Digimon Adventure 2020: Seelenlose Kindheitserinnerungsverwertung

Als nach dem Ende von Digimon Adventure: Tri eine neue Digimon-Serie angekündigt wurde, war ich sehr, sehr aufgeregt. Ich dachte, dass es ein Remake der ersten Staffel mit dem neuen Animationsstil geben würde. Ich freute mich darauf die Folgen, die ich als Kind geliebt hatte noch einmal zu sehen. Die Realität hätte kaum weiter davon entfernt sein können.

Soweit ich es beurteilen kann – leider habe ich den Manga vor etwa 20 Jahren gelesen – orientiert sich Digimon Adventure (2020) stärker an der Handlung des Manga. Die Geschichte folgt dem Grundschüler Taichi Kamiya, der eines Tages zufällig in der Digitalen Welt landet, einer Welt die von kleinen Monstern, den Digimon, bevölkert wird. Da die Digitale Welt mit unserer Welt verbunden ist, haben Ereignisse in der einen, Auswirkungen auf die andere Welt.

Schnell trifft Taichi auf Agumon, an dessen Seite er gemeinsam ein Digimon besiegt, welches in Tokyo das Zugnetzwerk verrückt spielen lässt. Kaum ist diese Krise überstanden droht schon der nächste Kampf und er entdeckt, dass es noch andere Kinder gibt, die es in die Digitale Welt verschlagen hat.

In wenigen Folgen nimmt das Tempo der Serie immer weiter zu. Omegamon erscheint, immer neue Gegner sorgen für immer größere Krisen und in den ersten zehn Folgen haben wir bereits die sechs auserwählten Kinder und ihre Digimon in mindestens einer Digitation kennengelernt.

Dies wäre der Punkt wo die alte Serie den Kindern und somit Zuschauern eine Verschnaufpause verschafft. In denen wir sehen wie Agumon mit Taichi zusammen Burger essen geht oder alle zusammen eine Heiße Quelle finden. Wir lernen die Figuren und ihre Motivationen kennen und beim nächsten Kampf fiebern wir umso gebannter mit.

Doch diese Serie hat ein ähnliches Problem, wie viele der aktuellen Shonen Serien: Sie fokussiert sich auf Kämpfe und Abenteuer und vergisst dabei, dass diese uninteressant werden, wenn es keinen Grund gibt mit den Helden mitzufiebern. Noch stärker tritt diese Problematik zu Tage, wenn man im Vergleich auf Digimon Adventure: Final Evolution Kizuna gucken. Der Film aus dem letzten Jahr erzählt das finale Kapitel der bisherigen Digimon Adventures-Serie. Es zeigt wie Taichi, Yamato und Co. Erwachsen werden und langsam feststellen müssen, dass sie nicht für immer mit ihren Digi-Partnern zusammenbleiben können.

Die Geschichte greift dabei einzelne Momente aus den bisherigen Serien und Verfilmungen auf und zeigt uns wie jeder einzelne Digiritter mit seinem Partner zusammen gewachsen ist. Die Szenen die dabei hochkommen sind nicht di großen Kämpfe, sondern die kleinen Momente. Sie zeigen, dass der geborene Anführer selber nicht weiß, was er tun soll. Oder den Musiker, der versucht hat „vernünftig“ zu werden, obwohl sein Digimon sein Harmonikaspiel doch so sehr liebt.

Diese kleinen Moment, die am Ende des Films jedem Zuschauer die Tränen in die Augen treiben dürften, halten Digimon Adventure (2020) den Spiegel vor und enthüllen wie Seelenlos diese Verfilmung in Wirklichkeit ist. Sie bietet keinen Raum dafür, dass die Figuren sich entwickeln können oder wir verstehen, was sie antreibt. Wenn Angemon endlich auftaucht ist dies nur ein Vehikel in der Geschichte, da wir nicht gesehen haben, wie Takeru und er gemeinsam gebannt auf eine Entwicklung gewartet und gehofft haben und diese Hoffnung sich direkt in Trauer verwandelt. In der neuen Verfilmung ist dies nur ein kleiner Meilenstein in einem nie endenden Kampf gegen einen unbekannten Gegner.

Man mag die Frage aufwerfen weshalb überhaupt irgendwer irgendetwas tut, denn am Ende wissen wir nichts über die einzelnen Figuren. Und man mag die Vermutung äußern, dass den Serienmachen die wirkliche Handlung auch nicht wirklich wichtig ist, so lange immer wieder unterschiedliche Digimonnamen genannt werden, welche dann als Spielzeug an eine neue Generation von Kindern verkauft werden können.

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