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Terranauten: „Nichts rein, nichts raus“ [Hörbuchrezension]

„Nichts rein, nichts raus“, das ist das Motto der zweiten Ecosphere 2 Mission. Nachdem die erste bereits grandios gescheitert ist sind die acht Terranauten, die den zweiten Versuch starten werden, entschlossen zwei Jahre abgeschottet von der übrigen Menschheit in einer Kuppel aus Glas zu überleben um so die größte Studie zum Thema hermetisch abgeriegelte Biosystem und Gruppenverhalten zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Wenn da nicht die Sache mit Dawn und Ramsey wäre…

Das Hörbuch zu T.C. Boyles Die Terranauten.

Was wäre, wenn man ein riesiges Gewächshaus mitten in die Wüste bauen, dort einen künstlichen Dschungel, Felder und einen Ozean anlegen würde und in diesen acht Menschen für zwei Jahre einsperren würde? Wie würde sich die Umwelt in der Kuppel verändern? Und viel spannender: Wie würden sich die Menschen verändern? Genau dieser Frage will ein Team von Forschern nachgehen und suchen daher nach freiwilligen Wissenschaftlern, die sich genau diesem Experiment stellen wollen.

Dabei müssen die Wissenschaftler nur mit dem auskommen, was ihnen in der Kuppel zur Verfügung steht. Dies bedeutet aber auch: Wenn die Ernte schlecht ausfällt muss die kleine Gruppe hungern und wenn die Pflanzen zu wenig Sauerstoff produzieren, weil das Wetter außerhalb der Kuppel schlecht ist, dann gibt es eben weniger Atemluft. Auch die medizinische Versorgung muss selbst geleistet werden und dies scheint soweit okay zu sein, bis eine der Terranautinnen schwanger wird und dadurch nicht nur das Experiment, sondern die ganze Gruppe in Gefahr bringt.

T.C. Boyles Roman meisterlich erzählt

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von T.C. Boyle aus dem Jahre 2016, bringt der Hörverlag nun eine gekürzte Lesung von Die Terranauten heraus. Dabei bedienen sie sich des gleichen Tricks, der auch schon Boyles Roman so überaus spannend macht: Sie lassen die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählen.

Konkret sind dies Dawn Chapman, die Terranautin, die die Presse liebt, gelesen von Eli Wasserscheid, Ramsey, der draufgängerische Terranaut, gesprochen von August Diehl, und Linda, Dawns beste Freundin, die es nicht in die Kuppel geschafft hat, verkörpert durch Ulrike C. Tscharre. Alle drei Sprecher haben gemein, dass sie sehr klare Stimmen haben, denen man gut folgen kann, die aber vor allem die Figur durch ihre Stimme beleben und dadurch dafür sorgen, dass ein wahres Kopfkino entsteht. Dies mag unter anderem daran liegen, dass gleich zwei der Sprecher bereits einige Hörbücher aufgenommen haben, aber mehr noch daran, dass sie eben gute Schauspieler sind, die genau wissen wie wichtig es ist auch mit der Stimme Emotionen hervorzurufen.

Wie so oft bei Hörbüchern kommt es jedoch nicht nur auf die Stimmen an, sondern vor allem auf den Inhalt und der hat es wirklich in sich. Das Experiment basiert auf ähnlichen Vorhaben von amerikanischen Forschergruppen und man merkt Boyle an, dass er sich sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat um ein möglichst gut funktionierendes setting zu schaffe. In dieses binde er die wirklich spannende und emotional stark aufgeladene Handlung ein, die trotz allem im nüchternen Ton eines Berichts erzählt wird Reflektiert und distanziert.

Hierbei werden die Ereignisse teilweise von einem der drei Protagonisten geschildert, ab und zu erfahren wir auch aus allen drei Perspektiven was geschehen ist. Dies ist vor allem immer dann unterhaltsam, wenn Dawn beispielsweise über die Gefühle oder Taten eines der anderen Protagonisten spricht und hier konsequent mit ihrer Einschätzung falsch liegt. Wenn sie zum Beispiel darüber spricht wie gut Linda es verkraftet hat, dass sie nicht für die zweite Mission ausgewählt wurde, während Linda selbst darüber schreibt wie sehr sie Dawn dafür verabscheut, dass sie in die Kuppel darf und sie selbst nicht.

Dieses Spiel mit den Perspektiven ist es, welches diesen Sci-Fi-Roman und das dazugehörige Hörbuch aus der Masse heraushebt. Andererseits ist es genau das, was man von einem Faulkner Award-Gewinner erwarten würde. So oder so handelt es sich um eines der besten Hörbücher, welches ich seit langem gehört habe und welches mich gleich nach seinem Ende dazu gebracht hat es wieder von vorne anzufangen.

Die Terranauten | Der Hörverlag | 2016 | Sci-Fi | 1006 Minuten | Bei Amazon kaufen


Dieses Hörbuch wurde mir vom Hörverlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Moonatics: Wir haben die Erde zerstört, lasst uns auf dem Mond weiterfeiern [Buchrezension]

Wie wird unsere Zukunft aussehen, wenn wir weiter so leben wie wir heute leben? Was wird aus der globalen Erwärmung werden? Wie werden sich Techniken wie Alexa weiterentwickeln? Was wird aus der Menschheit? All diese Fragen versucht Arne Ahlert in seinem ersten Roman Moonatics zu beantworten.

Wie sieht unsere Zukunft aus? Moonatics von Ahlert versucht eine mögliche Zukunft der Erde zu beschreiben. Im Gewand eines Reiseromans.

Wir schreiben das Jahre 2043. Darian ist 42, kommt aus London und fühlt sich, wie fast jeder Mensch seiner Generation – den Millennials – irgendwie verloren. Seit der Veränderung des Golfstroms ist es in Europa schrecklich kalt und um dieser Kälte zu entgehen tut er, was fast jeder Mensch tut, er reist um die Welt, arbeitet als freiberuflicher Webseitenentwickler und fühlt sich nirgendwo richtig zu Hause. Seine Hippie-Mutter, die nach Indien ausgewandert ist und sein abwesender Vater, dessen Namen Darian noch nicht einmal kennt, sind dabei keine wirkliche Hilfe.

Bis er eines Tages einen Brief von seinem Vater erhält oder vielmehr von seinem Anwalt, der Darians Leben auf einen Schlag verändert, denn plötzlich ist er reich. So reich, dass er sich eine Reise zum ultimativen Urlaubsziel leisten kann: Levania. Das Hotel auf dem Mond, in welches sich die reichen und berühmten zurückziehen. Das Hotel am Ende des Mondes, in dem man, wenn man es sich leisten kann, in aller Ruhe Ausflüge über den Mond unternehmen kann ohne von den Chinesen gestört zu werden.

Drei Wochen lang soll dies Darians Wahlheimat sein, bevor es zurück zu Erde geht. Doch Levania, welches immer eine große Party zu sein scheint, die von Industriemagnaten, Ex-Terroristen und den sogenannten Monnatics gleichermaßen besucht wird, übt eine immer größere Wirkung auf ihn aus. Und dann ist da noch die Sache mit der Steuerfahndung, die Darian die Entscheidung – auf dem Mond bleiben oder zur Erde zurückkehren – sehr viel einfacher zu machen scheint.

Konzeptbuch ohne wirkliche Handlung: PARTY!

Was soll ich sagen, was Moonatics wirklich gut kann und es im Vergleich zu vielen Sci-Fi-Büchern wirklich hervorhebt ist die Detailversessenheit von Ahlert. Er beschreibt eine potenzielle Zukunft, die sich im Angesicht unserer Gegenwart gar nicht so falsch anfühlt. Apple bietet seinen Anhängern mittlerweile auf der ganzen Erde gleich aussehende Zimmer, die nach einem Netflix-Model es dem jeweiligen Abonnenten ermöglichen überall auf der Erde zu wohnen. Die Google-Glasses haben sich durchgesetzt, dafür aber eine Kontaktlinse, die Informationen aus dem Internet heraussuchen kann. China ist die wichtigste Weltmacht und Roboter haben sich so weit weiterentwickelt, dass man von wirklicher künstlicher Intelligenz sprechen kann.

Besonders die Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt und mögliche Folgen – Klimaerwärmung, verseuchte Meere, Müllberge und so weiter – wurden von Ahlert sorgfältig recherchiert und in seine Handlung eingebunden. Oder viel mehr in das sogenannte setting, denn nichtsdestotrotz muss man sich fragen ob dieses Buch eine wirkliche Handlung besitzt.

Auf beinahe 600 Seiten lässt Ahlert seinen Protagonisten von einer krassen Party zur nächsten eilen. Immer mit dabei: pseudo-philosophische Diskussionen, viel zu viel Alkohol, Gras und die über alles schwebende Gefahr, dass irgendein Trottel vollkommen high ohne Raumanzug durch die Luftschleuse auf den Mond rennt. Was dann im Laufe des Buches ein paar Mal passiert und von den wirklich sehr abgestumpften Figuren hingenommen wird. „The show musst go on.“, oder viel mehr die Party, denn wenn man schon weiß, dass der Menschheit nur noch ein paar gute Jahre bevorstehen werden, warum sollte man sich dann um das Problem kümmern, wenn man auch stattdessen feiern könnte, als gäbe es kein Morgen mehr?

Bittere Aussichten für die Menschheit

Ahlerts Version einer Mond-Hippie-Kommune ist alles andere als berauschend. Die Zukunft die er zeigt besteht nicht nur aus faszinierenden Fragen danach, wie sich unsere Technik weiterentwickelt und mit ihr der Mensch, es besteht vor allem darin aufzuzeigen, dass jeder Mensch der Generation-Y und der Millenials als Erwachsene keinerlei Verantwortungsbewusstsein entwickelt haben. Stattdessen stehen Party, Party und noch mal Partys an erster Stelle.

Klar ab und an geht es darum ob man nicht ein neues Paradies auf dem Mond erschaffen könnte, alles in allem bleibt Ahlerts Roman jedoch flach und langweilig. Nachdem das setting über beinahe 200 Seiten aufgebaut wurde, erwartet man, dass nun endlich eine Handlung beginnen wird. Und nein, dabei reicht es nicht Darian auf eine neue Party zu schicken oder einen Golfplatz auf dem Mond zu konstruieren, sondern eine wirkliche Handlung, bei der Dinge geschehen oder zumindest bedeutungsschwangere Diskussionen geführt werden.

Stattdessen läuft der Roman auf ein fast schon absurdes, tarantinoartiges Ende zu, bei dem sich die Ereignisse plötzlich überstürzen, parallele Welten auftauchen und irgendwie Mord zur Abendunterhaltung wird.

Moonatics | Arne Ahlert | Sci-Fi | 2016 | Heyne | Bei Amazon bestellen


Moonatics wurde mir vom Heyne-Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst

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Doctor Who: Die Dynastie der Winter – Hörbuch [Review]

Wer nicht genug von den Abenteuern des zwölften Doctors und Clara bekommen kann, für den bringt Bastei Lübbe / Lübbe Audio gerade eine vierteilige Reihe rund um die beiden raus. Dank einer sonderbaren Karte werden der Doctor, Clara und die Tardis plötzlich zu einer erdähnlichen Kolonie befördert, die von den Golhearn bedroht wird. Dort treffen sie auf auf das kleine Mädchen Diana, die den Doctor „am schlimmsten Tag ihres Lebens“ um einen dringenden Gefallen bitten muss. Mister Fluffy, ihr Kater, ist verschwunden und der Doctor ist vermutlich als einziger im Stande ihn wieder zu finden.

Natürlich ist dieser Auftrag vollkommen unter dem Niveau des Doctors, doch es wird das Schicksal der Kolonie, von Diana und den Golhearn für immer verändern, wie der Doctor kurze Zeit später herausfinden wird…

Die Götter, Teil 1 von Doctor Who: Die Dynastie der Winter, einem Hörbuch von Lübbe Audio.

Das Hörbuch ist großartig! Von Anfang an hat mich die Stimme von Lutz Riedel an den Lautsprecher gefesselt. Immer wieder vergisst man, dass die Geschichte nur von einem Sprecher gesprochen wird und nicht von mindestens zehn. Was viele Hörspiele durch aufwendige Effekte und Geräusche erzielen müssen, schaft er vollkommen alleine. Dabei schaft er ein Kopfkino der besonderen Art. Natürlich muss man auch die Hörbuch-Regie loben, die diese Geschichte geschaffen hat. In klaren Worten schaffen sie Welten aus dem nichts. Dies ist vor allem noch beeindruckender, wenn man die Bilder von Doctor Who vor Augen hat, bei denen immer wieder große Welten und fantastische Schlachten inszeniert werden. Dies in ein Hörbuch umzusetzen kann keine leichte Aufgabe darstellen.

Meine einzige wirkliche Kritik an diesem Hörbuch, welches einfach von Riedels bestimmter, aber auch freundlicher Stimme lebt ist, dass Teil eins mit etwa 89 Minuten viel zu kurz ist. Statt die Reihe in vier Teile aufzuteilen, hätte man sicherlich auch das ganze Abenteuer in einer Box zusammen fassen können. Vor allem, weil nicht alle Teile gleichzeitig erscheinen und man somit nach jedem Cliffhanger gut einen Monat auf die Fortsetzung warten muss.

Falls ihr es noch nicht herausgelesen habt: Ihr müsst euch dieses Hörbuch holen. Selbst wenn ihr keine Ahnung von Doctor Who habt, ist dies ein sehr gutes Sci-Fi-Abenteuer, welches sich wunderbar anhören und nachvollziehen lässt. Für alle Doctor Who-Fans sind die vier CDs natürlich ein muss.

Doctor Who: Die Dynastie der Winter – Die Götter | 89 Minuten | 2016 | Lübbe Audio | Hörbuch | Bei Amazon kaufen

Ebenfalls in der Reihe erschienen:


Das Hörbuch wurde mir von Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Die Stahlhöhlen: Ein Kriminalroman im 30. Jahrhundert [Buchreview]

Die Stahlhöhlen von Isaac Asimov, dem legendären Sci-Fi-Autor, von 1954 verbindet nicht nur die Roboter-Trilogie mit dem Foundation-Zyklus, es baut auch die fiktive Zukunft Asimovs aus und führt uns in eine Welt, die unserer erstaunlich gleicht und ihr gleichzeitig vollkommen widerspricht.

Die Stahlhöhlen: Sci-Fi Roman von Isaac Asimov

Auf Mörderjagd mit Roboter-Begleitung

Wir befinden uns im 30. Jahrhundert. Die Menschheit steht vor einem gewaltigen Überbevölkerungsproblem, welches dazu geführt hat Städte vollkommen neu zu denken und den Einsatz von Robotern in vielen Bereichen unerlässlich macht. In ihren Höhlen aus Stahl lebend, sehnen sich die Menschen danach wie die Spacer leben zu können. Jene Menschen sind vor Jahrhunderten aufgebrochen um bewohnbare Planeten zu finden und dort Kolonien zu gründen, die nun leicht besiedelt sind und in großem Wohlstand leben. Ein Wohlstand den sie sich hart erkämpft haben und die sie nun unter allen Umständen zu schützen versuchen.

Mitten in all diesen politischen Verstrickungen, die immer wieder zu Aufständen der Erdbewohner führen, wird plötzlich ein Spacer auf der Erde getötet und ausgerechnet Elijah Baley, ein Komissar des NYPD und Erdenbewohner soll nun in diesem Fall ermitteln. Nicht nur das, nein, er bekommt auch noch den vermutlich abwegigsten Partner zur Seite gestellt, den er sich vorstellen kann: Einen Roboter der Spacer. Wenn Menschen etwas mehr hassen als die Spacer dann definitiv die Roboter, die Menschen ihre Arbeitsplätze wegnehmen und dafür sorgen, dass tausende Menschen in Armenhäusern gelandet sind.

Stahlhölen: Asmiovs Beschreibung einer Zukunftsvision

Was Asimov’s Werke eint ist definitiv seine sehr präzise und kohärente Beschreibung der Zukunft. Wie auch in seinen Vorgängerwerken, in denen beispielsweise seine berühmten Roboter-Gesetze beschrieben wurden, die beispielsweise die Grundlage für den Kinofilm I Robot bildeten, versucht er auch in Die Stahlhöhlen die fiktive Welt und deren Gesellschaft in vielen Details zu beschreiben. So leben die meisten Menschen nun in Gemeinschaftssälen oder winzigen Einzimmerwohnungen um Platz in der Überbevölkerten Mega-Cities zu sparen. Wer fleißig arbeitet kann zusätzliche Privilegien für seine Familie dazugewinnen. Wer sich gegen die Regierung auflehnt landet dagegen schnell im Armenhaus. Bestrafung und Belohnung sind zwei der wichtigsten Mittel der Regierung um die Menschheit kontrollieren zu können.

Zusätzlich werden detailliert die technischen Neuerungen beschrieben. So können Nachrichten über Breitbandkabel verschickt werden. Was Asimov im Jahre 1954 sich ausgedacht hat, ist ganz klar so etwas wie das Internet. Auch seine Schnellverkehrsstraßen erinnern an die Magnetzüge die heute im Einsatz sind oder der geplante Hyperloop.

Aufhalten an Details hindert die Handlung am voranschreiten

Leider steckt Asmiov fiel zu fiel Energie, Tinte und Seiten darein um die Zukunft und ihre gesellschaftlichen Veränderungen zu beschreiben und verliert sich dabei an zu vielen Stellen in Details. Diese unterbrechen häufig die Handlung, so dass diese nur langsam und stockend voranschreitet. Dies könnte man ihm natürlich locker verzeihen, da seine Zukunftsvision wirklich interessant ist, jedoch verliert er sich auch an anderen Stellen in absurd detaillierten Rückblicken, die die Beziehung einzelner Personen etablieren soll, sie aber nur unnötig streckt und den Eindruck erweckt, dass Asimov den Roman künstlich verlängern wollte. Ein Beispiel hierfür ist ein Kapitel in dem Baley, der Protagonist, und seine Frau über die Herkunft und Bedeutung ihrer Namen diskutieren und dadurch eine Art Ehekrise hervorrufen. Das Kapitel trägt dabei absolut gar nichts zur Handlung bei und unterbricht dazu einen der einzigen spannenden Momente des ersten Drittel des Buches.

Warum man Asimov trotzdem eine Chance geben sollte

Unterm Strich ist dieses Buch etwas anstrengend zu lesen, dennoch sollte man dem 288 Seiten langen Roman eine Chance geben, schließlich ist Asimov einer der Begründer der modernen Sci-Fi-Literatur. Seine Zukunftsvision ist sehr spannend und interessant und der Konflikt rund um Roboter, die menschliche Arbeit übernehmen und dadurch die Arbeitslosigkeit ansteigen lassen, ist eine Debatte, die nicht nur spannend ist, sondern langsam auch Teil unserer Wirklichkeit wird. Dabei stellt sich immer wieder die Frage: Was macht eigentlich einen Menschen aus und was unterscheidet ihn von einer Maschine, die die gleichen Aufgaben erledigen kann wie er selbst.

Trotz seiner Bedeutung für die Literaturgeschichte kann ich der neuen Übersetzung von Asimovs Klassiker nicht mehr als 3/5 Punkten geben, denn was es an Bedeutung und philosophischen Diskursen enthält, macht es durch zu viele unnötige Details wieder kaputt, die die Handlung stark daran hindert sich zu entfalten und immer wieder in Diskussionen und Handlungsfragmente abgleitet, die nichts zur eigentlichen Geschichte beitragen.

Die Neuübersetzung von Die Stahlhöhlen von Isaac Asimov ist 2016 im Heyne Verlag erschienen und kann bei Amazon kaufen als Taschenbuch gekauft werden.


Das Buch wurde mir freundlicher Weise von Heyne zur Verfügung gestellt. Nein, dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Der Radio-Schocker auf CD: Krieg der Welten [Review]

Wir schreiben das Jahr 1938. Aus dem Radio erklingt eine aufgeregte Stimme: „Es gab eine Explosion!“ Dann plötzlich Stille. Die Verbindung zum Experten ist verloren. Der Nachrichtensprecher weiß nicht recht wie er reagieren soll und spielt stattdessen Orchestermusik. Während langsam Panik in der Redaktion des Radiosenders ausbricht, bemüht sich der Sprecher ruhig zu bleiben um die Zuhörer nicht zu verängstigen, doch zu dem Zeitpunkt dämmert es langsam beim Publikum: Die Erde wird angegriffen und der Feind ist dieses Mal niemand anderes als Bewohner des Mars.

Mit Hilfe der damals möglichen Technik, versuchte Orson Welles, der später als Regisseure von Citizen Kane weltweiten Ruhm erlangen sollte, ein vorher so noch nie dagewesenes Hörspiel zu gestalten. Auf Basis von H.G. Wells Krieg der Welten inszenierte er einen Angriff auf die Erde im gängigen Nachrichtenformat der 30er-Jahre. Die Wirkung der ersten Ausstrahlung ist heute zu einer modernen Legende geworden. Bereits kurz nach der Ausstrahlung werden Gerüchte von Massenpanik und Selbstmorden breit. Einige Zuschauer, die erst später das Radio angeschaltet haben, hielten das Hörspiel für eine echte Nachrichtensendung, hieß es. Bei CBS seien hunderte Anrufe von verstörten Zuhörern eingegangen.

Doch ebenso wie das Hörspiel vorgab etwas zu sein, was es nicht war, sind auch die meisten Legenden rund um den kalten Abend des Jahres 1938 eben nur das: Legenden. Zwar gab es leicht erhöhte Anruferzahlen, doch kaum jemand konnte wirklich glauben, dass es sich bei diesem Hörspiel wirklich um die Realität handelte.

So war damals das Buch aus dem Jahre 1898 recht bekannt unter dem amerikanischen Zielpublikum und das Hörspiel ist nicht weit von der Romanhandlung entfernt. Zudem wird immer wieder deutlich, dass es sich um künstliche, im Studio entstandene Geräusche handelt. Auch das ausbleiben von anderen Berichten auf anderen Radiosendern konnte kaum hilfreich gewesen sein in dem Versuch die Menschen von der Wahrhaftigkeit der Ereignisse zu überzeugen.

Spätestens ab dem zweiten Drittel sollte dann allen Zuschauern klar gewesen sein, dass es sich hier eindeutig um ein Hörspiel handelt. Die Handlung macht einen Sprung. Einige Monate sind seit der Invasion vergangen und erzählt wird nun beinahe in Romanform aus Sicht eines Überlebenden.

Es ist erstaunlich wie mystifiziert dieses Hörspiel mittlerweile wird. Dabei ist Welles größte Errungenschaft nicht etwa, dass er einige Menschen für einen Moment davon überzeugen konnte, dass die Erde von Außerirdischen angegriffen wird. Es ist schlicht und einfach die Tatsache, dass man diesem Hörspiel auch beinahe 80 Jahre nach seiner Entstehung voller Spannung folgen kann. Das Tempo der Erzählung ist angenehm und man kann den Ereignissen gut folgen. Die Soundeffekte klingen an wenigen Stellen etwas künstlich, schaffen es jedoch ansonsten eine sehr naturalistische Tonumgebung entstehen zu lassen. Zu guter Letzt ist da natürlich auch noch Orson Wells Stimme, die zunächst in ruhiger Nachrichtensprecher-Manier von Erschütterungen auf dem Mars berichtet, dann langsam hektischer wird und schließlich in Angst und Panik verfällt.

Das "The War of the Worlds"-Hörspiel vom Hörverlag. Wunderschöne Radio-Verpackung.

Das „The War of the Worlds“-Hörspiel vom Hörverlag. Wunderschöne Radio-Verpackung.

Bisher hatte ich leider immer das Pech, dass ich nur einen Teil dieses wirklich empfehlenswerten Hörspiels im Radio mitbekommen habe. Wie gut, dass es mittlerweile eine Ausgabe dieses Hörspiels aus dem Hörverlag als CD gibt, die ich jedem Hörspiel- und / oder Sci-Fi-Fan wirklich ans Herz legen möchte. Die Tonqualität dieser Version ist leicht angepasst, aber nicht albern digital remastert oder gar mit neuen Geräuschen unterlegt worden.

Alles in allem sehr schön für einen gemütlichen Hörspielabend!

Bei Amazon kaufen: The War of the Worlds

Hört ihr gerne Hörspiele? Und wenn ja: kauft ihr euch welche, hört ihr sie im Internet oder tatsächlich noch im Radio?


Dieses Hörspiel wurde mir von Random House zur Verfügung gestellt. Nein, diese Tatsache hat mein Urteil nicht beeinflusst.

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Der Marsianer [Buch-Review]

Als ich den Film Der Marsianer das erste Mal gesehen habe, war mir klar, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Obwohl kaum mehr als beispielsweise in Gravity passierte, war dieser Film vom ersten Moment an spannend und Matt Damon lieferte eine fantastische schauspielerische Leistung ab. Die Frage die sich mir jedoch stellte war: Kann ein Roman, bei dem es darum geht, dass ein Mann alleine in der Ödnis des Mars feststeckt und ums überleben kämpft, mit einem Film mithalten, der Ödnis und Langeweile zumindest mit packenden Bildern überspielen kann?

Aber bevor ich hier direkt zu meinem Fazit springe, fangen wir doch erst einmal von vorne an. Der Marsianer, das Erstlingswerk von Andy Weir, erschien bereits 2011 in kleiner Auflage, wurde schnell von Kritikern gelobt und nochmals 2014 herausgegeben. Bereits 2015 folgte die Verfilmung mit der oscarnominierten Darstellung von Matt Damon.

Der Roman erzählt auf 512 Seiten die Geschichte des Astronauten Mark Watney, der ein Teil der Crew der dritten bemannten Marsmission ist. Als ein Sturm ausbricht und die Crew den Planeten evakuieren muss, verliert er seine Mannschaft und wird &ndas; weil sie davon ausgehen müssen, dass er im Sturm umgekommen ist – alleine auf dem Planeten zurückgelassen. Mit seinen Fähigkeiten als Mechaniker und Botaniker versucht er aus seinem kleinen Vorrat und den wenigen Dingen, die er zur Verfügung hat, genug Nahrung anzubauen, bis die nächsten Astronauten auf dem Mars eintreffen sollen.

Zunächst wird die Geschichte auch Sicht Watneys erzählt, der seine Logbucheinträge nutzt um eine Art Tagebuch zu führen. Dabei beschreibt er humorvoll wie er auf dem Mars überleben möchte und was er erlebt hat. Gewürzt werden diese Beiträge mit vielen naturwissenschaftlichen und technischen Details, die dem Leser die Plausibilität seines Überlebens zu vermitteln suchen.

Nach etwa dem ersten viertel der Geschichte wird außerdem erklärt, was währenddessen im NASA-Hauptquartier geschieht, wie sie bemerken, dass Mark noch am leben ist, und eine Rettungsmission auf die Beine stellen. Erzählt werden diese Abschnitte in einer klassischen Autorenstimme.

Von da an werden Marks Einträge kürzer und zügiger.

Da ich vorher schon viel von dem Buch gehört habe und es viele Menschen als eines der besten Bücher unserer Zeit beschreiben, war ich beim Lesen schon fast etwas enttäuscht. Ja, das Buch ist sehr gut recherchiert und erklärt sehr eindrucksvoll, wie Mark auf dem roten Planeten überleben kann. Viele Dinge, die im Film etwas unlogisch wirkten [wie zum Beispiel die Frage: Wieso kann ein Botaniker die vielen technischen Änderungen vornehmen, die für sein Überleben von Nöten sind?] werden im Buch geklärt und ich frage mich, weshalb sie in der Filmversion weggelassen wurden. Gleichzeitig ist dies jedoch auch die große Schwäche des Romans. Viele technische Details werden zu ausführlich erklärt. An einigen Stellen wäre es von Vorteil gewesen Details wegzunehmen um das Tempo des Buches zu beschleunigen.

Es reicht beispielsweise zu erklären, dass er etwas bestimmtes aufschraubt. Weir beschreibt jedoch vorher, wie Mark in seinen Raumanzug steigt, welches Werkzeug er benutzt und dann wie er jede der einzelnen Schrauben löst. Dabei kann sich der Leser denken, dass er seinen Raumanzug anziehen muss, wenn er auf dem Mars herumläuft und ein Satz wie „Und dann löste ich alle Schrauben, die Teil A und B zusammenhielten.“, ist vollkommen genügend um die Situation zu verstehen.

Leider muss ich daher zu meinem vorher angedeuteten Urteil zurückkehren: Die Filmversion ist besser als das Buch, da es hier einen besseren Erzählrhythmus gibt und langwierige Passagen durch Landschaftsaufnahmen und Musik interessanter gemacht werden können. Außerdem ist es etwas anderes ob man sieht wie Matt Damon Dinge auseinandermontiert oder diese Prozedur über vier Buchseiten hinweg geschildert wird.

Dies soll euch nicht den Eindruck vermitteln, dass das Buch nicht lesenswert ist. Im Gegenteil ist es ein spannender und wirklich außergewöhnlich gut recherchierter Roman. Er wirkt durchweg logisch. Hat man die ersten hundert Seiten alleine mit Mark überstanden, so zieht das Tempo plötzlich an und in Dialogen schlägt er sich sehr viel besser, als in ausschweifenden Monologen.

Alles in allem würde ich dem Roman 3,5 von 5 Sternen geben.

Bei Amazon kaufen: Der Marsianer: Rettet Mark Watney


Das Buch Der Marsianer von Andy Weir wurde mir netterweise vom Bloggerportal von Bertelsmann zur Verfügung gestellt. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst.