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Sieben Minuten nach Mitternacht: Wundervolle Verfilmung eines großartigen Buches [Review]

Endlich, endlich, endlich darf ich darüber sprechen wie fantastisch die Verfilmung von Sieben Minuten nach Mitternacht – dem gleichnamigen Roman von Patrick Ness und Siobhan Dowd – ist. Vermutlich war es sogar der beste Film, den ich 2016 gesehen habe und das ich bis heute schweigen musste, hat mich ganz schön fertig gemacht, denn der Film ist soooooo gut. Ähm, nun ja, nun geht es dann auch mit meiner seriösen Rezension los. Ganz ohne Erwartungen…

Der 13jährige Conor kommt nur schwer mit der Krankheit seiner Mutter zu recht. Immer weiter zieht er sich in seine eigenen Gedanken zurück. Bis eines Tages, um sieben Minuten nach Mitternacht, ein Monster vor seinem Fenster erscheint, welches ihm nacheinander drei Geschichten erzählt. Drei Geschichten, die Conors Weltsicht für immer verändern werden.

Erzählt wird der Film in einem relativ nüchternen Ton. Dabei wirkt die Kamera zurückhaltend, beinahe dokumentarisch und führt uns langsam durch den Alltag von Conor (Lewis MacDougall [Pan]) und seiner Mutter (Felicity Jones [Rogue One: A Star Wars Story]). Unterbrochen wird dieses filmische Mittel, bei dem die Kamera manchmal ein wenig zu lange auf den Schmerz gerichtet ist, durch das erscheinen des Baumartigen, animierten Monsters, welches dazu auffordert die eigenen Kreativität zu nutzen. Und somit wirken seine Geschichten, die als animierte Aquarelle dargestellt werden, wie ein natürlicher Teil des zeichenbegeisterten Jungen. Das Animationsteam von Félix Bergés und Pau Costa hat hier ganze Arbeit geleistet. Der Effekt erinnert stark an die Geschichte der Heiligtümer des Todes aus dem siebten Harry Potter-Film und greift damit gleichsam Conors Hobby und die Zeichnungen der Romanvorlage auf.

Natürlich lebt ein solcher Film nicht nur alleine von der optischen Darstellung, sondern basiert hauptsächlich auf der wirklich überragenden schauspielerischen Leistung. Lewis MacDougall zeigt eine wirklich breite Palette an Emotionen, die häufig über die eines Kindes hinausgehen. Besonders die Stellen, in denen er dann doch in kindliche Muster zurückfällt, betonen dieses Können. Auch Felicity Jones ist eine fantastische Darstellerin, die einen großen Teil der Emotionalität des Films trägt. Auch Sigourney Weaver als Großmutter ist wirklich gut besetzt. Lediglich Liam Neeson fällt eher durch eine weniger überzeigende Leistung auf, was auch an dem sonderbar 3D-animierten Monster liegen mag, welches er verkörpert.

Musikalisch unterlegt ist die Geschichte vor allem von einem Streichorchester, welches sich eher im Hintergrund hält und nur wenn es sein muss die Handlung mitträgt. Dieses Vorgehen, welches häufiger in modernen Filmen angewandt wird, hilft die Emotionen auf eine Ebene zu bewegen, auf der sie echt wirken. Fernando Velázquez hat in dieser Hinsicht ganze Arbeit geleistet.

Neuerungen fallen leider negativ auf

Natürlich dürfen Juan Antonio Bayona, Regie, und Patrick Ness, Drehbuch, nicht vergessen werden, denn durch sie würde es diesen Film nicht geben. Gleichzeitig bringen sie mich zu dem Punkt, an dem etwas Kritik angebracht ist. Besonders die Tatsache, dass der Autor des Buches auch gleichzeitig des Drehbuch geschrieben hat, sorgt in den meisten Fällen dafür, dass ein Film entsteht, der sich nah an der Handlung des Buches orientiert. Und obwohl dies über weite Strecken des Films der Fall ist, gibt es dennoch teilweise sonderbare Brüche, die den Film unnötig verlangsamen.

So wird ein großer Teil von Conors Persönlichkeit darüber geprägt, dass sowohl seine Mutter, als auch er selbst künstlerische tätig sind. Etwas, was überhaupt nicht im Buch vorkommt. Auch die Szenen, in denen Conor immer wieder gemobbt wird, und die im Film wirkten, als müsste man eine zusätzliche emotionale Ebene für Conor einbauen, kommen im Buch nicht vor. Was auch erklärt, weshalb sie nicht so wirklich zur Handlung zu passen scheinen. Sie fallen selbst jenen auf, die das Buch nicht gelesen haben.

Am absurdesten finde ich jedoch, dass es eine Hintergrundgeschichte zum Monster gibt, welche das Ende des Films gleich auf zwei Ebenen zerstört: Zum einen braucht das Monster keine Hintergrundgeschichte. Sie ist überflüssig und wirkt wie ein sonderbar spontaner, nicht ganz durchdachter Einfall. Zum anderen ist das Ende des Buches einfach perfekt und genau auf den Punkt erzählt. Danach einfach die Handlung fortzuführen und dann auch noch um eine seltsame zusätzliche Geschichte zu erzählen, macht einfach keinen Sinn und schadet dem Film mehr, als das jener davon profitiert.

Ich selbst habe erst nach dem Film das Buch gelesen und mich danach nur noch stärker gefragt, weshalb Ness jene neuen Szenen eingebunden hat, den ohne sie wäre das Tempo des Films angenehmer gewesen und gerade das Ende hätte einen viel besserer Abschluss dargestellt.

Jammern auf hohem Niveau: Sieben Minuten nach Mitternacht ist einer der besten Filme des Jahres

Natürlich ist der Abschnitt über die Veränderungen unerlässlich, wenn man über eine Verfilmung spricht, dennoch ist dies durch und durch ein überragender Film, der einen von Anfang bis Ende fesselt. Die Schauspieler, die Kamera und die Musik sind alle samt wirklich fantastisch. Die Aquarellszenen sind wirklich schön gewählt und obwohl es sich lediglich um einen „Kinderfilm“ handelt, berührt die Handlung jeden Zuschauer auf einer tiefen emotionalen Ebene.

Ich kann diesen Film, der ab heute in den deutschen Kinos läuft, nur jedem wärmstens Empfehlen. Die zauberhaften Bilder mischen sich mit der wirklich traurigen Geschichte zu einem Gesamtkunstwerk. Großes Kino aus Spanien.

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6 Literaturverfilmungen auf die wir uns 2017 freuen können [SaSo]

2017 wird ein gutes Jahr für alle, die auf Literaturverfilmungen stehen, denn nicht nur kommen einige auf die große Leinwand, nein, auch Streamingdienste wie Amazon Prime oder Netflix haben das Potenzial von Buchvorlagen erkannt. Hier sind sechs meiner Favoriten:

Tote Mädchen lügen nicht, Sieben Minuten nach Mitternacht, The Circle, Girlboss, Lion und Die Taschendiebin sind nur sechs der vielen Literaturverfilmungen die dieses Jahr ins Kino oder zu Netflix kommen.

Bilder: Amazon.de

Tote Mädchen lügen nicht / 13 Reasons Why (Serie)

Die Netflix-Serie Tote Mädchen lügen nicht ist definitiv jetzt schon eine meiner Lieblingsserien. Basierend auf dem gleichnamigen Roman (im Original 13 Reasons Why), erzählt die Serie in 13 Folgen warum die Highschoolschülerin Hanna Selbstmord begannen hat. Jede Folge ist dabei eine Kassettenseite, auf welcher Hanna einen Grund beschreibt.

Die Art der Erzählung ist wirklich sehr besonders und ich finde es faszinierend, wie sensibel mit solch einem Thema umgegangen wird. Hinzu kommt ein wundervoller Soundtrack voller 80er-Jahre Indiepop.

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Sieben Minuten nach Mitternacht / A Monsters Call (Film)

Ich hatte das Glück die Verfilmung von Sieben Minuten nach Mitternacht, der im Mai in die Deutschen Kinos kommen wird, schon vorab zu sehen, und auch wenn ich jetzt noch nicht viel zum Film sagen darf, kann ich euch versprechen, dass dies eine wirklich sehr schöne Verfilmung des Romans von Patrick Ness ist.

In der Geschichte geht es Conor, dessen Mutter an Krebs leidet. Während er nicht weiß wie er mit der Situation umgehen soll, erscheint im immer wieder ein Monster, welches versucht ihm zu helfen. Sowohl der Roman als auch das Buch versuchen diese Ereignisse möglichst fließend ineinander übergehen zu lassen, so dass es nicht wie ein Fantasyroman / -film wirkt.

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The Circle (Film)

Um ehrlich zu sein fand ich den Roman The Circle ziemlich schlecht. Die Idee eines Konzerns, der all unsere Daten überwacht und dadurch weiß wie sich Menschen verhalten und wie man sie beeinflussen kann, ist in unseren Zeiten aktueller als es zur Erscheinung 2013 war. Jedoch fehlte dem Roman etwas Entscheidendes: Eine Handlung. Dennoch sieht der Trailer mit Emma Watson und Tom Hanks für die Verfilmung, die im September in die Deutschen Kinos kommen wird, wirklich interessant aus:

[https://www.youtube.com/watch?v=-tIpycyJAVo]

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#Girlboss (Serie)

#Girlboss steht auf der Leseliste so ziemlich jeder emanzipierten Frau aus der Generation Y. Die Biographie von Sophia Amoruso, die mit Verkaufen auf eBay begann und daraus die Marke Nasty Gal erschuf, wurde nun von Netflix grob verfilmt. Hier geht es weniger um das Erschaffen eines Geschäfts, sondern vielmehr um das Lebensgefühl der überaus anstrengenden Sophia. Witzig anzuschauen ist die Serie dennoch.

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LION: Der lange Weg nach Hause (Film)

Lion läuft bereits seit Februar in den deutschen Kinos. Im Film geht es um einen kleinen Jungen, der im Zug einschläft und nicht mehr nach Hause zurück findet. Schließlich wird er von einer amerikanischen Familie adoptiert. Jahre später macht er sich auf den Weg um seine eigentliche Familie wieder zu finden. Eine sehr schöne Geschichte voller großer Emotionen, die mit sechs Oscarnominierungen belohnt wurde.

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Solange du lügst: Fingersmith / Die Taschendiebin (Film)

Auch diese Verfilmung ist bereits seit Anfang des Jahres in den Deutschen Kinos zu sehen. Der Film Die Taschendiebin basierend auf dem Roman Solange du lügst, erzählt in großen Bildern die Geschichte der Taschendiebin Sookee, die für die reiche Erbin Hideko als Dienstmädchen arbeitet. Sookees Plan: Zusammen mit einem Heiratsschwindler wird sie die naive Hideko um ihr Vermögen erleichtern. Doch dann beginnen die beiden Frauen sich zueinander hingezogen zu fühlen und das ausgerechnet in den 1930er Jahren in Korea…

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