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Südlich der Grenze, westlich der Sonne: Eine Murakami Liebesgeschichte

Südlich der Grenze, westlich der Sonne von Haruki Murakami ist die Neuübersetzung von Gefährliche Geliebte.

Haruki Murakamis Gefährliche Geliebte gehört in Deutschland zu einem seiner umstrittensten Romane. Und dies liegt nicht allein, an der widerspenstigen Liebesgeschichte, die erzählt wird, sondern vor allem an der Reise die der Roman durchmachen musste um in seiner heutigen Form publiziert zu werden.

Eine Roman über vertane Chancen

Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wird Hajime geboren. Er lebt ein unaufgeregtes Leben im Japan der 1950er Jahre und erlebt die Heftigkeit der Studentenproteste mit einer seltsamen Gleichgültigkeit. Nie schaft er es wirklich enge Freunde zu finden oder eine Beziehung lange zu erhalten. Man könnte gar sagen, dass Menschen ihn langweilen.

Die einzige Person mit der er jemals eine wirkliche Freundschaft pflegte war seine Kindheitsfreundin Shimamoto. Das hinkende Mädchen, mit welchem er sich nur anfreundete, weil es sein Lehrer von ihm verlangte, war die einzige Vertraute, die er jemals hatte und mit der er über alles sprechen konnte. Doch nachdem seine Familie umzog, verloren sich die beiden aus den Augen.

Nun mit 36, als glücklicher Familienvater, taucht sie plötzlich in seiner Bar auf und zeigt ihm auf, wie das Leben hätte sein können, wenn sie sich nicht aus den Augen verloren hätten. Und mit jeder ihrer Begegnungen wird für ihn die Frage danach, ob sein Leben aus einer Ansammlung verpasster Chancen und Möglichkeiten besteht größer.

Die komplizierte Irrfahrt von Südlich der Grenze, westlich der Sonne

Bereits im Jahre 2000 wurde die damals noch umbenannte Gefährliche Geliebte von Murakami veröffentlicht. Schon damals galt er vieler Orts als einer der Anwärter für einen Nobelpreis, eine Einschätzung, die einige deutsche Feuilletonisten nicht gerade teilten und die unter anderem dafür sorgte, dass Sigrid Löffler nach einer heftigen Debatte mit Marcel Reich-Ranicki das Literarische Quartett verließ.

Ausgelöst wurde dieser Streit vor allem dadurch, dass einigen Kritikern die Sprache zu herb und unangemessen war. Während in dem Roman von Liebe, Tod und Verlangen gesprochen wurde, benutzte Murakami gleichzeitig scheinbar Wörter wie „vögeln“ und andere platte Ausdrücke um Handlungen zu beschreiben.

Während dies eher dafür sorgte, dass Kritiker etwas verwirrt waren und diese Wortwahl nicht wirklich zu den neueren Werken Murakamis zu passen schien, die eher durch eine starke Feinfühligkeit und sehr gewählte Wortwahl überzeugen, lag das Problem an einer ganz anderen Stelle: Der Roman wurde nicht aus dem Japanischen, sondern aus einer sehr vereinfachten Amerikanischen Fassung übersetzt. In dieser ging es nicht so sehr darum den Sprachrhythmus Murakamis wiederzugeben, sondern den Text dem amerikanischen Publikum möglichst leicht zugänglich zu machen.

„Wahrscheinlich fühlten wir beide, dass wir noch unfertige Geschöpfe waren, auf der Suche nach einem neuen, zu erreichenden Etwas, das uns erfüllen und vervollkommnen würde. Zeh Sekunden lang standen wir Hand in Hand vor dem Tor zu diesem Neuen. Nur wir beide. Im Schein eines trüben, flackernden Lichts.“
– Harumi Murakami, Südlich der Grenze, westlich der Sonne, Ende des ersten Kapitels

Ein typischer Fall von Lost in Translation, bei dem der Sinn und die Wortwahl bei der Übersetzung vom Japanischen ins Englische ins Deutsche einfach verloren gegen war. Und während sich zwischen den Worten erahnen lies, dass es sich um eine tiefgehenden Liebesgeschichte handelte, wurde diese durch Worte zerstört und überlagert, die nicht der Situation angemessen schienen.

Erst 2013, nachdem Ursula Gräfe bereits einige Werke Murakamis aus dem Japanischen übersetzt und neu übersetzt hatte, wurde auch die Gefährliche Geliebte, wie der Roman bis dahin hieß, neu übersetzt. Jetzt ist auch die Taschenbuchversion im btb-Verlag erschien.

Eine unpassende Liebesgeschichte und ein unsympathischer Protagonist

Man mag über dieses Buch sagen was man will, aber Hajime, der Protagonist, ist ein ziemlich mieser, arroganter Mensch. Seine erste Beziehung scheitert, weil er seine Oberschul-Freundin mehr oder weniger zum Sex drängen möchte. Als diese ihn immer wieder abweist, beginnt er kurzerhand eine Affaire mit ihrer Cousine. Auch in späteren Jahren ist er nicht wirklich eine treue Seele und man wundert sich, warum er kaum ein Problem damit hat seine Freundinnen oder später seine Frau zu betrügen.

Erst als plötzlich seine Kindheitsfreundin vor ihm steht und er sich auf immer neue Treffen mit ihr einlässt und sich dadurch auch emotional an sie bindet, beginnt er seiner Familie gegenüber ein schlechtes Gewissen zu entwickeln.

Doch auch mit diesem deutlich unsympathischen Protagonisten, der kaum selbst fassen kann, dass ihn sein Karma noch nicht eingeholt hat, ist dies eine wirklich schöne und sanfte Liebesgeschichte, die sich immer wieder mit der Frage beschäftigt: „Was wäre wenn?“

Was wäre gewesen, wenn er und Shimamoto sich auch nach seinem Umzug weiter getroffen hätten? Was wäre gewesen, wenn sie ihn hätte besuchen können? Was wäre gewesen, wenn er sie auf der Straße angesprochen hätte? Was, wenn, was, wenn,… ?

Immer wieder überkreuzen sich die Wege der beiden und dennoch scheint es das Schicksal nicht mit ihnen gut zu meinen, denn nie schaffen sie es den anderen zu erreichen, sei es durch fehlenden Mut oder durch wirkliche Hindernisse.

Sanft beschreibt Murakami, wie sich Hajime immer wieder neu in Shimamoto verliebt oder sich vielleicht auch niemals wirklich entliebt hat. Er erzählt die Geschichte in Hajimes Worten und aus seiner Sicht. Er beschreibt die wundervolle Liebe seines Lebens, die er nie wirklich zu erreichen scheint und die nun zum greifen nah vor ihm steht.

Und obwohl die wirklich gut gewählten Worte eine wirklich schöne Liebe beschreiben, wirken sie doch gleichzeitig berechnend. Sie wirken als würde sich Hajime zu rechtfertigen suchen. Als bräuchte es für ihn 224 Seiten um zu beschreiben, warum er seine Frau emotional betrügen möchte und weshalb es für ihn okay ist dadurch seine Familie und seine gesamte Existenz aufs Spiel zu setzen.

In seiner Erzählweise ein sehr unmukamiesker Roman

Auch wenn sich die Worte und Beschreibungen wie eines von Murakamis Werken lesen, so fehlt das vollkommen absurde Momentum, indem Shimamoto plötzlich nur noch ein Geist aus der Vergangenheit ist, der nicht nur im übertragenen Sinne ein ‚Geist der Vergangenheit‘ darstellt, sondern wortwörtlich zurückgekommen ist um Hajime etwas wichtiges vor Augen zu führen.

Gerade deshalb, weil Murakami in Südlich der Grenze, westlich der Sonne lediglich mit seiner Wortgewalt und den großen Metaphern für Leben und Tod, Liebe und Verlangen hantiert, ist dies einer seiner am leichtesten zugänglichen Romane. Die Liebesgeschichte fühlt sich vollkommen deplatziert an und gleichsam kann sie nur deshalb so intensiv wirken, weil sie zur vollkommen falschen Zeit sich entfaltet. Und auch wenn Hajime vermutlich der unsympathischste von Murakamis Protagonisten ist – und ja, dies schließt auch Kafka aus Kafka am Strand mit seiner eigenartigen Liebesgeschichte ein –, schafft er es dennoch die Geschichte so zu erzählen, dass man mit ihm mitfiebert und sich fragt, wann es endlich wieder anfängt zu regnen und Shimamoto zurückkommt.


★★★★☆ Südlich der Grenze, westlich der Sonne ist als Taschenbuch 2015 bei btb erschienen und kann unter anderem bei Amazon kaufen.

Das Buch wurde mir freudnlicher Weise von btb zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Scandi do it yourself: Das skandinavische Bastelbuch [Review]

Scandi Do it Yourself: Das skandinavische Bastelbuch.

Skandinavische Einrichtung und Deko steht für Minimalismus, klare Linien und dekorative Einfachheit. Alles Elemente die Astrid Algermissen in ihrem DIY-Blog CreativLIVE vereint. Nun ist ihr erstes Bastelbuch Scandi Do it yourself im DVA-Verlag erschienen.

Inhaltsverzeichnis von Scandi Do it yourself: Basteln mit Glas, Holz und vielen weiteren Materialien.

Basteln mit allen Materialien des Haushalts

Gebastelt wird im Buch mit fast allen nur denkbaren Materialen. Diese bilden auch das Ordnungssystem des Buches und sind unterteilt in Glas, Holz, Metall, Papier, Plastik, Stein & Keramik und Stoff & Leder. Aus diese werden vor allem kleine Dekogegenstände wie Dosen und dekorative Gläser gebastelt, aber auch Möbel und Lampen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Jede Anleitung ist in etwa gleich aufgebaut und enthält zum einen die benötigten Materialen und Werkzeuge, eine Angabe zum Schwierigkeitsgrad und zur benötigten Zeit. Besonders schön ist hierbei, dass viele Materialen verwendet werden, die man ohnehin zu Hause hat oder die wenig kosten. Auch die Werkzeuge beschränken sich meist auf so etwas wie Klebeband oder eine Schere.

Die eigentliche Anleitung beschreibt in wenigen Schritten wie man zum Beispiel aus Kronkorken hübsche Magneten bastelt oder einen Bilderrahmen in einen Leuchtkasten umwandelt. Dazu gibt es allgemeine Tipps wie man mit bestimmten Materialen umgehen sollte um das beste Resultat zu erzielen oder welche Materialen man alternativ verwenden kann, wenn einem eine bestimmte Sache fehlt.

Ein genauer Blick auf die Bastelanleitungen

Soweit so gut. Leider finde ich die Anleitungen an der ein oder anderen Stelle etwas zu kurz. Wenn man mit einem bestimmten Material schon häufiger gearbeitet hat, reicht es sicherlich aus lediglich grob zu beschreiben, wie das Resultat später aussehen soll, ansonsten sollte man jedoch etwas detaillierter darauf eingehen wie man das Material verarbeiten muss. Auch wirken manche Erklärungen als würden die dazugehörigen Bilder fehlen, die deutlich machen was getan werden soll. Natürlich sorgt dies nicht dafür, dass man die Anleitungen nicht nachbasteln kann, dennoch hätte man einige Anleitungen sicherlich durch ein paar zusätzliche Sätze ergänzen können.

So zum Beispiel das Bank-DIY, welches für jeden Menschen, der noch nie ein Möbelstück gebaut hat, eine ziemliche Herausforderung sein sollte. Vor allem weil es so gut wie keine Angaben dazu gibt wie lang oder breit Bretter zugeschnitten werden sollten oder wie man überhaupt den unteren Teil der Bank baut. Dafür wird sehr schön in der Anleitung erklärt, wie man das Holz zu wirken lässt, als wäre es älter. Vielleicht hätte man sich nur darauf konzentrieren sollen.

Betrachtet man den Blog findet man sogar eine recht gute Erklärung für die fehlenden Details bei den Holztutorials: Wie sie selber häufiger erwähnt ist es eher ihr Mann, der die Holzarbeiten erledigt, während sie hilft und das fertige Objekt später dekoriert. Außerdem werden viele Arbeiten eher improvisiert, was beim späteren Beschreiben der einzelnen Schritte natürlich schwierig werden kann.

Schöne Ideen für erfahrene Bastler

Nichts desto trotz sind die Ideen sehr schön und zeigen, dass man mit wenig Aufwand oder Geld sich einen Hauch von Skandinavien in die eigenen vier Wände holen kann. Die Anleitungen könnten etwas detaillierter sein oder sich auf einen Punkt konzentrieren, statt gleichzeitig zwei bis drei DIY’s in einem zu sein, dennoch sind sie für erfahrene Bastler genau das richtige. Sie bieten genug Erklärungen an um den abgebildeten Gegenstand nachzubasteln und geben Tipps um das Erlernte auch auf andere Bastelprojekte übertragen zu können. Wer eher weniger Erfahrungen hat wird an der ein oder andere Stelle eher stutzen und sich zusätzlich ein Video im Internet angucken müssen.

Zusammen mit dem gelungenen Design des Buches, den wirklich schönen abgebildeten Fotos und den frischen Ideen ergibt dies alles in allem drei von fünf Sternen für das skandinavisch wirkende Bastelbuch Scandi Do it Yourself, welches ihr zum Beispiel bei Amazon kaufen könnt.

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Die Stahlhöhlen: Ein Kriminalroman im 30. Jahrhundert [Buchreview]

Die Stahlhöhlen von Isaac Asimov, dem legendären Sci-Fi-Autor, von 1954 verbindet nicht nur die Roboter-Trilogie mit dem Foundation-Zyklus, es baut auch die fiktive Zukunft Asimovs aus und führt uns in eine Welt, die unserer erstaunlich gleicht und ihr gleichzeitig vollkommen widerspricht.

Die Stahlhöhlen: Sci-Fi Roman von Isaac Asimov

Auf Mörderjagd mit Roboter-Begleitung

Wir befinden uns im 30. Jahrhundert. Die Menschheit steht vor einem gewaltigen Überbevölkerungsproblem, welches dazu geführt hat Städte vollkommen neu zu denken und den Einsatz von Robotern in vielen Bereichen unerlässlich macht. In ihren Höhlen aus Stahl lebend, sehnen sich die Menschen danach wie die Spacer leben zu können. Jene Menschen sind vor Jahrhunderten aufgebrochen um bewohnbare Planeten zu finden und dort Kolonien zu gründen, die nun leicht besiedelt sind und in großem Wohlstand leben. Ein Wohlstand den sie sich hart erkämpft haben und die sie nun unter allen Umständen zu schützen versuchen.

Mitten in all diesen politischen Verstrickungen, die immer wieder zu Aufständen der Erdbewohner führen, wird plötzlich ein Spacer auf der Erde getötet und ausgerechnet Elijah Baley, ein Komissar des NYPD und Erdenbewohner soll nun in diesem Fall ermitteln. Nicht nur das, nein, er bekommt auch noch den vermutlich abwegigsten Partner zur Seite gestellt, den er sich vorstellen kann: Einen Roboter der Spacer. Wenn Menschen etwas mehr hassen als die Spacer dann definitiv die Roboter, die Menschen ihre Arbeitsplätze wegnehmen und dafür sorgen, dass tausende Menschen in Armenhäusern gelandet sind.

Stahlhölen: Asmiovs Beschreibung einer Zukunftsvision

Was Asimov’s Werke eint ist definitiv seine sehr präzise und kohärente Beschreibung der Zukunft. Wie auch in seinen Vorgängerwerken, in denen beispielsweise seine berühmten Roboter-Gesetze beschrieben wurden, die beispielsweise die Grundlage für den Kinofilm I Robot bildeten, versucht er auch in Die Stahlhöhlen die fiktive Welt und deren Gesellschaft in vielen Details zu beschreiben. So leben die meisten Menschen nun in Gemeinschaftssälen oder winzigen Einzimmerwohnungen um Platz in der Überbevölkerten Mega-Cities zu sparen. Wer fleißig arbeitet kann zusätzliche Privilegien für seine Familie dazugewinnen. Wer sich gegen die Regierung auflehnt landet dagegen schnell im Armenhaus. Bestrafung und Belohnung sind zwei der wichtigsten Mittel der Regierung um die Menschheit kontrollieren zu können.

Zusätzlich werden detailliert die technischen Neuerungen beschrieben. So können Nachrichten über Breitbandkabel verschickt werden. Was Asimov im Jahre 1954 sich ausgedacht hat, ist ganz klar so etwas wie das Internet. Auch seine Schnellverkehrsstraßen erinnern an die Magnetzüge die heute im Einsatz sind oder der geplante Hyperloop.

Aufhalten an Details hindert die Handlung am voranschreiten

Leider steckt Asmiov fiel zu fiel Energie, Tinte und Seiten darein um die Zukunft und ihre gesellschaftlichen Veränderungen zu beschreiben und verliert sich dabei an zu vielen Stellen in Details. Diese unterbrechen häufig die Handlung, so dass diese nur langsam und stockend voranschreitet. Dies könnte man ihm natürlich locker verzeihen, da seine Zukunftsvision wirklich interessant ist, jedoch verliert er sich auch an anderen Stellen in absurd detaillierten Rückblicken, die die Beziehung einzelner Personen etablieren soll, sie aber nur unnötig streckt und den Eindruck erweckt, dass Asimov den Roman künstlich verlängern wollte. Ein Beispiel hierfür ist ein Kapitel in dem Baley, der Protagonist, und seine Frau über die Herkunft und Bedeutung ihrer Namen diskutieren und dadurch eine Art Ehekrise hervorrufen. Das Kapitel trägt dabei absolut gar nichts zur Handlung bei und unterbricht dazu einen der einzigen spannenden Momente des ersten Drittel des Buches.

Warum man Asimov trotzdem eine Chance geben sollte

Unterm Strich ist dieses Buch etwas anstrengend zu lesen, dennoch sollte man dem 288 Seiten langen Roman eine Chance geben, schließlich ist Asimov einer der Begründer der modernen Sci-Fi-Literatur. Seine Zukunftsvision ist sehr spannend und interessant und der Konflikt rund um Roboter, die menschliche Arbeit übernehmen und dadurch die Arbeitslosigkeit ansteigen lassen, ist eine Debatte, die nicht nur spannend ist, sondern langsam auch Teil unserer Wirklichkeit wird. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Was macht eigentlich einen Menschen aus und was unterscheidet ihn von einer Maschine, die die gleichen Aufgaben erledigen kann wie er selbst.

Trotz seiner Bedeutung für die Literaturgeschichte kann ich der neuen Übersetzung von Asimovs Klassiker nicht mehr als 3/5 Punkten geben, denn was es an Bedeutung und philosophischen Diskursen enthält, macht es durch zu viele unnötige Details wieder kaputt, die die Handlung stark daran hindert sich zu entfalten und immer wieder in Diskussionen und Handlungsfragmente abgleitet, die nichts zur eigentlichen Geschichte beitragen.

Die Neuübersetzung von Die Stahlhöhlen von Isaac Asimov ist 2016 im Heyne Verlag erschienen und kann bei Amazon kaufen als Taschenbuch gekauft werden.


Das Buch wurde mir freundlicher Weise von Heyne zur Verfügung gestellt. Nein, dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Ich und Earl und das (sterbende) Mädchen [Buchreview]

Einmal vorweg verstehe ich nicht, warum der Titel des Buches, welches im Original Me and Earl and the dying Girl heißt in der Deutschen Variante geändert wurde. Der Originaltitel fasst in sehr, sehr wenigen Worten zusammen worin es in dem Debütroman von Jesse Andrews geht. Bereits 2012 erschienen und in der ersten Deutschen Version 2013 publiziert (damals noch mit dem vollständigen Titel), gibt es – passend zum Film – nun auch eine Taschenbuchausgabe.

Ich und Earl und das Mädchen

Cut, cut, alles zurück auf Anfang! In Ich und Earl und das Mädchen erzählt Greg, die fiktive Erzählerstimme, von seinem letzten Highschool-Jahr, seiner Freundschaft zu Earl – mit dem er seit er 11 ist Filme des Neuen Deutschen Films, der Nouvelle Vague und anderer Kunstbewegungen nachdreht – und natürlich über Rachel, die an Leukämie erkrank ist.

In einem fast schon viel zu heiteren Ton beschreibt Greg dabei wie er versucht sich mit allen Schulgruppen zu verstehen, die Nachmittage damit zubringt abgedrehte Filme zu gucken und sich um Rachel kümmert, mit der er eigentlich seit er zwölf ist gar nicht mehr befreundet ist, aber das ist seiner Mutter egal, denn schließlich braucht das sterbende Mädchen jeden Freund, den es kriegen kann.

Immer wieder schwankt die Erzählung zwischen einem fast schon tagebuchartigen Stil hin zu einer Art Drehbuch, welches kurz Dialoge und Szenen zusammenfasst. Diesen Mix fand ich zu Beginn des Buches sehr eigenartig und fast schon etwas störend, sobald man jedoch erfährt, dass Greg eigentlich Filme macht ergibt der Stil plötzlich einen Sinn und fügt sich nahtlos in die sehr chaotische Szenerie ein.

Kein Buch für jeden

Ich finde es sehr spannend und mutig sich mit einem schweren Thema wie Leukämie bei Kindern auf eine sehr humorvolle, beinahe schon beiläufige Art zu nähern. Es zeigt, dass man ernste Themen behandeln kann, ohne auf gängige Klischees einzugehen. Dies ist auch etwas, dass immer wieder innerhalb des Buches thematisiert wird, wenn Greg zum Beispiel beschreibt, dass er in einem dramatischen Film sic unendlich in Rachel verlieben würde und sie sich in ihn und sie tragisch in seinen Armen sterben würde. Gerade der Verzicht auf diese Klischees und der satirische Umgang mit ihnen, macht dieses Buch sehr besonders. Ja, es hat einen bösen Humor und ja, deswegen wird es nicht jedem Leser gefallen, aber es zeigt auch, dass Jugendbücher sich nicht immer mit den gleichen Themen auseinandersetzen müssen und das nicht jede Freundschaft zwischen Jungs und Mädchen zu einer Liebesgeschichte führen muss.

An vielen Stellen wirkt der Schreibstil noch etwas holperig und ich kann nicht wirklich beurteilen ob dies daran liegt, dass es Andrews Erstlingswerk ist oder ob es ein gewolltes Stilmittel ist. So oder so wirkt der Ich und Earl und das Mädchen gerade dadurch authentisch und ergreifend.

Den Roman könnt ihr zum Beispiel bei Amazon in der neusten Version von Heyne kaufen.

Kein Film für irgendwen

Leider habe ich den Fehler gemacht und mir danach die Verfilmung von Alfonso Gomez-Rejon angetan. Ein sehr großer Fehler. Die chaotische Familie von Earl, die im Roman einen Großteil der wirklich absurden Szenen liefert, wurde für den Film komplett herausgestrichen. Dafür wurden zusätzliche Szenen eingefügt, die allen gängigen Highschool-Klischee-Dramen entspricht. Es gibt sogar eine schreckliche „Ich-wäre-so-gerne-mit-dir-zum-Abschlussball-gegangen“-Szenen, die wirklich nicht hätte sein müssen. Offenbar hat irgendwer den Roman gelesen und beschlossen, dass dies ein wunderbarer Jugendfilm sein könnte, wenn man fast den kompletten dunklen Humor – der den Roman auszeichnet – durch Kitsch – der dankenswerter Weise im Roman fehlt – ersetzt.


Das Buch wurde mir von Randomhouse zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Unboxing: Japan Candy Box – Eine Überraschungsbox voller japanischer Süßigkeiten + GEWINNSPIEL

Yeah eine zweite Rezension in einer Woche und dann auch noch mit Video! Wieder einmal habe ich meinen Freund dazu – *hust hust* – gezwungen gebracht mit mir zusammen eine Süßigkeitenbox voller japanischer Süßigkeiten auszuprobieren. Dieses Mal haben wir die Japan Candy Box getestet. Die Abobox erscheint monatlich, enthält etwa zehn verschiedenen japanische Süßigkeiten und wird von Blippo, dem Unternehmen hinter der Kawaii Box, produziert. Für etwa 20$ (inklusive Versandkosten) könnt ihr euch also einmal im Monat mit japanischen Süßigkeiten selber beschenken oder jemandem anderen eine Freude machen. Das Abo gibt es in vier verschiedenen Variationen (1, 3, 6, oder 12 Monate) und je länger das Abo hält, desto preiswerter wird jede einzelne Box.

Die Frage die ich mir bei diesen vielen, vielen Subscription Boxen immer stelle ist: Lohnt sich das überhaupt? Häufig kann man die Produkte einzeln preiswerter kaufen oder man bekommt Dinge, die man eigentlich nicht haben möchte / schon hat. Bei Süßigkeiten ist das – zumindest bei mir – eigentlich nie der Fall. Ich liebe es neues Essen zu entdecken und gerade japanische Süßigkeiten sind einfach etwas an das man innerhalb Deutschlands nur begrenzt kommt. Meistens findet man die immer gleichen Marken oder lediglich verschiedene Pocky-Sorten.

Was sich in der Japan Candy Box befindet und wie es schmeckt

Wie schon oben angekündigt habe ich wieder ein Video mit meinem Freund gemacht, bei dem wir alle Süßigkeiten probieren und jeweils 1-5 Punkte verteilen dürfen:

Alle Süßigkeiten der Mai Japan Candy Box.

Die Box an sich ist schon unglaublich niedlich, nicht wahr? Die Süßigkeiten waren dieses Mal wirklich sehr gemischt. Es gab Kekse, Weingummi, Schokolade und Traubenzucker (?!). Besonders die Erdbeermarshmallows, Löwenkekse und die Crisp Choco-Ecken waren super. tatsächlich war in der Box nichts, was ich vorher schon in Japan oder Düsseldorf gegessen hätte. Damit hebt sich die Box deutlich von allen anderen Japan-Süßigkeiten-Boxen ab, die ich bisher getestet oder geschenkt bekommen habe. Nicht nur einen Haufen Sachen von Glico und Meiji – obwohl ich diese Marken wirklich mag – zu bekommen war eine schöne Abwechslung.

Den Preis von 18€ für eine Box finde ich sehr fair. Als Privatperson würde das alleine das Porto bis nach Japan decken*. Die einzelnen Süßigkeiten würden sicherlich im Laden 1-2 Euro kosten, so dass man auch ohne Versandkosten den Preis erklären könnte.

Wie ich schon im Video gesagt habe würde ich die Box kaufen oder verschenken, eben weil der Preis sehr fair ist. Auf der anderen Seite habe fast alle Süßigkeiten recht europäisch geschmeckt, obwohl wir Japan wirklich verrücktes Käse-Popcorn und süße Chips gefunden haben. Dafür muss ich leider einen klitzekleinen Punkt abziehen. Ansonsten ist dies wirklich die beste Süßigkeitenbox, die ich bisher hatte.


Gewinnspiel Zeit

Folgt einfach diesem Link und gewinnt bis zum 11.6. eine Japan Candy Box ganz für euch. Über das Widget könnt ihr ganz leicht das Gewinnspiel teilen oder die Japan Candy Box in Sozialen Netzwerken liken um am Gewinnspiel teilzunehmen.

Auch wenn ihr euch nicht das ganze Video angucken wollt, guckt bitte ab 00:16:50. Die Szene ist einfach sehr, sehr witzig und ich hab ernsthaft nicht bemerkt, dass mein Freund heimlich die Süßigkeiten weiter isst, nachdem ich sie ihm weggenommen habe…


Ja, die Box wurde mir von Blippo zur Verfügung gestellt – Arigato! – nein, dies hat nicht mein Urteil beeinflusst.

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Sailor Moon Crystal: Braucht Sailor Moon wirklich eine Neuauflage? [Review]

Gefühlt jedes Mädchen hat in den 90er-Jahren mit Bunny und ihren Freunden mitgefiebert, wenn sie wieder einmal gegen einen neuen Gegner kämpfen und den Silber Kristall verteidigen mussten. Nun lässt Tōei Animation Sailor Moon in einem neuen Zeichenstil und in HD wiederaufleben. Doch Sailor Moon Crystal ist so viel mehr als nur ein HD-Remake…

Wieder wird die Geschichte von Usagi – ehemals Bunny – erzählt, die erfährt, dass sie als Sailor Moon, der Kriegerin für Gerechtigkeit, böse Dämonen und Feinde der Erde jagen muss. Unterstützt wird sie dabei von ihren Freundinnen, mit denen sie nach und nach mehr über ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Vergangenheit erfährt.

Neue Handlung, alte Handlung?

In Sailor Moon Crystal hat sich einiges getan. Abgesehen davon, dass die Sendung vollkommen neu gezeichnet und dementsprechend auch neu vertont wurde – wobei gerade in der ersten Staffel nicht an 3D-Animationen gespart wurde –, wurde auch die Handlung überarbeitet. Die Abenteuer von Usagi – wie sie nun endlich auch in der deutschen Fassung heißen darf –, Mamo-chan und den anderen sind sehr viel düsterer und rasanter als im bisherigen Anime. Bereits in Folge 9 wird Prinzessin Serenity gefunden, etwas was in der alten Fassung geschlagene 34 Folgen dauerte. (Mit der 34. Folge befindet sich die neue Fassung übrigens gerade in der dritten Staffel.)

Gerade die düstere Handlung wurde von vielen Fans viel diskutiert und vor allem kritisiert. Eigentlich ein komisches Verhalten, vor allem eines, welches deutlich zeigt, wer damals nicht nur den Anime gesehen, sondern auch den Manga gelesen hat, denn die ’neue Handlung‘ ist diejenige des Mangas. Eine Handlung, die nicht nur ohne Filler-Folgen, die den Anime künstlich verlängern sollten, auskommt, sondern eben auch um einiges düsterer und drastischer ist. Kein Wunder also, dass die FSK eine Hochstufung von „Ab 6“ auf „Ab 12“ vorgenommen hat.

Um ehrlich zu sein finde ich dies etwas übertrieb. Klar, die Kämpfe werden etwas detaillierter dargestellt und auch die Beziehung zwischen Haruka und Michiru wird thematisiert, dennoch finde ich dies nicht wirklich ‚jugendgefährdender‘. Im Gegenteil finde ich es schön, dass endlich die vollkommen absurden Monologe von Usagi – früher Bunny – weggefallen sind, in denen sie sich dauerhaft darüber aufregt, dass sie zu dick ist oder von anderen Personen darauf hingewiesen wird. Welche Person in den 90ern hielt es bitte für sinnvoll ein vierzehnjähriges, dürres Mädchen ständig ihren eigenen Körper thematisieren zu lassen, die doch eigentlich ein Vorbild für Mädchen sein sollte? Naja, mehr kann man vermutlich von zwei Typen die vorher unter anderem die deutsche Fassung von Eine schrecklich nette Familie verbrochen haben nicht erwarten. Außerdem fand es doch wirklich jedes Mädchen damals komisch, dass Uranus und Neptun ganz offensichtlich irgendeine Art von Beziehung hatten, die einfach nie angesprochen wurde. Oder ging es nur mir und meinen Freundinnen so?

3D für alle

Naja und dann sind da auch noch die düsteren Seiten des HD-Remakes. Nein, ich meine nicht den vollkommen neuen Zeichenstil und die Pastelfarben, die finde ich sehr schön, es geht um die wirklich auffälligen 3D-Animationen. Ja, Animes werden schon lange am Computer produziert und es wird immer häufiger eine Technik eingesetzt, bei der klassische 3D-Modelle mit Zeichnungen verbunden werden. Nur leider wirkte diese Technik, die zu Beginn vor allem bei den Verwandlungen der Sailor-Kriegerinnen eingesetzt wurde, etwas deplatziert.

Die Kritik der Fans scheint mittlerweile Toei erreicht zu haben, denn seit Staffel drei wurden die Modelle – scheinbar – durch Zeichnungen ersetzt. Dennoch ergeben sie gerade zu Beginn der Sendung einen sehr seltsamen und unnötigen Bruch, den man sicherlich hätte vermeiden können.

„Moon Pride anata no chikara ni naritai“

Abschließend gehört natürlich zu der neuen Vertonung mehr als nur eine neue Synchronfassung. Auch wenn man hier natürlich lange die Entscheidung diskutieren kann für alle Rollen, außer Usagi, neue Sprechen (und das sowohl für die japanische, als auch deutsche Fassung) zu wählen, oder, dass die Sprachzensur für die deutsche Fassung endlich aufgehoben wurde.

Die größte Veränderung stellt vermutlich die Titelmelodie dar. Auch in der deutsche Fassung wurde das japanische Titellied übernommen. Zudem wurde das alte, sehr melancholische Lied, durch ein neues ersetzt, welches nun die Stärke von Mädchen oder zumindest der Sailor-Kriegerinnen besingt, die sich nicht mehr von Männern retten lassen müssen. Etwas, dass tatsächlich auch in der Handlung mit dem immer hilfloser fühlenden Mamoru thematisiert wird.

Während sich einige Fans über eine Neuauflage von Moonlight Densetsu sicherlich gefreut hätten, mag ich den absurden Bruch zwischen dem viel zu süßem Titellied und dem düsteren Anime.

Mehr als ein HD-Remake

Wenn Sailor Moon Crystal eines nicht ist, dann ein einfaches HD-Remake. Man merkt, dass die Toei Animation das 20-jährige Jubiläum groß und gebührend feier wollte. Bisher sind daraus drei sehr gute Staffeln entstanden, die nach und nach auch ins Deutsche übersetzt werden. Die süße Musik, der pastellige Zeichenstil und die düsterere Handlung orientieren sich stark an dem wofür der Manga bekannt war und was leider in der ersten Anime-Fassung verloren gegangen ist. Es ist fast etwas schade, dass es 20 Jahre brauchte um zu seinen Wurzeln zurückzufinden. Wer den Manga damals mochte, wird die neue Fassung lieben. Allen anderen möchte ich diese Fassung ans Herz legen, auch allen männlichen Lesern, die vielleicht die ganze Zeit beim Lesen des Artikels die Augen verdrehen, den dieser sehr kurzweilige Anime zeigt, dass es auch weibliche Superheldinnen geben kann, die die Welt retten können.

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Owlcrate: Eine Box voller Buchliebe

Can’t get enough YA in your life?
OwlCrate to the Rescue!

Ist der Aufmacher auf der Seite von Owlcrate, der Subscribtion-Box für Jugendbücher und Gegenstände mit Buchbezug. Jeden Monat gibt es ein neues Thema.

Seit ich die Box entdeckt habe, wollte ich sie unbedingt ausprobieren. Ihre Themen reichen von Fantasy, über Parallel Worlds, bis hin zu Leading Ladies. Ich finde es spannend, wie diese sehr unterschiedlichen Themen immer wieder mit Material befüttert wurden und natürlich mit sehr großartigen Büchern.

Meine erste Box war die mit dem Thema Dystopia.

Owlcrate Box: Eine Abobox voller wundervoller Buchdinge. Diesen Monat mit dem Buch Flawed, einen Hunger Games-Armband und Gegenständen zu Shatter Me, Maze Runner und 1984.

Als Buch gab es dieses Mal Flawed von Cecelia Ahren (ja, genau die Kitschromanautorien), dessen Handlung sich grob mit: Wenn du nicht perfekt bist, wirst du aus der Gesellschaft ausgeschlossen, zusammenfassen lässt. Die Wahl finde ich etwas überraschend, da Ahren bisher weder für ein junges Publikum, noch dystopische Romane geschrieben hat, aber das muss ja nicht unbedingt etwas schlechtes sein.

Daneben gab es ein Armband und einen Magneten mit Hunger Games-Bezug, einen Maze Runner-Aufnäher, ein 1984-Notizbuch (yuhu!), einen Shatter Me-Untersetzer und einen wundervollen Print.

Ich bin fast ein bisschen enttäuscht, dass es nur Bezüge zu neueren dystopischen Roman gibt. Andererseits richtet sich diese Box auch an sehr junge Leser, die vermutlich mehr mit Maze Runner anfangen können. So oder so liebe ich die Hunger Games-Artikel, den Print, das Notizbuch und den Untersetzer. Das Buch hab ich noch nicht begonnen, aber die Handlung um ein Mädchen, welches durch einen kleinen Fehler an den Rande der Gesellschaft gedrängt wird, klingt spannend.

Die Boxen gibt es übrigens in drei verschiedenen Abo-Varianten:

  • Monatlich – 29,99$ pro Monat
  • 3 Monate – 86,98$
  • 6 Monate – 167,94$

Ich habe für den Anfang das monatliche Modell gewählt um erst einmal verschiedene Boxen auszuprobieren. Das nächste Thema wir Steampunk sein und ich bin sehr gespannt, welches Buch es dieses Mal geben wird. Der große Vorteil der Box ist nämlich, dass man auch Bücher entdecken kann, die gerade erst publiziert werden oder es sich um Sondereditionen handelt, die man in Deutschland gar nicht kaufen kann.

Generell finde ich das Konzept der Buchbox sehr cool und freue mich sehr auf meine zweite Box. Gleichzeitig finde ich die 30$ schon etwas teuer, vor allem wenn man bedenkt, dass noch Lieferkosten dazukommen.

So oder so, falls ihr euch entscheiden solltet euch selbst eine Owlcratebox zu bestellen, dann bestellt bitte über diesen Link (https://owlcrate.com/refer/Dana-FXOWSDTK) und helft mir damit eine Owlcrate-Box umsonst zu erhalten. ;)

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Afterdark: Eine Nacht, zwei Schwestern [Buchreview]

Afterdark von Haruki Murakami war tatsächlich das erste seiner Bücher, welches ich gelesen habe. Da das nun auch schon wieder zehn Jahre her ist, habe ich die Gelegenheit ergriffen und es noch einmal gelesen. Dieses mal etwas reifer und nachdem ich all seine anderen Romane und Erzählungen verschlungen habe.

Haruki Murakamis Roman Afterdark von 2005.

In seinem Roman beschreibt Murakami eine Nacht in Tokyo. Dabei wechselt die Handlung zwischen Mari, die die Nacht unbedingt weit weg von ihrem Elternhaus verbringen möchte und seit Monaten nicht mehr richtig schlafen kann, und Eri, ihrer Schwester, die seit zwei Monaten durchgehend zu schlafen scheint.

Perspektivisch begleitet man die beiden Schwestern als stummer Beobachter, der immer wieder beschreibt, was wir sehen und wie sich die Atmosphäre anfühlt. Es ist dabei Eri, die zwar zu schlafen scheint, aber in Wirklichkeit in sonderbare Ereignisse verstrickt ist. Mari hingegen möchte eigentlich nur in ruhe ein Buch lesen und wartet darauf, dass die Nacht endet. Stattdessen trift sie immer wieder auf einen Bekannten, der sie dazu bringt mehr über sich preis zu geben und so nach und nach aufdeckt, was mit ihrer Schwester los ist.

Daran angelehnt wird man Zeuge von verschiedenen Ereignissen, die innerhalb dieser einen Nacht passieren und die auf verschiedene Arten Mari und Eri beeinflussen.

Eine Erzählung wie ein Drehbuch

Als ich Afterdark das erste Mal kurz nach seiner Erscheinung (2005) gelesen habe, fand ich es besonders spannend wie Murakami die Atmosphäre beschreibt. Man kann sich sehr gut vorstellen wie die Welt von Mari aussieht und sich anfühlt, ohne jemals selber in Tokyo gewesen zu sein. Beim zweiten Lesen hat sich dieser Eindruck zwar bestätigt, noch faszinierender hingegen fand ich wie sehr sich der Schreibstil dieses Buches von den anderen Murakamis unterscheidet. Während seine anderen Romane von sehr ausgewählten, feinen Erzählungen und Beschreibungen leben, wirkt der Text zwischen den Dialogen fast schon wie ein Drehbuch. Er beschreibt die Atmosphäre mit so wenigen Worten wie möglich und geht dann dazu über möglichst viele Dialoge einzubauen. Wer schon einmal etwas von Murakami gelesen hat weiß, dass seine Dialoge schnell zu einem Art Monolog werden können, indem Erzählungen stattfinden und die oft seitenlang sein können. Hier hingegen finden tatsächliche Gespräche statt. Fragen werden sofort beantwortet und geben dem Roman somit eine ganz eigene Dynamik.

Gerade dadurch, dass sich der Text mehr wie ein Drehbuch anfühlt, ist es ein sehr kurzweiliger Roman, den man innerhalb kürzester Zeit verschlingen kann. Und auch wenn sich der Text so anfühlt, als hätte Murakami versucht mit Sprache zu experimentieren, so bleibt er doch seinen Motiven treu: Zwei parallele Erzählungen, die zunächst nichts miteinander zu tun haben scheinen, etwas Übersinnliches und viele psychologische Analysen innerhalb von scheinbar vollkommen unbedeutenden Unterhaltungen.

Ein guter Einstieg

Häufig höre ich, dass sich Menschen mit Murakamis Romanen irgendwie schwer tun. Dies mag daran liegen, dass sie fast schon ‚klinisch‘ perfekt formuliert sind und diese in Kombination mit den etwas sonderbaren Motiven für viele eine Überforderung darstellen. Um jedoch einen Zugang zu seinem Werk zu finden, eignet sich Afterdark wie keines seiner anderen Werke. Es ist ein spannender Roman, der mit seinen gut 300 Seiten schnell zu lesen ist. Die vielen Dialoge und präzisen Beschreibungen ermöglichen einen leichten sprachlichen Zugang. Außerdem wird man in Murakamis Motive eingeführt und kann sich somit langsam an sein Werk herantasten.

Doch auch als einzelner Roman, außerhalb von Murakamis Kanon, ist dies eins ehr guter Roman, der den Leser in eine turbulente tokyoter Nacht verschlägt und ihn, wie auch die Protagonistin Mari, immer wieder aufs neue mit diversen Ereignissen überrascht.

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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Vom Unterschied zwischen Außen- und Innenwahrnehmung [Review]

Haruki Murakami ist ein begnadeter Autor, der von Kritikern seit Jahren als potenzieller Nobelpreisgewinner gehandelt wird. Wie bei vielen Autoren seines Kalibers stößt man bei Rezensionen schnell auf Extreme. Die Leser liebe oder hassen seine Werke. Die kafkaesken Erzählungen und absonderlichen Ereignisse, die seinen Protagonisten immer wieder passieren sind eben nicht jedermanns Sache.

Ich muss zugeben, dass ich eigentlich immer auf der Seite seiner Bewunderer stand. Die Art wie er psychologische Debatten in fantastische Geschichten goss, hat mich von Anfang an begeistert. Bis zu 1Q84, dass mir so gar nicht gefiel und welches ich sogar mittendrin abgebrochen habe, weil ihm die Leichtigkeit, die Murakamis Werken inne wohnt, vollkommen fehlte. Die Worte waren sperrig und es gab zu Beginn direkt zu viele verschrobene Handlungsstränge, die nicht so recht zusammenpassen wollte – nicht etwa wie bei Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt.

Entsprechend kritisch stand ich also seinem neusten Roman Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki gegenüber. Vielleicht war Murakamis Stimmfarbe für immer erloschen, so wie auch Herr Tazaki mit seiner Farblosigkeit kämpfen muss.

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Eine Reise in die Vergangenheit

Tsukuru Tazaki führt mehr oder weniger ein relativ unspektakuläres Leben. Mit seinen 36 Jahren arbeitet er als Ingenieur und entwirft Bahnhöfe. Zwar ist er nicht verheiratet, doch gerade hat er die Frau gefunden, mit der er sich vorstellen kann sesshaft zu werden: Sara. Doch während zunächst alles gut zu laufen scheint, bemerkt Sara immer wieder, dass ihm etwas auf der Seele brennt.

Tazaki ist sofort klar, was sie meint, schließlich weiß er immer noch nicht, weshalb seine besten Freunde vor 16 Jahren plötzlich ohne jede Begründung jeglichen Kontakt zu ihm eingestellt haben. Und so beginnt ein Ausflug in seine Vergangenheit, bei der er feststellen muss, dass seine Innenwahrnehmung nicht immer dem entsprechen muss, was andere Menschen über ihn denken und manche Situationen komplizierter sein können, als sie auf den ersten Blick zu sein scheinen.

Eine Handlung viele Erzählungen

Der Roman wird von Tsukuru selber erzählt, der seiner Freundin von seiner Schulzeit, seinen vier besten Freunden und seiner Universitätszeit berichtet. Dabei springt er zwischen reinen Berichten und Erzählungen, die er teilweise von seinen Freunden gehört oder die ihm selber widerfahren sind.

So beginnt Murakami viele Erzählungen mit einer Handlung zu verknüpfen, die für sich gesehen spannend und mysteriös sind, und immer wieder ohne richtige Aufklärung bleiben. Da ist zum Beispiel die Geschichte des Pianospielers, der angeblich unter einem Fluch leidet und dann genauso unerwartet verschwindet wie er aufgetaucht ist. Oder die sonderbareren Erlebnisse mit seinem besten Freund Haida, die eventuell nur ein Traum oder Wirklichkeit sind.

Über allem schwebt jedoch immer die Frage, weshalb Tsukurus farbenfrohe Freunde, den jeder von ihnen hat in seinem Namen ein Zeichen für eine Farbe verborgen, nicht mehr mit ihm sprechen wollten. Sind sie seiner überdrüssig geworden? Hat er sie beleidigt? Wollten seine Freunde lediglich Pärchen bilden und er war das fünfte Rad am Wagen? Die Suche nach diesem letzten Mysterium seines Lebens zieht sich als großer roter Faden durch das Buch und verbindet die einzelnen Ereignisse und Erzählungen zu einer stringenten Handlung.

Im Grunde ist diese Technik für Murakami nichts neues. In Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt werden zwei unterschiedliche Welten, zwei Protagonisten und zwei Abenteuer geschildert, die sich nach und nach annähern und verschmelzen. Auch in Kafka am Strand schwangt die Geschichte zwischen Kafka und Saturo hin und her.

In Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki bleibt es beim gleichen Protagonisten, aber die Geschichten stammen aus diversen Zeitabschnitten und fügen sich nach und nach zu einem Bild zusammen.

Ein farbloser Roman?

Während ich mit 1Q84 einige Probleme hatte, weil es zu viele Handlungsstränge aufgriff, handelt es sich bei Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki um einen sehr reduzierten Roman. Dies mag zu einen an seiner Länge liegen – mit 320 Seiten ist es deutlich kürzer als 1Q84, dessen drei Romane jeweils gut 500 Seiten lang sind. Zum anderen verzichtet Murakami auf zu viele Parallelentwicklungen und erzählt einen sehr lediglich eine Handlung, die mit diversen Erzählungen angereichert wurde. Dadurch kann man ihr leichter folgen, sie verliert jedoch etwas an dem Charm, den Murakamis Werke ansonsten ausstrahlen.

Auch die fantastischen Ereignisse finden wenn dann nur in Träumen und Erzählungen statt. Während in einigen anderen seiner Romanen tatsächlich sonderbare Dinge passieren, bleibt es hier der Fantasie der Leser überlassen darüber zu urteilen ob die Geschichten wahr oder eben nur genau das, Geschichten, sind und bleiben.

Nichts desto trotz ist dieses wieder einmal ein Werk Murakamis, welches mich von Anfang an abgeholt und begeistert hat. Tsukuru ist eine gute Erzählstimme, die mal an sich selbst zweifelt und kurz darauf entdeckt, dass nicht alle seine Zweifel wirklich dem entsprechen, wie andere Menschen ihn wahrnehmen. Dieses Spiel zwischen Innen- und Außenwahrnehmung verleit diesem Roman eine Besonderheit, die einen sehr guten von einem guten Roman abheben.

Für 11€ könnt ihr den Roman übrigens bei Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki bei Amazon kaufen.


Das Buch wurde mir von Randomhouse zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Nom Nom Galaxy: Mit Robotern im Weltraum Suppen produzieren [Videospielkritik]

Nom Nom Galaxy für die Playstation 4 ist einer dieser Indietitel, von dem gefühlt kein Konsolenspieler etwas gehört hat, bevor es bei Playstation Plus als kostenloses Monatsspiel auftauchte, inklusive mir. Dabei macht es genauso süchtig, wie es knuffig ist.

Das Spiel aus dem Jahr 2015 folgt einer relativ einfachen Handlung: Am Anfang einer jeden Mission landet man auf einem unbekannten Planeten. Auf diesem gilt es Zutaten für Suppen zu finden, Rezepte zu erforschen, Pflanzen anzubauen und fertige Suppen mit Raketen auf andere Planeten zu liefern. Trifft man den Geschmack der Bevölkerung gibt es Punkte. Schafft man es vor seinem Gegner genügend Suppen zu produzieren, so gewinnt man die Mission. Doch Vorsicht ist geboten: den finsteren Gegenspielern ist jedes Mittel recht um den Suppenmarkt zu erobern und so ist man auch nicht vor Angriffen aus dem All geschützt.

Nom Nom Galaxy Ingame-Bild

Nom Nom Galaxy Ingame-Bild. Quelle: playstation.com

Die Spielmechanik erinnert währenddessen an Spiele wie Terraria aus dem Jahr 2011. Mit einer Säge und seinen bloßen Fäusten ausgerüstet buddelt man sich durch die Erde, baut Material für die eigene Suppenfabrik ab und sammelt Zutaten, die überall auf dem Planeten wachsen. Verkompliziert wird der Abbau durch Erdrutsche, Wassereinschlüsse, zurückschlagenden Pflanzen wie den Monstertomaten und der Tatsache, dass man auf fremden Planeten nicht Atmen kann und somit darauf achten muss, dass einem der Sauerstoff nicht ausgeht.

Klar, diese Mechanik fasst im Grunde alle farming Spiele der letzten Jahre zusammen. Im Grunde könnte man sagen, dass es sich um eine Art Minecraft in 2D handelt. Dennoch gibt es ein paar entscheidende Unterschiede, die das Spiel positiv aus einer großen Masse von ähnlichen Spielen hervorhebt.

Terraria mit Spielende

Während es bei vielen Spielen dieser Kategorie mehr oder weniger darum geht endlos weiter Materialien zu sammeln und neue Gebäude zu bauen oder eventuell noch die eigene Ausrüstung zu verbessern, gibt es bei Nom Nom Galaxy jeweils abgeschlossene Level mit einem fest definierten Spielziel. Zum einen steht natürlich die möglichst schnelle Suppenproduktion im Vordergrund, zum anderen versucht man über alle Missionslevel hinweg alle Zutaten und Rezepte zu entdecken.

Zudem gibt es eine sehr gut geregelte Tagesgrenze, die das Spiel zusätzlich erschwert. Nach einigen Minuten endet euer Tag und ein neuer beginnt. Zutaten die bis dahin nicht verwendet wurden, verfallen. Ihr müsst euch also gegen Tagesende bemühen all eure Zutaten schnell zu verwerten. Gerade zu beginn des Spiels unterschätzt man diesen Faktor schnell und verschwendet dadurch wertvolle Lebensmittel, die an anderer Stelle dann fehlen.

Wer die Missionen alleine zu langweilig findet kann im lokalen Kooperations-Modus mit einem Freund zusammen spielen oder sich über das Internet mit Freunden und Fremden zu Spielen treffen. Außerdem bietet das Spiel auch einen „Endlosmodus“, indem man ohne Missionsziel ewig lange Planeten erforschen und neu neue Suppen entdecken kann.

50er-Jahre-Plakatoptik und heitere Fiesta-Musik

Die Grafik besteht aus einem recht hübschen Mix verschiedener Stile. Zum einen findet man ‚klassische‘ Elemente aus anderen mining-Spielen. Die 2D-Grafik, bei der man sich in vier Himmelsrichtungen bewegen kann, die Pixeloptik, die fast schon an Spiele der 80er- und 90er-Jahre erinnert und natürlich die Einfachheit der Umgebung.

Gleichzeitig sehen die Texturen, Textfelder und Detailmodelle eher aus wie Werbeplakate der 50er-Jahre. Verstärkt wird dieser Effekt durch papierartige Texturen, die über die einzelnen Modelle gelegt wurden und natürlich der Farbgebung, die die Farbwelt eben jener Werbeposter aufnimmt. Besonders intensiv sieht man diesen Effekt bei den kleinen Rezeptkarten, die eingeblendet werden, sobald ein neues Rezept gefunden wurde.

Die Musik überzeugt vor allem durch ihre fast vollständige Unauffälligkeit. Sie begleitet den Spieler nebenbei, ohne hektisch oder aufdringlich zu wirken. Nur gegen Ende eines Tages erinnert sie einen eindringlich daran, dass man sich in Sicherheit bringen sollte. Auch bei Angriffen warnt sie einen, sowie sie sich auch bei Erfolgen mit dem Spieler freut. Die kleine Fiesta-Musik, die in diesen Momentan ertönt, wird zu einem freudigen Begleiter.

Kurzweiliges Spiel für vergnügte Stunden zu zweit

Die Optik, die abgeschlossene Musik, der Stille Humor, der Titel und der lokale Kooperations-Modus haben gemeinsam dafür gesorgt, dass ich recht schnell relativ süchtig nach diesem Spiel geworden bin und es mehr oder weniger innerhalb eines Wochenendes mit meinem Freund durchgespielt habe. Es war mal wieder schön ein Spiel zu spielen, bei dem man innerhalb von kurzer Zeit das Ende erreichen kann.

Natürlich gibt es keine wirkliche Handlung, aber für einen vergnügten Spieleabend zu zweit, braucht es nicht immer eine aufwendige Story um gemeinsam Spaß zu haben. Mir hat das Spiel sehr viel Spaß gemacht und ich kann es euch allen nur sehr ans Herz legen. Ich glaub auch für Paare, bei denen einer nicht unbedingt gerne zockt, ist dies eine gute Möglichkeit um gemeinsam etwas zu spielen.

// Das Spiel ist übrigens auch für den PC erschienen.