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6 Monate – 20 Bücher – 1 Outfit am Rande [Outfitmittwoch]

Auf dem Bild zu sehen, die Bücher, die ich in der ersten Hälfte 2016 geschafft habe. Darunter die Luna Chroniken, ein paar Bücher von Rainbow Rowell & Haruki Murakami und ein paar Young Adult-Romane. Außerdem meine Ballett-Schuhe und meine Fuchstasse, denn was passt besser zu Bücher, als Tee?

Oh ja, ihr werdet vermutlich nie den Tag erleben, an dem ich wirklich wieder ein Outfitfoto an einem Mittwoch poste. Trotzdem kommen viele von euch Mittwochs hier hin. Heute gibt es zumindest am Rande so etwas wie ein Foto eines Outfits. Ich trage mein absolutes Lieblingskleidungsstück dieses Jahres: Einen Faltenrock von H&M. Ich liebe Faltenröcke. Vermutlich, weil sie mich immer etwas an Schuluniformen erinnern und ich als Kind, nachdem ich zunächst zu viele Folgen von Hanny und Nanny gesehen und später zu viele Harry Potter-Bücher gelesen habe, unbedingt eine Uniform tragen wollte. Dazu meine wunderbaren neuen Grinsekatzesocken (Primark), eine Leggings, da es immer noch super kalt ist, (ebenfalls Primark) und meine Ballettschuhe, weil ich damit angeben wollte, dass ich immer noch zum Ballett gehe und damit einen meiner eher aufwendigeren Vorsätze des Jahres einhalte.

Und wenn wir schon bei Vorsätzen sind, können wir auch gleich zu dem Hauptbestandteil dieses Fotos übergehen: Meinen Büchern. Oder eher einem Teil meiner Bücher, nämlich dem Teil, den ich bereits dieses Jahr gelesen habe. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen dieses Jahr zwölf Bücher zu lesen, nachdem ich letztes Jahr gerade so auf zehn gekommen bin. Ein Buch pro Monat erschien mir reichlich realistisch. Mittlerweile bin ich bei meinem einundzwanzigsten Buch angekommen. Meine Goodreads-Lesechallange habe ich also kurzerhand auf 45 Bücher aufgestockt – man soll sich ja anspruchsvolle Ziele setzen.

Deteialansicht der Bücher, die ich 2016 bisher gelesen habe. Darunter Südlich der Grenze Westlich der Sonne, The Love that Split the World, die To All the Boys I loved before-Reihe, Ich und Earl und das sterbende Mädchen, Disrupted, einige Werke von Murakami, Der Marsianer und die Luna Chroniken.

Foto: Screenshot von Goodreads „Your 2016 Challenge Books“

Ein genauer Blick auf die Bücher: Young Adult, Murakami und Technik

Naja, so oder so ähnlich ließen sich wohl die Bücher mehr oder weniger zusammenfassen. In chronologischer Reihenfolge habe ich dieses Jahr folgende Bücher gelesen:

Im Durchschnitt habe ich den Büchern knapp vier Sterne gegeben. Entweder bin ich nicht kritisch genug oder die Bücher waren wirklich alle sehr gut. Das müsst ihr jetzt entscheiden.

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Simply the (Papier)Rest: Ein DIY-Buch für Papierfans

Vermutlich jeder Mensch, der regelmäßig mit Papier bastelt kennt sie: Die Papierreste. „Sie lauern in den Schatten, sie ernähren sich von deiner Angst…“, um einmal Danny Phantom herbei zu zitieren. Immer fallen sie bei Bastelprojekten an, immer sind sie zu Schade um weggeworfen zu werden und nicht wirklich ausreichen für beinahe jede do it yourself-Anleitung. Statt einen wirklichen Zweck zu erfüllen, füllen diese Papierreste Schubladen, Kartons, bereits mit Papierresten verzierte Boxen oder sogar ganze Schränke.

Die DIY-Bloggerin Christin Pardun von Pfefferminzgrün kennt genau dieses Problem. Und da sie besonders viele Bastelprojekte erstellt, ist dieser Papierhaufen mittlerweile besonders groß. „Daraus sollte sich doch was basteln lassen.“, dachte sich die Kreativ-Bloggerin und erstellte kurzerhand einen Haufen Bastelanleitungen, die sich genau diesen Papierresten annehmen und aus ihnen Geschenke, Dekorationen und Accessoires zaubern.

Das Cover von Simply the (Papier)Rest, dem Bastelbuch für Papierfans.

In Simply the (Papier)Rest versammelt sie 18 Bastelanleitungen, die in sehr simpler und detaillierter Weise erklären wie man aus Papierresten beispielsweise Umschläge, eine Lampe, Schachteln für Urlaubserinnerungen und Picknickausstattung bastelt. Es ist bereits das zweite Bastelbuch Parduns, welches im EMF Verlag dieses Jahr erschienen ist.

Neben einem Foto des fertigen DIY-Projekts, enthält jede Anleitung einige Detailbilder, die die einzelnen Schritte näher erklären. Zudem sind die einzelnen Schritte wirklich sehr leicht verständlich beschrieben, so dass man die Anleitungen ohne Probleme nachbasteln kann.

Auch Accessoires lassen sich aus Papier basteln. So wie diese Papierkrone.

Auch Accessoires lassen sich aus Papier basteln. So wie diese Papierkrone. Nicht nur ein schönes DIY für Kinder. ;)

Der Schwierigkeitsgrad der Anleitungen ist alles in allem relativ einfach, so dass auch Anfänger die Projekte schnell nachbasteln können. An Materialien werden hauptsächlich Papierreste, Schere und Kleber verwendet. Ist ein Projekt einmal komplizierter und es werden Dinge benötigt, die man vielleicht nicht unbedingt zu Hause hat (eine Lochzange zum Beispiel), so werden potenzielle alternative Werkzeuge genannt, damit man sich nicht nur für ein Bastelprojekt ein Werkzeug kaufen muss, welches man später vielleicht nie wieder verwendet.

Was macht man aus sehr kleinen Papierresten? Geschenkanhänger!

Was macht man aus sehr kleinen Papierresten? Geschenkanhänger!

Ungewöhnliche Materialkombinationen: DIY’s, die um die Ecke denken

Etwas, was dieses Buch definitiv von anderen Papierbastelbüchern abhebt ist – einmal abgesehen auf die Fixierung auf Papierreste – der teilweise sehr ungewöhnliche Materialmix, den man vielleicht gar nicht bei Papierbastelprojekten vermuten würde. So kombiniert Pardun Stoff und Papier oder bringt Papier auf Porzellan auf.

Gerade der Fakt, dass sie die Papierreste nicht verwendet um daraus Karten, Collagen oder Notizbücher zu basteln – die Standard-Anleitungen, wenn man nach DIY-Projekten für Papierreste sucht –, die gut erklärten Anleitungen und das sehr liebevolle Design des Buches, machen dies zu einem sehr schönen DIY-Buch, welches sich wunderbar als Geschenk für Papierliebhaber eignet. Die Fotos sind allesamt sehr hell und harmonieren sehr schön mit dem pasteligen Buchlayout, welches das Buch jung und frisch wirken lässt.

Papier und Holz? Natürlich! Mit Papierresten lässt sich eine einfache Holzkommode schnell in einen Hingucker verwandeln.

Papier und Holz? Natürlich! Mit Papierresten lässt sich eine einfache Holzkommode schnell in einen Hingucker verwandeln.

Ich bin begeistert und freue mich auf viele, viele weitere Bastelprojekte von Christin Pardun. Das Buch könnt ihr übrigens unter anderem bei Amazon kaufen.


Das Buch wurde mir netter Weise vom EMF Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dies hat nicht mein Urteil beeinflusst.

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Die neue Pelican Shakespeare-Ausgabe: Eine Sammlung von wundervollen Buchcovern [SaSo]

Kann man Shakespeares-Werke in ein modernes Design kleiden ohne, dass es einen zu großen Bruch gibt? Genau vor dieser Frage stand das Team von Penguin Books, die zum 400. Geburtstag William Shakespeares die sogenannte Pelican-Edition in neuem Glanz erscheinen lassen wollten. Herausgekommen sind bisher zehn sehr bezaubernde, moderne Ausgaben, die um 30 weitere nach und nach erweitert werden.

Ein Teil der Cover der Neuauflage der Shakespeare Pelican-Edition.

Alle Bilder von Penguin Books

Die Cover kombinieren berühmte Motive aus den jeweiligen Geschichten mit kleinen Details für diejenigen, die die Texte bereits kennen. Das Cover für Romeo & Julia wird beispielsweise von zwei Särgen geziert. Auf dem Cover von Was ihr wollt sehen wir Viola in ihrer Doppelrolle und auf dem Cover von Hamlet spukt der Geist von Hamlets Vater. Auf den Rückseiten findet such jeweils ein ergänzendes Bild, welches die Handlung der Vorderseite weiterführt. Auf der Rückseite von Hamlet finden wir zum Beispiel Ophelia.

Designt wurden die neuen Ausgaben von Manuja Waldia, einer recht jungen Designerin, die erst vor kurzem ihr Studium beendet hat. Besonders ihre „An icon a day“-Kategorie gefiel dem Team von Penguin besonders, da sie auch dort mit minimalistischen Mitteln Handlungen und Ereignisse darstellte.

Was haltet ihr von der neuen Ausgabe? Ist sie euch zu modern oder seit ihr genauso verzückt wie ich?

Weitere Informationen zur Pelican Ausgabe findet ihr übrigens auf penguinrandomhouse.com

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Kein Outfitfoto, etwas Geschwätz und viel Hurricane 2016

Oh, das hier wird wieder einer dieser Beiträge, bei dem ein Haufen Abonnenten abspringen, weil ich weder über Bücher, Film, DIY, Mode oder sonst etwas schreibe, über das ich sonst so schreibe. Heute bekommt ihr einen ‚klassischen‘ Blogeintrag.

Blog-Blabla

Kommen wir erst einmal zu einem Allgemeinen-Blabla rund um diesen Blog. Netter Weise hat sich der EMF Verlag bereit erklärt mich in seine Verteilerliste aufzunehmen. Ich könnte kaum glücklicher sein, denn ich liebe, liebe, liebe diesen süßen Kreativverlag, der besonders liebevoll gestaltete Koch- und Bastelbücher herausbringt. Wobei ‚Bastelbuch‘ schon fast ein wenig zu niedrig gegriffen ist. Er erklären ihre Bücher wie man mit sämtlichen auf der Erde erhältlichen Materialien kreative Dinge erstellt und das sowohl für Anfänger, als auch für Profis. Mein erstes Rezensionsexemplar habe ich bereits erhalten und nächsten Montag bekommt ihr hoffentlich die dazugehörige Rezension. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle für die nette Zusammenarbeit!

Auch von anderen Verlagen habe ich noch ein paar Bücher und Hörspiele herumliegen, die ich euch in nächster Zeit vorstellen werde. Hoffentlich werdet ihr also den Buchrezensionen nicht überdrüssig.

Wie euch schon vermutlich aufgefallen ist, gibt es wieder einmal, keinen Outfitmittwochbeitrag. Dies liegt schlicht und einfach an dem wirklich doofen Wetter und der Tatsache, dass ich nicht ewig Outfitfotos in meiner Wohnung schießen möchte. Irgendwie beginnt es immer dann zu regnen, wenn ich beschließe nach draußen zu gehen um ein paar Fotos zu machen. Also so viel dazu.

Außerdem arbeite ich gerade einem DIY-Artike, der eventuell eine kurze Reihe wird, und – passend zur Ferienzeit – an zwei Reiseartikeln, die hoffentlich bald fertig sind. Irgendwie unterschätze ich immer die Recherchearbeit. Huch!

Hurricane Festival 2016

Vor allem habe ich aber auch wieder mal ein Wochenende nicht zum schreiben nutzen können und dies aus dem einfachen Grund, dass das Hurricane Festival mal wieder stattfand. Wie schon in so vielen Jahren zuvor habe ich meine Luftmatratze und mein Zelt geschnappt und bin nach Scheeßel gepilgert.

Besonders witzig war bereits die Ankunft am Freitag, bei der mir einige Menschen entgegen kamen, die bereits abreisten. So gut war das Wetter in diesem Jahr. Und obwohl der Zeltplatz bei der Ankunft sehr, sehr matschig war, schien der Tag zumindest gut zu starten. Es war sehr sonnig und schwül und ich lief fleißig in einer kurzen Hose und einem Top herum, da es einfach viel zu warm für jegliche andere Kleidung war.

Am späten Nachmittag zogen dann die ersten Gewitter auf, die den Veranstalter zur ersten Räumung des Festivalgeländes bewegten. Zumindest hatten wir bis dahin schon Zebrahead (Punk) und Royal Republic (Rock’n’Roll) gesehen. Abends wurden die Konzerte kurzerhand etwas nach hinten verschoben und wir konnten noch einen Teil von The Hives (Selbstironie-Punk), ANNENMAYKANTEREIT (Indie-Pop) und Rammstein (Industrial) sehen.

Auf ANNENMAYKANTEREIT hatte ich mich wirklich sehr gefreut, da sie auch schon auf dem Apple Tree Garden-Festival sehr gut gewesen waren. Der Sänger war sichtlich überwältigt von den Menschenmassen, die ihm nun lauschten. Nichtsdestotrotz war dies eines der besten Konzerte des Festivals.

Rammstein sind natürlich absolute Profis, was Auftritte angeht. Das merkt man der Band in jedem Moment an, aber es macht sie eben auch soooooo gut, wie sie eben sind. Selbst wenn man mit der Musik an sich nichts anfangen kann, muss man die Show schon beeindruckend finden. Ich war zwar reichlich geschafft von dem Tag, aber ich konnte nicht anders als in meinen Gummistiefeln mitzuhoppsen.

Der Samstag viel dann wortwörtlich ins Wasser und mit ihm die Auftritte von Boy (Indie-Pop), The Offspring (Punk), Editors (Post-Punk, Elektro) und The Prodigy (Rave), auf die ich mich wirklich gefreut hatte. Der Tag begann schon recht sonderbar mit einer Nachricht der Mutter meines Freundes, die uns schrieb, dass es ja blöd sei, dass das Festival abgesagt wurde. Naja, zu solchen Nachrichten wird man gerne wach.

Die Realität sah dann doch etwas entspannter aus: Durch die starken Regenfälle der Nacht sollte der Einlass zum Festivalgelände etwas verschoben werden. „Weitere Infos gibt es auf Camp FM und in der App.“ Und hier lag dann das eigentliche Problem: Während wir im Regen im Zelt hockten hatten wir weder Radio- noch Internetempfang und mussten uns – wie schon vor drei Jahren – damit behelfen, dass wir Freunde zu Hause per SMS anschrieben und sie uns die neusten Nachrichten aus der App oder den Sozialen Netzwerken als SMS zusammenfassten.

Und während wir im Zelt hockten verschob sich der Einlass immer wieder, denn nach jeder trockenen Stunde, folgten mindestens zwei vollkommen durchnässte. Am Ende wurde der Tag aus Sicherheitsgründen dann abgesagt, damit Verletzte wie bei Rock am Ring vermieden werden konnten.

Der Sonntag brachte dann wieder Sonne und obwohl der Einlass leicht nach hinten verschoben werden musste – in der Nacht hatte es natürlich wieder geschüttet –, fanden die Sonntagskonzerte dann schließlich doch statt. Unser straffes Programm enthielt X Ambassadors (Alternativ), Highasakite (Indie-Pop, Elektro), ein wenig Tom Odell (Indie-Pop), The Subways (Rock), Bosse (Pop), The Wombats (Britpop), Prinz Pi (HipHop), etwas Deichkind (ähm Elektro-HipHop?!) und Mumford and Sons (Folk).

Besonders auf The Wombats (die ich schon zum zweiten Mal sehen durfte), Bosse und Mumford and Sons hab ich mich besonders gefreut. Leider war ich von Bosse mehr als unterwältigt. Also einmal den Text zu vergessen ist als langjähriger Künstler schon nicht so prima, aber beim dritten Mal bin ich demonstrativ weggegangen. Alles in allem wirkte der Auftritt so, als würde er ihn nicht wirklich ernst nehmen.

Ganz anders als bei den Wombats, deren Instrumente beim Regen nass geworden waren und die dennoch mit viel können diese Probleme überspielten. Ein wirklich tolles Konzert, ebenso wie Mumford and Sons.

Insgesamt war es, trotz Regen, ein wirklich tolles Festival, auch wenn die Musik dieses Jahre deutlich härter war. Während es in den letzten sechs Jahren eher Indie-Pop, mehr und mehr HipHop und etwas Alternativ gab, wurde dieses Jahr viel Punk und Industrial angeboten. Was ich persönlich etwas Schade finde, war doch bisher so etwas wie Rock am Ring eher der richtige Ort dafür. Ich bin gespannt, welche Bands nächstes Jahr da sein werden.

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Südlich der Grenze, westlich der Sonne: Eine Murakami Liebesgeschichte

Südlich der Grenze, westlich der Sonne von Haruki Murakami ist die Neuübersetzung von Gefährliche Geliebte.

Haruki Murakamis Gefährliche Geliebte gehört in Deutschland zu einem seiner umstrittensten Romane. Und dies liegt nicht allein, an der widerspenstigen Liebesgeschichte, die erzählt wird, sondern vor allem an der Reise die der Roman durchmachen musste um in seiner heutigen Form publiziert zu werden.

Eine Roman über vertane Chancen

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wird Hajime geboren. Er lebt ein unaufgeregtes Leben im Japan der 1950er Jahre und erlebt die Heftigkeit der Studentenproteste mit einer seltsamen Gleichgültigkeit. Nie schaft er es wirklich enge Freunde zu finden oder eine Beziehung lange zu erhalten. Man könnte gar sagen, dass Menschen ihn langweilen.

Die einzige Person mit der er jemals eine wirkliche Freundschaft pflegte war seine Kindheitsfreundin Shimamoto. Das hinkende Mädchen, mit welchem er sich nur anfreundete, weil es sein Lehrer von ihm verlangte, war die einzige Vertraute, die er jemals hatte und mit der er über alles sprechen konnte. Doch nachdem seine Familie umzog, verloren sich die beiden aus den Augen.

Nun mit 36, als glücklicher Familienvater, taucht sie plötzlich in seiner Bar auf und zeigt ihm auf, wie das Leben hätte sein können, wenn sie sich nicht aus den Augen verloren hätten. Und mit jeder ihrer Begegnungen wird für ihn die Frage danach, ob sein Leben aus einer Ansammlung verpasster Chancen und Möglichkeiten besteht größer.

Die komplizierte Irrfahrt von Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Bereits im Jahre 2000 wurde die damals noch umbenannte Gefährliche Geliebte von Murakami veröffentlicht. Schon damals galt er vieler Orts als einer der Anwärter für einen Nobelpreis, eine Einschätzung, die einige deutsche Feuilletonisten nicht gerade teilten und die unter anderem dafür sorgte, dass Sigrid Löffler nach einer heftigen Debatte mit Marcel Reich-Ranicki das Literarische Quartett verließ.

Ausgelöst wurde dieser Streit vor allem dadurch, dass einigen Kritikern die Sprache zu herb und unangemessen war. Während in dem Roman von Liebe, Tod und Verlangen gesprochen wurde, benutzte Murakami gleichzeitig scheinbar Wörter wie „vögeln“ und andere platte Ausdrücke um Handlungen zu beschreiben.

Während dies eher dafür sorgte, dass Kritiker etwas verwirrt waren und diese Wortwahl nicht wirklich zu den neueren Werken Murakamis zu passen schien, die eher durch eine starke Feinfühligkeit und sehr gewählte Wortwahl überzeugen, lag das Problem an einer ganz anderen Stelle: Der Roman wurde nicht aus dem Japanischen, sondern aus einer sehr vereinfachten Amerikanischen Fassung übersetzt. In dieser ging es nicht so sehr darum den Sprachrhythmus Murakamis wiederzugeben, sondern den Text dem amerikanischen Publikum möglichst leicht zugänglich zu machen.

„Wahrscheinlich fühlten wir beide, dass wir noch unfertige Geschöpfe waren, auf der Suche nach einem neuen, zu erreichenden Etwas, das uns erfüllen und vervollkommnen würde. Zeh Sekunden lang standen wir Hand in Hand vor dem Tor zu diesem Neuen. Nur wir beide. Im Schein eines trüben, flackernden Lichts.“
– Harumi Murakami, Südlich der Grenze, westlich der Sonne, Ende des ersten Kapitels

Ein typischer Fall von Lost in Translation, bei dem der Sinn und die Wortwahl bei der Übersetzung vom Japanischen ins Englische ins Deutsche einfach verloren gegen war. Und während sich zwischen den Worten erahnen lies, dass es sich um eine tiefgehenden Liebesgeschichte handelte, wurde diese durch Worte zerstört und überlagert, die nicht der Situation angemessen schienen.

Erst 2013, nachdem Ursula Gräfe bereits einige Werke Murakamis aus dem Japanischen übersetzt und neu übersetzt hatte, wurde auch die Gefährliche Geliebte, wie der Roman bis dahin hieß, neu übersetzt. Jetzt ist auch die Taschenbuchversion im btb-Verlag erschien.

Eine unpassende Liebesgeschichte und ein unsympathischer Protagonist

Man mag über dieses Buch sagen was man will, aber Hajime, der Protagonist, ist ein ziemlich mieser, arroganter Mensch. Seine erste Beziehung scheitert, weil er seine Oberschul-Freundin mehr oder weniger zum Sex drängen möchte. Als diese ihn immer wieder abweist, beginnt er kurzerhand eine Affaire mit ihrer Cousine. Auch in späteren Jahren ist er nicht wirklich eine treue Seele und man wundert sich, warum er kaum ein Problem damit hat seine Freundinnen oder später seine Frau zu betrügen.

Erst als plötzlich seine Kindheitsfreundin vor ihm steht und er sich auf immer neue Treffen mit ihr einlässt und sich dadurch auch emotional an sie bindet, beginnt er seiner Familie gegenüber ein schlechtes Gewissen zu entwickeln.

Doch auch mit diesem deutlich unsympathischen Protagonisten, der kaum selbst fassen kann, dass ihn sein Karma noch nicht eingeholt hat, ist dies eine wirklich schöne und sanfte Liebesgeschichte, die sich immer wieder mit der Frage beschäftigt: „Was wäre wenn?“

Was wäre gewesen, wenn er und Shimamoto sich auch nach seinem Umzug weiter getroffen hätten? Was wäre gewesen, wenn sie ihn hätte besuchen können? Was wäre gewesen, wenn er sie auf der Straße angesprochen hätte? Was, wenn, was, wenn,… ?

Immer wieder überkreuzen sich die Wege der beiden und dennoch scheint es das Schicksal nicht mit ihnen gut zu meinen, denn nie schaffen sie es den anderen zu erreichen, sei es durch fehlenden Mut oder durch wirkliche Hindernisse.

Sanft beschreibt Murakami, wie sich Hajime immer wieder neu in Shimamoto verliebt oder sich vielleicht auch niemals wirklich entliebt hat. Er erzählt die Geschichte in Hajimes Worten und aus seiner Sicht. Er beschreibt die wundervolle Liebe seines Lebens, die er nie wirklich zu erreichen scheint und die nun zum greifen nah vor ihm steht.

Und obwohl die wirklich gut gewählten Worte eine wirklich schöne Liebe beschreiben, wirken sie doch gleichzeitig berechnend. Sie wirken als würde sich Hajime zu rechtfertigen suchen. Als bräuchte es für ihn 224 Seiten um zu beschreiben, warum er seine Frau emotional betrügen möchte und weshalb es für ihn okay ist dadurch seine Familie und seine gesamte Existenz aufs Spiel zu setzen.

In seiner Erzählweise ein sehr unmukamiesker Roman

Auch wenn sich die Worte und Beschreibungen wie eines von Murakamis Werken lesen, so fehlt das vollkommen absurde Momentum, indem Shimamoto plötzlich nur noch ein Geist aus der Vergangenheit ist, der nicht nur im übertragenen Sinne ein ‚Geist der Vergangenheit‘ darstellt, sondern wortwörtlich zurückgekommen ist um Hajime etwas wichtiges vor Augen zu führen.

Gerade deshalb, weil Murakami in Südlich der Grenze, westlich der Sonne lediglich mit seiner Wortgewalt und den großen Metaphern für Leben und Tod, Liebe und Verlangen hantiert, ist dies einer seiner am leichtesten zugänglichen Romane. Die Liebesgeschichte fühlt sich vollkommen deplatziert an und gleichsam kann sie nur deshalb so intensiv wirken, weil sie zur vollkommen falschen Zeit sich entfaltet. Und auch wenn Hajime vermutlich der unsympathischste von Murakamis Protagonisten ist – und ja, dies schließt auch Kafka aus Kafka am Strand mit seiner eigenartigen Liebesgeschichte ein –, schafft er es dennoch die Geschichte so zu erzählen, dass man mit ihm mitfiebert und sich fragt, wann es endlich wieder anfängt zu regnen und Shimamoto zurückkommt.


★★★★☆ Südlich der Grenze, westlich der Sonne ist als Taschenbuch 2015 bei btb erschienen und kann unter anderem bei Amazon kaufen.

Das Buch wurde mir freudnlicher Weise von btb zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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X-Men Apocalypse: Film vs. Comic

X-Men Apocalypse ist bereits der dritte Film des neuen X-Men Franchise. Die Geschichte um Apokalypse selber gehört zu einer der beliebtesten Serien innerhalb der X-Men Comics. Doch können Film und Comic miteinander mithalten?

X-Men: Apocalypse Film vs. Comic

Es ist bereits der fünfte X-Men-Film an dem Bryan Singer mitarbeitet. Wieder mal führt er uns mit seinem beliebten Team (sowohl Schauspieler, als auch Produktionsteam) in die Welt von X-Men. Dieses Mal spielt die Handlung etwa zehn Jahre nach X-Men: Days of future past in welchem Wolverin die Vergangenheit ändern musste um die Zukunft zu retten.

Charles Xavier hat seine Schule für Kinder mit besonderen Fähigkeiten wieder eröffnet und trainiert nun dort junge Mutanten wie zum Beispiel Jean Grey (Marvel Girl / Phoenix), Scott Summers (Cyclops) und Jubilation Lee (Jubilee). Doch eine neue Macht erhebt sich, die diesen Frieden für immer zerstören möchte: Apokalypse, der erste Mutant, der alle Mutanten vereinen und alle Menschen vernichten möchte. Um seinen Plan in die Tat umzusetzen beginnt er Mutanten für sich zu rekrutieren.

Erzählt wird diese Geschichte, wie schon gewohnt, in großen Bildern, sehr guten 3D-Animationen und untermalt von einem Mix klassisch klingender Musik und 80er-Jahre Popmusik. Zwischendrin läuft Quicksilver besonders schnell durchs Bild und rettet den Tag. Ab und an gibt es Momente zwischen Prof. X und Magneto, die über das gute in den Menschen diskutieren.

Kennen wir und haben wir bereits in einigen X-Men-Filmen so oder so ähnlich gesehen. Was nicht bedeutet, dass es sich um einen schlechten Film handelt. X-Men: Apocalypse ist ein sehr guter Action-Film der deutlich immer noch besser ist als fast jeder Film, der aus dem Haus Disney-Marvel stammt. That said… lasst uns anfangen den Film zu zerpflücken!

Epischer Comic, unbedrohlicher Film

Die Zeit der Apokalypse-Erzählung ist definitiv eine der düstersten der X-Men-Geschichten und ehrlich gesagt bezweifelt man lange, dass es einen Ausweg aus diesem Handlungsstrang geben könnte. Erzählt wird die Geschichte von Charles Xaviers Sohn, der in die Vergangenheit reist um Magneto zu töten. Stattdessen tötet er aus Versehen seinen eigenen Vater. Die Ereignisse werden rasch um die ganze Welt übertragen wo Apokalypse von den Ereignissen erfährt und seine Chance sieht die Welt an sich zu reißen.

Die Comics erzählen nun wie sich die Welt unter der Herrschaft von Apokalypse verändert hat. Xaviers Schule wurde niemals gegründet und somit auch nicht die Superheldengruppe der X-Men. Stattdessen versucht Magneto den Traum seines Freundes wahr werden zu lassen und versucht so viele Mutanten und Menschen wie möglich zu retten und ihnen ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Immer wieder springt diese Reihe zu den verschiedenen bekannten Mutanten und zeigt wie es ihnen ergangen ist. Die einzige Hoffnung dabei aus diesem Kreislauf des Elends zu entkommen, ist ein sonderbarer Fremder, der behauptet, dass er aus einer parallelen Welt kommt und das der Lauf der Geschichte wieder hergestellt werden muss. Von nun an ist es nicht mehr nur das Ziel zu überleben, sondern eine bessere Zukunft für alle zu finden.

Wie so häufig in den X-Men-Comics wird eine sehr, sehr düstere Geschichte erzählt. Es geht nicht darum Apokalypse aufzuhalten, bevor er die Macht ergreifen kann, es geht mehr oder weniger darum in dieser zerstörten Welt zu überleben und zumindest einen winzigen Funken der Hoffnung zu zünden.

Die beginnende Zerstörung, die wir innerhalb des Films am Rande sehen – nie wahrgenommen als wirkliche Bedrohung, denn niemand stirbt wirklich (oder wenn kann er durch Zeitreisen gerettet werden) –, hat innerhalb des Comics ihren Höhepunkt erreicht. Hier geht es um einen übermächtigen Gegner, dem sich niemand entziehen kann und vor dem selbst Magneto und seine Gruppe von Mutanten, nur fliehen können. Xavier ist tot und mit ihm viele andere Mutanten, die nicht rechtzeitig gerettet werden konnten.

Im Film fühlt sich die ganze Situation sehr viel entspannter an. Nicht einmal zehn Mutanten kämpfen gegen Apokalypse um ihn aufzuhalten. Natürlich sind diese zehn X-Men besonders stark und vollkommen ausreichend, dennoch wirkt er nur wie einer von vielen Gegnern, die es zu besiegen gilt, bevor Jean endlich ihre Phoenix-Kräfte entfesseln darf. Einer von diesen durchgedrehten Mutanten, der mit seinen wirren Ideen alle in Gefahr bringt, aber eben auch nicht gefährlich genug ist um wirklich die Welt oder gar die USA zu erobern.

Warum nicht eine X-Men-Geschichte nach einer Niederlage ansiedeln?

Bis jetzt wirkt es so, als müssten Superhelden-Geschichten immer positiv erzählt werden. Selbst wenn die Erde am Rand der Zerstörung steht, darf dieser schmale Grad natürlich nie übertreten werden. Im letzten Moment erscheint immer ein Held in schimmernder Rüstung und rettet den Tag. Eventuell ist am Rande ein unbedeutender Nebendarsteller umgebracht worden oder jemand, von dem bereits eh alle Kinobesucher vorher wussten, dass sein Vertrag ausgelaufen ist.

Dabei zeigen uns im Moment erfolgreiche Comic-Serien – The Walking Dead und Jessica Jones –, dass die Geschichten alles andere als positiv sein müssen um beim Publikum gut anzukommen. The Walking Dead spielt vollkommen in einer postapokalyptischen Welt, die von Zombies beherrscht wird. Jessica Jones, Protagonistin der gleichnamigen Serie, ist ein vollkommen labiler Held, dem man nicht wirklich über den Weg trauen kann.

Solch ein Setting bräuchte man sich – praktischer Weise – für die X-Men nicht einmal ausdenken. Die Geschichte rund um Apokalypse spielt in eben solch einer postapokalyptischen Welt und auch während des Days of future past-Handlungsstrangs ist es nicht gerade eine positive Welt, in der unsere Helden leben.

Beides wurde in den Filmen nur am Rande angedeutet. Days of future past beginnt mit der düsteren Zukunft um Logans Motivation für die Zeitreise – und damit einen Reboot der bisherigen Handlung – zu erklären. Apokalypse deutet zwar an, welche Konsequenzen ein Sieg von Apokalypse hättet, spielt aber eben nicht in jener Zeit.

Warum nicht also einmal die Bösen gewinnen lassen? Warum nicht die Welt der Filme in das Chaos stürzen und zeigen wie sich die X-Men nach Jahren des Überlebenskampfes neu formieren um alles auf eine Karte zu setzen und vielleicht doch noch die Welt zu retten? Bitte erzählt nicht noch eine Geschichte in der Schach als Metapher zwischen Gut und Böse benutzt wird. Traut euch etwas neues zu schaffen! Erzählt Geschichten in denen Helden sterben und nicht wieder kommen. Und wenn der Kinoerfolg vollkommen verwert bleibt und die Kritiken schlechter werden, dann kann man immer noch Wolverin oder Kitty oder Bischop durch die Zeit schicken, das Franchise rebooten und eine neue Geschichte erzählen in der am Ende alles gut ist.

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Leben wie in Filmen: Meine liebsten Living In-Sammlungen von Designsponge [SaSo]

Heute gibt es eine Sammlung von Sammlungen. Der 2004 gegründete Designblog Designsponge beschäftigt sich in seiner Reihe „Living in“ damit wie Menschen in Filmen leben und wie man dieses Lebensgefühl durch Kleidung, Möbel und Dekoartikel nachstellen kann. Dabei werden nicht nur unterschiedliche Epochen nachgestellt, sondern auch besondere Details der einzelnen Filme mit in die Sammlung aufgenommen.

So gibt es beispielsweise eine Sammlung für The Perks of being a Wallflower, in welcher typische Gegenstände der 1980er vorkommen, aber gleichzeitig auch Literatur und Filme wie The Rocky Horror Picture Show und Der Catcher in the Rye. Meine sechs Favoriten sind ganz klar:

Ich hätte super Lust solch eine Sammlung selber zu Filmen oder Büchern zu erstellen, aber bisher hat mich der Rechercheaufwand immer etwas abgeschreckt.

In welchem Film würdet ihr gerne Leben? An Education wäre definitiv weit oben auf meiner Liste, aber auch Die fabelhafte Welt der Amelie.

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„Haben Sie Young Adult-Bücher?“ – „Young-Was?“

Die Unterscheidung zwischen Jugendbuch und Young Adult oder auch YA wird in Deutschland noch gar nicht so lange getroffen, was die Schwierigkeit vieler Buchhändler erklärt die Bücher irgendwie sinnvoll einzuordnen. Aber warum ist die Einordnung so schwierig und was sind überhaupt Unterschiede zwischen den beiden Genres?

Young Adult Bücher

Young Adult vs. Jugendbuch: Eine Sprachliche und historische Annäherung

Betrachtet man die beiden Begriffe rein sprachlich, so stehen beide für junge Literatur, die sich vor allem an Jugendliche richtet. Während es im Englischen nur einen Begriff für diesen Bereich gibt – eben Young Adult – und dieser von den Kategorien Childrens Book und New Adult – worauf ich später kurz zu sprechen kommen werde – eingerahmt wird, trift das Deutsche Verlagswesen mittlerweile eine deutliche Unterscheidung zwischen dem klassischen Jugendbuch, welches sich an 12-18 Jährige Leser richtet, und den Romanen, die sich an Young Adults, also junge Erwachsene richten.

Doch warum ist es überhaupt notwendig eine Unterscheidung zwischen den beiden Kategorien im Deutschen aufzubauen, wenn sie in der Englischen Variante eben sowieso einer Kategorie entsprechen? Um diese Frage sinnvoll beantworten zu können, muss man sich die historische Entwicklung des Jugendbuches angucken. Während es schon früh Romane gab, die sich an Junge Erwachsene richteten, gab es dennoch lange Zeit keine klare Unterscheidung zwischen Romanen für Jugendliche und Erwachsenen und erst viel viel später überhaupt die Überlegung, dass es zwischen diesen beiden Gruppen eine weitere Leserschaft geben könnte, die irgendwie zwischen ihnen steht.

Laut einem Artikel der American Library Association gibt es den Begriff der Young Adult-Literatur seit den 1960er Jahren. Damals entstehen viele Romane, die sich explizit mit Themen rund um Probleme und Fragen von Jugendlichen beschäftigen. Die Leserschaft ist etwa 12-18 Jahre alt, die Autoren deutlich, deutlich älter. Angesprochen werden Themen wie Freundschaft, Gefühlsleben, Familienprobleme und Ähnliches.

Mit seiner Tiefe grenzt sich das Genre deutlich vom Kinderbuch ab, bleibt jedoch thematisch weit von denen der gewöhnlichen Romane entfernt, in denen es um Erwachsene und ihre Probleme geht. Die Protagonisten sind selber genauso jung wie die Leser und damit weit entfernt davon eine eigenen Scheidung durchzumachen oder über einen Jobwechsel nachzudenken.

Als ein Vorreiter dieser Bewegung kann zum Beispiel Der Fänger im Roggen genannt werden, auch wenn er natürlich bereits in den 1950er-Jahren und somit vor der Entstehung des Genrebegriffs entstanden ist. Geht man weiter zurück, zu den Anfängen der Romanbewegung, wird man immer wieder feststellen, dass hier Romane entstanden sind, die sich an ein eher jüngeres Publikum richten, ohne, dass diese zu einem konkreten Genres zusammengefasst wurden. Die Leides des jungen Werthers oder vielleicht sogar die Werke Jane Austens richten sich beide an sehr junge Menschen. So wundert es kaum, dass es bereits im Jahre 1802 eine Definition von Sarah Trimmer gab, die junge Erwachsene im Alter von 14-21 als eine potenzielle Leserschaft zusammenfasste.

Das Überraschende an dieser Definition: Sie fast junge Erwachsene wortwörtlich als junge Erwachsene zusammen, also Menschen die dabei sind Erwachsen zu werden oder diesen Zustand soeben erreicht haben. Ganz anders als die Beschreibung aus den 1960er-Jahren, die vom Verlagswesen festgelegt wurde, und bei der es sich ausschließlich um Jugendliche oder teenager handelt, die schon bei zwölfjährigen beginnt, aber spätestens mit dem Alter von 18 aufhört. Die Idee der Verlage dahinter: Kinder in diesem Zeitabschnitt teilen die meisten Interessen. Leser die älter sind wenden sich eher den Romanen für Erwachsene zu.

Und diese Definition hatte lange Bestand, auch weil Verlage viele Romanvorschläge ablehnten, die sich an ein Zielpublikum richtete, welches vielleicht eher in einer Übergangsphase zwischen Kind und Erwachsenem steckt. Doch wie so viele Umbrüche, begann auch in der Literatur ein Wandel in den 1990er Jahren. In Umfragen stellte man fest, dass auch Menschen bis mindestens 25 noch Jugendbücher lasen und sich als young adults definierten. Schließlich befassten sie sich häufig noch stark mit Themen, die dem des High School Lebens mehr ähnelten, als denen der eigentlichen Erwachsenen. Für sie ging es mehr um die erste Liebe, als um Hochzeit, Ehe und Scheidung.

Genreumdenken durch Kinohits und Selfpublisher

Zögerlich begannen erste Verlage also nun auch Geschichten ins Programm zu nehmen, die sich vielleicht eher an 18-21 Jährige Leser richteten oder in denen düstere Themen behandelt wurden. 1997 veröffentlichte der am Rande der Existenz stehende Verlag Bloomsbury in sehr kleiner Auflage ein Jugendbuch, welches den Markt vollkommen umkrempeln sollte. Der zunächst auf England beschränkte Erfolg von J.K. Rowlings Romanreihe Harry Potter breitete sich bald auf der ganzen Welt aus und wurde durch die Kinofilme weiter verstärkt. Was dieser Roman deutlich zeigte: Jugendbücher werden in einem weitaus größerem Rahmen von Menschen über 25 konsumiert, als es Verlage jemals gedacht hätten. Bald wurde dies auch durch neuerliche Studien immer wieder bestätigt, die sogar darauf hinwiesen, dass Leser die über 50 waren noch young adult-Bücher konsumierten.

Ein Fakt, den viele Verlage nicht wirklich erklären konnten und der vor allem nicht in das feste Schubladendenken ihrer Programme passte. Noch weniger schienen die Buchhändler mit den nun entstehenden Publikationen anfangen zu können, die nicht wirklich in das Kinderbuchregal, aber eben auch nicht in die Abteilung für Erwachsene Literatur passte. Und so wurden die Bücher entweder gar nicht ins Sortiment aufgenommen oder auf irgendeinem Tisch mit anderen uneinordbaren Büchern zusammengefasst.

Doch mit dem Beginn der 2000er-Jahre waren Leser nicht mehr darauf angewiesen ein Buch im lokalen Buchhandel finden zu müssen. Das 1994 gegründete Internetunternehmen Amazon begann 1995 Bücher über das Internet zu verkaufen. Ab 1998 konnten auch in Deutschland erste Bücher über die Seite bestellt werden. Bald schon kauften immer mehr Menschen ihre Bücher online und nicht nur das: Mit dem Kindle konnte man ab 2007 nun sogar sehr einfach Bücher als E-Book lesen.

Dabei waren es vor allem die Selfpublisher, die das E-Book schnell für sich entdeckten. Über ePubli können hierzulande beispielsweise Bücher seit 2008 veröffentlicht werden. Das veröffentlichen von eigenen Büchern bot damals wie heute Autoren die Chance Bücher zu veröffentlichen, die von Verlagen bis dato nicht etwa wegen mangelnder Qualität, sondern auf Grund von mangelnder Einordbarkeit abgelehnt worden waren. Ein Schicksal, welches 1997 beinahe dazu geführt hätte, dass Harry Potter nicht veröffentlicht worden wäre.

Mittlerweile bekannte und von Verlagen unter Vertrag genommene YA-Autoren wie K.A. Tucker oder Amanda Hocking haben beide als Selfpublisher angefangen. Erst als ihre Bücher sich sehr gut verkauften – Hocking verkaufte beispielsweise Bücher im Wert von über 2 Millionen Dollar – wurden Verlage auf sie aufmerksam. Die Tatsache, dass sich Bücher verkauften, von denen Verlage jahrelang gesagt hatten, dass es für sie einfach keinen Markt gebe, sorgten für ein massives Umdenken im Verlagswesen.

Auch Kinoerfolge wie Twilight oder die Hunger Games-Serie zeigten noch einmal deutlich, dass der Bereich der Young Adult-Literatur Anhänger aus allen Altersgruppen begeistern kann, dadurch aber auch Themen ansprechen kann, die bis dahin nicht zu dem Genre zu passen schienen.

Auch der Bereich der New Adult-Texte wurde in diesem Zusammenhang deutlich erweitert. Er richtet sich eher an Leser, die etwa mindestens Anfang oder Mitte 20 sind und thematisiert stärker Themen wie Sex, Unileben oder den ersten Job. Der Roman 50 Shades of Grey, der ebenfalls ein erfolgreiches Beispiel für Selfpublishing ist, kann diesem Genre zugeordnet werden, da es die 21-Jährige Protagonistin auf ihrem Weg ins Erwachsenwerden begleitet.

Und wo finde ich Young Adult-Bücher jetzt in der Buchhandlung?

Heute zeigt sich deutlich, dass YA deutlich von Lesern aller Altersgruppen gefordert wird. Laut einer Statistaauswertung hat sich der Anteil an Verkauften Kinder- und Jugendbüchern am Gesamtbüchermarkt von 2004 bis 2015 von 13% auf 18% erhöht. Natürlich umfast dieser Bereich sehr viel mehr als nur die Young Adult-Bücher, doch kann man den Anstieg der Verkaufszahlen durchaus mit dem Erfolg der YA-Bücher in Verbindung bringen. 2011 gab es zum Beispiel einen rasanten Anstieg. Zu diesem Zeitpunkt wurde der letzte Band der Hunger Games-Trilogie in Deutschland veröffentlicht und auch der letzte Twilight-Film lief gerade im Kino. Auch die Maze Runner-Reihe wurde ab diesem Jahr in Deutschland veröffentlicht.

Auch auf der LitBlog Convention – einer Veranstaltung für Buchblogger, die unter anderem von Dumont, Egmont und Bastei Lübbe veranstaltet wurde – wurde das Thema heftig diskutiert. In dem Workshop „A difference a word makes“ ging es vor allem um den Unterschied zwischen Young Adult– und New Adult-Texten aber auch darum, wie LYX beschlossen hat das Angebot der gewöhnlichen Jugendbücher (12-18 Jahre) um den Bereich YA (14-21 Jahre – wir erinnern uns, dass war bereits die Definition von Trimmer aus dem Jahre 1802) zu erweitern. Auch hier hieß es lange, dass es für die Bücher einfach keine Leserschaft geben würde. Außerdem passten viele der Themen – Sex und Gewalt – nicht in das Bild, welches man von jugendlichen Lesern hatte. Schließlich sollten diese vor Gewaltszenen beschützt werden. Spätestens mit den Hunger Games sollte diese Definition wohl aber der Vergangenheit angehören.

das Verlage wie LYX nun anfangen ihr Angebot zu erweitern stellt die Buchhändler gerade vor ein ernstes Problem, denn wo sollen die Bücher eingeordnet werden? Wie schon bei der ersten ‚Revolution‘ der YA-Literatur in den 1990er-Jahren, gibt es auch heute keinen Wirklich Ort für diese Literatur. In die Kinderabteilung passen sie nicht wirklich und auch nicht zu den Erwachsenen Regalen. Oft werden sie daher also nach Lust und Laune nach Handlungsgenre oder eventuell doch nach Alter der Protagonisten einem Regal zugeordnet. Das Suchen nach einem Roman aus dem YA-Bereich gleicht daher in vielen Buchhandlungen eher einer Schnitzeljagd. Bis es endlich ein eigenes Regal für Young Adult-Bücher gibt, werde ich weiterhin orientierungslos herumirren, nur um dann festzustellen, dass es keinen der Romane auf meiner Leseliste gibt, da die Buchhandlung keinen der Titel bestellt hat, denn es gibt in vielen Köpfen der Buchhändler immer noch keinen Platz oder eine Leserschaft für die sonderbare Zielgruppe der jungen Erwachsenen.

Lest ihr YA-Literatur? Kauft ihr sie online oder in einer Buchhandlung?

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Scandi do it yourself: Das skandinavische Bastelbuch [Review]

Scandi Do it Yourself: Das skandinavische Bastelbuch.

Skandinavische Einrichtung und Deko steht für Minimalismus, klare Linien und dekorative Einfachheit. Alles Elemente die Astrid Algermissen in ihrem DIY-Blog CreativLIVE vereint. Nun ist ihr erstes Bastelbuch Scandi Do it yourself im DVA-Verlag erschienen.

Inhaltsverzeichnis von Scandi Do it yourself: Basteln mit Glas, Holz und vielen weiteren Materialien.

Basteln mit allen Materialien des Haushalts

Gebastelt wird im Buch mit fast allen nur denkbaren Materialen. Diese bilden auch das Ordnungssystem des Buches und sind unterteilt in Glas, Holz, Metall, Papier, Plastik, Stein & Keramik und Stoff & Leder. Aus diese werden vor allem kleine Dekogegenstände wie Dosen und dekorative Gläser gebastelt, aber auch Möbel und Lampen.

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Jede Anleitung ist in etwa gleich aufgebaut und enthält zum einen die benötigten Materialen und Werkzeuge, eine Angabe zum Schwierigkeitsgrad und zur benötigten Zeit. Besonders schön ist hierbei, dass viele Materialen verwendet werden, die man ohnehin zu Hause hat oder die wenig kosten. Auch die Werkzeuge beschränken sich meist auf so etwas wie Klebeband oder eine Schere.

Die eigentliche Anleitung beschreibt in wenigen Schritten wie man zum Beispiel aus Kronkorken hübsche Magneten bastelt oder einen Bilderrahmen in einen Leuchtkasten umwandelt. Dazu gibt es allgemeine Tipps wie man mit bestimmten Materialen umgehen sollte um das beste Resultat zu erzielen oder welche Materialen man alternativ verwenden kann, wenn einem eine bestimmte Sache fehlt.

Ein genauer Blick auf die Bastelanleitungen

Soweit so gut. Leider finde ich die Anleitungen an der ein oder anderen Stelle etwas zu kurz. Wenn man mit einem bestimmten Material schon häufiger gearbeitet hat, reicht es sicherlich aus lediglich grob zu beschreiben, wie das Resultat später aussehen soll, ansonsten sollte man jedoch etwas detaillierter darauf eingehen wie man das Material verarbeiten muss. Auch wirken manche Erklärungen als würden die dazugehörigen Bilder fehlen, die deutlich machen was getan werden soll. Natürlich sorgt dies nicht dafür, dass man die Anleitungen nicht nachbasteln kann, dennoch hätte man einige Anleitungen sicherlich durch ein paar zusätzliche Sätze ergänzen können.

So zum Beispiel das Bank-DIY, welches für jeden Menschen, der noch nie ein Möbelstück gebaut hat, eine ziemliche Herausforderung sein sollte. Vor allem weil es so gut wie keine Angaben dazu gibt wie lang oder breit Bretter zugeschnitten werden sollten oder wie man überhaupt den unteren Teil der Bank baut. Dafür wird sehr schön in der Anleitung erklärt, wie man das Holz zu wirken lässt, als wäre es älter. Vielleicht hätte man sich nur darauf konzentrieren sollen.

Betrachtet man den Blog findet man sogar eine recht gute Erklärung für die fehlenden Details bei den Holztutorials: Wie sie selber häufiger erwähnt ist es eher ihr Mann, der die Holzarbeiten erledigt, während sie hilft und das fertige Objekt später dekoriert. Außerdem werden viele Arbeiten eher improvisiert, was beim späteren Beschreiben der einzelnen Schritte natürlich schwierig werden kann.

Schöne Ideen für erfahrene Bastler

Nichts desto trotz sind die Ideen sehr schön und zeigen, dass man mit wenig Aufwand oder Geld sich einen Hauch von Skandinavien in die eigenen vier Wände holen kann. Die Anleitungen könnten etwas detaillierter sein oder sich auf einen Punkt konzentrieren, statt gleichzeitig zwei bis drei DIY’s in einem zu sein, dennoch sind sie für erfahrene Bastler genau das richtige. Sie bieten genug Erklärungen an um den abgebildeten Gegenstand nachzubasteln und geben Tipps um das Erlernte auch auf andere Bastelprojekte übertragen zu können. Wer eher weniger Erfahrungen hat wird an der ein oder andere Stelle eher stutzen und sich zusätzlich ein Video im Internet angucken müssen.

Zusammen mit dem gelungenen Design des Buches, den wirklich schönen abgebildeten Fotos und den frischen Ideen ergibt dies alles in allem drei von fünf Sternen für das skandinavisch wirkende Bastelbuch Scandi Do it Yourself, welches ihr zum Beispiel bei Amazon kaufen könnt.