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Love letters to the Dead [Review]

Love letters to the dead ist der Debüt-Roman der sehr talentierten Ava Dellaira. Der Roman aus dem Jahr 2014 wird mittlerweilen von vielen Lesern auf eine Stufe mit den Romanen von John Green (The fault in our stars) und The perks of being a wallflower gestellt und gehört somit zur aktuellen Generation der „Coming of age“-Romane.

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Die Geschichte beginnt mit einer Hausaufgabe für den Englischunterricht. Die Schüler sollen einen Brief an eine berühmte Persönlichkeit schreiben. Als die 16-jährige Lauren, die gerade an die High School gekommen ist, ihren Brief fertig hat, wird ihr klar, dass er viel zu persönlich ist um ihn abzugeben. Auch der zweite Versuch erzählt viel zu viel über ihre Gefühle, ihr Leben als Aussenseiterin und ihre vor Kurzem verstorbene Schwester May.

Schnell entwickelt sich aus der Hausaufgabe eine ganz eigene Form von Tagebuch, indem Laurel von ihrem Alltag, ihren neuen Freunden und Sky, dem mysteriösen Jungen in der Lederjacke berichtet. Nur über das, was mit May passiert ist, kann sie nicht wirklich sprechen. War der Tot ihrer Schwester wirklich ihre Schuld?

Spannung bis zur letzten Seite

Dellaira hat einen groben, ein wenig unausgereiften Schreibstil, der das Buch mehr wie die Aufzeichnungen einer 16-jährigen wirken lässt, als das Werk einer erfahrenen Autorin, was in diesem Fall nur von Vorteil ist. Bis zum Schluss schwebt die Frage im Raum, was wirklich in jener Nacht „at the movies“ geschehen ist. Das Mysterium trägt einen großen Teil der Geschichte, da es den Roman stark von anderen Romanen dieses Genres unterscheidet. Aber auch darüber hinaus ist es spannend über die Ereignisse im Leben von Laural zu leben.

Das Einzige, was mich an diesem Roman gestört hat, war die Tatsache, dass Laurals Leben vielleicht ein wenig zu schwierig ist. Es wirkt fast so, als konnte sich Dellaira nicht ganz entscheiden, welches Trauma Laurel so verschlossen gemacht hat und deshalb hat sie kurzerhand alle in den Roman eingebunden. Nichtsdestotrotz ist dies eine sehr spannende Geschichte, die ich nicht aus den Händen legen konnte!

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Übrigens wurde mittlerweile eine Verfilmung von Love letters to the Dead angekündigt. ;3

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Cloud Atlas [Review]

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Picture by pottwalblog.ch

Even as I was watching „Cloud Atlas“ the first time, I knew I would need to see it again. Now that I’ve seen it the second time, I know I’d like to see it a third time — but I no longer believe repeated viewings will solve anything. – Roger Ebert, Chicago Sun-Times, 24.Oktober 2012

Was einer der bedeutendsten Filmkritiker unserer Zeit so schön zusammengefasst hat, ist ein Phänomen, welches ich selber im Kino verspürte, als ich Cloud Atlas sah. Ich wollte mehr. Ich wollte mehr von den imposanten Bildern. Mehr von der wundervollen, klaren Musik und vor allem wollte ich mehr von den dahinfließenden Worten, die sich von einem Dialog in den nächsten ergossen und dabei ganze Stränge von Welten, Zeiten und Ideen mit sich zogen.

Der Film von den Wachowski Geschwistern und Tom Tykwerand basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Mitchell aus dem Jahre 2004. Lange galt die Geschichte als Material, welches zwar interessant ist, jedoch sich nicht für einen Film eignen würde. Bis sich Tykwerand entschied den Stoff umzusetzen.

Der Roman erzählt die Geschichte von sechs Personen in sechs verschiedenen Zeiten, die sich gegenseitig beeinflussen. Immer wieder werden diese Episoden miteinander verwoben und miteinander in Verbindung gesetzt, so dass die Handlung und die Ideen dahinter relativ komplex werden. Und da Komplexität für Filme bekanntermaßen schädlich ist, wollte niemand das ansonsten großartige Buch verfilmen.

Grob zusammengefasst erzählen die Episoden folgende Handlung: 1849 – ein Anwalt segelt mit einem Schiff über das Meer, während ein Arzt versucht ihn zu vergiften. Er verfasst ein Tagebuch. Dieses Tagebuch wird 1936 vom Komponist Robert Frobisher gelesen, der das Cloud Atlas Sextett schreibt. Während er daran arbeitet verfasst er Briefe. Diese werden 1973 von der Journalistin Luisa Rey gelesen. Sie versucht ein Geheimnis rund um ein Atomkraftwerk aufzudecken. 2012 wiederum liest der Verleger Timothy Cavendish eine Geschichte Reys.
Danach gibt es einen großen Sprung. Im Jahre 2144 lebt die Duplikantin Sonmi, die mithelfen soll eine Revolution zu starten. 2346 hat die Menschheit diese hochtechnologisierte Zeit überwunden und betet die Göttin Sonmi an. Unterm Strich: Alles ist verbunden.

Das Konzept des Buchs wird im Film gut umgesetzt. Es ist immer recht gut zu verstehen was die Personen miteinander zu tun haben. Gerade die Geschichte um den jungen Komponisten und Sonmi fand ich sehr bewegend inszeniert. Die Episode rund um den Verleger fand ich zwar unterhaltsam, aber leider überflüssig. Ebenso hätte ich auch gerne die 70er-Jahre Erzählung gestrichen.

Der durchgehende Erzählton, die kräftigen Bilder und – wie schon gesagt – der wirklich gute Soundtrack tragen jedoch auch über diese Episoden hinweg. Ergänzend findet man dort sehr schöne Varianten der Schauspieler, den während nicht nur alle Personen durch die Handlung verbunden sind, sind sie vor allem auch durch ihr Auftreten verknüpft. Immer wieder erscheinen die gleichen Darsteller in unterschiedlichen Kostümen. Halle Berry wird zur weißen und sogar zum weißen Mann. Doona Bae spielt eine Engländerin, eine Asiatin und eine Mexikanerin. Ebenso dürfen auch die Männer in Frauenrollen schlüpfen. Egal als wer oder was sie ‚wiedergeboren‘ werden, sie sind immer wieder eine andere Person, die Rassen, Klassen, Geschlechter und Konventionen überschreitet. Ein gefundenes Fressen also für die Cultural Studies.

Gerade dieses Spiel mit den Rollen ist etwas, was das Buch nicht leisten kann. Der Film kann somit das Verbunden-sein verdeutlichen und konzentrieren, indem er mit seinen Mitteln spielt. Allein dafür lohnt sich der Kinobesuch! Zusätzlich ist er für mich einer der favorisierten Filme des Jahres und sicherlich ein Anwärter für einige Oscar-Nominierungen.

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„Let the Games beginn!“ – Die Tribute von Panem [Review]

Uuuund ich bin wieder raus aus Panem. Whao, ich wusste gar nicht, dass ich immer noch so zumsüchteln kann, wenn es um eine Buchreihe geht, aber scheinbar wird es mit dem Alter schlimmer, weil ich jetzt keine Mutter habe, die ins Zimmer gestürmt kommt und mir sagt, dass ich essen oder schlafen muss. Sich ums sich selber kümmern zu müssen hat auch Nachteile. Zumindest hält mich Katerboy davon ab, komplett darin aufzugehen herauszufinden was zwischen Katniss und dem Brot-Jungen passiert. Vielleicht besser so, sonst würde ich zu gar nichts mehr kommen xDD

Nunja, ich habe die Hunger Games Trilogie nun endlich durch und wie versprochen bekommt ihr eine anständige Buchrezension. Na, wie klingt das?

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The Hunger Games oder zu deutsche Die Tribute von Panem ist ein Sci-Fi/ Dystopie/ (Jugend-)roman. In einer nicht all zu fernen Zukunft besteht die USA aus 13 districts und dem capitol, welche zusammen das Land Panem bilden. Zwölf der districts sorgen für die Produktion von Technik, Nahrung, Kleidung und Energie. Jeder district hat ein bestimmtes Versorgungselement, für welches er zuständig ist und mit welchem er das capitol versorgt. Unzufrieden mit diesem Zustand beginnen die districts einen Aufstand gegen das capitol und scheitern. Das war vor knapp 75 Jahre vor der eigentlichen Handlung. District 13 wurde in diesem Aufstand vollkommen zerstört. Die anderen müssen, als Erinnerungen an die Kriege, jedes Jahr zwei Tribute stellen – ein Mädchen und einen Jungen zwischen 12 und 18 Jahren, welche an den sogenannten Hunger Games teilnehmen müssen. In diesen Spielen werden die 24 Tribute in einer riesigen Arena ausgesetzt – von Jahr zu Jahr sieht diese anders aus – und müssen dort versuchen zu überleben. Doch nur einer von ihnen kann gewinnen und um dies zu erreichen müssen sie die anderen Tribute töten.

Die Handlung setzt nun kurz vor den 74ten Hunger Games ein. Katniss Everdeen aus district 12, de Kohlelieferanten, lebt mit ihrer Familie ein armseliges Leben. Nach dem Tod ihres Vaters geht sie illegal jagen um die Familie am leben zu erhalten. Alleine kümmert sie sich um ihre Mutter, welche aus Wildkräutern Medizin herstellt, und ihre zwölfjährige Schwester Prim. Das Leben ist zwar nicht einfach, aber zumindest friedlich. Bis Effie Tinkert auftaucht um die Teilnehmer der 74ten Hunger Games zu verkünden. Gegen alles Glück wird ausgerechnet Prims Name gezogen, welche zum ersten Mal bei der Auslosung teilnehmen muss. Um sie zu beschützen meldet sich die 15jährige Katniss freiwillig und wird mit dem gleichaltrigen Peeta ins capitol gebracht.

Dort werden sie verschönert und auf die Spiele vorbereitet. Neben der Fähigkeit zu Kämpfen, lernen sie vor allem wie man Feuer macht, Wasser findet und sich um Wunden kümmern kann. Aber auch, wie sie Sponsoren beeindrucken können, steht mit oben auf der Liste. Da die Hunger Games in ganz Panem ausgestrahlt werden, sind sie jedes Jahr wieder ein Magnet für capitol-Bewohner, welche auf die Teilnehmer Wetten abschließen und ihren Favoriten mit kleinen Geschenken – Wasser, Essen, Medizin, Waffen – in der Arena unterstützen.

Von nun an wird beschrieben wie Katniss sich durch die Arena kämpft, angetrieben von dem Wunsch nach Hause zurückkehren zu können, denn für den Gewinner wartet Reichtum, der ihre Familie am Leben erhalten könnte.

Während Katniss kämpft, breitet sich der Funke der Unzufriedenheit immer weiter in Panem aus und mündet schließlich in einigen Aufständen, welche sich wie ein Feuer ausbreiten und drohen in einer Revolution zu münden. Band 2 – Catching Fire – beschreibt diese Aufstände und welche Gefahren der Präsident von Panem in ihnen sieht, denn ein einzelner Funke kann schnell zu einem Brand werden. Dieses Feuer versucht er mit Katniss Hilfe einzudämmen, den sie ist es, die von den Aufständischen als Wahrzeichen verehrt wird. Mit den 75ten Hunger Games – dem Quater Quell – einem Spektakel der Extraklasse, welches alle 25 Jahre stattfindet, soll das Feuer nun eingedämmt werden.

Mockingjay, der letzte Band, treibt schließlich die Revolution voran und wirft die Frage auf, wie die Zukunft von Panem aussehen wird.

Alles in allem fand ich die Handlung recht spannend und gut nachzuvollziehen. Die Idee fand ich wirklich faszinierend, auch wenn mich die Spiel stark an den Roman Reality Show von Amélie Nothomb – dort wird ein KZ als Reality Show nachgestellt – erinnert hat. Suzanne Collin schafft eine düstere Zukunft, in welcher es keine Hoffnung gibt. Die Revolutionsgeschichte ist aufregend und passt sehr gut in die heutige Zeit, in welcher es in letzter Zeit so viele Revolutionen gab. Die politischen Hintergründe sind recht einfach gehalten, so dass auch Kinder die Handlung nachvollziehen können. Teilweise wurden mir manche Dinge ein wenig zu oft und ausführlich erklärt, aber nun ja, es ist eben eher für Teenager und Jugendliche gedacht.

Neben den Kämpfen und der Revolution erzählt der Roman die sehr schöne Liebesgeschichte rund um Katniss, Gale und Peeta. Und während ich beim Film noch eher für Gale war, ist es im Roman schon sehr klar, dass Peeta derjenige ist, welcher Katniss versteht und liebt und welchen sie liebt. An manchen Stellen habe ich wirklich ein wenig zu sehr wie ein kleines Mädchen reagiert und gedacht: „Bah Handlung, interessiert mich nicht, was ist nun mit Peeta los!!!“ Schlimm, schlimm, schlimm so etwas.

Wenn man Bewertungen der Reihe liest werden oft Vergleiche mit Harry Potter und der Twilight Reihe herangezogen. Wenn man diesen Vergleich schon anstellen möchte, so finde ich die Erzählweise eher Harry-Potter-artig, da eben wirklich Handlung erzählt wird. Katniss, die trotz Schmerz weiterkämpft, hat für mich nicht wirklich Ähnlichkeit mit der sich ständig in Selbstmitleid windenden Bella. Überlebe erst einmal die Arena, dann darfst du auch darüber klagen, dass dein Leben schlimm ist!!! Obwohl ich natürlich zugeben muss, dass es eine kleine Dreiecksbeziehung gibt, aber dies ist durchaus nichts, was Stephanie Meyer erfunden hat, sondern kommt schon seit Ewigkeiten in Handlungen vor.

Zum Abschluss kann ich diese Reihe nur JEDEM wärmstens empfehlen. Die Bücher sind spannende und gut erzählt. Was will man mehr? Der Film fängt übrigens die Stimmung des Films sehr gut ein :3

Die Tribute von Panem in der Übersicht:

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Vom Film zum Buch: Extrem laut und unglaublich nah [Review]

Anfang des Jahres erschien die Verfilmung des Buches Extremely Loud & Incredibly Close in den deutschen Kinos. Damals faszinierte mich der Film so sehr, dass ich mir direkt das Buch kaufte. Und weil ich es nun endlich durch habe bekommt ihr einen kleinen Einblick in das Buch und einen Vergleich mit dem Film. Na, wie klingt das?

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Das Buch von Jonathan Safran Foer (Tiere essen, Alles ist erleuchtet) handelt von Oskar, der stark in sich selbst zurückgezogen lebt. Der zwölfjährige Junge scheint teilweise autistische Verhaltensmerkmale aufzuweisen. Nur sein Vater kann ihn immer wieder beruhigen. Bis er am 11. September stirbt. Daraufhin zieht sich Oskar immer weiter von allen Menschen zurück. Unfähig seinen eigenen Schmerz auszudrücken weiß er nicht, was er tun soll. Eines Tages, einige Zeit nach dem Tod seines Vaters, schleicht er sich heimlich in dessen Zimmer und findet dort einen mysteriösen Schlüssel. Wozu gehört er? Warum hat sein Vater ihn versteckt? Was bedeutet das Wort Black, welches auf dem Umschlag, in welchem der Schlüssel versteckt war, steht? All diese Fragen versucht Oskar nun zu ergründen. Und wenn er dafür mit jedem Menschen Namens Black reden muss, der in New York lebt, so wird er dieses Schicksal auf sich nehmen um seinem Vater noch ein wenig länger nah sein zu können.

Parallel dazu erzählt das Buch – und hier liegt wohl die größte Änderung zum Film vor – die Lebensgeschichte von Oskars Großeltern. Als Überlebende des Bombenangriffs auf Dresden, treffen sich die beiden zufällig in New York, wo sie durch ihre Einsamkeit, ihre Vergangenheit und ihren gemeinsamen Verlust zueinander finden und versuchen sich ein „normales“ Leben aufzubauen. Doch nach alles, was sie erlebt haben, scheint ihnen das Glück nun verwehrt zu bleiben auch wenn sie sich noch so sehr bemühen es zu erzwingen. Den manchmal ist das, was man verloren hat, so viel größer und kostbarer, als das, womit man es zu ersetzen versucht. Und Lieben scheint nicht aus gemeinsamen Verlust heraus entstehen zu können…

Insgesamt springt das Buch recht viel in der Zeit und der Erzählposition. Dadurch wirkt es eher wie eine Sammlung verschiedener Berichte, welche zu einem Buch zusammengefügt wurden. Tagebucheinträge, direkte Erzählung, Briefe und das Lebenswerk Oskars Großmutter werden zu einem durchweg stimmigen Text zusammengemischt. Ergänzt wird dieser durch Fotos, welche jeweils passend zu Handlung eingebunden werden.

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Während ich im Film Oskar – gespielt von Thomas Horn – recht traurig fand und mit ihm alles Mitgefühl der Welt hatte, ging mir der Buch Oskar leider gewaltig auf die Nerven. Das Kind im Film ist wissbegierig, lernfähig und scheinbar interessiert an allem. Im Buch hingegen ist er furchtbar besserwisserisch, würgt Menschen immer wieder ab und kennt sich gerade einmal ein wenig in einigen geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Bereichen aus. Alles was darüber hinaus geht und ihn nicht unmittelbar interessiert wird von ihm als unwichtig abgetan. Dazu ist sein Teil der Erzählung etwas verworren und hektisch geschrieben, welches mich an manchen Stellen beinah etwas an ein ADHS Kind erinnert. Somit macht es nicht so viel Spaß seinen Teil der Geschichte zu lesen, der vor allem recht stringent ist und die Handlung in weiten Teilen nicht wirklich voran bringt, da sie immer wieder aus neuen Begegnungen mit den Blacks besteht.

Dahingegen fand ich die Geschichte der Großeltern sehr, sehr viel Interessanter und fand es absolut Schade, dass gerade dieser Teil der Handlung im Film weggelassen wurde. Natürlich ist es Logisch gerade die Parallelhandlung zu streichen um den Rest möglichst detailliert abbilden zu können. Das ist mir schon klar, aber ein paar mehr Informationen über den Hintergrund der Großeltern hätte ich mir doch im Film gewünscht.
Im Vergleich zu Oskars Handlungsabschnitt ist die Erzählung hier sehr viel klarer. In jedem Abschnitt erfährt man neue Hintergründe, so dass es hier durchweg spannend bleibt. Auch wenn die Haupthandlung immer wieder durch diese Erzählung unterbrochen wird, so kam es mir später im Buch eher so vor, als wäre es genau umgekehrt. Und ganz ehrlich gesagt war die interessante Handlung für mich eher die zwischen den Großeltern. Schade, dass dieses nervende Kind die beiden immer wieder unterbrochen hat.

Wenn ihr den Film also mochtet, so behaltet Oskar lieber als Filmerinnerung in eurem Kopf und lest das Buch nur als Hintergrundinformation für die Großeltern. Das das Buch wie eine große Textsammlung verfasst war, hat mir übrigens sehr gut gefallen.

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Nun geht es erst einmal weiter mit den Tributen von Panem.

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Ein Ausflug zum Rande der Zeit [Review]

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Der Roman Die Villa am Rande der Zeit von Goran Petrovic, wird auf seiner Rückseite beschrieben als „eine Liebeserklärung an das Lesen“. Als Zusammenfassung des Romans kann ich die Aussage nur unterstreichen, denn genau das ist der Roman.

In acht Abschnitten erzählt der Serbe Petrovic von Menschen, die in Büchern herumlaufen können und deren Schicksal durch das mysteriöse Buch „Mein Vermächtnis“ verwoben sind. Protagonist der Geschichte ist der Student Adam, der den Auftrag bekommt Änderungen in einem seltsamen, in Saffianleder gebundenes Buch vorzunehmen. Sowohl das Werk als auch der Autor, ein gewisser Anastas S. Branica, scheinen dabei vollkommen unbekannt zu sein. Doch das Seltsamste ist der Inhalt des Buches. Dieser besteht aus einer detaillierten Beschreibung einer Villa und ihres Umlandes. Daneben gibt es keine Personen, keine Handlung, nichts.
Während er sich daran macht das Werk zu ändern, begegnen ihm nach und nach andere Leser, die, wie sonst nicht üblich, ihn sehen können. Auch sie verfügen über die Gabe des vollständigen Lesens – also des Eintauchens in Romane.
Von hier an weicht der Roman immer wieder von der Haupthandlung um Adam und die Änderungen ab und geht hin zu den anderen Figuren, die er in der Villa trifft.

Da wäre unter anderem das Mädchen Jelena, die als Gesellschafterin bei einer alten Dame arbeitet und von ihr die Kunst des vollständigen Lesens lernt. Ausgerechnet auf sie trifft Adam dann auch noch in der Realität, so dass ihre Wege vollkommen verwoben sind.
Aber auch die alte Dame, Natalija, ist stärker mit dem Roman verbunden, als es auf den ersten Moment scheint. Und was ist eigentlich mit dem sonderbaren Gärtner und dem Professor los?
Je weiter der Roman voranschreitet, desto mehr erfährt nicht nur der Leser über die Figuren, sondern auch Adam. Gleichzeitig wird Adam jedoch auch immer stärker bewusst, dass es sich bei dem Roman nicht nur um ein gewöhnliches Buch handelt sondern, dass es eine besondere Bewandtnis damit haben muss.

„Wie sehr sich Bücher auch voneinander unterscheiden mögen, irgendwo hinter dem Horizont treffen sie sich.“ – Petrovic

Der Roman erschien bereits 2000 in Serbien, wo er ein großer Erfolg war, und erst 2010 in Deutschland. Es ist recht Schade, dass er erst so spät hier erschienen ist. Viel mehr bedaure ich, dass er hier so wenig Beachtung genießt, denn es ist einer der besten Romane, die ich seit langem gelesen habe. Die Art, wie er Bücher beschreibt, als wären sie lebendige Geschöpfe, ist erstaunlich. Viele seiner Beschreibungen des Lesens treffen die Gefühle, die man hat, wenn man sich ganz in einen Roman vertieft, so gut, dass ich des Öfteren dachte „Genauso ist es“.
Die Handlung dazu ist sehr gelungen und windet sich sehr dynamisch durch das Buch. Gleichzeitig wurde man also ‚Zeuge‘ einer wirklich spannenden und lebendigen Geschichte, während mein eine Ode auf das Lesen selbst las. Ich bin immer noch vollkommen begeistert von dem Gelesenen und werde das Buch definitiv noch einmal lesen. Was mich leider ein wenig enttäuscht hat, war das Ende. Man hätte die Geschichte sehr gut weiterentwickeln oder zumindest einige der offenen Fragen auflösen können. Stattdessen endet es ein wenig abrupt.

„Vielleicht lag es an dem Licht, das im Übermaß hereinströmte, und daran, dass die grobmaschigen Gardinen offenbar noch nie zugezogen worden waren. Das Zimmer schien den Glanz gewissermaßen zu speichern; an der Ostseite befand sich ein beeindruckend großes Sprossenfenster, dessen fünf Flügel in jeweils neun Felder unterteilt waren, so dass es mit seinen zahlreichen Scheiben an ein Gewächshaus im Botanischen Garten denken ließ, mit dem Unterschied, dass hier anstelle von Pflanzen Bücher gediehen.“
– Petrovic – Die Villa am Rande der Zeit

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Meat Market [Review]

Dank Lernen und Prüfung (die ich gestern übrigens bestanden habe!!!!) hat sich die Buchreview leider etwas verschoben.

Vielleicht erinnert ihr euch noch, dass ich Anfang März einen Artikel über Frauen und die Konsumgesellschaft geschrieben habe, in dem es um die kritische Beleuchtung dessen ging, was sich Frauen heute antun.

Zu diesem Thema hat Laurie Penny (wesentlich professioneller, als ich das kann) ein Buch verfasst. Unter dem Titel „Meat Market – Femal Flesh under capitalism“ fast die junge Autorin, Journalistin, Forscherin und Bloggerin wichtige Thesen rund um das Thema Feminismus zusammen, teilt eigene Erfahrungen und versucht eine Begründung dafür zu finden, warum sich Frauen in der westlichen Gesellschaft zum Teil selber unterdrücken.

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Das Buch ist bereits 2011 in England erschienen und seit 2012 auch in deutscher Sprache erhältlich.

Kapitel 1 befasst sich mit Pornographie in der heutigen Gesellschaft. Vor allem wird hier thematisiert, wie „Sex-Symbole“, z.B. der Playboy-Bunny, sich bereits auf Kinderspielzeugen wiederfinden, gleichzeitig die Gesellschaft immer prüder wird. Daneben stellt sie die Frage, warum so viele Männer Prostitution verurteilen und versuchen sie zu verbieten, während sie nicht nach den Gründen fragen, was Frauen überhaupt in die Prostitution treibt.
Besonders bewegend fand ich hier das Beispiel der Studentinnen in England, die seit der Studiengebührenerhöhung teilweise ihr Geld mit dem horizontalen-Gewerbe verdienen.

Im folgenden Kapitel fragt sie sich, warum Frauen einen solchen Diätwahn entwickeln. Dabei beleuchtet sie nicht nur die Frauen, die abnehmen um schöner zu sein, sondern die vielen Facetten daneben. Sie erzählt die Geschichte eines Mädchens, welches einfach weniger weiblich aussehen wollte und sich daher bist zur Bewusstlosigkeit herunter-hungerte. Und sie beschreibt ihr eigenes Schicksal. Wie sie die Kontrolle über ihr Leben gewinnen wollte, indem sie sich über den Reflex des Hungers erhob.

Das vorletzte Kapitel geht auf Arbeit und Gehälter ein. Hier wird diskutiert, warum Frauen immer noch für die gleiche Leistung weniger Geld bekommen. Auch im vierten und damit letztem Kapitel geht es um Arbeit. Hier werden die Thesen aus den ersten Kapitel zusammengefasst zu der Frage, warum Frauen auch heute noch die Hausarbeit erledigen sollen, ohne dafür in irgendeiner Weise entlohnt zu werden. Und schlimmer noch, dass von manchen arbeitenden Frauen erwartet wird, dass sie nebenbei sich um das Haus, die Familie und das Essen kümmern, während der Mann tatenlos daneben sitzt.

Das Fazit des Buches überrascht am Ende recht wenig: Frauen sollten sich auflehnen und versuchen etwas zu verändern. Nicht in großen Demonstrationen, sondern im Alltag. Einfach den eigenen Körper nicht kritisieren, dem Chef sagen, dass man mehr Lohn verdient oder den Ehemann dazu auffordern im Haushalt zu helfen.

Alles in allem kann ich dieses knapp 70 Seiten lange Buche nur sehr empfehlen. Die Thesen sind gut aufbereitet, mit Interviews und Forscherzitaten belegt und schlüssig gebündelt. Es ist aber auch recht feministisch.

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Super Sad True Love Story [Review]

Super Sad True Love Story Heute möchte ich euch nach langer Zeit endlich wieder ein Buch empfehlen. Es geht um Super Sad True Love Story (2010) von Gary Shteyngart, der bereits mit Absurdistan weltweite Erfolge feierte.

Mitte des 21. Jahrhunderts ist die USA hoch verschuldet und kann nur noch durch Kredite von China und Europa überleben. Jeder Bürger muss einen „Apparat“ (eine Art modernes iPhone mit integriertem Personalausweis) mit sich herumtragen, wer sich nicht vollkommen den Medien ausliefert gilt als absolut langweilig und man muss jeder Zeit damit rechnen von allen Personen um einen herum auf „Fuckability“ und „Personality“ beurteilt zu werden. Zusätzlich scheint die Jugend vollkommen überflutet zu sein mit Einkaufmöglichkeiten (wer sich langweilt kauft eben schnell per Internet beinah durchsichtige, hautenge Kleidung) und Pornographie („Erinnerst du dich an den Porno, den wir im Kindergarten gesehen haben?“). In dieser Welt versucht nun Lenny, 39, sich zurechtzufinden. Der us-Amerikaner mit russischen Eltern liebt das 20. Jahrhundert und Bücher und passt damit absolut nicht in seine Zeit. Um die alte Welt zu sehen lässt er sich beruflich für ein halbes Jahr nach Rom versetzen. Dort soll er „High Profit Network Individuals“ als Kunden für seine Firma finden, welche „Post Human Services“ anbietet und somit sich mit dem erweitern der Lebensspanne und dem ewig jung bleiben beschäftigt. Nach einem unerfolgreichem Aufenthalt lernt er am letzten Abend in Rom die zwanzigjährige Eunice Park kennen, die ebenfalls aus der New Yorker Umgebung stammt und verliebt sich direkt in sie. Zurück in New York versucht er alles um sie für sich zu gewinnen, während um ihn herum die Wirtschaft immer weiter zusammenbricht…

Der Roman ist sehr großartig, was nicht unbedingt an der Handlung liegt, sondern vor allem durch die präzisen Beschreibungen der Umgebung, der Zeit und der Figuren geschieht. Man erhält einen Einblick in ein realistisches Jahr 2030, in welchem die Menschen sich so weit in die Medienwelt verrannt haben, dass sie schlicht nicht mehr raus kommen. Das sehr dystopische Bild der zukünftigen USA, welches gegen den altmodischen Protagonisten gestellt wird zeigt sehr eindringlich wie sich die Welt weiterentwickeln könnte. Alles in allem ein Buch, welches eine so starke Atmosphäre schafft, die die etwas lahme Liebesgeschichte zu einem epischen Moment in einer hektischen Zeit werden lässt. Nur zu empfehlen!

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A long way down

Die Uni hat gerade erst wieder begonnen und schon frage ich mich, wann wieder Ferien sind. Es ist zwar anstrengend (und wird dieses Semester scheinbar recht anspruchsvoll), aber die Kurse sind wirklich gut. Bisher bin ich abgesehen von ein paar kleinen Sachen wirklich sehr zufrieden. Vor allem das Seminar über Postmoderne Britische Literatur (wäääääh meine Bücher hat Amazon immer noch nicht geliefert >_<), Französisch und Einführung in die Filmgeschichte scheinen sehr gut zu werden. C++ darf bitte nicht schwerer werden >_>
Heute möchte ich jedoch nicht nur sinnfreie Fotos meiner Kleidung zeigen und ein bisschen schwafeln, sondern nach langem wieder eine sinnvolle Kritik zu etwas verfassen. Wie der Titel bereits ankündigt soll es um A long way down gehen. Die Fotos der Woche wird es gebündelt am Wochenende geben.

A long way Down CoverA long way down ist ein Roman des englischen Schriftstellers Nick Hornby, der bereits durch About a boy und High fidelity (und deren Verfilmungen) bekannt wurde. Der Roman erschien 2005 sowohl in England, als auch in Deutschland und liegt mittlerweile als Taschenbuch vor.
Hornby erzählt die Geschichte der Jungendlichen Jess, dem Musiker JJ, der Hausfrau Maureen und des Fernsehmoderators Martin. Diese beschließen aus verschiedenen Motiven an Silvester Selbstmord zu begehen und wählen dafür das Hochhaus Topper’s House. Zufällig begegnen sich die vier und versuchen sich gegenseitig zu helfen. Was zunächst nach einem etwas sonderbaren, dennoch klassischen durch-die-Gruppe-zu-sich-selbst-finde-Buch klingt entwickelt sich recht schnell zu einer dramatischen Geschichte voller schwarzem Humor. Die Schicksale der vier werden gut geschildert. Dies geschieht vor allem dadurch, dass die Perspektiven wechseln und der Leser somit nicht nur etwas über die Personen durch Gespräche oder den Erzähler erfährt, sondern auch in die Gedankenwelt der jeweiligen Person eintauchen kann.
Hornby greift hier wieder einmal ein recht schwieriges Thema auf und baut darum herum die Handlung auf. Sehr positiv fällt bei diesem Roman dabei auf, dass der Spannungsbogen nicht mitten in der Geschichte einbricht, wie es leider bei einigen seiner anderen Roman geschieht, sondern bis zum Ende eine gewisse Ungewissheit herrscht. Obwohl einige Ereignisse vorhersehbar sind schafft es der Autor viele Überraschungen einzubauen, die die Geschichte immer wieder auflockern.
Das Fazit lautet also, dass es sich bei A long way down um ein wirklich gutes Buch handelt, welches trotz seiner düsteren Grundthematik mit einem feinen Humor agiert. Wer Hornbys Romane mag wird dieses Buch lieben und für alle anderen bietet dies einen guten Einstieg in die Welt Hornbys.

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Übrigens A long way down gibt es jetzt auch als Film, den ihr bei Amazon als DVD kaufen könnt.