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Die Leichtigkeit: Wie man ein Attentat überlebt [Review]

Mit der Graphic Novel Die Leichtigkeit verarbeitet Catherine Meurisse, eine Überlebende der Charlie Hebdo-Redaktion, das Attentat und stellt die Frage, wie man nach solchen Erlebnissen weiterleben kann.

Die Graphic Novel Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse.

Die autobiografische Graphic Novel beginnt am Tag des Anschlags auf die Charlie Hebdo-Redaktion, dessen Mitglied Catherone Meurisse ist und die nur durch einen Zufall zu spät zu den Redaktionsräumen aufbricht, und begleitet von dort aus die Protagonistin bei dem Versuch wieder ein normales Leben zu führen, indem sie nicht mehr nur eine Überlebende ist, sondern weiter als Illustratorin arbeiten kann.

Dabei setzt Meurisse auf eine Mischung verschiedener Stille. Mal sind ihre Bilder eher schnelle Skizzen, die dem Comicstil von Charlie Hebdo entsprechen, mal sind es detailgetreue Farbwelten, die die Wirklichkeit so nah wie möglich wiedergeben wollen.

Catherine Meurisse verarbeitet in ihren Zeichnungen das Attentat auf die Charlie Hebdo-Redaktion.

In diese Zeichnungen werden immer wieder Zitate aus Romanen hineingegeben, die sich mit dem Prozess des Schaffens, aber auch mit dem Leben auseinandersetzen. Dies unterstreicht auf sehr ergreifende Weise das Hauptthema von Die Leichtigkeit, in der es um das Überleben und vor allem Weiterleben geht. Wie kann man nach einem Attentat einfach weiterleben und weitermachen? Wie soll man jeden tag aufstehen und dort ansetzen, wo man aufgehört hat? Fragen, die Meurisse an friedlichere Orte führen und tief in ihre eigenen Empfindungen.

In Karikaturen setzt sich Catherine Meurisse in Die Leichtigkeit mit dem Attentat auf Charlie Hebdo auseinander.

Die Leichtigkeit ist eine Emotionale Sammlung aus Geschichten, Empfindungen und Fragen. Sie beschreibt weniger mit Worten, sondern mit Gefühlen, wie man sich als Überlebender fühlt und versucht unsere Zeit zu verstehen. Dabei werden epische Proust-Zitate mit großen Bildern verbunden und immer wieder durch fast schon grobe Zeichnungen unterbrochen, die die Zerrissenheit Meurisse unterstreichen.

Dennoch bleibt unter all diesen Ebenen die Frage wie nah ihre Schilderungen wirklich an ihren eigentlichen Emotionen und Handlungen sind und ob diese stilisierte Form überhaupt die Möglichkeit bietet ihre wirklichen Gedanken zu verdeutlichen.

Die Leichtigkeit | Catherine Meurisse | Carlsen Verlag | Graphic Novel | Bei Amazon kaufen

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Verliebt in Japan: Eine Mini-Comicbuch-Liebe [Review]

Was erhält man, wenn man eine Zeichnerin nach Japan schickt? Richtig, einen Comic über ihre Erlebnisse im Land der aufgehenden Sonne. Anders erging es auch nicht Inga Steinmetz aka. Schneeballen, die seit 2006 als professionelle deutsche Mangaka und Illustratorin tätig ist. Mit Verliebt in Japan ist nun ein Mini-Comic über ihre Erlebnisse in Japan erschienen.

Das Cover des Comics Verliebt in Japan.

Kurz vor ihrer Hochzeit wird Inga nach Japan eingeladen. Eine einmalige Gelegenheit, die sie sich eigentlich nicht entgehen lassen kann, doch es bedeutet auch, dass sie bis kurz vor ihrer Hochzeit nicht zu Hause sein wird. Nach einigem hin und her entschließt sie sich doch für die Reise und schildert nun auf gut 100 Seiten was sie alles erlebt, wie es ist Zeit bei einem „echten“ Managaka zu verbringen und welche absurden Besonderheiten Japan mit sich bringt. Angefangen von anderen Sitten bei Umkleiden, bis hin zu neue entdeckten Leckereien.

Ein Comic aus Verliebt in Japan: Zwei Freundinnen laufen mit Schirmen durch den Regen.

Die Geschichten werden dabei abwechselnd in einem losen Comicformat und teilweise als Four-Step-Comics erzählt. Alle Geschichten haben dabei eines gemeinsam: Sie sind super niedlich gezeichnet und wirklich sehr amüsant. Besonders die Erlebnisse im Einkaufhaus und mit der Freundin, die unbedingt einen Freund haben möchte, haben mich ganz schön zum schmunzeln gebracht.

Comic: Gemeinsam wird der Inari-Schrein in Kyoto besucht.

Während ich Steinmetz Managa-Zeichenstil wirklich nicht mag, hat sie hier eine andere Seite von sich gezeichnet, die nicht versucht andere Stile zu kopieren, sondern sich selbst treu bleibt und eben dadurch authentisch wirkt. Die Handlung ist – bei 128 Seiten – recht oberflächlich, bietet jedoch eine kurzweilige, unterhaltsame Lektüre. Meiner Meinung nach hätte man auf die Rahmenhandlung mit der Hochzeit verzichten können, aber natürlich werden viele Fans ihrer Werke auch mehr über sie selbst erfahren wollen.

Verliebt in Japan | Inga Steinmetz | 2017 | Carlsen Verlag| 128 Seiten | bei Amazon bestellen


Verliebt in Japan wurde mir als Rezensionsexemplar vom Carlsen Verlag zugesendet. Dies hat nicht meine Meinung beeinflusst.

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Spring #13: Frauenbilder aus Deutschland und Indien [Review]

Das Spring Illustrationsmagazin von Mairisch geht in seine dreizehnte Runde und erzählt dieses Mal von Frauenbildern, -ideen und -problemen aus Deutschland und Indien. Wie gewohnt gibt es keine Artikel, sondern Comics und Illustrationen.

Das Cover des Spring Magazins Nummer 13 trägt, passend zum Titel The Elephant in the room, einen Elefanten auf dem Cover. Das Magazin ist im Mairisch Verlag erschienen.

Die Idee hinter Spring

Das seit 2004 einmal im Jahr erscheinende Spring Magazin versammelt für jede Ausgabe eine Gruppe verschiedener Illustratorinnen, Storytellerinnen und Zeichnerinnen, die einzeln oder gemeinsam sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzen. Pro Ausgabe setzt sich das Team mit einer Idee oder einem Thema auseinander. Diese können „Wandlungen“, „Special Places“, „Verbrechen“ oder auch „Wunder“ sein. Immer geht es darum diese mit einem weiblichen Blick zu betrachten.

Spring #13: The Elephant in the room

Für die aktuelle Ausgabe ging es für acht deutsche Zeichnerinnen in die Nähe von Bangalore in eine Schriftstellerresidenz, wo sie auf acht ihrer indischen Kolleginnen trafen. Unter dem Titel „The Elephant in the Room“ beschäftigten sie sich mit Frauenbildern und gängigen Problemen von Frauen. Hierbei ging es weniger um die Frage von Gender Pay Gap, Genderunterschieden und ähnlichem, sondern viel mehr um die kleinen Dinge, die von Frauen erwartet werden und das moderne Frauenbild prägen.

Die Comics und Illustrationen beschäftigen sich daher mit Themen wie:

  • Warum reagiert die Gesellschaft so verwundert, wenn eine Frau keine Kinder haben möchte?
  • Braucht eine Frau einen Mann um glücklich zu sein?
  • Frauen und Karriere im Wandel der Zeit
  • Weibliche Körperbilder
  • Wieso wird von Frauen erwartet, dass sie einen BH tragen und sich komplett rasieren?

Darüber hinaus wird auch immer die Tatsache thematisiert, dass sie alle einen relativ unsicher Kreativjob gewählt haben und egal ob man aus Indien oder Deutschland kommt: Eltern erwarten mehr Sicherheit hinter einem Job, als ihn eine Illustratorinnenstelle scheinbar liefern kann.

Looking Up von Renshu Singh ist ein fein gezeichneter Comic, der ein indisches Leben in Braun- und Blautönen beschreibt.

Der Comic von Reshu Singh spricht über Vorbilder und fragt ob Vorbilder auch falsche Entscheidungen treffen können.

Bei allen Geschichten ist es sehr spannend, dass man sowohl bei der Themenauswahl oder den Zeichnungen nicht immer direkt sehen kann, ob es sich um eine indische oder deutsche Zeichnerin handelt. Viele Fragen scheinen unabhängig von unterschiedlichen Kulturen zu existieren und junge Frauen zu beschäftigen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Comics die nur auf Grund dieser kulturellen Unterschiede entstehen konnten. Wie zum Beispiel die Geschichte „Looking up“, in der es um eine indische Großmutter geht, die lange das große Vorbild der Zeichnerin war, bis sie realisierte, dass ihre Großmutter eine relativ altmodische Einstellung zu Mädchen hatte und ihre Mutter dazu zu bewegen suchte mehr Kinder zu bekommen, damit sie endlich mindestens einen Sohn hätte.

Töchter ist ein Comic, der Scherenschnitt und Zeichnungen, oder lediglich nur Zeichnungen, die aussehen wie Scherenschnitte, mit der Frage nach dem idealen Beruf für kreative Menschen vermischt. Erzählt wird die Geschichte von Stephanie Wunderlich.

Stephanie Wunderlich spricht in ihrem Comic Töchter über ihre Kindheit, Berufsbilder oder finanzielle Sicherheit.

Oder auch die Geschichte „Töchter“, in der es unter anderem um eine Kindheit während der RAF-Attentate, Schlüsselkinder und die Frage ob ein sicherer Job besser ist als einer, der einen ausfüllt. Geprägt ist die Geschichte dabei vor allem von vielen sehr „Deutschen“ Ereignissen, die so nur ähnlich in anderen Kulturen geschehen konnten.

Es ist spannend zu sehen wie gleich viele weibliche Gesichtspunkte in zwei so unterschiedlichen Kulturen sind.

Illustrationen, Sprachbarrieren und Kooperationen

Die Illustrationen und Comics sind alle sehr, sehr unterschiedlich. Auch hierbei gilt: In vielen Fällen gibt es keinen „Deutschen-“ oder „Indischen“-Stil. Eher fällt in den Comics auf welche Form von Bekleidung die Figuren tragen um das Geschehen schnell einem der Länder zuordnen zu können. Natürlich ist auch Sprache ein fester Indikator für die Herkunft der Geschichten. Diese enthalten entweder Deutsche oder Englische Sprechblasen und zusätzlich Untertitel in der jeweils anderen Sprache.

Für die jeweiligen Illustrationen wurden so ziemlich alle Materialien verwendet, die man sich vorstellen kann. Aquarell-, Öl- und digitale Bilder finden sich in diesem Magazin, ebenso wie Scherenschnitte und Tinte.

Die meisten Themen werden in Form von Comics erzählt, während es zu manchen Ideen mehrere Einzelbilder gibt.

Anpu benutzt für ihren Comic Tusche um über leere Blätter und Katzen zu berichten. Der Comic Trapped von Anpu erzählt in wenigen Worten wie es sich anfühlt als kreativer Mensch auf ein weißes Blatt Papier zu starren.

Etwas Schade finde ich die Tatsache, dass keine der Geschichten in einer Kooperation entstanden zu sein scheint. Jede Zeichnerin erzählt ihren Standpunkt. Zwar in Absprache mit den anderen Illustratorinnen und von diesen inspiriert, dennoch arbeitet jeder an seiner eigenen Idee. Gemeinsam hätten sie sicherlich eine tolle Geschichte entwickeln können, in der sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellen. Wie häufig hat man schon die Möglichkeit mit einer Indischen Zeichnerin zusammenzuarbeiten. Natürlich ist durch ihre gemeinsame Arbeit ein kohärentes Werk entstanden – keine Frage –, dennoch fehlt mir, dass sie zumindest ein ein oder zwei Geschichten zusammenarbeiten.

Spring #13: Fazit und Überblick

Alles in allem finde ich das Projekt hinter Spring super spannend. Den weiblichen Blick einzufangen ist keine leichte Aufgabe, gelingt diesen Zeichnerinnen jedoch fantastisch. Auch wenn mir nicht immer der Zeichenstil der Geschichten gefällt, schaffen sie es dennoch allesamt mit verschiedenen ästhetischen und kulturellen Blickwinkeln ein Thema wie role models – der erste Arbeitstitel der Ausgabe – zu betrachten und greifbar zu machen.

Gerade durch die Wahl einer so anders geprägten Kultur wie der indischen und der Auseinandersetzung mit den Erwartungen von modernen Frauen wird klar, dass wir alle gar nicht so verschieden sind und sich unsere Kulturen – ob nun zum Guten oder Schlechten – in vielen Fragen annähern, aber auch Grundfragen sind, die in allen Kulturen entstehen können.

Das sehr gelungene Magazin erscheint am 15. August im Mairisch Verlag.

250 Seiten | Deutsche / Englisch | Broschur | Vierfarbdruck | 20€

Es kann sowohl direkt bei Mairisch, als auch bei Amazon bestellt werden.


Das Magazin wurde mir vom Mairisch Verlag zur Verfügung gestellt. Nein, dies hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

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X-Men Apocalypse: Film vs. Comic

X-Men Apocalypse ist bereits der dritte Film des neuen X-Men Franchise. Die Geschichte um Apokalypse selber gehört zu einer der beliebtesten Serien innerhalb der X-Men Comics. Doch können Film und Comic miteinander mithalten?

X-Men: Apocalypse Film vs. Comic

Es ist bereits der fünfte X-Men-Film an dem Bryan Singer mitarbeitet. Wieder mal führt er uns mit seinem beliebten Team (sowohl Schauspieler, als auch Produktionsteam) in die Welt von X-Men. Dieses Mal spielt die Handlung etwa zehn Jahre nach X-Men: Days of future past in welchem Wolverin die Vergangenheit ändern musste um die Zukunft zu retten.

Charles Xavier hat seine Schule für Kinder mit besonderen Fähigkeiten wieder eröffnet und trainiert nun dort junge Mutanten wie zum Beispiel Jean Grey (Marvel Girl / Phoenix), Scott Summers (Cyclops) und Jubilation Lee (Jubilee). Doch eine neue Macht erhebt sich, die diesen Frieden für immer zerstören möchte: Apokalypse, der erste Mutant, der alle Mutanten vereinen und alle Menschen vernichten möchte. Um seinen Plan in die Tat umzusetzen beginnt er Mutanten für sich zu rekrutieren.

Erzählt wird diese Geschichte, wie schon gewohnt, in großen Bildern, sehr guten 3D-Animationen und untermalt von einem Mix klassisch klingender Musik und 80er-Jahre Popmusik. Zwischendrin läuft Quicksilver besonders schnell durchs Bild und rettet den Tag. Ab und an gibt es Momente zwischen Prof. X und Magneto, die über das gute in den Menschen diskutieren.

Kennen wir und haben wir bereits in einigen X-Men-Filmen so oder so ähnlich gesehen. Was nicht bedeutet, dass es sich um einen schlechten Film handelt. X-Men: Apocalypse ist ein sehr guter Action-Film der deutlich immer noch besser ist als fast jeder Film, der aus dem Haus Disney-Marvel stammt. That said… lasst uns anfangen den Film zu zerpflücken!

Epischer Comic, unbedrohlicher Film

Die Zeit der Apokalypse-Erzählung ist definitiv eine der düstersten der X-Men-Geschichten und ehrlich gesagt bezweifelt man lange, dass es einen Ausweg aus diesem Handlungsstrang geben könnte. Erzählt wird die Geschichte von Charles Xaviers Sohn, der in die Vergangenheit reist um Magneto zu töten. Stattdessen tötet er aus Versehen seinen eigenen Vater. Die Ereignisse werden rasch um die ganze Welt übertragen wo Apokalypse von den Ereignissen erfährt und seine Chance sieht die Welt an sich zu reißen.

Die Comics erzählen nun wie sich die Welt unter der Herrschaft von Apokalypse verändert hat. Xaviers Schule wurde niemals gegründet und somit auch nicht die Superheldengruppe der X-Men. Stattdessen versucht Magneto den Traum seines Freundes wahr werden zu lassen und versucht so viele Mutanten und Menschen wie möglich zu retten und ihnen ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Immer wieder springt diese Reihe zu den verschiedenen bekannten Mutanten und zeigt wie es ihnen ergangen ist. Die einzige Hoffnung dabei aus diesem Kreislauf des Elends zu entkommen, ist ein sonderbarer Fremder, der behauptet, dass er aus einer parallelen Welt kommt und das der Lauf der Geschichte wieder hergestellt werden muss. Von nun an ist es nicht mehr nur das Ziel zu überleben, sondern eine bessere Zukunft für alle zu finden.

Wie so häufig in den X-Men-Comics wird eine sehr, sehr düstere Geschichte erzählt. Es geht nicht darum Apokalypse aufzuhalten, bevor er die Macht ergreifen kann, es geht mehr oder weniger darum in dieser zerstörten Welt zu überleben und zumindest einen winzigen Funken der Hoffnung zu zünden.

Die beginnende Zerstörung, die wir innerhalb des Films am Rande sehen – nie wahrgenommen als wirkliche Bedrohung, denn niemand stirbt wirklich (oder wenn kann er durch Zeitreisen gerettet werden) –, hat innerhalb des Comics ihren Höhepunkt erreicht. Hier geht es um einen übermächtigen Gegner, dem sich niemand entziehen kann und vor dem selbst Magneto und seine Gruppe von Mutanten, nur fliehen können. Xavier ist tot und mit ihm viele andere Mutanten, die nicht rechtzeitig gerettet werden konnten.

Im Film fühlt sich die ganze Situation sehr viel entspannter an. Nicht einmal zehn Mutanten kämpfen gegen Apokalypse um ihn aufzuhalten. Natürlich sind diese zehn X-Men besonders stark und vollkommen ausreichend, dennoch wirkt er nur wie einer von vielen Gegnern, die es zu besiegen gilt, bevor Jean endlich ihre Phoenix-Kräfte entfesseln darf. Einer von diesen durchgedrehten Mutanten, der mit seinen wirren Ideen alle in Gefahr bringt, aber eben auch nicht gefährlich genug ist um wirklich die Welt oder gar die USA zu erobern.

Warum nicht eine X-Men-Geschichte nach einer Niederlage ansiedeln?

Bis jetzt wirkt es so, als müssten Superhelden-Geschichten immer positiv erzählt werden. Selbst wenn die Erde am Rand der Zerstörung steht, darf dieser schmale Grad natürlich nie übertreten werden. Im letzten Moment erscheint immer ein Held in schimmernder Rüstung und rettet den Tag. Eventuell ist am Rande ein unbedeutender Nebendarsteller umgebracht worden oder jemand, von dem bereits eh alle Kinobesucher vorher wussten, dass sein Vertrag ausgelaufen ist.

Dabei zeigen uns im Moment erfolgreiche Comic-Serien – The Walking Dead und Jessica Jones –, dass die Geschichten alles andere als positiv sein müssen um beim Publikum gut anzukommen. The Walking Dead spielt vollkommen in einer postapokalyptischen Welt, die von Zombies beherrscht wird. Jessica Jones, Protagonistin der gleichnamigen Serie, ist ein vollkommen labiler Held, dem man nicht wirklich über den Weg trauen kann.

Solch ein Setting bräuchte man sich – praktischer Weise – für die X-Men nicht einmal ausdenken. Die Geschichte rund um Apokalypse spielt in eben solch einer postapokalyptischen Welt und auch während des Days of future past-Handlungsstrangs ist es nicht gerade eine positive Welt, in der unsere Helden leben.

Beides wurde in den Filmen nur am Rande angedeutet. Days of future past beginnt mit der düsteren Zukunft um Logans Motivation für die Zeitreise – und damit einen Reboot der bisherigen Handlung – zu erklären. Apokalypse deutet zwar an, welche Konsequenzen ein Sieg von Apokalypse hättet, spielt aber eben nicht in jener Zeit.

Warum nicht also einmal die Bösen gewinnen lassen? Warum nicht die Welt der Filme in das Chaos stürzen und zeigen wie sich die X-Men nach Jahren des Überlebenskampfes neu formieren um alles auf eine Karte zu setzen und vielleicht doch noch die Welt zu retten? Bitte erzählt nicht noch eine Geschichte in der Schach als Metapher zwischen Gut und Böse benutzt wird. Traut euch etwas neues zu schaffen! Erzählt Geschichten in denen Helden sterben und nicht wieder kommen. Und wenn der Kinoerfolg vollkommen verwert bleibt und die Kritiken schlechter werden, dann kann man immer noch Wolverin oder Kitty oder Bischop durch die Zeit schicken, das Franchise rebooten und eine neue Geschichte erzählen in der am Ende alles gut ist.

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X-Men: Days of future past [Film]

Allen großen Comicdebatten wird immer eine Frage vorrausgeschickt: „Team-Marvel oder Team-DC?“. Falls ihr es noch nicht gemerkt habt, ich bin ganz klar ein Marvel-Mädchen. Und somit musste ich natürlich auch den neuen X-Men-Film sehen. Ach Quatsch, ich MUSSTE! Schon X-Men: First Class hat mich in seinen Bann gezogen, da die Fortsetzung – bzw das Prequel – für mich ziemlich überraschend kam. Und ich bin direkt den wunderbaren neuen Figuren, ihrem Charme und Humor, verfallen.

Es ist also kein großes Wunder, dass ich mich auch auf den neuen Teil freute, der nicht nur die neuen Figuren, sondern vor allem auch die alten Schauspieler zurück auf die Leinwand brachte. Ein Film, der schon vor seinem Erscheinen heiß diskutiert wurde und vor allem die Frage aufwarf: Wird es Bryan Singer gelingen dieser epischen Handlung gerecht zu werden?

Die Handlung

Days of future past spielt in der nahen Zukunft. Wissenschaftler haben Roboter &ndash die Sentinels – entwickelt, die gezielt gegen Mutanten vorgehen sollen, da diese eine scheinbare Bedrohung gegen die Menschheit sind. Doch nach und nach entwickelten sich die Sentinals weiter und begannen Menschen zu töten, die potenziell Mutantenfähigkeiten entwickeln könnten oder Kinder auf die Welt bringen könnten, die Mutantenfähigkeiten haben.

Die Handlung setzt an einem Punkt an, an dem ein großer Teil der Mutanten, und damit der X-Men, ausgerottet wurden. Und die von ihnen, die noch übrig sind, setzen alles daran die Sentinels zu zerstören. Doch der Kampf scheint aussichtslos zu sein.

Die letzte Hoffnung der übrigen Mutanten liegt nun in de Versuch Wolverins Geist in die Vergangenheit zu schicken, wo er seinen eigenen Körper dazu bringen soll Magneto und Professor X zu finden und mit ihnen zu verhindern, dass die Sentinels jemals gebaut werden. Ein Unterfangen, welches auf Messerschneide steht, denn es geht nicht nur darum Bolivar Trask aufzuhalten, den Erfinder der Sentinals, sondern auch Mystique, die immer wieder die Pläne der kleinen Gruppe durchkreuzt.

So weit so gut

Bereits der Trailer hat eine spannende Handlung mit interessanten Figuren versprochen und wie von Bryan Singer zu erwarten war, hat er sie großartig umgesetzt. Es gibt nur wenige Zeitreiselogfehler – ein Problem, an dem alle Zeitreisefilme kränkeln –, einen sehr guten Spannungsbogen und viel Mutantenaction, die am Ende des Films wieder einmal dafür sorgt, dass man noch einen Film haben möchte. [Ein Glück, dass gerade die Fortsetzung von First ClassX-Men: Apocalypsefür Mai 2016 angekündigt wurde.]

Durchweg werden die filmischen Mittel sehr gut eingesetzt. Besonders gefallen mir die Quicksilver-Szenen, in denen mit extremen Zeitluppen gespielt wird. Größtenteils werden viele saubere Stilelemente aus Actionfilmen verwendet, die den Zuschauern aus anderen Marvelverfilmungen der letzten Jahre [Ironman, Avengers etc.] bekannt vorkommen sollten.

Wie bereits erwähnt, bin ich sehr zufrieden mit der Schauspielerischen Leistung. Kein großes Wundern, denn sechs meiner momentanen Lieblingsschauspieler (Michael Fassbender, Hugh Jackmann, Jennifer Lawrence, Ellen Page, Peter Dinklage, Evan Peters) tauchen in dem Film auf. Hätten nur noch Jenorado DiCaprio, Ellen Fanning und Emma Watson gefehlt um das Set komplett zu machen.

Klar, man kann auch bei diesem Film auf einem hohen Level rummeckern, wenn man beispielsweise die Comics gelesen hat. Oder sich fragt warum Quicksilver nur am Anfang vorkommt und später nicht mehr – ist ja nicht so, als hätte er eine coole, praktische Fähigkeit – oder warum Charles, obwohl er temporär Probleme mit seinen Fähigkeiten hat, plötzlich so etwas wie eine Zeitreise machen kann – vor allem wenn man bedenkt, dass sicherlich auch Prof. X mit dieser Fähigkeit in die Vergangenheit hätte reisen können…

Abgesehen davon kann ich nur jedem X-Men-Fan raten sich unbedingt diesen Film anzuschauen und danach sich noch einmal Teil 1 und 2 der Original-Trilogy anzugucken. Ach und sich die Comics zu besorgen, wenn man sie noch nicht hat.