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Doctor Who: Die Dynastie der Winter – Hörbuch [Review]

Wer nicht genug von den Abenteuern des zwölften Doctors und Clara bekommen kann, für den bringt Bastei Lübbe / Lübbe Audio gerade eine vierteilige Reihe rund um die beiden raus. Dank einer sonderbaren Karte werden der Doctor, Clara und die Tardis plötzlich zu einer erdähnlichen Kolonie befördert, die von den Golhearn bedroht wird. Dort treffen sie auf auf das kleine Mädchen Diana, die den Doctor „am schlimmsten Tag ihres Lebens“ um einen dringenden Gefallen bitten muss. Mister Fluffy, ihr Kater, ist verschwunden und der Doctor ist vermutlich als einziger im Stande ihn wieder zu finden.

Natürlich ist dieser Auftrag vollkommen unter dem Niveau des Doctors, doch es wird das Schicksal der Kolonie, von Diana und den Golhearn für immer verändern, wie der Doctor kurze Zeit später herausfinden wird…

Die Götter, Teil 1 von Doctor Who: Die Dynastie der Winter, einem Hörbuch von Lübbe Audio.

Das Hörbuch ist großartig! Von Anfang an hat mich die Stimme von Lutz Riedel an den Lautsprecher gefesselt. Immer wieder vergisst man, dass die Geschichte nur von einem Sprecher gesprochen wird und nicht von mindestens zehn. Was viele Hörspiele durch aufwendige Effekte und Geräusche erzielen müssen, schaft er vollkommen alleine. Dabei schaft er ein Kopfkino der besonderen Art. Natürlich muss man auch die Hörbuch-Regie loben, die diese Geschichte geschaffen hat. In klaren Worten schaffen sie Welten aus dem nichts. Dies ist vor allem noch beeindruckender, wenn man die Bilder von Doctor Who vor Augen hat, bei denen immer wieder große Welten und fantastische Schlachten inszeniert werden. Dies in ein Hörbuch umzusetzen kann keine leichte Aufgabe darstellen.

Meine einzige wirkliche Kritik an diesem Hörbuch, welches einfach von Riedels bestimmter, aber auch freundlicher Stimme lebt ist, dass Teil eins mit etwa 89 Minuten viel zu kurz ist. Statt die Reihe in vier Teile aufzuteilen, hätte man sicherlich auch das ganze Abenteuer in einer Box zusammen fassen können. Vor allem, weil nicht alle Teile gleichzeitig erscheinen und man somit nach jedem Cliffhanger gut einen Monat auf die Fortsetzung warten muss.

Falls ihr es noch nicht herausgelesen habt: Ihr müsst euch dieses Hörbuch holen. Selbst wenn ihr keine Ahnung von Doctor Who habt, ist dies ein sehr gutes Sci-Fi-Abenteuer, welches sich wunderbar anhören und nachvollziehen lässt. Für alle Doctor Who-Fans sind die vier CDs natürlich ein muss.

Doctor Who: Die Dynastie der Winter – Die Götter | 89 Minuten | 2016 | Lübbe Audio | Hörbuch | Bei Amazon kaufen

Ebenfalls in der Reihe erschienen:


Das Hörbuch wurde mir von Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Space: Eine Entdeckungsgeschichte des Weltalls [Review]

Wie sind Menschen auf die Idee gekommen, dass die Erde sich um die Sonne dreht? Wann wurden die ersten Planten entdeckt? Wieso wissen wir heute, dass Sterne aus Gas bestehen? In Space: Eine Entdeckungsgeschichte des Weltalls gehen die beiden Astronomen Heather Couper und Nigel Henbest diesen Fragen nach.

Space: Eine Entdeckungsgeschichte des Weltalls von Heather Couper und Nigel Henbest. Erschienen im Mairisch Verlag.

Die Geschichte dieses Buches startet in einem Sommer 1984 zwischen den Steinen von Stonehenge mit der Frage wozu diese Stätte, die lange Zeit als eine der ältesten Observatorien der Menschheit galt, dient. Es begleitet Caesar bei der Erfindung des Kalenders, folgt Kopernikus und der Rosetta-Mission und beobachtet die erste Mondlandung.

Jedes dieser Ereignisse bildet ein eigenes Kapitel, in welchem anhand einer Geschichte ein Teil der Astronomie-Geschichte enthüllt wird. Dabei werden die Erkenntnisse der jeweiligen Wissenschaftler, Erfinder, Poeten und Feldherren in einen historischen Kontext eingebunden um zu erklären, weshalb menschen in der Antike beispielsweise ein Model des Weltalls erstellten, was eher eine große Ähnlichkeit mit unserem heutigen – sehr vereinfachten – Schallenmodel für Elektronen in der Chemie hat.

Gleichzeitig bilden die Kapitel eine zeitliche Abfolge, die bei den ersten Völkern, die sich mit den Sternen beschäftigen beginnt, über die Antike, in der die Sterne und Planeten zu Göttern wurden, hin zum Mittelalter, in dem man aus der Kirche verstoßen wurde, wenn man behauptete, dass die Sonne sich nicht um die Erde bewegt, bis hin zur Moderne, den ersten Ausflügen ins Weltall und den Missionen, die den Rand unseres Sonnensystems erreichten.

Couper und Henbest versuchen dabei nicht vordergründig ein wissenschaftlich tiefgehendes Werk zu schaffen, sondern populärwissenschaftlich die Geschichte der Astronomie zusammen zu fassen. Auf gut 300 Seiten fassen die beiden Wissenschaftler Thesen, Theorien und Entwicklungen zusammen und unterlegen diese mit spannenden Anekdoten herausragender Männer und Frauen.

Beide Autoren haben gemeinsam über 30 Bücher geschrieben, für die BBC gearbeitet und waren Mitglieder der British Astronomical Association. Space merkt man diese Erfahrung durchaus an. Es ist klar verständlich und mit einer Leichtigkeit erzählt, die auf erfahrene Autoren schließen lässt. Zudem gelingt es ihnen komplizierte Themen auf eine einfachen Nenner herunter zu brechen und dies so geschickt zu formulieren, dass man sich mehr als nur von diesem Buch unterhalten fühlt. Diese Kombination macht beide Autoren so erfolgreich und sorgt dafür, dass man nicht genug bekommen kann. Selten habe ich bei einem wissenschaftlichen Roman, einer geschriebenen Dokumentation, so sehr mitgefiebert, obwohl man natürlich von Anfang an weiß wie das Buch enden wird.

Space: Eine Entdeckungsgeschichte des Weltalls | 2016 | Heather Couper & Nigel Henbest | Mairisch Verlag | Buch bei mairisch.de kaufen | Buch bei Amazon kaufen


Das Buch wurde mir vom Mairisch Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Es ist gefährlich bei Sturm zu Schwimmen [Review]

Ben und Hanna kennen sich seit sie zehn sind. Beste Freunde ohne Geheimnisse, zumindest waren sie das bis zum großen Streit. Bis zu dem Punkt, an dem Ben plötzlich kurz nach den Abiprüfungen verschwindet und ausgerechnet am Tag der Abschlussfeier – Hannas Geburtstag – wieder auftaucht. Kann ein Roadtrip ihre Freundschaft retten?

Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen, das Jugendbuch von Ulla Scheler.

Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen ist der Debüt-Roman der deutsche Autorin Ulla Scheler. Ihr Jugendbuch teilt sich in zwei Teile. Der erste begleitet Hanna und Ben auf ihrem Weg ans Meer, in die Nähe von Hamburg, und in die Zweisamkeit. Viel Zeit um über die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit zu sprechen und sich darüber klar zu werden, was sie eigentlich wollen. Wieso fällt es auf einmal so schwer über „alles“ zu reden, obwohl sie doch Hanna und Ben sind? Hanna und Ben, die alle nur als Einheit kennen. Das schüchterne Mädchen und der Draufgänger.

„[…] In diesem Teich gibt es zwei rote Fische. Und obwohl sie nur Graustufen sehen, finden sich diese beiden Fische.“

Doch die Idylle wird schnell durchbrochen und Bens größtes Geheimnis schwebt weiterhin zwischen ihnen. Und dann ist da noch die Legende des Strandes. Der Strand, der jedes Jahr ein Opfer fordert…

Große Wortgewalt für Gefühlschaos

Die größte Stärke dieses Romans ist definitiv die Wortwahl der Autorin. Scheler schaft es realistische Jugendsprache – eben weil sie selber noch zur „Jugend“ gehört – mit großen Metapher und tollen Bildern zu verbinden. Wenn sie über das Meer redet, dann kann man das Salz in der Luft riechen und gleichzeitig sehen, wie das Meer für hunderte von verschiedenen Gefühlen stehen kann. Es ist kalt, einladen, gefährlich, liebevoll und mysteriös. Gerade dadurch wird es für Scheler zur perfekten Bühne, auf der ihre Figuren diskutieren und streiten können.

Vor allem anderen zeigt die Handlung von Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen, dass Erwachsen werden hart ist. Man muss das zu Hause und eventuell auch Freunde zurücklassen. Man wird langsam eine eigene Person, die sich nicht mehr von der Clique oder dem besten Freund beeinflussen lässt. Es bedeutet auch eigene Entscheidungen zu treffen und zu diesen zu stehen.

Ben und Hanna, die gerade mit ihrem Abi fertig sind, stehen an der Klippe zu dieser Phase und sprechen – metaphorisch gesehen – darüber ob sie springen sollen oder nicht. Während Ben schon in der Luft ist, weiß Hanna nicht ob sie sich von ihm mitziehen lassen soll.

„Bei dir kommt es mir so vor, als hättest du im Leben die gleiche Musik auf den Ohren, egal ob du in die andere Richtung läufst und andere Dinge siehst als ich.“

In diesem Sinne schreibt Scheler eine klassische coming-of-age-Geschichte über Freundschaft, Liebe und das Meer. In tollen Bildern und einer fesselnden Handlung, die viele von uns schon ähnlich gelesen haben, die man jedoch selten in solch eloquenten Worten liest.

Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen | Ulla Scheler | 2016 | Heyne fliegt

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Es ist gefährlich bei Sturm zu schwimmen wurde mir vom Heyne Verlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Das Krokodil: Eine Sammlung von Dostojewski-Erzählungen [Review]

Wenn man über Dostojewskis Werke spricht, geht es kaum mehr um die Frage ob sie gelungen sind oder nicht. Fjodor Michailowitsch Dostojewski ist einer der bekanntesten Autoren Russlands. Werke wie Schuld und Sühne oder Die Dämonen sorgten dafür, dass seine Werke zu Klassikern wurden. Mit klaren Worten beschreibt er seine Welt, versucht sich an verschiedenen Erzählformen und behält dabei immer einen nachdenklichen, beinah schon melancholischen Ton bei. An manchen Stellen blitzt ein Lächeln zwischen den Sätzen durch und zieht den Leser in seinen Bann.

Das Krokodil: Eine Erzählungssammlung von Fjodor Dostojewski

Wer einen guten Überblick über sein Handeln bekommen möchte, der ist mit Das Krokodil mehr als nur gut bedient. Das Buch – im Manesse-Verlag erschienen – enthält fünf Erzählungen Dostojewskis aus seinen verschiedenen Lebensphasen.

Die Sammlung beginnt mit dem Roman in neuen Briefen von 1845. Die Anspielung an A.A. Bestuschews Roman in sieben Briefen ist ein klassischer Briefroman, der jedoch erst nach Arme Leute veröffentlicht wurde und daher von den Kritikern sehr schlecht aufgenommen wurde. Dies mag vor allem daran liegen, dass der Roman in neun Briefen eben nicht im Laufe eines Jahres, sondern mehr oder weniger in einer Nacht geschrieben wurde. Auch der satirische Unterton und die Anspielungen sorgten bei Kritikern eher für Verunsicherung.

Das Krokodil von 1865 ist zwar nur das Fragment einer Erzählung, gilt heute jedoch als eine der bekanntesten Geschichten Dostojewskis. Die Erzählung nimmt – wie so oft in den Handlungen des Autoren – eine etwas absurde Wendung, die aktuelle Strömungen der Philosophie kritisiert und parodiert. Eine Ehepaar geht mit einem Freund aus um ein Krokodil zu betrachten. Als die Ehefrau das Tier als hässlich und enttäuschend degradiert, möchte der Familienfreund Iwan beweisen, dass das Tier sehr viel interessanter ist und reizt es solange, bis das Krokodil ihn verschluckt. Das Ehepaar fordert sofort die Ermordung des Tieres, doch Iwan plädiert, aus dem Bauch des Krokodils heraus, dafür das Tier am Leben zu lassen. Schließlich könne er seine Tätigkeit als Beamter auch von dort ausüben und er möchte keinen wirtschaftlichen Schaden entstehen lassen.

Die kafkaeske Wende – obwohl man sich anhand der Lebensdaten immer wieder Fragen muss ob Kafka nicht eher von Dostojewski beeinflusst wurde – ist ein Kunstgriff, den der Autor viele Male benutzt.

Geschichten aus der Verbannung und emotionaler Höhepunkt

Vor allem anderen war Dostojewskis Leben davon geprägt, dass er die Vorgehen der Regierung immer wieder kritisierte. Sowohl in seinen journalistischen, als auch literarischen Texte hinterfragt er Gesetzte, Bestimmungen und Einschränkungen. So auch in seiner Erzählung Eine peinliche Geschichte von 1862, in der er über die Auflösung der Leibeigenschaft spricht.

Werke wie dieses und seine durchweg kritische Haltung sorgten dafür, dass er inhaftiert und zum Tode verurteilt wurde. Während der Gefangenschaft entstand unter anderem die Erzählung Ein kleiner Held. Erst viel später – nachdem sein Urteil in Verbannung umgewandelt wurde und er nach seiner Zeit in Sibirien wieder nach Russland zurückkehren durfte – wurde er auch im eigenen Land als wichtiger Autor wahrgenommen.

Unter anderem geschah dies durch seine Berichte und Erzählungen in Literaturzeitschriften. Dazu gehört auch Die Sanftmütige von 1876. Es ist eines seiner letzten Werke, welches klar im Hintergrund immer noch unter dem Zeichen des ‚Hinterfragens‘ geschrieben wurde. Auch wenn es hier sein Protagonist ist, der die Fragen stellt. Die fiktive Schilderung beschreibt wie der Protagonist seine Frau kennenlernte und mir ihr zusammenlebte. Am Anfang, wie am Ende steht dabei ihr Selbstmord und die offene Frage: „Wieso hat sie sich in den Tod gestürzt?“ Innerhalb der Sammlung ist dies durchweg die emotionalste. Sie versucht mit dem Mittel der Rationalität Emotionen zu ergründen, zu bündeln und zu erklären.

Schmuckeinband fühlt sich ‚unschmuck‘ in der Hand an

Wie bereits zu Beginn gesagt, geht es bei den Werken von Dostojewski schon lägst nicht mehr darum sie in gut oder schlecht einzuteilen und sie mit Sternchen von eins bis fünf zu bewerten. Die einzelnen Erzählungen zeigen alle auf ihre Weise einen Ausschnitt aus dem Können und Leben Dostojewskis. Somit hat der Herausgeber der Sammlung einen guten Blick für das Gesamtwerk bewiesen. Auch die Erläuterungen zu den einzelnen Texten sind überaus hilfreich und auf einem für diese Art von Texten angemessenem Niveau.

Was ich leider nicht nachvollziehen kann, ist die Wahl des Einbandes. Wer beschließt einen Roman in Kunstleder zu binden? Selten habe ich ein Buch gelesen, welches sich so unangenehm in der Hand angefühlt hat. Obwohl ich das kleine Format des gebundenen Buches – es ist ungefähr handgroß – durchaus schätze, hätte mich der Einband in seinem kalten, glatten, fast schon klebrigen Einband definitiv davon abgehalten diese Ausgabe in einem Geschäft zu kaufen. Auch finde ich – ich weiß, man sollte ein Buch nicht nach seinem Cover bewerten –, dass das Cover nicht so wirklich zu einer Klassikersammlung wie dieser passt. Schwarzes Kunstleder mit neongrünem Aufdruck sagt leider nicht gerade: Ich bin ein wichtiger Teil der russischen Literaturgeschichte, sondern versucht auf absurde Art und Weise jung und frech zu wirken.

Vermutlich ist dies das erste Buch, bei dem ich lieber die E-Book-Ausgabe gelesen hätte. Sowohl die Auswahl als auch die Stimme der Übersetzerin gefallen mir sehr. Die Geschichten sind ein toller Einstieg in Dostojewskis Werk und genau deshalb werde ich es auch immer wieder gerne weiterempfehlen. Dennoch hat der Verlag mit dem Einband und der Gestaltung des Buches durchaus eine sehr ungünstige Wahl getroffen, die mich dazu verleiten würde dieses Buch mit zwei Sternen zu versehen, wenn ich der Gestaltung ebenso große Bedeutung beimessen würde, wie dem Inhalt.

Das Krokodil | Manesse Verlag | 2016 | 448 Seiten | Bei Amazon kaufen und das Wonderland unterstützen


Das Buch wurde mir von Randomhouse zur Verfügung gestellt. Dies hat nicht meine Meinung beeinflusst.

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Shakespeares ruhelose Welt: Eine Dokumentation als Hörbuch [Review]

Das Hörbuch von Shakespeares ruhelose Welt basiert auf dem gleichnamigen Roman von Neil MacGregor aus dem Jahre 2012. Zum 400. Todestag wurde es als Hörbuch in deutscher Fassung vom Hörverlag aufgelegt. In ihm setzt sich der Kunsthistoriker mit der Zeit Shakespeares auseinander und versucht anhand von historischen Funden Shakespeares Stücke und deren Wahrnehmung zu Zeiten ihrer Entstehung zu erklären.

Shakespeares ruhelose Welt von Neil MacGregor erklärt auf sechs CD's Shakespeares Welt.

William Shakespeare gehört zu einem der weltweit bekanntesten Autore. Auch 400 Jahre nach seinem Tod werden seine Stücke im Theater, Kino, Fernsehen, Literatur, im Internet und Radio aufgeführt, verarbeitete, diskutiert und neu interpretiert. Ihr Erfolg begründet sich dabei auf der Allgemeinheit ihrer Inhalte, die auch in unserer Zeit noch als Medium der Kritik, Schönheit und des Diskurses genutzt werden können.

Doch wie interpretierten die Zuschauer zu Shakespeares Zeiten einzelne Sätze und Themen? Welche Bedeutung hatte es für sie, wenn über Königsmorde, Thronansprüche und Ähnliches diskutiert wurde? Die Hördokumentation auf Basis von Neil MacGregor Roman greift einzelne Themenkomplexe heraus und versucht sie anhand von historischen Funden zu erläutern. Außerdem werden Textpassagen in ihren historischen Kontext gesetzt und näher erklärt.

Hierbei setzt er sich zum Beispiel mit de Problem der Thronansprüche auseinander. Zu Shakespeares-Zeiten war es per Gesetzt verboten über mögliche Thronansprüche zu diskutieren, obwohl mit dem nahen Tod Elisabeths I und dem Ausbleiben von Thronerben diese Frage allgegenwärtig war. Shakespeare bediente sich daher dem Mittel des Historien Dramas. Indem er über die Probleme vergangener Könige sprach, konnte er das Thema adressieren, ohne direkt über Elisabeth I sprechen zu müssen.

Auch wirft MacGregor einen Blick darauf welche Bedeutung die Entdeckung der Neuen Welt für England hatte oder auch weshalb Venedig, die als eine Art New York des 16. Jahrhunderts galt, solch eine Präsenz in Shakespeares Stücken innehatte.

Er spricht über religiöse Verfolgung, die Entstehung der Tudor-Linie, über das gängige Essen, über Eroberungen, die Entstehung von Großbritannien und dadurch ausgelöste innere Konflikte im Land, über die Pest, das Aufkommen von Wissenschaften, das Thema der Verkleidung, Schauspielgruppen im Allgemeinen und ein wenig über Shakespeares eigenes Leben.

Gesprochen wird das Hörbuch von Thomas Loibl, der als Schauspieler in Filmen wie Die Vermessung der Welt und Toni Erdmann mitwirkte. Seine tiefe, sympathische und vor allem klare Stimme, sorgt dafür, dass man ihm gut folgen kann. Er nimmt den Leser stimmlich mit auf eine Reise ins 16. und frühe 17. Jahrhundert. Unterstützt wird er dabei hin und wieder von anderen Sprechern, die Zitate anderer Wissenschaftler oder Passagen aus Shakespeares Stücken und Sonetten vortragen und dadurch Loibls Monolog zusätzlich auflockern.

Insgesamt besteht das Hörbuch aus sechs CDs mit einer Laufzeit von über sechs Stunden. Ergänzt werden die CDs durch ein Booklet, welches die Gegenstände, die innerhalb der Dokumentation besprochen werden, abbildet.

Lediglich am Rande erwähnt MacGregor Shakespeares eigenes Leben. Er geht auf wenige Details des Lebens des Barden ein und konzentriert sich eher um eine historische und textliche Einordnung. Ab und zu zitiert er dabei auch Texte anderer Autoren Shakespeares Zeit um zu untermauern wie wichtig bestimmte Themen waren und wie oft sie von Autoren verwendet wurden.

Nie geht es dabei darum die Autorenschaft oder ähnliches in Frage zu stellen oder näher darauf einzugehen was Shakespeare in seinem Leben widerfahren ist. Für die Vorgehensweise MacGregors ist dies nicht von großer Bedeutung. Damit bietet er einen etwas alternativen Ansatz, der erfrischend und spannend ist. Keinesfalls rattert er die gleichen Zahlen hinunter, mit der sich jede zweite Shakespeare-Dokumentation auseinandersetzt. Es geht ihm um das Textverständnis als solches.

Die ganze Art wie er die Dokumentation aufbaut und sich an Fakten entlanghangelt um zu erklären wie Shakespeares Welt funktionierte, macht dieses Hörbuch zu einem der besten, was ich seit langem gehört habe. Es ist spannend erzählt, gut recherchiert und bietet einen großen Mehrwert zum Verständnis der shakespearschen Texte. Loibls klare Stimme trägt ihr übriges dazu bei. Klar ist aber auch: Wer sich weder für Geschichte, noch für Shakespeare interessiert, wird mit diesem Hörbuch vermutlich nicht viel anfangen können. Ansonsten ist es eine fantastisches Stück Kopfkino, welches ich jedem Leser wärmstens empfehle.

Shakespeares ruhelose Welt | Der Hörverlag | 2016 | 6h 17min | Bei Amazon kaufen


Das Hörbuch wurde mir vom Hörverlag zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung in keinerlei Weise beeinflusst.

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Black Rabbit Hall [Hörbuchrezension]

Der Geruch nach Bienenwachs, das Summen des Globusses, der Geschmack der Vergangenheit, salzig, köstlich auf der Zungenspitze – das ist Black Rabbit Hall.

Amber freut sich das ganze Jahr auf die Sommermonate, die ihre Familie in ihrem Landsitz in Cornwall verbringen wird. Hier wo sich die Familie nie so richtig voneinander entfernt und ihr Zwillingsbruder immer in ihrer Nähe ist. Für ein paar Wochen gibt es keine Nanny, die ihr sagt wie sie sich zu verhalten hat und für einen kurzen Moment kann sie sich wie das Kind fühlen, was sie gerade aufhört zu sein.

Doch nach einem erschütternden Unfall verändert sich alles im Leben der vier Geschwister und nichts scheint jemals wieder genauso zu sein, wie es einmal war. Die Luft liegt voller Geheimnisse und Erinnerungen über die niemals jemand spricht.

Das Hörbuch zum Roman Black Rabbit Hall von Eve Chase.

Black Rabbit Hall ist der erste Roman von Eve Chase. In bedachten, atmosphärischen Worten beschreibt sie das Leben Ambers, ihre Erlebnisse und deren Auswirkungen. Dabei wirkt die Geschichte wie ein sich zurücksehnen in alte Zeiten. Denn nicht nur muss Amber mit dem Wandel innerhalb ihrer Familie zurechtkommen und gleichzeitig Erwachsen werden, der Roman – bzw. das dazugehörige Hörbuch – spielen in einer Zeit der Veränderungen. Angesiedelt in den 1960er-Jahren findet auch ein Wandel in der Gesellschaft statt. Viele andere Familien haben ihre Familiensitze bereits aufgegeben oder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Und auch Amber fragt sich wie lange ihre Familie weiter ein Leben führen kann, welches den alten Traditionen gewidmet ist, und sich dabei immer weiter von der modernen Welt entfernt.

Eingefasst wird diese Handlung von der Geschichte rund um Lorna und ihrem Verlobten Jon, die Jahrzehnte später das verlassen aussehende Gebäude finden, welches alle Menschen nur als Black Rabbit Hall bezeichnen. In diesen alten Gemäuern voller Geschichten möchte sie ihre Hochzeit feiern. Um mehr über das Haus zu erfahren begibt sie sich auf eine Reise, die endlich den Schleier der Vergangenheit lüften soll.

Gut zu folgende Stimme, störende Rahmenhandlung

Wie sich aus dem Titel bereits ableiten lässt habe ich nicht den Roman gelesen, sondern stattdessen das Hörbuch, gelesen von Anna Thalbach, angehört. Das Hörbuch ist, genauso wie die deutsche Fassung des Romans, in diesem Jahr erschienen. Mit einer Laufzeit von gut sieben Stunden handelt es sich um eine gekürzte Fassung des Romans, der gut 400 Seiten umfasst.

Die Stimme von Anna Thalbach ist sehr klar und man kann ihr gut in ihrer Erzählung folgen. Sie schafft es nur durch ihre Worte eine Grundspannung aufzubauen, mit der man ihr an den Lippen hängt. Einziger Punktabzug hier: Anna Thalbach imitiert Kinder auf eine wirklich absurd nervende Art und Weise. Ihre Stimme wird seltsam quäkig, unangenehm und erweckt den Eindruck von wirklich anstrengenden Kindern, die man wirklich nicht in seiner Nähe wissen möchte. Besonders während einer Beerdigungsszene wirkt dies mehr als nur unpassend, denn den Kindern scheint – wenn man der Geschichte folgt – durchaus klar zu sein, in welcher Situation sie sich befinden.

Ein weiterer Störfaktor dieses Hörbuchs, der nichts mit Frau Thalbach zu tun hat, ist die sonderbare Rahmenhandlung. Lorna ist besessen davon die perfekte Hochzeit auszurichten und muss dafür nicht irgendeinen Veranstaltungsort finden, sondern am besten ein Schloss. Und wenn dies bedeutet Urlaub zu nehmen, durchs halbe Land zu reisen und dem eigenen Verlobten ziemlich auf die Nerven zu gehen, so ist dies eben der Preis, den man für eine perfekte Hochzeit zahlen muss. Vielleicht ist Lorna im Roman weniger anstrengend, aber wenn es nach mir gehen würde, könnte man ihre komplette Handlung wegstreichen.

Sie ist das Klischee der hysterischen Braut. In ihrer fast schon unaufmerksamen Art, stolpert sie ein wenig in der Vergangenheit herum, interessiert sich dabei jedoch eher für sich selbst.

Ganz anders Amber, die eine wirklich spannende Figur ist, der man gerne beim Erwachsen werden zuhört und deren Schicksal tatsächlich kein leichtes ist. Dennoch wirkt sie in den 60er-Jahren etwas deplatziert, so als müsste ihre Handlung etwa 100 Jahre früher spielen. Sicherlich wird dies auch immer wieder thematisiert, aber die Handlung voller Sommerresidenzen, Jagden und Pelzmänteln, hätte sicherlich gut in eine andere Zeit gepasst.

Kurzweiliges Hörbuch mit leichten Schwierigkeiten

Alles in allem ist das Hörbuch zu Black Rabbit Hall deutlich gelungen. Anna Thalbach kann man sehr gut zuhören und es macht Spaß sich von ihr die Geschichte „vorlesen“ zu lassen. Auch die Hörbuchregie hat einen guten Job gemacht. Obwohl es sich um die gekürzte Fassung des Romans handelt wirkt es nicht so, als würde man Handlung verpassen oder als gäbe es Lücken innerhalb der Geschichte.

Dennoch packt mich die Handlung an sich nicht ganz. Ja, die Geschichte um Amber und ihre Familie ist sehr spannend und sie ist eine tolle Protagonistin, jedoch wird ihre Handlung von Lorna, der sonderbaren Verlobten, überschattet und eingerahmt. Würde die Geschichte sich nur um Amber drehen, würde ich den Roman sicherlich um einiges interessanter finden. So wird die wirklich gute Handlung immer wieder durch eine sehr mäßige unterbrochen, die die Geschichte auch einfach nicht braucht. Es benötigt keinem Anlass um über Ambers Leben und die Sommer auf Black Rabbit Hall zu berichten.

Somit bekommt das Hörbuch leider nur 2,5 Sterne von mir.

Black Rabbit Hall | Hörbuch | 7 h 13 min | Random House Audio | Bei Amazon kaufen


Das Hörbuch wurde mir von Random House Audio zur Verfügung gestellt. Nein, dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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Spring #13: Frauenbilder aus Deutschland und Indien [Review]

Das Spring Illustrationsmagazin von Mairisch geht in seine dreizehnte Runde und erzählt dieses Mal von Frauenbildern, -ideen und -problemen aus Deutschland und Indien. Wie gewohnt gibt es keine Artikel, sondern Comics und Illustrationen.

Das Cover des Spring Magazins Nummer 13 trägt, passend zum Titel The Elephant in the room, einen Elefanten auf dem Cover. Das Magazin ist im Mairisch Verlag erschienen.

Die Idee hinter Spring

Das seit 2004 einmal im Jahr erscheinende Spring Magazin versammelt für jede Ausgabe eine Gruppe verschiedener Illustratorinnen, Storytellerinnen und Zeichnerinnen, die einzeln oder gemeinsam sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzen. Pro Ausgabe setzt sich das Team mit einer Idee oder einem Thema auseinander. Diese können „Wandlungen“, „Special Places“, „Verbrechen“ oder auch „Wunder“ sein. Immer geht es darum diese mit einem weiblichen Blick zu betrachten.

Spring #13: The Elephant in the room

Für die aktuelle Ausgabe ging es für acht deutsche Zeichnerinnen in die Nähe von Bangalore in eine Schriftstellerresidenz, wo sie auf acht ihrer indischen Kolleginnen trafen. Unter dem Titel „The Elephant in the Room“ beschäftigten sie sich mit Frauenbildern und gängigen Problemen von Frauen. Hierbei ging es weniger um die Frage von Gender Pay Gap, Genderunterschieden und ähnlichem, sondern viel mehr um die kleinen Dinge, die von Frauen erwartet werden und das moderne Frauenbild prägen.

Die Comics und Illustrationen beschäftigen sich daher mit Themen wie:

  • Warum reagiert die Gesellschaft so verwundert, wenn eine Frau keine Kinder haben möchte?
  • Braucht eine Frau einen Mann um glücklich zu sein?
  • Frauen und Karriere im Wandel der Zeit
  • Weibliche Körperbilder
  • Wieso wird von Frauen erwartet, dass sie einen BH tragen und sich komplett rasieren?

Darüber hinaus wird auch immer die Tatsache thematisiert, dass sie alle einen relativ unsicher Kreativjob gewählt haben und egal ob man aus Indien oder Deutschland kommt: Eltern erwarten mehr Sicherheit hinter einem Job, als ihn eine Illustratorinnenstelle scheinbar liefern kann.

Looking Up von Renshu Singh ist ein fein gezeichneter Comic, der ein indisches Leben in Braun- und Blautönen beschreibt.

Der Comic von Reshu Singh spricht über Vorbilder und fragt ob Vorbilder auch falsche Entscheidungen treffen können.

Bei allen Geschichten ist es sehr spannend, dass man sowohl bei der Themenauswahl oder den Zeichnungen nicht immer direkt sehen kann, ob es sich um eine indische oder deutsche Zeichnerin handelt. Viele Fragen scheinen unabhängig von unterschiedlichen Kulturen zu existieren und junge Frauen zu beschäftigen. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Comics die nur auf Grund dieser kulturellen Unterschiede entstehen konnten. Wie zum Beispiel die Geschichte „Looking up“, in der es um eine indische Großmutter geht, die lange das große Vorbild der Zeichnerin war, bis sie realisierte, dass ihre Großmutter eine relativ altmodische Einstellung zu Mädchen hatte und ihre Mutter dazu zu bewegen suchte mehr Kinder zu bekommen, damit sie endlich mindestens einen Sohn hätte.

Töchter ist ein Comic, der Scherenschnitt und Zeichnungen, oder lediglich nur Zeichnungen, die aussehen wie Scherenschnitte, mit der Frage nach dem idealen Beruf für kreative Menschen vermischt. Erzählt wird die Geschichte von Stephanie Wunderlich.

Stephanie Wunderlich spricht in ihrem Comic Töchter über ihre Kindheit, Berufsbilder oder finanzielle Sicherheit.

Oder auch die Geschichte „Töchter“, in der es unter anderem um eine Kindheit während der RAF-Attentate, Schlüsselkinder und die Frage ob ein sicherer Job besser ist als einer, der einen ausfüllt. Geprägt ist die Geschichte dabei vor allem von vielen sehr „Deutschen“ Ereignissen, die so nur ähnlich in anderen Kulturen geschehen konnten.

Es ist spannend zu sehen wie gleich viele weibliche Gesichtspunkte in zwei so unterschiedlichen Kulturen sind.

Illustrationen, Sprachbarrieren und Kooperationen

Die Illustrationen und Comics sind alle sehr, sehr unterschiedlich. Auch hierbei gilt: In vielen Fällen gibt es keinen „Deutschen-“ oder „Indischen“-Stil. Eher fällt in den Comics auf welche Form von Bekleidung die Figuren tragen um das Geschehen schnell einem der Länder zuordnen zu können. Natürlich ist auch Sprache ein fester Indikator für die Herkunft der Geschichten. Diese enthalten entweder Deutsche oder Englische Sprechblasen und zusätzlich Untertitel in der jeweils anderen Sprache.

Für die jeweiligen Illustrationen wurden so ziemlich alle Materialien verwendet, die man sich vorstellen kann. Aquarell-, Öl- und digitale Bilder finden sich in diesem Magazin, ebenso wie Scherenschnitte und Tinte.

Die meisten Themen werden in Form von Comics erzählt, während es zu manchen Ideen mehrere Einzelbilder gibt.

Anpu benutzt für ihren Comic Tusche um über leere Blätter und Katzen zu berichten. Der Comic Trapped von Anpu erzählt in wenigen Worten wie es sich anfühlt als kreativer Mensch auf ein weißes Blatt Papier zu starren.

Etwas Schade finde ich die Tatsache, dass keine der Geschichten in einer Kooperation entstanden zu sein scheint. Jede Zeichnerin erzählt ihren Standpunkt. Zwar in Absprache mit den anderen Illustratorinnen und von diesen inspiriert, dennoch arbeitet jeder an seiner eigenen Idee. Gemeinsam hätten sie sicherlich eine tolle Geschichte entwickeln können, in der sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausstellen. Wie häufig hat man schon die Möglichkeit mit einer Indischen Zeichnerin zusammenzuarbeiten. Natürlich ist durch ihre gemeinsame Arbeit ein kohärentes Werk entstanden – keine Frage –, dennoch fehlt mir, dass sie zumindest ein ein oder zwei Geschichten zusammenarbeiten.

Spring #13: Fazit und Überblick

Alles in allem finde ich das Projekt hinter Spring super spannend. Den weiblichen Blick einzufangen ist keine leichte Aufgabe, gelingt diesen Zeichnerinnen jedoch fantastisch. Auch wenn mir nicht immer der Zeichenstil der Geschichten gefällt, schaffen sie es dennoch allesamt mit verschiedenen ästhetischen und kulturellen Blickwinkeln ein Thema wie role models – der erste Arbeitstitel der Ausgabe – zu betrachten und greifbar zu machen.

Gerade durch die Wahl einer so anders geprägten Kultur wie der indischen und der Auseinandersetzung mit den Erwartungen von modernen Frauen wird klar, dass wir alle gar nicht so verschieden sind und sich unsere Kulturen – ob nun zum Guten oder Schlechten – in vielen Fragen annähern, aber auch Grundfragen sind, die in allen Kulturen entstehen können.

Das sehr gelungene Magazin erscheint am 15. August im Mairisch Verlag.

250 Seiten | Deutsche / Englisch | Broschur | Vierfarbdruck | 20€

Es kann sowohl direkt bei Mairisch, als auch bei Amazon bestellt werden.


Das Magazin wurde mir vom Mairisch Verlag zur Verfügung gestellt. Nein, dies hat meine Meinung in keiner Weise beeinflusst.

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Wenn der Sommer endet: Jugendhorrorbuch zwischen Fantasie und Geistern

Immer wenn der Oktober beginnt und der Sommer zu Ende geht, passieren den Mitgliedern der Familie Morris sonderbare Unfälle. Alice fällt die Treppe herunter, Cara ertrinkt fast im Meer und Sam bricht sich den Arm. Aber das sind nur die harmlosen Unfälle. Die wirklich schlimmen sind es, über die niemand sprechen möchte.

Das Cover von Wenn der Sommer endet von Moira Fowly-Doyle. Auf Deutsch im cbt-Verlag erschienen.

In der Deutschen Fassung wurde das sehr passende Originalcover verwendet. Unter dem Schutzumschlag befindet sich ein türkises Buch mit schlichter, edler weißer Prägung.

Wenn der Sommer endet ist der erste Roman der Französisch-Irischen Autorin Moira Fowley-Doyle. Protagonistin des Romans ist die 17-jährige Cara Morris, der schon allerhand Unfälle in ihrem Leben passiert sind. Doch während jeder in ihrer Familie die „Dunkle Jahreszeit“ als eine Art Familienfluch betrachtet, gegen den man ohnehin nichts ausrichten kann, versucht sie zu ergründen warum diese Unfälle geschehen. Und dann verschwindet auch noch die schüchterne Mitschülerin Elsie und taucht plötzlich auf allen Fotos von Cara auf.

Unfälle passieren, Knochen brechen, Haut reißt, Blutergüsse sprießen.

Was diesen Roman so spannend macht und ihn vor allem von den meisten anderen Horrorgeschichten abhebt, ist die Tatsache, dass man im Laufe der Geschichte nicht genau weiß ob die Familie einfach zufällig in dieser Jahreszeit sehr ungeschickt ist, ob es sich um übernatürliche Ereignisse handelt oder Cara einfach eine blühende Fantasie hat. Ständig scheint sie irgendwo Geister zu sehen oder versucht Ereignisse miteinander in Verbindung zu bringen, die andere Menschen vielleicht einfach als Zufälle wahrnehmen würden.

Dass ihre beste Freundin als „Hexe“ der Schule bezeichnet wird, in ihrer Freizeit Tarotkarten legt und versucht Probleme – nunja – mit Kräutern und Magie zu lösen, tut Caras Einbildungskraft vielleicht auch nicht gut.

Simple Young Adult-Horrorgeschichte mit viel Spannung

Grundsätzlich ist das Buch relativ simpel geschrieben. Einige Formulierungen wiederholen sich viel zu häufig und wirken beim Lesen, als hätte Fowley-Doyle eine Sammlung von Wörtern und Phrasen für mysteriöse Situation erstellt, die sie nun in unterschiedlicher Reihenfolge aneinander reiht. Hierbei darf man jedoch zwei Dinge nicht vergessen: Zum einen handelt es sich um ihren ersten Roman, so dass sie ohnehin einen gewissen Welpenschutz geniest, und zum anderen habe ich nur die übersetze Fassung gelesen, bei der eventuell Formulierungen verändert, angepasst und ausgetauscht wurden. So oder so ließt sich die Deutsche Version an manchen Stellen zu bemüht jugendlich und kommt mit etwas zu wenigen unterschiedlichen Worten aus.

Es scheint, als lebte sie ihr Leben am Rande der Buchseiten. Sobald man die Seiten umgeblättert hat, ist sie vergessen.

Trotz aller sprachlicher Mängel, schafft es Fowley-Doyle jedoch eine sehr spannende Geschichte zu erzählen, die versucht nicht alle gängigen Horrorklischees aufzugreifen. Auch wenn man sich ab und an fragen muss, warum sich die Protagonisten dennoch, gerade wo sie wissen, dass zu dieser Jahreszeit immer Unfälle geschehen, so unvorsichtig verhalten. Wenn ich mir schon beim Durchqueren meines Zimmers Schnittwunden zufüge und meine Mutter daher das ganze Haus in Luftpolsterfolie, Kissen und Teppiche wickelt, dann betrete ich vielleicht nicht unbedingt eine morsche Brücke, ein einsturzgefährdetes Gebäude oder geh auf einem See spazieren. Aber vielleicht gehört es einfach zu einer Horrorgeschichte dazu, dass man den Protagonisten ab und an zurufen möchte: „Geh nicht in die dunkle Gasse, in der alle Menschen umgebracht wurden!“

Was das Buchs so besonders macht – und dafür sorgt, dass ich es gleich noch einmal lesen möchte – ist die Tatsache, dass man die einzelnen Situationen nicht richtig einschätzen kann. Zwar wird Cara, die Protagonistin, als sehr verträumt charakterisiert, dennoch ist es nicht nur sie, der sonderbare Zusammenhänge auffallen oder die mit merkwürdigen Personen in Kontakt tritt. Durch das gleichzeitige Vorhandensein von Geistern und deren gleichzeitige Abwesenheit wird eine Spannung erschaffen, die so nicht in vielen Büchern herrscht. Einziger Wermutstropfen der Handlung: Es musste natürlich eine Liebesgeschichte mit in das Buch gezwängt werden, die so gar nicht zu den restlichen Ereignissen passt. Aber auch dies scheint ein Young Adult-Klischee zu sein, um welches kaum ein Autor drum herum zu kommen scheint.

Abschließend kann ich jedem das Buch nur wärmstens empfehlen. Es ist ein leichtes Jugendbuch mit einem ordentlichen Schuss Horror und Mystery. Der Schreibstil ist etwas simpel, aber meine Güte es muss ja nicht jeder Autor auf einen Nobelpreis hinarbeiten. Ein spannendes Sommerbuch.

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Wenn der Sommer endet, Moira Fowley-Doyle, Deutsche Erstauflage: 2016 cbt Verlag, Englisches Original: The Accident Season 2015


Das Buch wurde mir von cbt zur Verfügung gestellt, dies hat nicht meine Meinung beeinflusst.

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Jane Eyre: Ein Hörspiel darüber sich selbst treu zu bleiben [Rezension]

Jane Eyre von Charlotte Brontë gehört wohl zu einem der bekanntesten Romane der Welt. Die Geschichte um das Waisenmädchen Jane und ihre unübliche Liebe, den Kampf sich selbst treu zu bleiben und gleichzeitig einen Platz in der Gesellschaft zu finden, ist in vielen Filmen, Büchern und Theaterstücken aufgegriffen worden. Zum 200. Geburtstags Brontës ist nun ein neues Hörspiel erschienen, welches versucht 400 Seiten Buch in vier Stunden zusammenzufassen.

Das Buch Jane von Charlott Bronte als Hörspiel auf drei CD's vom Hörverlag herausgegeben.

Zur Handlung von Jane Eyre

Die in drei Teilen erzählte Geschichte, handelt von Jane Eyre, deren Eltern früh gestorben sind. Zu ihrem vollen Unwillen wächst sie bei der Familie ihres Onkels – Mr. Reed – auf. Von ihrer Tante verachtet und ihren Cousinen und ihrem Cousin getriezt, wächst sie unglücklich und ungeliebt aus. Ihr Leben beginnt sich erst zum positiven zu wenden als sie in das kalte und von strengen Lehrern geführte Internat Lowood geschickt wird. Zwar erlebt sie dort sehr düstere Episoden ihres Lebens, dennoch erfährt sie dort das erste Mal was Freundschaft ist und lernt, dass es nicht ihre Schuld ist, dass ihre Tante sie nicht geliebt hat.

Nach dem Abschluss beginnt sie selbst als Lehrerin zu arbeiten und erhält bald eine Stelle als Gouvernante in einem Privathaushalt bei dem Adelige Mr. Rochester. Schon bald entwickelt Jane Gefühle für den sonderbaren Herrn von Thornfield, den sie weder attraktiv findet, noch als angenehme Person wahrnimmt. Und dennoch ertappt sie sich immer wieder dabei, wie sie ihm heimliche Blicke zuwirft und in Episoden der Eifersucht schwelgt. Auch fragt sie sich ob er für seine kleine, unscheinbare und vollkommen verarmte Hauslehrerin nicht auch mehr empfindet als er ihr verraten möchte.

Schon bald beginnt für Jane eine dritte Episode in ihrem Leben, in der sie zu sich selbst finden muss um der Person, die sie liebt, ebenbürtig gegenüber treten zu können, ohne sich selbst zu verlieren.

Eine gelungene Hörspieladaption

Gerade bei klassischen Romanen, ist es oft eine sehr große Herausforderung die vielen Themen und Ideen in eine gekürzte Fassung zu übertragen, ohne sie vollständig zu verlieren. In den letzten Jahren haben viele Regisseure und Drehbuchautoren dies probiert. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist die neuste Verfilmung mit Michael Fassbender und Mia Wasikowska aus dem Jahre 2011. In zwei Stunden wurde versucht möglichst viel der Stimmung des Buches einzufangen und vor allem durch große Bilder zu untermalen. Sehr zu Lasten von Janes Entwicklung, die eher am Rande stattfindet.

Mit fast vier Stunden Laufzeit hat das Hörspiel von Christian Ohaus, der schon früher Klassiker vertonte, doppelt so viel Zeit um Jane eine Charakter-Entwicklung einzuräumen. Zudem setzt er keinen Ausschließlichen Fokus auf die Thornfield-Episode, wie es so oft geschieht um die Liebesgeschichte vollkommen in den Vordergrund zu rücken, sondern erzählt in jeweils gleich langen Episoden von Janes Kindheit, ihrem Leben bei Mr. Rochester und ihrer Selbstfindung.

Erzählt wird die Geschichte, wie schon der Roman, aus Sicht Jane Eyres, gesprochen von Theaterschauspielerin Sascha Icks. Um eine Atmosphäre zu schaffen, die den Zuhörer direkt ins 19. Jahrhundert versetzt, wird die Erzählung immer wieder mit Posaunen und Percussion untermalt. Außerdem werden die Stimmen der anderen Romanfiguren entweder als klassischer Dialog oder im Hintergrund als Echo erklingende Stimme eingespielt. Dies geschieht vor allem wenn die junge Jane spricht oder die Erzählstimme ein bestimmtes Ereignis noch einmal reflektiert.

Besonders der Stimme von Icks kann man sehr gut folgen. Ihre ausdrucksstarke Stimme belebt die Figur der Jane Eyre und macht aus ihr eine selbstbewusste junge Frau, die lieber auf Liebe verzichtet, als sich selbst zu verraten. Auch Christian Redl überzeugt in seiner Rolle als Mr. Rochester. Die meisten anderen Figuren erscheinen immer eher kurz am Rand oder geben einige der bekannteren Zitate des Romans zum besten. Im Vordergrund bleibt dabei immer wieder Jane Eyre mit ihren Gedanken.

Sehr schönes Hörspiel für ruhige Abende

Ich weiß, dass ich mich in diesem Punkt wiederhole, aber Hörspiele sind einfach eine der besten Möglichkeiten um sich vollkommen zu entspannen. Dieses Hörspiel stellt da keine Ausnahme. Die angenehmen Stimmen der beiden Hauptsprecher und die leise Untermalung mit wenigen Instrumenten, bilden eine sehr harmonische Einheit, der man gut lauschen kann. Gleichzeitig werden alle Hauptthemen des Romans aufgegriffen und gleichsam ausführlich und spannend dargestellt. Damit zeigt dieses Hörspiel, dass es durchaus gelingen kann einen Klassiker ein wenig einzukürzen ohne die wichtigen Themen vollends zu verlieren. Vor allem zeigt dieses Jane Eyre-Hörspiel, dass es in dem Roman von Charlotte Brontë um mehr als nur eine ungleiche Liebe geht, sondern um die Entwicklung einer jungen Frau, die zu sich selbst findet.


Das Hörspiel ist erstmals 2005 als Koproduktion des SR, Deutschland Radio, NDR und Radio Bremen erschienen. Zum 200. Geburtstag von Charlotte Brontë wurde das Hörspiel von dem Hörverlag auf CD und als Download herausgegeben.

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Das Hörspiel wurde mir von Der Hörverlag zur Verfügung gestellt. Dies hat nicht meine Meinung beeinflusst.

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Simply the (Papier)Rest: Ein DIY-Buch für Papierfans

Vermutlich jeder Mensch, der regelmäßig mit Papier bastelt kennt sie: Die Papierreste. „Sie lauern in den Schatten, sie ernähren sich von deiner Angst…“, um einmal Danny Phantom herbei zu zitieren. Immer fallen sie bei Bastelprojekten an, immer sind sie zu Schade um weggeworfen zu werden und nicht wirklich ausreichen für beinahe jede do it yourself-Anleitung. Statt einen wirklichen Zweck zu erfüllen, füllen diese Papierreste Schubladen, Kartons, bereits mit Papierresten verzierte Boxen oder sogar ganze Schränke.

Die DIY-Bloggerin Christin Pardun von Pfefferminzgrün kennt genau dieses Problem. Und da sie besonders viele Bastelprojekte erstellt, ist dieser Papierhaufen mittlerweile besonders groß. „Daraus sollte sich doch was basteln lassen.“, dachte sich die Kreativ-Bloggerin und erstellte kurzerhand einen Haufen Bastelanleitungen, die sich genau diesen Papierresten annehmen und aus ihnen Geschenke, Dekorationen und Accessoires zaubern.

Das Cover von Simply the (Papier)Rest, dem Bastelbuch für Papierfans.

In Simply the (Papier)Rest versammelt sie 18 Bastelanleitungen, die in sehr simpler und detaillierter Weise erklären wie man aus Papierresten beispielsweise Umschläge, eine Lampe, Schachteln für Urlaubserinnerungen und Picknickausstattung bastelt. Es ist bereits das zweite Bastelbuch Parduns, welches im EMF Verlag dieses Jahr erschienen ist.

Neben einem Foto des fertigen DIY-Projekts, enthält jede Anleitung einige Detailbilder, die die einzelnen Schritte näher erklären. Zudem sind die einzelnen Schritte wirklich sehr leicht verständlich beschrieben, so dass man die Anleitungen ohne Probleme nachbasteln kann.

Auch Accessoires lassen sich aus Papier basteln. So wie diese Papierkrone.

Auch Accessoires lassen sich aus Papier basteln. So wie diese Papierkrone. Nicht nur ein schönes DIY für Kinder. ;)

Der Schwierigkeitsgrad der Anleitungen ist alles in allem relativ einfach, so dass auch Anfänger die Projekte schnell nachbasteln können. An Materialien werden hauptsächlich Papierreste, Schere und Kleber verwendet. Ist ein Projekt einmal komplizierter und es werden Dinge benötigt, die man vielleicht nicht unbedingt zu Hause hat (eine Lochzange zum Beispiel), so werden potenzielle alternative Werkzeuge genannt, damit man sich nicht nur für ein Bastelprojekt ein Werkzeug kaufen muss, welches man später vielleicht nie wieder verwendet.

Was macht man aus sehr kleinen Papierresten? Geschenkanhänger!

Was macht man aus sehr kleinen Papierresten? Geschenkanhänger!

Ungewöhnliche Materialkombinationen: DIY’s, die um die Ecke denken

Etwas, was dieses Buch definitiv von anderen Papierbastelbüchern abhebt ist – einmal abgesehen auf die Fixierung auf Papierreste – der teilweise sehr ungewöhnliche Materialmix, den man vielleicht gar nicht bei Papierbastelprojekten vermuten würde. So kombiniert Pardun Stoff und Papier oder bringt Papier auf Porzellan auf.

Gerade der Fakt, dass sie die Papierreste nicht verwendet um daraus Karten, Collagen oder Notizbücher zu basteln – die Standard-Anleitungen, wenn man nach DIY-Projekten für Papierreste sucht –, die gut erklärten Anleitungen und das sehr liebevolle Design des Buches, machen dies zu einem sehr schönen DIY-Buch, welches sich wunderbar als Geschenk für Papierliebhaber eignet. Die Fotos sind allesamt sehr hell und harmonieren sehr schön mit dem pasteligen Buchlayout, welches das Buch jung und frisch wirken lässt.

Papier und Holz? Natürlich! Mit Papierresten lässt sich eine einfache Holzkommode schnell in einen Hingucker verwandeln.

Papier und Holz? Natürlich! Mit Papierresten lässt sich eine einfache Holzkommode schnell in einen Hingucker verwandeln.

Ich bin begeistert und freue mich auf viele, viele weitere Bastelprojekte von Christin Pardun. Das Buch könnt ihr übrigens unter anderem bei Amazon kaufen.


Das Buch wurde mir netter Weise vom EMF Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt. Dies hat nicht mein Urteil beeinflusst.