2

Lesechallenge 2016: 45 Bücher in 12 Monaten [SaSo]

2015 habe ich mir vorgenommen 2016 zwölf Bücher zu lesen. Zwölf Bücher haben sich recht schnell als relativ schlechte Challenge herausgestellt, denn bereits im März war ich mit meiner Challenge durch, so dass ich beschloss mir eine richtige Herausforderung zu suchen und stattdessen 45 Bücher zu lesen.

Von Jugendbuch bis Klassiker ist alles in meinem Bücherstapel vertreten.

Wenn ihr euch fragen solltet, wie ein Bücherstapel aus 40 Büchern aussieht, nun ja so. Nach der hälfte hatte er schon keine Lust mehr von alleine zu stehen und er reicht mir fast bis zur Brust. Leider habe ich fünf Bücher nur digital gelesen, so dass er nicht noch enormer ausgefallen ist.

Was ich 2016 gelesen habe

2016 habe ich tatsächlich 45 Bücher gelesen. Darunter fünf Manga und ein Sachbuch. Theoretisch hätte ich sogar einige weitere Bücher auf der Liste unterbringen können, aber alle Bücher, die ich nicht vollständig gelesen habe oder bei denen es sich um Bastelbücher handelten, sind hier natürlich nicht aufgelistet.

Hauptsächlich habe ich Bücher aus dem Bereich Jugendbuch / Young Adult gelesen. 32 von 45 Büchern (also über 70%) stammen aus diesem Genre. Darunter waren sieben Reihen, die ich entweder vollständig oder zum Teil gelesen habe. Die Außenseiter sind definitiv die Sachbücher, von denen ich einige angefangen, jedoch nur zwei beendet habe, und Theaterstücke von denen ich nur zwei – Harry Potter und das verwunschene Kind und King Lear – geschafft habe.

  • Love Letters to the Dead ★★★☆☆ [Young Adult, Liebe]
  • Nachtzug nach Lissabon ★★☆☆☆ [Fiktion, Philosophie]
  • The perks of being a Wallflower ★★★☆☆ [Young Adult, Coming of Age]
  • Die Luna Chroniken: Wie Mond so Silber ★★★★☆ [Fantasy, SciFi, Märchen, YA]
  • Die Luna Chroniken: Wie Blut so Rot ★★★★★ [Fantasy, SciFi, Märchen, YA]
  • Die Luna Chroniken: Wie Stern so Gold ★★★★☆ [Fantasy, SciFi, Märchen, YA]
  • Die Luna Chroniken: Wie Schnee so Weiß ★★★★☆ [Fantasy, SciFi, Märchen, YA]
  • Carry On ★★★★☆ [Young Adult, Fantasy]
  • Fangirl ★★★★☆ [Young Adult, Studentenleben]
  • Der Marsianer ★★★☆☆ [SciFi]
  • Aristotle and Dante discover the secrets of the universe ★★★☆☆ [Young Adult, Philosophie]
  • Hello Ruby ★★★★★ [Kinderbuch, IT]
  • Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ★★★★☆ [Asiatische Literatur]
  • Afterdark ★★★★☆ [Asiatische Literatur, Mystery]
  • Disrupted ★★★★☆ [Biografie, Marketing / Journalismus]
  • Ich und Earl und das (sterbende) Mädchen ★★★★☆ [Young Adult, Humor]
  • To all the boys I loved before ★★★☆☆ [Young Adult, Liebe]
  • P.S. I Still love you ★★★★☆ [Young Adult, Liebe]
  • The love that Split the world ★★★★★ [Young Adult, Fantasy, Liebe]
  • Südlich der Grenze, westlich der Sonne ★★★★☆ [Asiatische Literatur, Liebe]
  • Everland ★★☆☆☆ [Young Adult, Sci-Fi]
  • Wenn der Sommer endet ★★★☆☆ [Horror, Mystery, Young Adult]
  • King Lear ★★★★☆ [Theaterstück, Klassiker, Drama]
  • Harry Potter und das verwunschene Kind ★★★☆☆ [Young Adult, Fantasy]
  • Orange ★★★★☆ [Manga, Liebe, Drama]
  • The Raven Cycle ★★★★★ [Young Adult, Fantasy]
  • Short Stories from Hogwarts of Power, Politics and Pesky Poltergeists ★★★★☆ [Young Adult, Fantasy]
  • Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen ★★★★☆ [Young Adult, Coming of Age]
  • Short Stories from Hogwarts of Heroism, Hardship and Dangerous Hobbies ★★★★☆ [Young Adult, Fantasy]
  • Hogwarts: An Incomplete and Unreliable Guide ★★★★☆ [Young Adult, Fantasy]
  • Nest ★★★☆☆ [Young Adult, Kinderbuch, Drama]
  • Blood & Ink: Die Bücher von Timbuktu ★★★★★ [Young Adult, Gegenwartsgeschichte]
  • London ★★★★★ [Fantasy]
  • Von Männern, die keine Frauen haben ★★★☆☆ [Asiatische Literatur, Liebe]
  • Das Buch von Kelanna, Band 1: Ein Meer aus Tinte und Gold ★★★★☆ [Young Adult, Fantasy]
  • A Study in Charlotte ★★★★☆ [Young Adult, Krimi]
  • Sieben Minuten nach Mitternacht ★★★☆☆ [Young Adult, Drama]
  • Kindred Spirits ★★★★★ [Young Adult, Nerdleben]

Meine Lieblingsbücher 2016

Da sind wirklich einige Bücher über das Jahr zusammengekommen, doch gerade neun Bücher und sieben Reihen habe ich besonders geliebt:

Ebenso spannend fand ich folgende sieben Reihen:

Welche Bücher waren dieses Jahr eure Favoriten und vor allem welches Buch mochtet ihr so gar nicht? Habt ihr fleißig alle Bücher bis zum Ende gelesen oder teilweise vorher aufgehört?

Danksagung

Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch einmal bei allen Verlagen bedanken, die mich dieses Jahr mit Rezensionsexemplaren versorgt haben:
CBT & CBJ
Aladin & Carlsen
Heyne
BTB
Mairisch
EMF
DVA
Penguin Deutschland
Edition Text + Kritik

Vielen, vielen Dank für tolle Bucherlebnisse!

2017 habe ich mir übrigens vorgenommen nur 40 Bücher zu lesen.

2

Das war 2016

Wenn man auf 2016 zurückblickt bleibt einem nichts anderes übrig sich an Terror und den Horror von Aleppo zu erinnern. Wir Leben in Zeiten in denen es immer wichtiger wird, dass wir zusammenhalten. Egal welches Geschlecht, welche Religion oder welche Hautfarbe wir haben.

„Wir sind so stark, wie wir einig, und so schwach, wie wir gespalten sind.“

Schreibt Joanne K. Rowling in Harry Potter und der Feuerkelch und auch wenn unsere Bedrohung nicht von dunklen Mächten, sondern realen Menschen ausgeht, so ist es doch an uns Zusammenhalt zu zeigen und Einigkeit zu demonstrieren.

Das Jahr des Feuer-Affen wurde jedoch auch geprägt durch die EM und Olympia, einem friedlichen Wettkampf. Überall auf der Welt haben Menschen immer wieder gezeigt, dass sie sich ihr Leben nicht von Terror wegnehmen lassen, sondern stattdessen sich mit anderen treffen um gemeinsam die gleiche Kultur zu feiern.

Was im Wonderland passierst ist

Im Januar verbrachte ich Zeit in Aachen, besuchte das Schöne und das Biest-Musical, eine Design-Ausstellung und eine Literaturlesung. Aachen ist wirklich sehr schön. Die Altstadt ist wundervoll und in den vielen kleinen Gassen entdeckt man immer wieder wundervolle kleine Läden und Cafés.

Musicalbesuch, Literaturlesung, Aachen und Design in Köln.

Im Februar war ich besessen mit dem Versuch meine Haare lang wachsen zu lassen und sie gleichzeitig möglichst weiß zu färben. Außerdem experimentierte ich mit Nendoroid-Fotografie, feierte Karneval und süchtelte mich durch alle vier Bücher der Luna-Chroniken.

Die Lunar-Chroniken, Karneval, Nendoroids und weiße Haare.

Im März reiste ich nach Rom (so eine wunderschöne Stadt), guckte den sehr guten Anime Boku dake ga inai machi [Zeitreisende, Morde, sonderbare Ereignisse], schaffte es mit einem Ballett-Foto auf dem Adidas Neo-Instagramprofil geteilt zu werden, verliebte mich in Rainbow Rowell [lest ihre Bücher!], bekam von Satsuki ein wunderschönes Paket voller Gudetame- und Ojipan-Sachen, hatte zwei tolle Gastkatzen bei mir zu Hause [mein Freund und ich machen Katzensitting] und verbrachte Zeit bei Freunden.

Ballett-Schuhe, Carry On von Rainbow Rowell, wundervolle Animeserie und Rom.

Im April begann ich damit Python zu lernen und mit meinem Freund Programmieren zu üben. Außerdem war es warm genug um endlich draußen sitzen zu können und meine Tomatenpflanzen einzupflanzen.

Python-Projekt von Codecadamy, Mochi-Eis, Toon Link und Tomatenpflanzen.

Python-Bild: Codecadamy

Den Mai verbrachte ich zu einem großen Teil im warmen Bayern und besuchte durch München, Landsberg und Augsburg. Außerdem war ich auf einem tollen Hof-Konzert von Svavar Knutur und durfte wieder auf Katzen aufpassen.

Konzert von Svavar Knutur, Katzensitting und München.

Im Juli ging es zur LBC, einer Veranstaltung für Buchblogger [sehr cool], in X-Men Apocalypse und zum Hurricane-Festival, bei dem es so sehr regnete und stürmte, dass ich einen Tag in Zelt ausharren musste.

Den August brachte ich, wie gefühlt jeder Mensch auf der ganzen Welt, damit zu Pokémon Go zu spielen, lass die Bücher des Raven-Cycle [unglaublich großartige Fantasy-Reihe!] und verbrachte ein paar gemütliche Tage in Hamburg.

Im September ging es nach Mallorca und danach war mein Jahr irgendwie gelaufen, den ich brach mir mitten im Urlaub meinen Ellenbogen, musste zu Hause operiert werden und verbrachte den Oktober mehr oder weniger damit zu schlafen, mein sei-jeden-Tag-glücklich-Tagebuch zu pflegen und Schmerzmittel zu schlucken. Zwischendrin war ich dann jedoch kurz auf der Frankfurter Buchmesse mit Nintendo64

Der November und Dezember gingen dann sehr schnell um. Eine neue Gastkatze, Weihnachten und der tolle Rogue One-Film, sowie Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind.

Vorsätze für 2016?

Zwischendurch habe ich bereits über meinen Zwischenstand meiner Vorsätze für 2016 berichtet. Wie sieht es nun am Ende des Jahres aus?

Ich wollte mehr Zeichnen, was ich so halb durchgezogen habe. Eher hab ich kleine Zeichnungen angefertigt, aber wirklich große Projekte habe ich nicht umgesetzt.

Erfolgreicher war mein Versuch 12 Bücher zu lesen. Ich habe sogar 45 geschafft! Welche Bücher ich gelesen habe seht ihr in meinem Goodreads-Profil.

Im Februar habe ich, wie ich es mir vorgenommen habe, mit Ballett angefangen und mache es immer noch, weil es super viel Spaß macht!

Auch „mehr schreiben“ stand auf meiner Liste und ich habe tatsächlich gut die Hälfte eines Romans fertig bekommen. Ha!

Und abschließend wollte ich mehr Reisen, was ich definitiv geschafft habe (Rom, München, Hamburg, Bremen, Mallorca). Leider war keines meiner eigentlichen Ziele dieses Jahr Teil der Reisen, denn eigentlich wollte ich nach Skandinavien. Hoffentlich schaffe ich es dieses Jahr!

Habt ihr eure Vorsätze umgesetzt?

Kooperationen

Ich denke die krasseste Neuerung im letzten Jahr war auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit vielen phantastischen Verlagen, bei denen ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken möchte. Danke an das tolle Team von Randomhouse (besonders die Mitarbeiter von Heyne und btb!), das Team von Mairisch, Carlsen & Aladin, Bastei Lübbe und EMF. Vielen Dank für die tollen Bücher, die ihr mir habt zukommen lassen und auf ein gutes Jahr 2017!

1

Ein Meer aus Tinte und Gold: Wo Schrift zu Magie wird [Buchrezension]

Stell dir vor, du lebst in einer Welt ohne Bücher. Geschichten können nur Jahrhunderte überdauern, wenn sie weitererzählt werden und wessen Leben keine spannende Geschichte beinhaltet, der gerät in Vergessenheit. Genau in dieser Welt lebt Sefia, doch sie hat ein Geheimnis. Das seltsame rechteckige Ding, was sie mit sich herumträgt, und welches nicht nur für den Tod ihrer Eltern verantwortlich ist, sondern ihre komplette Welt verändern könnte.

Ein Meer aus Tinte und Gold: Jugendbuch von Traci Chee über eine magische Welt ohne Bücher und eine Leserin mit einem magischen Buch.

Ein Meer aus Tinte und Gold ist der erste Band der Das Buch von Kelanna-Reihe, oder wie sie im Englischen heißt The Reader. In ihr Debüroman erdenkt Traci Chee eine Welt in der die weite Öffentlichkeit ohne Buchstaben und Wörter auskommen muss, während eine geheime Gesellschaft der Lesenden Schrift nicht nur verwenden könne um Geschichten niederzuschreiben, sondern mit ihr Magie bewirken kann.

Sefia hingegen weiß nichts von dieser Gesellschaft oder was es mit dem Buch, welches sie unter allen Umständen schützen soll auf sich hat. Ihre Eltern haben ihr zwar heimlich das Lesen beigebracht, doch seit sie vor einigen Jahren ermordet wurden, ist sie selbst auf der Flucht, ohne dass sie jemals erfahren hat wovor. Nur ihre Tante Nin steht ihr zur Seite, bis sie von unheimlichen Gestalten entführt wird und Sefia mit ihren 15 Jahren plötzlich auf sich alleine gestellt ist. Zumindest bis sie auf Archer, den stummen Jäger trift.

Gleichzeitig ist dies aber auch das Buch von Lon, der von seinen Eltern zurückgelassen wurde und nun zum Leser ausgebildet wird. Den Lesen bedeutet nicht die seltsamen Zeichen zu entziffern, sondern die Wörter zu verstehen und ihre Magie für sich selbst nutzbar zu machen.

Ein Liebesbrief an Bücher

Vor allem anderen ist Ein Meer aus Tinte und Gold jedoch ein Liebesbrief an Bücher und das Lesen selbst. Es spielt mit Worten, Formatierungen und dem Wechsel verschiedener Perspektiven. Überall verstecken sich kleine Rätsel im Buch. Buchstaben sind plötzlich gefettet oder es finden sich geheime Wörter, die über mehrere Seiten hinweg einen Text entstehen lassen.

Auch sind einige der Seiten so angefertigt worden, dass sie wirken als würden sie aus einem anderen, älteren Buch stammen. Oder die Protagonistin versucht Erinnerungen zu vergessen, so dass plötzlich Textpassagen geschwärzt werden und somit verschwinden.

Abgesehen von den Formatierungen, fragt Ein Meer aus Tinte und Gold immer wieder was für eine Bedeutung Bücher haben. Wozu sind sie da? Welche Auswirkungen haben sie auf eine Gesellschaft?

Wörter als Magie

Zeichen und Wörter mit Magie gleichzusetzen taucht mittlerweile in recht vielen Büchern auf. Eines der prominentesten Beispiele der jüngsten Jahre ist sicherlich Rainbow Rowells Carry On. Auch ein Buch im Buch, welches mit Formatierungen spielt ist vor kurzem mit S. von J.J. Abrams (ja, der Regisseur) erschienen. Auf dieser Ebene kann man Chee sicherlich vorwerfen, dass sie mit relativ bekannten Mitteln an das Thema herangeht.

Dennoch erfolgt ihre Umsetzung auf höchst beachtliche Art und Weise. Eigentlich müsste man das Buch nachdem man es ausgelesen hat, direkt wieder von vorne anfangen um alle Referenzen, die das Buch auf sich selbst setzt, zu verstehen. Auch die Welt von Sefia wirkt klug durchdacht und funktioniert anders als Beispielsweise Bradbury’s Welt in Fahrenheit 451 nicht nach der Prämisse der Auslöschung von Büchern, sondern einer in der nie die Schrift entwickelt wurde. Geschichten können in Bildern dargestellt werden oder in gesprochenen Wörtern. Es ist keine Dystopie die aufgezeigt wird und keine rein magische Welt, die wir betreten. Vielmehr entführt Chee den Leser in eine Welt in der eine neue Wertschöpfung für Bücher als gebundenes Werk in einer digitalen Welt entsteht. Es geh darum das Buch als solches zu feiern und nicht nur als zwingendes Medium für eine Geschichte zu präsentieren.

Zudem verbindet sie dies mit einer wirklich sehr gelungene Geschichte, die Lust auf mehr macht und den Leser mit der Frage zurücklässt: Wann erscheint endlich Band 2?

Ein Meer aus Tinte und Gold | Traci Chee | Carlsen Verlag | 496 Seiten | Bei Amazon kaufen


Ein Meer aus Tinte und Gold wurde mir von Carlsen zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung in keinster Weise beeinflusst.

0

Das Echolot: Ein kollektives Tagebuch [Buchrezension]

Das Echolot von Walter Kempowski ist vermutlich eine der beeindruckendsten historisch-kulturwissenschaftlichen Sammlungen, die ich jemals gesehen habe. In diesem vier Bände und 3056 Seiten umspannenden Werk, fasst Kempowski Tagebucheinträge, Berichte, Meldungen und Fotos aus Januar und Februar 1943 zusammen. Hierbei ist es egal ob eine Erinnerung von einer bedeutenden oder unbedeutenden Person stammt. Es geht viel mehr darum Stimmen aus aller Welt zu sammeln um zu zeigen wie Menschen auf der ganzen Welt den Zweiten Weltkrieg, die Schlacht von Stalingrad und die Aktionen der Weißen Rose erlebt haben.

Das Echolot: ein kollektives Tagebuch von Walter Kempowski über Januar und Februar des Jahres 1943

Die Originalausgabe des Echolot wurde bereits 1993 veröffentlicht und stellt nur einen Teil des insgesamt zehn Bände umfassenden Werkes dar. Hierin befasst sich Kempowski ebenfalls mit den Jahren 1941 und 1945. In der Neuauflage, die 2016 im Penguin Verlag erschienen ist, finden sich nun die vier Bände des Jahres 1943 in einer Taschnbuchausgabe passend zu jenen, die bereits bei btb erschienen sind.

Wie auch in der Originalausgabe handelt es sich um eine Sammlung von Notizen, Meldungen und Tagebucheinträgen, die unkommentiert bleiben. Sie wurden lediglich zum besseren Verständnis allesamt in eine Sprache übersetzt. Und dies ist auch einer der Gedanken hinter Kempowskis Projekt: Verständnis. Es ging ihm nicht nur darum zu bewahren wie Menschen den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, sondern darum zu zeigen, dass Menschen auf der ganzen Welt den Krieg in ähnlicher Art und Weise erlebt haben. Er selbst schreibt dazu in der Einleitung des Echolots:

„An einem Winterabend des Jahres 1950 wurde ich in Bautzen über den Gefängnishof geführt, und da hörte ich ein eigenartiges Summen, Der Polizist sagte: ‚Das sind Ihre Kameraden in den Zellen, die erzählen was.‘ Ich begriff in diesem Augenblick, daß [!sic] aus dem Gefängnis nun schon seit Jahren ein babylonischer Chorus ausgesendet wurde, ohne daß [!sic] ihn jemand wahrgenommen […] hätte […]. […] Die Stimmen der Häftlinge in Bautzen können wir nicht zurückholen, sie sind verweht, und die Toten behalten ihre letzten Erfahrungen für sich, aber ihre überall deponierten Mitteilungen können wir aufnehmen und entschlüsseln, darauf dürfen wir nicht verzichten.“

Dieser „babylonische Chorus“ ist es, den er entschlüsseln möchte. Wie haben Menschen über den Krieg geschrieben? Was haben sie in ihrer Sprache über ihn gesagt, während sie überall auf der Welt warteten, dass er vorbeigehen würde oder an der Front kämpften?

Gleichzeitig möchte er, wie wir in der Einleitung erfahren, ein Bild festhalten. Einen Moment, der vorbeigeht ohne, dass wir ihn je zurückholen können. In Jahren werden alle, die sich an den Zweiten Weltkrieg erinnern können, gestorben sein. Historiker werden dann rätseln können, wie es war in jener Zeit zu leben. Wie es sich angefühlt haben muss Flyer der Weißen Rose zu finden oder einen ganz normalem Alltag nachzugehen, während die Welt um einen herum auseinander fiel. Trotz allem wurden in jener Zeit Kinder geboren, Paare heirateten und Freunde verabredeten sich.

Die Einträge zeigen uns fast schon ein sonderbares Bild der Vergangenheit. So wird in Band 1 über zwei Seiten hinweg das Programm der Hamburger Oper zusammengefasst. Frei nach dem Motto The show must go on, während noch einen Eintrag zuvor ein Wärter eines Straflagers aus Norwegen über Massengräber und Tod berichtet. Es ist ein unangenehmes Bild der Vergangenheit, welches wir nicht erwarten. Doch natürlich gingen in jenen Tagen, in denen viele sich mit Tod, Verfolgung und Grausamkeit auseinander setzen mussten, noch viele ihrem normalem Alltag nach. Einem Alltag, der hinter allen historischen Ereignissen in Vergessenheit gerät, weil er für uns im Vergleich zur „Geschichte“ unwichtig erscheint. Und dennoch sagen uns diese kleinen Einträge des Alltags viel mehr über jene Zeit, als die Steifen Tagebucheinträge großer Persönlichkeiten, die schrieben, weil sie wussten, dass jemand ihre Texte vermutlich lesen würde.

Das Echolot: Unkommentierte Tagebuchsammlung. Segen oder Fluch?

Es sind die Stimmen, die niemals in einer Dokumentation zu hören wären, weil sie zu bedeutungslose Worte von sich geben, die diese Sammlung erst richtig spannend macht. Gleichzeitig ist genau diese Detailversessenheit das, was Das Echolot zu einem solch anstrengenden Werk macht. Es braucht gut 70 Seiten, bis Tag eins abgehandelt ist, an dem weit weniger passiert ist, als man es vielleicht von dem Start eines neuen Jahres erwarten würde. Immer wieder wird man mit zusammenhanglosen Auflistungen von Einkaufslisten, Spielplänen und ähnlichem konfrontiert.

Zwar sind dies Details des täglichen Lebens, doch beginnt man sich zu fragen ob jemand, der nicht in jener Zeit gelebt hat, nicht häufiger mit einer kommentierten Fassung mehr anfangen könnte. Kleine Zusammenfassungen am Beginn eines jeden Tages, die beschreiben welche Ereignisse an diesem Tag stattfanden, würden dem Leser Orientierung geben. Es würde dazu betragen, dass aus einer Blättersammlung ein Text entsteht, der zur Einordnung von Ereignissen beiträgt. So bleibt es dem Leser überlassen sich selbst zu informieren was an jenen Tagen geschehen ist und wer die Personen sind, die hier Tagebuch führen. Denn auch wenn Namen wie Thomas Mann oder Joseph Goebbels natürlich zugeordnet werden können, so ist vielleicht nicht unbedingt jedem Leser der Name Willi Graf ein Begriff.

Bei der Arbeit, die in dieses Projekt ohnehin geflossen sein muss – Kempowski hat Jahrzehnte mit der Sammlung von Quellen zugebracht – fragt man sich, weshalb er nicht sein Wissen an Leser weitergeben hat. Ist es nicht die Aufgabe eines Historikers dafür zu sorgen, dass historische Quellen zugänglich und verständlich gemacht werden?

Vermutlich entsteht dieser Eindruck nur, wenn man die Texte versucht aus einer Laienperspektive zu betrachten. Walter Kempowski hat Das Echolot nicht einfach zusammengetragen um Menschen einen einfacheren Zugang zur Vergangenheit zu geben. Er will die Einträge nicht durch eigenen Interpretationen verfälschen. Sie sollen für sich stehen und so gehört das Spielprogramm der Oper eben genauso zu einem vollständigen Bild, wie der Tagebucheintrages eine Willi Graf, der über alltägliche Gespräche schreibt, bevor sie zu einem historischen Ereignis werden.

In der Wissenschaft gibt es kein gut oder schlecht

Ein Werk wie Das Echolot lässt sich nicht so einfach bewerten wie einen Roman. Es gibt kein gut oder schlecht geschrieben. Man kann über das Layout diskutieren, aber auch dies nur bis zu einem bestimmten Grad. Die Gestaltung nimmt sich so weit wie möglich zurück um dem Inhalt Platz zu geben. Genau dies ist es, was man von einem solchen Werk erwartet. Es soll nicht künstlerisch wirken, sondern einem dokumentarischem Zweck dienen.

Wie im oberen Teil bereits ausgeführt gibt es viele Argumente, die für und gegen eine kommentierte Ausgabe sprechen. Ich finde es in der Tat Schade, dass ein Werk, welches bei einem nicht-wissenschaftlichen Verlag erschienen ist, keine weitere Kommentierung nach dem Tod des Autors – Kempowski starb 2007 – vorgenommen hat. Dann wiederum wäre es natürlich diese Veränderung, die seiner Intention zuwiderhandeln würde.

Walter Kempowskis Das Echolot muss also vielmehr wie ein eigenständiges Kunstprojekt behandelt werden. Und somit wird es für jeden Betrachter zu dem, was er selbst daraus machen möchte. Es wird zu einer Sammlung, die Raum für Interpretationen lässt und deren Kernzielgruppe ohnehin Geisteswissenschaftler sein dürfte, die sich mit der Materie befassen.

Das Echolot | Penguin Verlag | 3056 Seiten | 2016 | Bei Amazon kaufen


Dieses Buch wurde mir vom Penguin Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

1

Von Männern, die keine Frauen haben: Eine Erzählungssammlung von Murakami [Buchrezension]

Von Männern, die keine Frauen haben ist Haruki Murakamis neuste Erzählungensammlung. In ihr befinden sich sieben Erzählungen, die – wie der Titel vermuten lässt – sich mit Männern auseinandersetzen, die aus irgendwelchen Gründen keine Frau haben, sie verlieren, nicht gewinnen können oder niemals hatten. Es ist – bis auf wenige Ausnahmen – die unmurakamieske Erzählungssammlung bisher.

Von Männern, die keine Frauen haben fasst sieben Erzählungen und Kurzgeschichten Haruki Murakamis in einem Band zusammen.

Es gibt ein Spiel Namens Murakami-Bingo, bei dem sich wiederholende Motive aus Murakamis Werken abgehackt werden, während man einen seiner Romane liest. Wendet man diese Liste auf Von Männern, die keine Frauen haben, so findet man Mysteriösen Frauen, Etwas, dass verschwindet, das Gefühl verfolgt zu werden (zumindest am Rande), unerwartete Anrufe, Katzen, Alte Jazz Musik, Urbane Erzählungen, sonderbare Teenager, Kochen, mit Katzen sprechen (am Rande), seltsamen Sex, Tokyo bei Nacht, seltsame Namen und verschwundene Katzen. Damit erhält man zur Abwechslung tatsächlich nicht eine komplette Reihe bei Murakami-Bingo, obwohl man ansonsten fast alle Themen in jedem einzelnen Buch abhacken kann. Dass so viele klassische Murakami-Motive fehlen passiert zwar häufiger in seinen Kurzgeschichten, doch dass sie gleich in so vielen Geschichten auf einmal ausbleiben ist äußerst sonderbar. Genauso wie die Tatsache, dass alle Erzählungen unter einem Grundthema zusammengefasst sind: Die fehlenden Frauen. Und dann auch noch meist in der Kombination, dass nicht nur eine Frau fehlt, sondern auch noch einem anderen mann davon erzählt wird.

Aber gehen wir einmal wieder zurück zum Beginn des Buches. Wie bereits erwähnt enthält dieses Werk sieben von Murakamis Erzählungen. Gleich in der ersten geht es um einen Mann, dessen Frau gestorben ist, doch auch vorher hat er eine gewisse Abwesenheit seiner Frau gespürt. All dies wird ihm nach und nach klar, während er mit seiner Chauffeurin über sein Leben redet.

In Yesterday geht es um einen jungen Mann, dessen bester Freund ihm vorschlägt mit seiner Freundin auszugehen, da er sich selbst nicht bereit fühlt eine ernsthafte Beziehung einzugehen und er befürchtet, dass seine Freundin ihn sonst mit einem Fremden betrügen könnte. Die Situation finden zur Abwechslung auch einmal der Protagonist und die betroffene Freundin sonderbar und es kommt nicht zu seltsamen Sexszenen. Dafür jedoch zu dem sehr schönen Dialog, indem der beste Freud erklärt, dass Menschen so wie Bäume nur durch Erfahrungen reifen können und Jahresringe erhalten, doch so sehr der Protagonist über diesen Vergleich nachdenkt, er landet mit seinen Gedanken immer wieder bei Baumkuchen.

Das eigenständige Organ ist eine der traurigsten Geschichten, die ich seit langem gelesen habe. Es erzählt von einem Mann, der an gebrochenem Herzen stirbt und den Umständen die dazu führten. Auch hier erzählt Murakami von bodenständigen Gefühlen, ohne sonderbare Ereignisse, sondern einfach von den einfachsten menschlichen Regungen, die es gibt.

Gefolgt von Scheherazade, einer Geschichte in einer Geschichte und Kinos Bar, in der sich endlich sonderbare Ereignisse überschlagen, Jazzmusik gehört und sich mit Katzen unterhalten wird. Es ist die Geschichte, die dafür sorgt, dass zumindest einige der Motive im Murakami-Bingo abgehackt werden können.

Genauso wie die darauf folgende Geschichte Samsa in Love, in der ein Mann eines Tages erwacht um festzustellen, dass er sich in Gregor Samsa aus Die Verwandlung von Kafka verwandelt hat. Die Geschichte ist äußerst bizarr, stellt jedoch eine sehr schöne Verbindung zu dem Autor dar, der immer wieder als heimliche Inspirationsquelle für Murakami herzuhalten scheint.

Schließlich endet die Sammlung mit der titelgebenden Geschichte Von Männern, die keine Frauen haben, die sich in sonderbaren philosophischen Gedanken und widersprüchlichen Anekdoten verliert.

Ja, ich fand, dass dies nicht Murakamis beste Sammlung war. Der Elefant verschwindet oder Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah sind um Längen besser als seine neuste Sammlung. Dann wiederum handelt es sich um quengeln auf hohem Niveau, denn natürlich liefert Murakami brillant erzählte Geschichte ab, die seine Leser in Stauen versetzen, überraschen und in ihren Bann ziehen. Häufig enden die Geschichten so weit entfernt von ihrem Anfang, dass man sich unweigerlich fragen muss, wie man dort gelandet ist. Gerade Das eigenständige Organ ist eine fantastische Erzählung, die ihres gleichen sucht. Auch Kinos Bar ist eine wirklich sehr gute Erzählung, die zeigt wie fantasievoll Murakami erzählen kann.

Dennoch fehlt mir gerade diese fantasievolle Art in seinen anderen Erzählungen. Sie wiederholen Motive, die wir bisher kennen. Sie erzählen immer wieder die Geschichte des Mannes, der die Frau seiner Träume nicht haben konnte, sie unter den falschen Umstanden verloren hat oder der erst, als er bei einer anderen war, feststellt, was ihm eigentlich fehlt. Es sind nicht die feinen Denker, die uns sonst begegnen, sondern Männer der Tat, die von großen Eroberungen prallen oder in ihren Tag hineinleben.

Beinahe wirken die Geschichten, als hätte Murakami Zeitdruck gehabt und musste schnell sieben Geschichten zusammenschreiben. Leider erhärtet sich dieser Eindruck bei mir je mehr neuere Werke ich von ihm lese. Sie experimentieren weniger, sie sind weniger ausgeklügelt und sie zeigen uns weniger emotionalen Tiefgang, als wir es nach Werke wie Naokos Lächeln gewohnt sind. Sind die Geschichten zugänglicher? Ja, dass alle mal. Aber ist es das, was man erwartet, wenn man ein Werk von Murakami in die Hand nimmt? Ich glaube nicht. Ich möchte mehr Fische, die vom Himmel regnen, während alte Jazzplatten laufen. Sex, der Menschen zur völligen Selbstaufgabe bewegt. Ich möchte Emotionen, die über den Tod hinaus eine Seele an diese Welt binden und Welten, die nur Murakami sich erdenken kann und die gleichzeitig dem existierenden Tokyo so seltsam ähneln.

Sollte man Von Männern, die keine Frauen haben als Murakami-Fan lesen? Ja, unbedingt, denn es sind wieder einmal sehr gut erzählte Geschichten. Sollte man dieses Buch lesen, wenn man nichts mit Murakami am Hut hat? Ja, es wird selten einen einfacheren Einstieg in sein Werk geben. Dennoch sollte man im Hinterkopf haben, dass diese Werke, sollten dies die ersten Texte sein, die man von Haruki Murakami liest, weit von de entfernt sind, was er sonst im Stande ist zu leisten.

Von Männern, die keine Frauen haben | 2016 | 254 Seiten | btb Verlag | Bei Amazon kaufen


Dieses Buch wurde mir von btb zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

1

Weihnachtsgeschenke für Buchwürmer [SaSo]

In diesem Artikel soll es weniger darum gehen euch zu sagen: „Kauft dieses Buch zu Weihnachten für alle Menschen, die Bücher mögen.“, sondern darum echt Inspirationesquellen für gute Buchgeschenke zu geben. Dabei müssen Geschenke für Menschen, die Bücher mögen nicht zwingend Bücher sein, sondern können auch sehr schöne Dinge mit Buchbezug sein.

Etsy: Handgemachte Buchgeschenke

Etsy ist eine Fundgrube für kreative Geschenke. Sucht dort einfach nach dem Titel einer Lieblingsreihe, eines Lieblingsbuches oder eines Lieblingsautoren der zu beschenkenden Person. Auch das Wort „Buch“ alleine bringt euch viele schöne Ergebnisse. Besonders schön sind zum Beispiel Geschenke wie diese Poe-Tasse von JitterMug oder literarische Kerzen, wie jene von The Bookish Flame, bei denen Gerüche, die im Buch mit einem Ort oder einer Person assoziiert werden, in den Geruch einer Kerze umgewandelt werden.

Wichtig: Findet vorher heraus welche Reihen, Bücher, Autoren euer Buchwurm mag.

Redbubble: Kleidung und Kissen mit bedruckten Motiven

Auf Redbubble findet ihr ebenfalls viele kreative Geschenke. Während die Gegenstände bei etsy jedoch in der Regel handgefertigt werden, gibt es hier vor allem Print-Produkte. Dies können Poster und Postkarten sein, aber auch Aufdrücke auf T-Shirts, Pullis und Kissen. Eines meiner liebsten Fundstücke dort ist das Bedtime-Kissen von FandomizedRose. Dies definiert die Bettzeit als eine Zeit in der Fangirls sagen, dass sie schlafen gehen um dann die Nacht hindurch zu lesen.

Auch hier findet ihr viele schöne Geschenke, wenn ihr nach Autoren, Buchtiteln oder den Wörtern „Buch“ und „Book“ sucht.

Society6: Hochwertige Kunstdrucke

Society6 ist gar nicht so anders als Redbubble, denn auch hier findet ihr Drucke aller Art. Auch hier sucht ihr nach einem passenden Stichwort und findet dann so schöne Dinge wie dieses Hogwarts-Poster von Anne Lambelet@Society6.

Bücher

Wer hätte das gedacht, Buchwürmer mögen eventuell auch Bücher. Hier könnt ihr entweder den Buchwurm direkt auf einen Buchwunsch ansprechen – auch wenn dies eventuell verrät, was ihr vorhabt – gucken ob er bei Goodreads (einem Sozialen Netzwerk für Bücher) angemeldet ist und eine Liste mit Buchwünschen angelegt habt, oder sein Buchregal durchstöbern um Inspirationen zu finden.

Wenn ihr nun immer noch keine Ahnung habt, was ihr verschenken sollt, so empfehle ich diese beiden Bücher / Reihen:

Wenn der Rabe ruft / The Raven Cycle

Die Raben-Reihe / the Raven-Cycle ist definitiv eine der besten Reihen, die ich seit langem gelesen habe und meine Lieblingsreihe aus 2016. Es erzählt die Geschichte von Blue, die als einziger Mensch ohne besondere Fähigkeiten in einem Haus voller Wahrsager groß wird. Von Ronan dem Träumer. Von Noah, dem Besorgten. Von Adam, der mehr in seinem Leben erleben will. Und natürlich Gansey, der einen vor Jahrhunderten gestorbenen König finden und auferwecken möchte um sich einen Wunsch erfüllen zu können. Man könnte es als Schicksal bezeichnen, dass sich diese fünf in einer kleinen Stadt über den Weg laufen um gemeinsam das Abenteuer ihres Lebens zu erleben.

Die Reihe ist abgeschlossen und besteht aus vier Bänden. Bald soll es einen dreiteiligen Ableger geben.

The love that Split the world

The love that split the world ist von allen Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe, mein absoluter Favorit. Die Highschoolschülerin Natalie ist seit Jahren in Psychologischer Behandlung, da die Dinge, die sie sieht, nicht zu einem gesunden Verstand zu passen scheinen. Bis sie Beau trifft, der scheinbar die Antworten auf all ihre Fragen bereithält und gleichzeitig viel mehr aufwirft. Ein fantastisches Buch über die Frage was real ist. Eine Frage, die bis zum Ende des Buches offen bleibt. Emotional, grandios geschrieben und einfach großartig.

2

To all the boys I loved before: Ein romantisches Teenie-Komödien-Hörbuch [Rezension]

Ihr mögt Young Adult-Bücher und romantische Teenie-Komödien à la Zehn Dinge, die ich an dir hasse? Dann ist To all the boys I loved before das perfekte Hörspiel.

To all the boys I loved before, ein Jugend-Hörbuch über Lara Jean, eine erfundene Beziehung und die Frage wann man weiß ob man verliebt ist.

Ungefähr zehnmal habe ich euch bereits die Reihe von Jenny Han (Autorin der The Summer-Reihe) ans Herz gelegt und wenn ihr immer noch nicht dazu gekommen seit To all the boys I loved before zu lesen oder gerade weil ihr es bereits gelesen habt, möchte ich euch das dazu passende Hörbuch von cbj audio ans Herz legen.

Han erzählt in ihrem Roman die Geschichte von Lara Jean. Die Highschoolschülerin war viermal so richtig verliebt, doch statt dem jeweiligen Jungen ihre Liebe zu gestehen, hat sie für jeden Jungen einen Liebesbrief geschrieben, den sie für immer in ihrer Hutschachtel aufbewahren will. Nur blöd, dass die Briefe ausversehen versendet werden. Und dann auch ausgerechnet an den beliebtesten Jungen der Schule, ihren besten Freund und zwei Jungs, mit denen sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen hat.

Doch damit nicht genug. Um seine Ex-Freundin eifersüchtig zu machen und damit Lara Jean endlich mit dem Jungen zusammenkommen kann, in den sie eigentlich verliebt ist, beschließen sie und Peter – Lacrosse-Spieler, gut aussehend und zufällig einer der Jungen, an den einer ihrer Briefe ging – so zu tun, als wären sie ein Pärchen. Was kann da schon schief gehen…?

Angenehme Hörbuch-Stimme und sonderbare Kürzungen

Gelesen wird das Hörbuch von Schauspielerin Leonie Landa, deren Stimme man häufiger in Hörspielen und als Synchronsprecherin lauschen durfte. Ihre klare Aussprache, die fast schon zögerlichen, gewählten Worte, machen aus dem Hörbuch plötzlich ihre Geschichte und es klingt nicht mehr so, als würde sie ein Buch vorlesen, sondern als würde sie ihre eigene Geschichte erzählen und man kann nicht anders, als ihr weiter zuzuhören.

Auf sechs CDs und in fast siebeneinhalb Stunden liest sie Lara Jeans Geschichte vor. Die Regie übernahm Wolfgang Stockmann, der ebenso wie Landa aus der Theaterszene stammt. Im großen und ganzen hat auch er seinen Job gut gemacht, denn wer das Buch nicht kennt, wird wohl nur an wenigen Stellen bemerken, dass es sich bei dieser Lesung um eine gekürzte Fassung handelt. Besonders viele Szenen mit Lara Jeans älterer Schwester, dem Altersheim und John fehlen. Was leider bedeutet, dass wenn ihr Teil eins nur als Hörbuch gehört habt, ihr in Teil zwei – P.S. I still love you – nur bedingt verstehen werdet was gerade passiert. So dass euch dann nur übrig bleibt To all the boys I loved before doch noch zu lesen.

Die Frage: „Sollte ein Hörbuch ein Buch ersetzen können?“ und weitere Informationen zur Reihe

Natürlich sollte man sich beim bewerten dieses Hörbuchs fragen ob es überhaupt die Aufgabe des Hörbuchs ist das eigentliche Buch komplett ersetzten zu können? Sollte es nicht nur unterhalten, so wie auch eine Verfilmung uns mehr unterhalten soll, als sich penibel an jedes kleine Detail des Buchs zu halten? Ich persönlich finde es immer komisch, wenn man sich bereits die Mühe macht ein siebeneinhalb Stunden langes Hörbuch aufzunehmen und dann die letzte halbe Stunde oder vielleicht noch ganze Stunde, die fehlen würde, damit das Buch komplett ist, einfach rausschneidet. Natürlich, das Hörbuch ist auch ohne John und Stormy einigermaßen vollständig, aber ernsthaft, die wenigen Seiten die Fehlen machen, nun ja, den Kohl auch nicht mehr fett – um es flapsig auszudrücken. Außerdem würde es allen Hörern des Hörbuchs ermöglichen direkt in Band zwei einzusteigen und weiterzulesen, bevor es ein zweites Hörbuch gibt, bzw. falls es überhaupt eins geben sollte.

“It’s not like in the movies. It’s better, because it’s real.”
― Jenny Han, To All the Boys I’ve Loved Before

Betrachtet man das Hörbuch einfach nur als ein Mittel um die Grundhandlung losgelöst zu erzählen, so muss man dem Team eingestehen, dass es eine wirklich sehr gute Leistung erbracht hat. Es fällt nicht auf, dass es Kürzungen gab, denn auch so wirkt die Handlung noch kohärent. Landas Stimme ist wirklich fantastisch gewählt und versprüht einen jugendlichen Charm, dem eine gewisse Sehnsucht nach der großen Liebe innewohnt ohne kitschig zu wirken. Naja, ein wenig kitschig, dies ist jedoch der Handlung von To all the boys I loved before geschuldet.

Wie bereits erwähnt besteht die Reihe bisher aus zwei Bänden, von denen Band ein unter dem Originaltitel in Deutschland bereits veröffentlicht wurde. Für Band zwei gibt es in der Deutschen Fassung noch keinen Erscheinungstermin, obwohl das Buch bereits in der Englischen Fassung erschienen ist. Ein dritter Band – Always and Forever, Lara Jean – ist für April nächsten Jahres angekündigt.

Im Grunde ist meine Empfehlung für oder gegen das Hörbuch gar nicht so unentschlossen, wie es bis hierher vielleicht klingen mag. To all the boys I loved before ist ein fantastisches Hörbuch, welches ich mir sicherlich noch häufiger anhören werde. Landa ist fantastisch und die Geschichte enthält genug Kitsch, Drama und Humor um als romantische Komödie zu gelten, ohne vollkommen schmalzig zu werden. Eine sehr schöne Produktion und eine echte Alternative zum Buch.

To all the boys I loved before | Hörbuch | 2016 | cbj audio | Bei Amazon kaufen


Dieses Hörbuch wurde mir von cbj audio zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.


Weiterhin in der Reihe erschienen:

1

Blood & Ink: Die Bücher von Timbuktu [Buchrezension]

In einer Zeit, die geprägt ist von Furcht vor dem Islam, versucht Stephen Davies in seinem Jugendbuch Blood & Ink Motive bon Attentätern und Besetzern, den arabischen Frühling und dessen Konsequenzen und die wirkliche Ausrichtung des Islam für Kinder und Jugendliche aufzubereiten.

Blood & Ink: Die Bücher von Timbuktu

Der Roman Blood & Ink erzählt die Geschichten von Kadija und Ali, die sich 2012 zufällig, sich als Gegner gegenüberstehen und versuchen die Beweggründe des jeweiligen anderen zu verstehen. Kadija ist dabei ein fünfzehnjähriges Mädchen, welches mit seiner Familie in Timbuktu lebt und auf einen Teil der wertvollen Handschriftsammlung aufpasst, die über tausende von Jahren überliefert wurden.

Der sechszehnjährige Ali wiederum ist Mitglied der Dschihadisten, die Timbuktu innerhalb kürzester Zeit einnehmen und alles zerstören wollen, was ihrer Meinung nach nicht Teil des wahren Glaubens ist. Dazu gehört das zerstören der Nachtclubs, das Verbot Musik zu hören oder als Frau unverschleiert umherzulaufen. Und natürlich sind auch die bösartigen Handschriften etwas, dass die Verteidiger des Glaubens keinesfalls innerhalb der Stadtmauern dulden können.

Doch so schwarz-weiß, wie die Motive der einzelnen Beteiligten zu Beginn wirken, sind sie gar nicht. Für Ali ist der Kampf gegen den falschen Glauben tatsächlich eine Herzensangelegenheit und gleichsam eine Möglichkeit seiner verarmten Familie eine bessere Zukunft zu bieten. Zudem muss er schnell feststellen, dass seine Vorstellungen wie man den islamischen Glauben weiter verbreiten und reformieren kann, weit von dem entfern, was die Dschihadisten vorhaben, die am liebsten alle Ungläubigen mit Gewalt und wenn es sein muss auch dem Tod bestrafen wollen.

Die Einzelheiten der Invasion habe ich erfunden und dabei die Hauptregel des Romanschreibens verwendet: Im Zweifelsfall Ninja hinzufügen.

Die Geschichte von Davies basiert hierbei lose auf wahre Begebenheiten. Timbuktu wurde 2012 tatsächlich eingenommen und es gab viele Verbote, die mit großer Gewalt durchgesetzt wurden. Auch die Handschriften, die eine äußerst wichtige Bedeutung für die Stadt innehaben, gibt es wirklich und sie wurden unter großen Mühen beschützt.

Doch nicht nur setzt er auf realen Ereignissen auf, er versucht auch zu erklären welche Motive die beiden Seiten haben. Weshalb melden sich junge Menschen freiwillig für einen Glaubenskrieg, ist nur eine der Fragen, die er zu antworten versucht. Vor allem versucht er zu zeigen, dass der Islam als solches eine Religion wie jede andere ist, der selbst von Fanatikern ebenso bedroht wird, wie jede andere Kultur der Welt.

Hierbei konzentriert er sich in klaren Worte darauf zu zeigen wie die Bevölkerung unter den Regeln leidet und mit welchen Mitteln Dschihadisten gegen Anhänger ihrer eigenen Religion vorgehen. fast möchte man meinen, dass jene „ungläubige“-Muslime noch mehr hassen, als alle Anhänger anderer Religionen. So schafft es Davies noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir im Kampf gegen Fanatiker und deren Terror alle auf der selben Seite stehen, egal welcher Religion wir angehören und gerade viele Muslime sehr viel mehr unter Dschihadiste zu leiden hatten als Christen und Juden.

Besonders beeindruckend wird seine Leistung dadurch, dass er diese Tatsachen für Kinder und Jugendliche zusammenträgt und sie vereinfacht, ohne die Komplexität der Problematik zu untermauern. Ein fantastischer Roman, der perfekt in unsere Zeit passt und der für mehr Frieden unter den Menschen wirbt.

Blood & Ink | Stephen Davies | Aladin Verlag | 2016 | 288 Seiten | Bei Amazon kaufen


Blood & Ink wurde mir freundlicher Weise vom Aladin Verlag (Carlsen) zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung über diesen Roman nicht beeinflusst.

1

London: Ein Uralte Metropole Roman [Rezension]

Einmal abgesehen vom Inhalt des Romans, um den es natürlich später noch gehen wird, ist London von Christoph Marzi ein fantastisches Beispiel dafür wie wichtig ein gutes Cover, ein ausgeklügelter Klappentext und das restliche Layout eines Romans sind. Denn erst nachdem ich mit dem Lesen des Romans begonnen hatte, fiel mir auf, dass er scheinbar ein Teil einer Reihe sein müsste. Dabei weißt weder der Klappentext, noch eine Auflistung innerhalb des Buches darauf hin. Es gibt keine Liste von „weiteren Büchern“ des Autors, wie man sie für gewöhnlich vorne in Büchern findet, wenn es sich um eine Reihe handelt, oder einen Klappentext, der Sätze wie „Das Ende einer Saga“ enthält.

Die Hinweise „Der Autor von Lycidas“, oberhalb des Autorennamen auf dem Cover kann lediglich darauf verweisen, dass es sich hierbei um einen weiteren Roman Marzis handelt und auch „Ein Uralte Metropolen Roman“ schreit nicht unbedingt „Ich bin ein Teil einer Reihe“, zumal heutzutage viele Bücher einen Zusatz unter dem Titel besitzen und dieser Roman eben – wie der Klappentext zusammenfasst – in den Uralten Metropolen spielt.

Christophs Marzis neuer Roman über die Uralte Metropole, die sich unter den Straßen Londons erstreckt.

Natürlich, ich hätte vorher recherchieren können wer der Autor ist, was er vorher geschrieben hat und ob dieses Werk ein Teil einer Reihe sein könnte. Doch wer tut dies, wenn man ein Buch in einer Buchhandlung sieht. Zum Glück für Heyne lässt sich dieses Buch auch als eigenständiger Fantasie-Roman lesen, dessen Vorgängerbücher somit eine Art Prequel darstellen können.

Alles auf Anfang: London ist verschwunden!

Emily Lainge wartet in Cambridge auf einen Zug nach London, der niemals erscheint. Wie sie bald feststellen muss ist sie die einzige Person, die sich an die Stadt London erinnert, während alle anderen Menschen zu glauben scheinen, dass Oxford die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs ist. Einzig die beiden seltsamen alten Damen, die plötzlich vor Emily auftauchen scheinen ihr zu glauben, doch bevor sie die beiden weiter befragen kann, wird sie von ihnen betäubt und wacht plötzlich in einer Londoner U-Bahn-Station auf.

Wittgenstein, ein Alchemist und Emilys Mentor, widmet sich, als die vollkommen verwirrte Emily in sein Haus stürmt, gerade einem viel wichtigeren Problem, denn so wie es aussieht scheint sich London nach und nach aufzulösen. Ganze Stadtteile scheinen zu verschwinden und in den restlichen kommt es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Bevölkerung, die bereits erste Tode mit sich gezogen haben.

Um zu klären ob es einen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen gibt müssen Emily und Wittgenstein weit hinab in die Tiefen von Londons Untergrund steigen. Dorthin wo sich die Uralte Metropole mit ihren geheimen Geschäften, Häusern und Wesen verbirgt.

Reihe oder Roman: Emily ist erwachsen geworden

Marzis fünfter Roman der Uralten Metropolen-Reihe liest sich wie eine sehr gut durchdachte Fantasiegeschichte. Die Uralte Metropole, ihre Bewohner und ihre Dynamik ergeben ein sehr gutes Gesamtbild. Die Figuren werden jeweils eingeführt, ihre Fähigkeiten, ihre Vergangenheit und ihre Beziehungen erklärt, bevor sie sich richtig ins Abenteuer stürzen.

Dies ist nicht nur für diejenigen wichtig, die den Roman als Einzelwerk lesen, sondern auch jene, die die Reihe gelesen haben. Schließlich liegen zwischen dem Erscheinen von Somnia, dem Vorgängerwerk von London, und dem fünften Roman acht Jahre. Eine Zeit in der Leser sich durchaus an einige Details nicht mehr erinnern können und die Auffrischung durchaus gerne hinnehmen. Außerdem hat sich die Protagonistin weiterentwickelt. Sie ist erwachsen und unabhängig geworden. Das kleine Mädchen, was einst gerettet werden musst, kann sich nun selber retten und beschützen.

Und mit ihr ist auch der Erzählstil gereift. Erzählt wird keinesfalls eine fantastische Geschichte für Kinder, sondern ein ausgeklügelter Fantasieroman indem es um Macht und Politik, Verschwörungen und dunkele Machenschaften geht. Trotz aller Politik und Realität streut Marzi dennoch genug fantastisches in seine Geschichte ein nicht ganz echte Welt zu erschaffen. Eine Welt, die gerade nur wegen der Existenz der Uralten Metropolen existieren kann. Eine Welt in der sich Elfen in Bibliotheken arbeiten und magische Fähigkeiten dort schlummern, wo man sie nicht erwartet.

Kurzum handelt es sich bei London um einen wirklich spannenden Roman, der als Einzelwerk oder Teil einer Reihe gelesen werden kann – so wie er eigentlich erdacht wurde. Die Handlung ist spannend und wortgewand erzählt und zieht den Leser direkt in die Geschichte aus der man gar nicht mehr auftauchen möchte. Bravo, Marzi zeigt, dass Deutsche Fanatsie-Romane nicht kitschig sein müssen, sondern klug und postmodern erzählt werden können.

London | Christoph Marzi | 704 Seiten | Fantasie | 2016 | Heyne | Bei Amazon kaufen

Andere Romane der Reihe:
Lycidas
Lilith
Lumen
Somnia


London wurde mir vom Heyne Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

3

Nest: Ein Kinderbuch für Erwachsene [Buchrezension]

Selten hat mich ein Buch so sehr emotional berührt wie Esther Ehrlichs Nest. In ihrem Erstlingswerk entführt sie uns in das Cap Code der 1970er Jahre. Dort wo alle anderen Familien während des Urlaubs hinfahren lebt die elfjährige Naomi mit ihrer älteren Schwester und ihren Eltern – einem Psychologen und einer ausgebildeten Tänzerin. Doch das friedliche Leben in der Nähe der Dünen wird sich bald für immer ändern, denn Naomis Mutter leidet unter Multipler Sklerose, eine Krankheit, die für die Tänzerin nicht nur das Ende ihrer Karriere bedeutet, sondern vor allem das Ende eines Traums. Durch den Schock der Diagnose fällt sie in eine tiefe Depression.

Ein Zustand den Naomi mit ihren elf Jahren nicht nachvollziehen oder verstehen kann. Sie weiß nicht, was dieses MS ist über das die Erwachsenen die ganze Zeit sprechen und sie versteht nicht, warum ihre Mutter nicht mehr vom Sofa aufstehen möchte. Auch ihre Schwester verhält sich plötzlich merkwürdig und geht Naomi aus dem Weg. Und somit versucht sich die fantasievolle Protagonistin selber zu erklären, was gerade passiert. Doch wie kann man all die seltsamen Ereignisse erklären und warum soll ihre Mutter plötzlich in ein Krankenhaus gebracht werden, welches ihre Schwester schnippisch als Klapsmühle bezeichnet?

Nest, ein emotionales Kinderbuch von Esther Ehrlich für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Kinderbücher sind nicht immer nur für Kinder

Obwohl dieses Buch aus dem Aladin-Verlag sich durch seine Verlagspositionierung an Kinder richten müsste, ist dieses Buch auch für Erwachsene geeignet. Auf der einen Seite ist die Protagonistin sehr jung, so dass sie Kindern die Möglichkeit gibt sich mit ihr zu identifizieren und zu versuchen nachzuvollziehen was in Naomis Leben passiert. Auf dieser Ebene versucht das Buch seinen jungen Lesern vor Augen zu führen was eine solche Krankheit für Auswirkungen auf eine Familie haben kann, und dies in kindgerechten Bildern.

Auf der anderen Seite könne Erwachsene viel besser die Situation durchschauen und verstehen. Man benötigt keine Erklärung dazu was Multiple Sklerose ist oder was für Auswirkungen eine Depression haben kann. Man durchschaut die Situation auf einer Metaebene und kann gleichzeitig bewundern wie stark Naomi für ihre elf Jahre ist.

Diese Komplexität hätte ich niemals von einem Kinderbuch erwartet. Das Thema ist sehr anspruchsvoll, wird jedoch mit sehr viel Feingefühl behandelt. Diese Qualität ist wirklich beeindruckend und lässt mich darauf hoffen bald mehr von Ehrlich zu lesen. Auch wenn ich mich während des Lesens immer wieder gefragt habe wie gut Kinder wirklich mit diesem Lesestoff zurechtkommen würden. Dies scheint auch der Verlag zu vermuten, der das Buch für Kinder zwischen 12 und 15 Jahren empfiehlt.

»Ich glaube, Mom hätte es bestimmt gern, wenn wir ihr zujubeln. Meinst du nicht, Rach?«, fragte ich. […] Rachel schüttelte den Kopf, schaute mich aber nicht an, als hätte ich irgendwas Falsches getan.
»Los, Mom, los«, flüsterte ich und sprang mit überkreuzten Beinen in die Luft wie ein Cheerleader.
»Hör auf, Chirp«, sagte Rachel. »Du benimmst dich wie ein Kleinkind. Dad weiß viel besser, was Mom will, als du.« Dann verschränkte sie die Arme und schaute aufs Wasser hinaus, als wäre sie tief in Gedanken versunken. Ich stierte sie an, um sie dazu zu bringen, mich doch noch anzuschauen.

Vorsichtige Wortwahl und ein Funken der Hoffnung

Wie sich aus der Handlung bereits erschließen lässt, handelt es sich bei diesem Buch nicht um eine der Geschichten, die man unbedingt mit Vergnügen liest. In ihrer sehr behutsamen Art erzählt Ehrlich in Nest eine Geschichte, die von Anfang an klar macht, dass die Familie keine großen Chancen hat zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. Und so sehr sich die kleine Protagonistin auch bemüht mit der Situation klarzukommen, so ist ihr Kampf aussichtslos. Jede Bemühung wird direkt durch einen weiteren Rückschritt niedergeschmettert.

Und dennoch schafft es Ehrlich mit dem kleinen Funken der Hoffnung, mit der sie ihre Geschichte immer wieder anreichert, dafür zu sorgen, dass man weiterlesen möchte. Dass man erfahren will, wie die Geschichte um Naomi ausgeht und sie durch das schwere Jahr in ihrem Leben begleitet. Auch der Junge von nebenan, der immer im richtigen Moment für Naomi da zu sein scheint, hilft diese Geschichte weiterzuentwickeln.

All diese Elemente sorgen schlussendlich dafür, dass dies eine der berührensten Geschichten ist, die ich seit langem lesen durfte.

Nest | Esther Ehrlich | 320 Seiten | Aladin Verlag | Bei Amazon kaufen


Dieses Buch wurde mir vom Aladin Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.