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Girls in the Moon: Auf der Suche nach der Vergangenheit [Buchreview]

Phoebe weiß alles und nichts über die Vergangenheit ihrer Eltern. Sie weiß, dass beide in einer der Bands der 90er Jahre waren und, dass das Ende ihrer Ehe auch das Ende von Shelter bedeutet hat. Sie weiß, dass ihre Mutter seitdem nicht mehr singt, aber die Musik ihre Familie niemals in Ruhe lassen wird. Das einzige was Phoebe nicht weiß ist, was wirklich passiert ist.

Das fantastische Buch Girls in the Moon von Janet McNally.

In ihrer äußert musikalischen Familie ist Phoebe die einzige, die weder singen noch irgendein Instrument spielen kann und wenn es nach ihrer Mutter, dem ehemaligen Rockstar, geht, dann ist das auch gut so, den das Showbusiness bringt nur Unheil mit sich. Wie dieses im Detail aussieht will sie Phoebe jedoch nicht verraten, denn alles was mit ihrer musikalischen Vergangenheit zu tun hat, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Selbst die Tatsache, dass ihr Name im gleichen Atemzug wie Kurt Cobains genannt wird, kann sie nicht umstimmen.

Doch die Ereignisse der Vergangenheit scheinen sich zu wiederholen, als Phoebes Schwester Luna beschließt ihr Studium zu unterbrechen um mit ihrer Band auf Amerika-Tournee zu gehen. Nun soll Phoebe nach New York reisen um ihre Schwester aufzuhalten. Eine Mission, die gar nicht so leicht ist, wenn man lieber auf der Suche nach dem eigenen Vater, der Wahrheit und der Liebe gehen möchte.

Viele tolle Worte, die mitten aus einem Songtext stammen könnten

Diese wirklich schöne Geschichte über die Frage nach der Wahrheit, wird auf vielen Ebenen ausgetragen. Da sind die Texte von Shelter, der imaginären Band in Girls in the Moon von Janet McNally, die von Phoebe immer wieder interpretiert werden, alte Zeitungsartikel und Gespräche mit diversen Personen, die unsere Protagonistin näher an eine Antwort heranführen sollen. Und da sind die immer wieder eingeschobenen Artikel, die aus Sicht von Phoebes Mutter achronologisch erzählt werden und uns zumindest langsam die Frage beantworten, wie sie sich gefühlt hat, während ihr Leben von musikalisch zu berühmt wechselte.

Vor allem anderen wird dieses Buch jedoch davon ausgezeichnet, dass es Wörter aneinanderreiht, die wie Lieder klingen. Einzelne Sätze werden sogar von der Protagonistin gesammelt um daraus ein imaginäres Album enstehen zu lassen.

„I’ll stich the words together, string them like pearls on thread, remember them out of order, and forget what it was you said“
Girls in the Moon – Janet McNally

Die eigentliche Handlung dieses Jugendbuchs spielt sich innerhalb von wenigen Tagen ab. Dabei werden zunächst Ereignisse verborgen, die der Protagonistin beispielsweise peinlich sind, um sie später – unter welchem Druck auch immer – doch noch zu erzählen und damit Klarheit zu schaffen. Viel ließt sich dabei wie Der Fänger im Roggen, was vielleicht daran liegen mag, dass der Roman ebenfalls in New York spielt oder auch daran, dass Phoebe das Buch gerade erst gelesen hat und bewusst einzelne Schauplätze aus Salingers Werk aufsucht. Vor allem ist es die Leichtigkeit, mit welcher diese komplexe Familiengeschichte aufgerollt wird, die diesen Roman auszeichnet.

Sämtliche der dargestellten Figuren wirken echt und lebendig. Keine ihrer Handlungen wirken übertrieben oder künstlich. Außerdem ist Phoebe eine solch sympatische Ich-Erzählerin, dass man fast schon enttäuscht ist, wenn man auf Seite 414 – der letzten Seite von Girls in the Moon – angekommen ist.

Ein toller Roman für jede Jahreszeit, der einen nicht nur nach New York, sondern auch in die Vergangenheit entführt und einem ein Gefühl dafür gibt jung zu sein, das Leben voller Möglichkeiten.

Girls in the Moon | Janet McNally | CBT | 2017 | Bei Amazon kaufen


Dieses Rezensionsexemplar wurde mir von CBT zur Verfügung gestellt, es hat meine Meinung als Rezensent nicht beeinflusst.

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Wenn der Sommer endet: Jugendhorrorbuch zwischen Fantasie und Geistern

Immer wenn der Oktober beginnt und der Sommer zu Ende geht, passieren den Mitgliedern der Familie Morris sonderbare Unfälle. Alice fällt die Treppe herunter, Cara ertrinkt fast im Meer und Sam bricht sich den Arm. Aber das sind nur die harmlosen Unfälle. Die wirklich schlimmen sind es, über die niemand sprechen möchte.

Das Cover von Wenn der Sommer endet von Moira Fowly-Doyle. Auf Deutsch im cbt-Verlag erschienen.

In der Deutschen Fassung wurde das sehr passende Originalcover verwendet. Unter dem Schutzumschlag befindet sich ein türkises Buch mit schlichter, edler weißer Prägung.

Wenn der Sommer endet ist der erste Roman der Französisch-Irischen Autorin Moira Fowley-Doyle. Protagonistin des Romans ist die 17-jährige Cara Morris, der schon allerhand Unfälle in ihrem Leben passiert sind. Doch während jeder in ihrer Familie die „Dunkle Jahreszeit“ als eine Art Familienfluch betrachtet, gegen den man ohnehin nichts ausrichten kann, versucht sie zu ergründen warum diese Unfälle geschehen. Und dann verschwindet auch noch die schüchterne Mitschülerin Elsie und taucht plötzlich auf allen Fotos von Cara auf.

Unfälle passieren, Knochen brechen, Haut reißt, Blutergüsse sprießen.

Was diesen Roman so spannend macht und ihn vor allem von den meisten anderen Horrorgeschichten abhebt, ist die Tatsache, dass man im Laufe der Geschichte nicht genau weiß ob die Familie einfach zufällig in dieser Jahreszeit sehr ungeschickt ist, ob es sich um übernatürliche Ereignisse handelt oder Cara einfach eine blühende Fantasie hat. Ständig scheint sie irgendwo Geister zu sehen oder versucht Ereignisse miteinander in Verbindung zu bringen, die andere Menschen vielleicht einfach als Zufälle wahrnehmen würden.

Dass ihre beste Freundin als „Hexe“ der Schule bezeichnet wird, in ihrer Freizeit Tarotkarten legt und versucht Probleme – nunja – mit Kräutern und Magie zu lösen, tut Caras Einbildungskraft vielleicht auch nicht gut.

Simple Young Adult-Horrorgeschichte mit viel Spannung

Grundsätzlich ist das Buch relativ simpel geschrieben. Einige Formulierungen wiederholen sich viel zu häufig und wirken beim Lesen, als hätte Fowley-Doyle eine Sammlung von Wörtern und Phrasen für mysteriöse Situation erstellt, die sie nun in unterschiedlicher Reihenfolge aneinander reiht. Hierbei darf man jedoch zwei Dinge nicht vergessen: Zum einen handelt es sich um ihren ersten Roman, so dass sie ohnehin einen gewissen Welpenschutz geniest, und zum anderen habe ich nur die übersetze Fassung gelesen, bei der eventuell Formulierungen verändert, angepasst und ausgetauscht wurden. So oder so ließt sich die Deutsche Version an manchen Stellen zu bemüht jugendlich und kommt mit etwas zu wenigen unterschiedlichen Worten aus.

Es scheint, als lebte sie ihr Leben am Rande der Buchseiten. Sobald man die Seiten umgeblättert hat, ist sie vergessen.

Trotz aller sprachlicher Mängel, schafft es Fowley-Doyle jedoch eine sehr spannende Geschichte zu erzählen, die versucht nicht alle gängigen Horrorklischees aufzugreifen. Auch wenn man sich ab und an fragen muss, warum sich die Protagonisten dennoch, gerade wo sie wissen, dass zu dieser Jahreszeit immer Unfälle geschehen, so unvorsichtig verhalten. Wenn ich mir schon beim Durchqueren meines Zimmers Schnittwunden zufüge und meine Mutter daher das ganze Haus in Luftpolsterfolie, Kissen und Teppiche wickelt, dann betrete ich vielleicht nicht unbedingt eine morsche Brücke, ein einsturzgefährdetes Gebäude oder geh auf einem See spazieren. Aber vielleicht gehört es einfach zu einer Horrorgeschichte dazu, dass man den Protagonisten ab und an zurufen möchte: „Geh nicht in die dunkle Gasse, in der alle Menschen umgebracht wurden!“

Was das Buchs so besonders macht – und dafür sorgt, dass ich es gleich noch einmal lesen möchte – ist die Tatsache, dass man die einzelnen Situationen nicht richtig einschätzen kann. Zwar wird Cara, die Protagonistin, als sehr verträumt charakterisiert, dennoch ist es nicht nur sie, der sonderbare Zusammenhänge auffallen oder die mit merkwürdigen Personen in Kontakt tritt. Durch das gleichzeitige Vorhandensein von Geistern und deren gleichzeitige Abwesenheit wird eine Spannung erschaffen, die so nicht in vielen Büchern herrscht. Einziger Wermutstropfen der Handlung: Es musste natürlich eine Liebesgeschichte mit in das Buch gezwängt werden, die so gar nicht zu den restlichen Ereignissen passt. Aber auch dies scheint ein Young Adult-Klischee zu sein, um welches kaum ein Autor drum herum zu kommen scheint.

Abschließend kann ich jedem das Buch nur wärmstens empfehlen. Es ist ein leichtes Jugendbuch mit einem ordentlichen Schuss Horror und Mystery. Der Schreibstil ist etwas simpel, aber meine Güte es muss ja nicht jeder Autor auf einen Nobelpreis hinarbeiten. Ein spannendes Sommerbuch.

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Wenn der Sommer endet, Moira Fowley-Doyle, Deutsche Erstauflage: 2016 cbt Verlag, Englisches Original: The Accident Season 2015


Das Buch wurde mir von cbt zur Verfügung gestellt, dies hat nicht meine Meinung beeinflusst.