Der Marsianer [Buch-Review]

Als ich den Film Der Marsianer das erste Mal gesehen habe, war mir klar, dass ich das Buch unbedingt lesen muss. Obwohl kaum mehr als beispielsweise in Gravity passierte, war dieser Film vom ersten Moment an spannend und Matt Damon lieferte eine fantastische schauspielerische Leistung ab. Die Frage die sich mir jedoch stellte war: Kann ein Roman, bei dem es darum geht, dass ein Mann alleine in der Ödnis des Mars feststeckt und ums überleben kämpft, mit einem Film mithalten, der Ödnis und Langeweile zumindest mit packenden Bildern überspielen kann?

Aber bevor ich hier direkt zu meinem Fazit springe, fangen wir doch erst einmal von vorne an. Der Marsianer, das Erstlingswerk von Andy Weir, erschien bereits 2011 in kleiner Auflage, wurde schnell von Kritikern gelobt und nochmals 2014 herausgegeben. Bereits 2015 folgte die Verfilmung mit der oscarnominierten Darstellung von Matt Damon.

Der Roman erzählt auf 512 Seiten die Geschichte des Astronauten Mark Watney, der ein Teil der Crew der dritten bemannten Marsmission ist. Als ein Sturm ausbricht und die Crew den Planeten evakuieren muss, verliert er seine Mannschaft und wird &ndas; weil sie davon ausgehen müssen, dass er im Sturm umgekommen ist – alleine auf dem Planeten zurückgelassen. Mit seinen Fähigkeiten als Mechaniker und Botaniker versucht er aus seinem kleinen Vorrat und den wenigen Dingen, die er zur Verfügung hat, genug Nahrung anzubauen, bis die nächsten Astronauten auf dem Mars eintreffen sollen.

Zunächst wird die Geschichte auch Sicht Watneys erzählt, der seine Logbucheinträge nutzt um eine Art Tagebuch zu führen. Dabei beschreibt er humorvoll wie er auf dem Mars überleben möchte und was er erlebt hat. Gewürzt werden diese Beiträge mit vielen naturwissenschaftlichen und technischen Details, die dem Leser die Plausibilität seines Überlebens zu vermitteln suchen.

Nach etwa dem ersten viertel der Geschichte wird außerdem erklärt, was währenddessen im NASA-Hauptquartier geschieht, wie sie bemerken, dass Mark noch am leben ist, und eine Rettungsmission auf die Beine stellen. Erzählt werden diese Abschnitte in einer klassischen Autorenstimme.

Von da an werden Marks Einträge kürzer und zügiger.

Da ich vorher schon viel von dem Buch gehört habe und es viele Menschen als eines der besten Bücher unserer Zeit beschreiben, war ich beim Lesen schon fast etwas enttäuscht. Ja, das Buch ist sehr gut recherchiert und erklärt sehr eindrucksvoll, wie Mark auf dem roten Planeten überleben kann. Viele Dinge, die im Film etwas unlogisch wirkten [wie zum Beispiel die Frage: Wieso kann ein Botaniker die vielen technischen Änderungen vornehmen, die für sein Überleben von Nöten sind?] werden im Buch geklärt und ich frage mich, weshalb sie in der Filmversion weggelassen wurden. Gleichzeitig ist dies jedoch auch die große Schwäche des Romans. Viele technische Details werden zu ausführlich erklärt. An einigen Stellen wäre es von Vorteil gewesen Details wegzunehmen um das Tempo des Buches zu beschleunigen.

Es reicht beispielsweise zu erklären, dass er etwas bestimmtes aufschraubt. Weir beschreibt jedoch vorher, wie Mark in seinen Raumanzug steigt, welches Werkzeug er benutzt und dann wie er jede der einzelnen Schrauben löst. Dabei kann sich der Leser denken, dass er seinen Raumanzug anziehen muss, wenn er auf dem Mars herumläuft und ein Satz wie „Und dann löste ich alle Schrauben, die Teil A und B zusammenhielten.“, ist vollkommen genügend um die Situation zu verstehen.

Leider muss ich daher zu meinem vorher angedeuteten Urteil zurückkehren: Die Filmversion ist besser als das Buch, da es hier einen besseren Erzählrhythmus gibt und langwierige Passagen durch Landschaftsaufnahmen und Musik interessanter gemacht werden können. Außerdem ist es etwas anderes ob man sieht wie Matt Damon Dinge auseinandermontiert oder diese Prozedur über vier Buchseiten hinweg geschildert wird.

Dies soll euch nicht den Eindruck vermitteln, dass das Buch nicht lesenswert ist. Im Gegenteil ist es ein spannender und wirklich außergewöhnlich gut recherchierter Roman. Er wirkt durchweg logisch. Hat man die ersten hundert Seiten alleine mit Mark überstanden, so zieht das Tempo plötzlich an und in Dialogen schlägt er sich sehr viel besser, als in ausschweifenden Monologen.

Alles in allem würde ich dem Roman 3,5 von 5 Sternen geben.

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Das Buch Der Marsianer von Andy Weir wurde mir netterweise vom Bloggerportal von Bertelsmann zur Verfügung gestellt. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst.

Ein Gedanke zu “Der Marsianer [Buch-Review]

  1. Pingback: 6 Monate – 20 Bücher – 1 Outfit am Rande [Outfitmittwoch] | Chochi in Wonderland

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