinstadt. Den Kontakt zum Protagonisten hat er schon lange verloren, nur noch Jay und seine Bar sind da. Sie scheinen das einzige stabile Element in seinem Leben zu sein. Und auch dieses kann er nicht mehr in seinem Leben haben.

Pinball 1973 ließt sich deutlich klarer und strukturierter als sein Vorgänger. Die Präzision Wörter auszuwählen und Begebenheiten zu schildern schreitet ebenso voran, wie sonderbare Ereignisse, die sich langsam in den Roman einschleichen, bevor sie in Band drei endlich ausbrechen dürfen.

Absolutes Lesemuss für Murakami-Fans

Was lässt sich über diese beiden Romane eher sagen, als, dass sie für Murakami-Fans ein absolutes Muss sind? Sie zeigen den Ursprung einer Romancier-Karriere, vervollständigen eine Trilogie und bilden überdies hinaus eine perfekte Ergänzung zu Murakamis Autobiographie, die immer wieder zu seinen ersten beiden Romanen zurückkehrt.

Doch auch für jemanden, der noch nie einen Murakami-Roman in der Hand gehalten hat, bilden diese beiden Romane einen wundervollen, Einstieg in sein Werk. Sie beginnen lebhaft und fröhlich und entwickeln sich langsam in eine melancholische Richtung, die philosophisch das Leben betrachtet und wohl am ehesten mit dem portugisischen Saudade beschrieben werden kann.

Wenn der Wind singt | Pinball 1973 | Haruki Murakami | BTB Verlag | 272 Seiten | Japanische Literatur | 2018 | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Der weite Raum der Zeit – Jeanette Winterson erzählt Shakespeare [Review]

Heute bekommt ihr meine dritte Rezension aus der Hogarth Shakespeare-Reihe. Einem phantastischem Projekt, bei dem acht großartige Autoren jeweils eines ihrer Lieblingsstücke von Shakespeare in Romanform nacherzählen. Dazu gehören beispielsweise Magaret Atwoods Version von Der Sturm und Edward St. Aubyns Interpretation von King Lear. Heute stelle ich euch Jeanette Wintersons (Orangen sind nicht die einzige Frucht, Why be Happy When You Could be Normal?) Neuerzählung von Shakespeares Wintermärchen vor.

Der weite Raum der Zeit, die Neuinterpretation von Jeanette Winterson.

Shakespeares Wintermärchen ist eines der kompliziertesten Beziehungsdramen. Es fällt in eine Kategorie zusammen mit Goethes Die Wahlverwandschaften was positive Ereignisse angeht. Erzählt wird im Original, sowie in Wintersons Nacherzählung die Geschichte von Leo (Leontes), dessen bester Freund Xeno (Polixenes) einige Zeit bei ihm und seiner schwangeren Frau Mimi (Hermione) lebt. Nachdem die drei einige Zeit glücklich zusammen leben, beginnt Leon zu glauben, dass Mimi und Xeno eine Affaire haben. Er ist sich dessen so sicher, dass er sogar darauf besteht, dass ihr gemeinsames Kind nicht seines ist, sondern eigentlich zu Xeno gehört.

Kurz vor der Geburt konfrontiert Leo Xeno mit seinem Verdacht und vertreibt ihn unter Todesdrohungen aus der Stadt. Als das Kind schließlich geboren wird lässt Leo es zu Xeno schicken, doch durch eine Verkettung unglücklicher Umstände gelangt es niemals dort hin. Leos Gärtner, der das Kind überbringen soll, wird auf offener Straße überfallen und ermordet. Die kleine Perdita wird von einem Vater und seinem Sohn aufgenommen und wächst als Teil ihrer Familie auf.

Jahre vergehen und Perdita lernt Zel (Florizel) in einer Bar kennen und verliebt sich in ihn. Wie sich herausstellt ist er ausgerechnet Xenos Sohn, der mit ihr gemeinsam ihr Vergangenheit zu entrollen sucht.

Poetische Nacherzählung, nah am Original

Winterson zeigt mit ihrer Fassung von Das Wintermärchen, dass sich eine Nacherzählung nah am Original bewegen kann ohne unoriginell zu werden. Ihre Figuren sind lebendig und poetisch. Sie spielen mit Worten und schimmern im Neonlicht, welches sie ständig zu umgeben scheint. Sie bewegen sich in unserer Zeit und dennoch dazwischen.

„Einer der Arbeite wollte das alles nicht, hielt es für falsch, für unmoralisch, denke ich. Für ein Zeichen der Zeit. Aber die Zeit hat so viele Zeichen, wenn wir sie alle läsen, würden wir an gebrochenem Herzen sterben.“
— Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit

In Der weite Raum der Zeit wird nicht nur Shakespeares Vorlage nacherzählt, es wird durch Hintergrundgeschichten erweitert. Winterson erklärt, weshalb es zu den Spannungen zwischen Leo und Xeno kommt, indem sie ihre Vergangenheit aufrollt und das erste Treffen mit Mimi schildert. Sie belebt Perditas Ziehfamilie zum Leben, indem sie Hintergrundmotive für das komplizierte Familienleben findet. Und sie gibt vor allem Perdita und Zel einen wirklich Grund dafür, weshalb sie zusammen sein wollen.

Alles eingebettet in der Frage danach was Zeit ist und wie sie sich auf Beziehungen auswirkt. Dabei fokussiert sich die Geschichte in mehr oder weniger chronologischer Reihenfolge zunächst auf die Ereignisse zwischen Mimi und Leo, dann Leo und Xeno, um schließlich mit Xeno und Mimi zu schließen und den Kreis perfekt zu machen.

Winterson gelingt hierbei, woran St. Aubyn bei seiner zu nahen Nacherzählung von Shakespeares King Lear gescheitert ist: Sie macht die Welt zu ihrer eigenen. Die Geschichte bleibt beinahe vollständig erhalten und dennoch schaft sie es die Geschichte in eine neue Zeit, die vollkommen losgelöst von unserer zu existieren scheint, zu transformieren.

„In Booten machten wir uns auf den Weg. Die Sterne waren wie Lichter an den Spitzen unserer Masten. Wir wussten nicht, dass Sterne Fossilien sind, Abdrücke der Vergangenheit, und ihr Licht ausstreuen wie eine Botschaft, wie einen letzten Wunsch.“
— Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit

Der weite Raum der Zeit| Jeanette Winterson | Knaus Verlag | 288 Seiten | Neuinterpretation | 2016 | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Hexensaat – Margaret Atwood erzählt Shakespeare [Review]

Bereits am Montag ist meine erste Rezension zur Buchreihe des Hogarth Shakespeare-Projekts online gegangen. Neben Edward St. Aubyns Neuerzählung von King Lear, über die ich am Montag sprach, geht es heute weiter mit Margaret Atwoods Version von Der Sturm.

Margaret Atwoods Roman Hexensaat, eine Neuinterpretation von Shakespeares Der Sturm.

Wie nicht anders von Atwood zu erwarten ist ihre Version von Der SturmHexensaat alles andere als eine reine Neuinterpretation des Shakespeare Dramas. Ihre Geschichte betrachtet Shakespeares Drama, interpretiert es, inszeniert es neu und das mit einem Protagonisten, der nicht bemerkt, dass er auf seiner eigenen verwunschenen Insel festsitzt.

Hexensaat begleitet den Drehbuch-Autor / Regisseur / Schauspieler Felix, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere zunächst seine Frau, seine Tochter und schließlich seine Karriere verliert. Mit seinen Ersparnissen zieht er sich in die Einöde in ein nah zu verlassenes Örtchen zurück, wo er mit dem Geist seiner Tochter Miranda gemeinsam die Zeit an sich vorbeistreichen lässt. Eines Tages liest er von einer freien Stelle als Leiter des Literaturprogramms in einer Haftanstalt und kann gleich den Job ergattern.

Jahr für Jahr interpretiert und inszeniert er mit den Insassen ein Shakespeare-Stück nach dem anderen. Bis sein erbitterter Feind – sein ehemaliger Assistent und Grund für sein abruptes Karriereende – ankündigt die nächste Aufführung ansehen zu wollen. Für Felix die Chance endlich die Fassung von Der Sturm aufzuführen, die er schon immer auf die Bühne bringen wollte.

Die Ebenen des Romans

Hexensaat von Margaret Atwood liest sich beinahe wie eine Romanfassung von Inception. Auf der obersten Ebene befindet sich Felix, der mit den Insassen der Haftanstalt gemeinsam Der Sturm interpretiert. Er legt alle Motive und Themen offen, weist auf Gefängnisse innerhalb des Stücks hin und den Gegensatz von Macht und Machtlosigkeit. Er zeigt wie Shakespeare verschiedene Gesellschaft- und Herrschaftsformen innerhalb des Dramas aufbaut und diese Vergleicht.

Gleichsam schaft Felix – und damit natürlich Atwood – eine Reinterpretation des Sturms durch die Aufführung von Felix Theatergruppe, bei der Ariel zum Superhelden-Alien a là Superman wird und Caliban zum Rapper, der sich selbst befreien kann. Es ist eine vollkommen plumpe Interpretation des Stücks, die viel zu offensichtlich geschieht, als das sie die wirkliche Nacherzählung des Sturms innerhalb von Hexensaat darstellen kann.

Es ist natürlich Felix eigene Wirklichkeit, die unterste Ebene des Romans, die den wahren Sturm beinhaltet. Ein Theaterdirektor, der durch eine nahstehende Person ins Exil getrieben wird und dort mit seinen Geistern gemeinsam leben muss. Nur sein Zauber kann seine Geister dabei am Leben erhalten und wirft dabei die Frage auf wie viel von Prosperos eigener Wahrnehmung auf der Insel der Wirklichkeit entsprach und wie viel nur seinem eigenen Zauber. Gleichsam wie Prospero mit seiner Verbannung kämpft, muss auch Felix mit seinem selbstgewählten Exil leben. Nur seine Kreativität hält ihn am Leben und nur das Wissen, dass seine Tochter Miranda – ein zunächst zufällig gewählter Name, der Felix schnell zum Verhängnis wird – als Geist immer bei ihm sein wird, sorgt dafür, dass er bei Verstand bleibt.

Atwood hält Shakespeare den Spiegel vor

Mit ihrer offensichtlichen Interpretation, ihren Reinterpreation und schließlich der darunter liegenden wirklich Nacherzählung des Sturms – bei der von der Gefängnisleiterin, bis zum hackenden Insassen jede Figur einer Figur aus dem Sturm zugewiesen werden kann – erzählt Atwood eine mutige Romanfassung von Der Sturm. Ihre Figuren wirken allesamt originell und wie von ihr erschaffen, während sie gleichsam von Shakespeares Schatten begleitet werden.

Sie erzählt nicht nur eine Geschichte nach, sie macht sie zu ihrer eigenen und erklärt gleichsam ihren Ursprung. Dieses Vorgehen, verbunden mit der von Atwood zu erwartetenden Intensität der Erzählung und elaborierten Wortwahl, ergibt einen wirklich grandioser Roman der seines gleichen sucht.

Hexensaat | Margaret Atwood | Knaus Verlag | 320 Seiten | Neuinterpretation | 2017 | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Dunbar und seine Töchter – Edward St. Aubyn erzählt Shakespeare [Review]

Das Hogarth Shakespeare-Projekt hat acht Autoren die Aufgabe gestellt seine oder ihre Lieblingsshakespeare-Geschichte neu zu interpretieren. Zu den Autoren gehören Literaturgrößen wie Margaret Atwood und Howard Jacobson. Jeder Roman ist in seinem ganz eigenen Genre entstanden und vor allem in einer ganz eigenen Art der Neuinterpretation.

Ich hatte das Glück gleich vier der Romane vom Knaus-Verlag als Rezensionsexemplare zu erhalten – vielen Dank dafür! – und habe einen genauen Blick unter die Cover geworfen. Den Anfang macht heute Dunbar und seine Töchter von Edward St. Aubyn, bekannt für seine Romane Lost for Words. und Mother’s Milk.

Der Roman Dunbar und seine Töchter von Edward St. Aubyn ist eine moderne Neuerzählung von Shakespeares King Lear.

King Lear neu erzählt: Dunbar und seine Töchter

Dunbar und seine Töchter ist eine moderne Interpretation von Shakespeares King Lear. St. Aubyn versucht dabei den König in die Neuzeit zu übertragen. In seinem Roman ist Lear der Herrscher des Medienkonzerns Dunbar. Doch mit dem Alter wird er immer zerstreuter und wird somit eine Gefahr für sein eigenes Imperium.

Seine beiden Töchter Abby und Megan möchten daher schnell dafür sorgen, dass er auf der nächsten Vorstandssitzung zum Rücktritt gedrängt wird und sie endlich gemeinsam das Geschäft übernehmen können. Und wie könnte dies leichter erwirkt werden als den von Burnout belasteten Vater in ein Rehabilitationszentrum nach England zu schaffen, wo mehrere Ärzte bestätigen, dass der alte Dunbar eine Gefahr für sich selbst und andere darstellt.

Doch mit seiner Sturheit haben die beiden nicht gerechnet, denn Dunbar beschließt kurzerhand mit zwei weiteren Patienten zu fliehen, sich nach London durchzuschlagen und sein Imperium zurückzugewinnen. Leichter gesagt als getan, denn Dunbar ist nicht mehr der jüngste und seine Ärzte haben nicht unbedingt einen Meineid begangen, als sie darauf hinwiesen, dass er auch mental nicht mehr der fitteste ist. Zum Glück begibt sich seine jüngste Tochter Florence auf die Suche nach ihm. Ihr ist nämlich – anders als ihren Schwestern – am Wohl ihres Vaters gelegen.

Wenige Abweichungen zum Original, viele langatmige Monologe

St. Aubyns Version von King Lear ist definitiv eine moderne Nacherzählung. Eine Nacherzählung, die sich bis ins kleinste Detail an das Original hält, bis zu dem Punkt, an dem Dunbar einen Narr – den Komiker Peter – benötigt, der ihm hilft zu erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Dazu kommen Szenenwechsel, die zwischen Dunbar und seinen drei Töchtern hin und her wechseln. Jeder Protagonist wird somit gleichsam zur Erzählstimme des Romans. Und auch wenn dieses Mittel in einem Theaterstück durchaus angemessen ist, muss nicht jede Figur innerhalb eines Romans seine eigenen Motive erklären. Zumal sich die Motive auch in den Erzählungen der jeweils anderen Figuren spiegeln.

Auch übernimmt St. Aubyn jeden von Lears Monologen und davon gibt es im Originalstück nicht gerade wenige. In der Neuinterpretation wirken diese jedoch nicht wie große Meisterwerke der Literaturgeschichte, sondern wie langatmige Monologe, die sich immer wieder um die Frage drehen ob Dunbar in seinem Leben gescheitert ist. Ebenso wie die Erzählform, wirken auch diese Monologe wie eine schlechte Überführung von Theatermethoden in Romanform. Statt großem Pathos verpufft die Stimmung dadurch in sich im Kreis drehenden Passagen.

Diese beiden Punkte allein zeigen das größte Problem von St. Aubyns Ansatz auf: Drama und Epik sind zwei unterschiedliche Gattungen, die sich nicht eins zu eins übertragen lassen. Wiederholungen und unterschiedliches Erzählstimmen wirken auf einer Bühne natürlich – oder zumindest so natürlich, wie sie im Rahmen eines Kunstobjekts wirken können –, während sie innerhalb eines Romans für Verwirrung sorgen oder gar vollkommen aus dem Rahmen fallen. Ebenso wirken Monologe vor allem im Rahmen des Theaters imposant.

Doch nicht nur der Versuch eine Gattung in eine andere zu übertragen ist zu viel für St. Aubyn, auch das sehr genaue nacherzählen wirkt beinahe unkreativ. Die Geschichte wirkt fast wie ein Schulprojekt, bei dem alle Figuren aus King Lear in Anzüge gesteckt und mit moderner Sprache ausgestattet wurden. Die Dialoge zwischen den Schülern sind nah zu hörbar: „Wir brauchen hier noch einen Narr!“ – „Was ist ein Narr?“ – „Ein Komiker.“ – „Ah, okay.“

Zu nahe Interpretation verdirbt die Interpretation

Genau an dieser zu nahen Interpretation scheitert Dunbar und seine Töchter. Ja, man kann positiv hervorheben, dass sich das Drama und der Roman nebeneinander legen lassen und beinah jede Szene eins zu eins übernommen wurde. Genau dies sollte einen guten Roman-Autor jedoch nicht ausmachen. Eine Interpretation sollte genau das sein: Eine Interpretation. Nicht eine haargenaue Übertragung in die moderne Welt, bei der Methoden des Theaters, Dialoge und Themen ohne eigenen Input übernommen werden.

Dunbar und seine Töchter ist ein einigermaßen okay geschriebener Roman, der an seinem eigenen Anspruch scheitert. Die gewählte Erzählform ist zu langatmig und könnte nur dadurch gerettet werden, dass mindestens die Hälfte aller Dunbar-irrt-in-den-Bergen-umher-und-findet-sich-selbst-Szenen gestrichen werden.

Dunbar und seine Töchter | Edward St. Aubyn | Knaus Verlag | 256-Seiten | Neuinterpretation | 2017 | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Rat der Neun – Oder wie eine Übersetzung ein Buch ruinieren kann [Review]

Es tut mir fast ein wenig Leid, dass es ausgerechnet Veronica Roths gefeierten Roman Rat der Neun: Gezeichnet trifft, aber wir müssen einmal über Übersetzungen sprechen.

Band eins der Rat der Neun-Reihe von Veronica Roth.

Gerade im Young Adult-Bereich kommt es immer wieder vor, dass hochgelobte Romane in der Deutsche Kritik vollkommen durchfallen. Oft hat dies gar nicht so viel mit der Handlung sondern eher mit der Deutschen Gestaltung des Romans zu tun. Angefangen mit dem Cover, welches häufig aus Kostengründen oder anderen rechtlichen Belangen nicht für die Deutsche Version übernommen wird und von einem ansprechenden Cover zu einem – ich weiß gar nicht so recht was ich dazu sagen soll – weniger ansprechenden Cover umgemodelt wird, immer mit der Begründung, dass der Deutsche Markt eben andere Ansprüche stellt als der Amerikanische oder Britische.

Auch veränderte Titel, die plötzlich nichts mehr mit dem gut durchdachten Namen des Originals zu tun haben, können negative Auswirkungen auf die Rezeption eines Buches haben. Hier wäre zum Beispiel die Raven Boys-Reihe zu nennen, deren Deutsche Titel äußerst frei übersetzt wurden.

Aber vor allem der Punkt der Übersetzung ist es, der einen guten Roman zu einem wirklich schlechten werden lässt, denn seinen wir einmal ehrlich, wenn man auf das neuste Buch eines bestimmten Autoren wartet, so wird man es auch mit hässlichem Cover und verhunztem Titel kaufen, aber der Inhalt muss dennoch stimmen.

Und hier schließt sich der Kreis und wir kommen zurück zu meiner eigentlichen Rezension von Rat der Neun, dem ersten Band der Carve the Mark-Reihe von Veronica Roth, bekannt als Autorin von Die Bestimmung.

Moderne Romeo und Julia-Erzählung in kompliziertem Planetensystem

Die Grundhandlung von Rat der Neun liest sich wie eine moderne Interpretation von Romeo und Julia. Zwei verfeindete Familien, ein Paar, dass diese Verfeindung überkommen möchte. Eingebettet ist dies in eine Sci-Fi-Fantasy-Welt in der sie die Schwester eines tyrannischen Herrschers und er das Mitglied eines Volkes ist, welches für seine friedliebende Gesinnung bekannt ist. Beide besitzen besondere Fähigkeiten, die sie zur Unterstützung ihres Bruders und er für das Wohl seines Volkes einsetzen sollen.

Was diesem Buch seinen eigentlichen Reiz verleiht ist sein – zugegebenermaßen – relativ kompliziertes Planetensystem und die diplomatischen Beziehungen, die recht umfangreich geschildert werden, was ein grundsätzlicher Bestandteil des Sci-Fi-Genres ist.

Lost in Translation

All dies wird in der Deutschen Fassung unter vollkommen abstrusen Sätzen vergraben, die sich lesen als würden die Figuren zum ersten Mal in ihrem Leben Feuer sehen oder eine Tür verwenden.

Die Brennsteine im Ofen sahen aus wie schwarze Klumpen, bis sie durch die Reibung aufflammten.
– Rat der Neun – Kapitel 1

Und vielleicht reagiere ich ein wenig zu empfindlich auf das verschieben von Satzteilen aus einem Satz in einen anderen, aber solche Änderungen verändern den Lesefluss und das Erzähltempo erheblich. Genauso wie die Anreicherung von Adjektiven oder das weglassen eben jener, eine durchdachte Satzstruktur aus dem Gleichgewicht bringt. Ja, Deutsch und Englisch sind sehr verschiedene Sprachen. Deutsche Sätze sind länger, haben häufig mehr Nebensätze und wirken dadurch häufig schwerfälliger. Kofferwörter können dafür ganze Sätze in einem Wort zusammenfassen, eine Möglichkeit, die es in der englischen Sprache nicht gibt. Eine Übersetzung ist daher immer eine Überführung einer Sprache in eine andere, wobei keine 1:1-Übersetzung stattfinden kann. SO funktionieren Sprachen nun einmal. Wörter haben eine leicht versetze Bedeutung und kulturell mag noch eine weitere mitschwingen.

Dennoch ist es die Aufgabe des Übersetzers die Stimmung eines Romans einzufangen und die Stimme für eine neue Sprache zu werden. Gerade bei Romanen wie Rat der Neun, der durch seine politischen Verflächtungen und eine Grund auf eigene Weltordnung schwerfällig genug wirkt, muss durch eine gewisse Leichtigkeit der Sprache aufgefangen werden. Leider gelingt dies dem Duo Petra Koob-Pawis und Michaela Link nicht. Die Sätze wirken übermäßig naiv und kompliziert. Der Roman ließt sich als wüssten die Protagonisten ebenso wenig wie die Welt um sie herum funktioniert, wie der Leser, der sie das erste mal betritt. Was für den Leser Sinn ergibt, verfälscht die Erzählstimme soweit, dass sie wirkt, als würde sie nicht zum Roman dazugehören, sondern ihn von außen betrachten.

Bitte im Original zu Genießen

Auch wenn Veronica Roth eher für komplizierte Welten und politische Systeme innerhalb dieser bekannt ist, schafft es die Übersetzung dennoch den Roman noch schwerfälliger wirken zu lassen, als es der 608 Seiten lange Koloss bereits ist. Die Deutsche Version hat mich nur schwerlich in die Handlung hineingezogen und mich leider nicht bis zum Ende durchhalten lassen.

Die Englische Version wirkte hingegen leichter und schneller, was das Tempo angeht. Die Geschichte von Akos und Cyra wird dennoch nicht die große neue Young Adult-Reihe des Jahres werden. Viel wurde Rat der Neun im Vorfeld gehypt und genauso schnell ist der Hype wieder verflogen. Die Geschichte mischt bekannte Elemente – besondere Fähigkeiten; zwei Protagonisten, die durch sich erkennen, dass etwas mit der Gesellschaft nicht stimmt; dystopische Gesellschaft, die auf den ersten Blick perfekt wirkt – zu einem neuen Universum zusammen. Die Themen sind austauschbar und wirken wie ein Setzbaukasten für den perfekten Young Adult-Fantasy-Sci-Fi-Roman. Das Ergebnis bleibt dabei eher mäßig. Die Frage nach dem Stellenwert von Schicksalen und Prophezeiungen wird im zweiten Band der Reihe – bisher nur auf Englisch unter dem Titel The Fates Divide erschienen – weiter aufgegriffen.

Rat der Neun | Veronica Roth | CBT Verlag | 608 Seiten | Sci-Fi / Young Adult | Bei Amazon kaufen

Dieser Roman wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Sleeping Beauties: Eine Welt ohne Frauen [Review]

Etwas seltsames geht vor sich. Frauen schlafen ein und wachen nie wieder auf. Und bald schon erreicht Aurora – die Schlafkrankheit – alle Frauen der Welt. Noch scheint es keine Heilung zu geben und niemand weiß wie lange der Zustand anhalten wird…

Sleeping Beauties das neue Buch von Stephan King, nun auch als Hörbuch erhältlich.

Sleeping Beauties ist der neuste Roman von Stephan King, verfasst gemeinsam mit seinem Sohn Owen King. Wieder einmal entführt uns King in eine amerikanische Kleinstadt, die von einem Ausnahmezustand betroffen ist: Die Schlafkrankheit Aurora sorgt dafür, dass einmal eingeschlafene Frauen nicht mehr aufwachen. Viel verheerender ist jedoch die Tatsache, dass sich gleichzeitig ein merkwürdiger Kokon um die Gesichter der Frauen bildet, der nach Entfernung die Frauen zu wilden Bestien macht, die ohne Selbstkontrolle jeden Menschen in ihrer Nähe angreifen. Schon bald rufen die ersten Männer zu einer Hexenjagd auf. Ein Phänomen, welches sich auf der ganzen Welt wiederholt.

Nur einige wenige Frauen schaffen es mit einer Mischung aus Koffein und Aufputschmitteln wach zu bleiben, doch für sie stellt sich die Frage wie lange sie noch gegen gegen den Schlaf kämpfen können. Nur Evie, der sonderbare Neuzugang des Gefängnisses von Dooling, scheint gegen die Krankheit immun zu sein. Ist sie der Schlüssel zur Entwicklung eines Gegenmittels oder muss die Menschheit bald ohne Frauen auskommen?

Ein neuer King übernimmt das Steuer

Stephen Kings Romane zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich sehr schnell zu sehr überraschenden, seltsamen Wendungen entwickeln. Sprechende Schildkröten, Aliens und sonderbare andere Deus Ex Machina gehören definitiv zu seinem Reparatur. Mein füge einen zu große Besetzung, eine Kleinstadt in Maine, zu kurze Kapitel und bizarre Ereignisse ein und voilà, man hat das Grundgerüst eines jeden King-Romans.

Auch Sleeping Beauties weißt viele dieser King-typischen Elemente auf, jedoch sorgt Owen King dafür, dass der Roman plötzlich Erzählmustern folgt, denen man folgen kann und sich der Roman nicht 80% der Zeit wie ein sehr merkwürdiger Drogentrip liest. Zwar lebt auch Sleeping Beautiesvon sonderbar sprechenden Tieren, Parallelwelten und einer seltsamen Mischung aus Fantasie und Realerzählung, jedoch in einer logisch erzählten Geschichte. Für mich ist es das erste Mal, dass ich ein Roman von King wirklich bis zum Ende lesen möchte.

Sleeping Beauties, nicht nur als Buch spannend

Doch nicht nur als Roman macht Sleeping Beauties einiges her. Auch diesen King-Roman hat David Nathan (besser bekannt als Stimme Johnny Depps) als Hörbuch eingelesen. Seine Art Romane vorzutragen sorgt dafür, dass man sich plötzlich mitten in Doolingen wiederfindet und Seite an Seite mit Clint, Frank, Maura und Jared gegen die Schlafkrankheit kämpft. Ein wahres Kopfkino für die Ohren. Auch bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine ungekürzte Lesung, die sich über 27 Stunden erstreckt.

Kings bester Roman, Kings schlechtester Roman

Wer bereits andere Rezensionen von mir gelesen hat, weiß, dass ich keinen Hehl daraus mache, dass ich Stephen King für einen wirklich miserablen Geschichtenerzähler halte. Seine Romane sind selten spannend, ziehen sich auf Grund unnötiger Nebenfiguren, die über Seiten hinweg eingeführt werden müssen, wie Kaugummi und wirken so, als würde King mitten beim schreiben einfach irgendwelche Zettel mit zufälligen Ereignissen ziehen. Nichts davon macht mir beim lesen Spaß und keine dieser Eigenschaften sorgt dafür, dass ich auch nur einen seiner Romane gut geschrieben finde, denn auch Struktur und Schreibstil sind Teile eines guten Romans.

Im Vergleich dazu ist Sleeping Beauties absurd strukturiert und durchdeklariert. Von Beginn an werden nur Symbole und Personen eingeführt, die der Geschichte einen Mehrwert bieten. Ja, es sind immer noch viel zu viele Figuren und ja, der Roman hätte ruhig halb so lang sein dürfen, aber er liest sich halbwegs angenehm. Viel dieser Struktur verdankt der Roman sicherlich seinem Co-Autor Owen King und gerade auf Grund dieser Tatsache scheint er von King-Fans gehasst zu werden. Der Streit ob dies vielleicht der schlechteste Roman Kings sei, tobt seit der Erscheinung.

Für mich persönlich ist dies definitiv der beste Roman Kings, den ich bisher lesen durfte. Dies heißt jedoch nicht, dass es ein überaus überragender Roman ist. Die Handlung ist vorhersehbar und recht stumpf und auch David Nathan kann mit seiner phantastischen Stimme nicht mehr aus der Geschichte machen, als vorhanden ist. Währe die Geschichte etwa sieben bis zehn Stunden kürzer gewesen, hätte man den Roman sicherlich sehr viel besser bewerten könne. So landet er bei guten 3 Sternen.

Sleeping Beauties | Stephan King & Owen King | Hörbuch | 27 Std. 41 Min. | Random House Audio | Bei Amazon bestellen


Dieses Hörbuch wurde mir als Rezensionsexemplar von Random House Audio zur Verfügung gestellt. Dies hat nicht meine Meinung als Rezensent beeinflusst.