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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind [Filmrezension]

Neun Jahre nachdem J.K. Rowling ihr letztes Werk der Harry Potter-Reihe veröffentlicht hat, entführt sie uns nun in ein vollkommen neues Abenteuer rund um den Magiezoologen Newt Scamander: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind: Newt und Tina müssen zusammenarbeiten.

Credits: Warner Bros.

Rowling entführt uns nun in das Jahr 1926 – also eine Zeit gut 70 Jahre vor der Handlung der Harry Potter-Reihe – in der der Britische Forscher Newt Scamander gerade mit einem Koffer voller magischer Wesen in New York eingereist ist. Es kommt wie es kommen muss: Newt und ein Muggle namens Jakob verwechseln ihre Koffer und der überraschte Nichtmagier sieht sich plötzlich einem Haufen sonderbarer Kreaturen gegenüber, die er nun gemeinsam mit Newt wieder einsammeln muss.

Beiläufig hören wir immer wieder, dass die ersten Nichtmagier vermuten, dass es noch immer Magier gibt, so dass eine Art Hexenjagd veranstaltet werden soll. Auch wird darüber spekuliert wo Grindelwald, ein schwarzer Magier, der jahrelang ganz Europa terrorisiert hat und nun plötzlich verschwunden ist, eigentlich steckt und ob er als nächstes Amerika attackieren möchte.

Genau soviel hat auch der erste vollständige Trailer über Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind verraten. Auch wusste man zu dem Zeitpunkt bereits, dass David Yates, der als Regisseur bereits für die letzten vier sehr guten Harry Potter-Filme verantwortlich war, auch mindestens den ersten Teil dieser fünfteiligen Reihe umsetzen würde. Die Musik kommt von James Newton Howard, der als neues Mitglied dem Harry Potter-Team beitritt und vorher beispielsweise die epische Musik für die Tribute von Panem-Filme oder für Nightcrawler schrieb.

Auch neu im Team ist Kameramann Philippe Rousselot – Sherlock Holmes (2009 / 2011). Dafür kommt der Schnitttechniker Mark Day zurück, der bereits an den letzten vier Harry Potter-Filmen mit Rowling und Yates arbeitete.

Auch überraschend natürlich ist die Tatsache, dass dieser Film nicht auf einem von Rowlings Büchern basiert, sondern auf einem von ihr alleine verfassten Drehbuch. Ein Novum für sie. Die bisherigen Drehbücher entstanden immer in Zusammenarbeit mit anderen Autoren oder wurden – im Falle von Das verwunschene Kind – von anderen Autoren verfasst.

Aber ist Phantastische Tierwesen nun wirklich ein guter Film?

Die Befürchtung, die die meisten Leser der Reihe bisher umgetrieben hat, war natürlich nach der Frage der Qualität des Films und der Handlung. Natürlich, dass Team hinter dem Film ist fantastisch und wir wissen, dass es großartige Schauspieler, schnelle Schnitte, eine angenehme Kameraführung und natürlich epische Musik haben wird. All dies könnte jedoch auch einen Film wie Transformers hervorbringen, wenn die Handlung nicht gut erzählt wird. Außerdem muss diese Erzählung nicht nur für einen Film, sondern für ganze fünf reichen und somit eine komplett neue Serie ins Rollen bringen.

Kurz gesagt: Dieser Film ist wirklich phantastisch. Eddie Redmayne ist ein sehr sympathischer Newt Scamander, der sich so leicht von nichts aus der Ruhe bringen lässt, aber eigentlich sich lieber in aller Ruhe um seine Tierwesen und deren Erhalt einsetzen würde, als gegen Grindelwald in die Schlacht zu ziehen. Katherine Waterston war eine tolle Tina, die den Film um tolle emotionale Momente bereichert hat und natürlich darf man Dan Fogler als Jacob – den ersten Nichtmagier in einer wichtigen Rolle – nicht vergessen, der alleine durch seine Gesichtsausdrücke für einen Großteil der wirklich komischen Momente verantwortlich war.

Gemeinsam erzählen diese Figuren – und ihre Schauspieler – eine sehr viel leichtere Handlung als die, die den Harry Potter-Filmen zu Grunde liegt, da es eben nicht darum geht Voldemort aufzuhalten, sondern lediglich ein paar Tierwesen wieder einzufangen. Und dies in dem wirklich sehr schönen Szenario der 20er-Jahre.

Gleichzeitig schafft es Rowling eine Gefahr mit einzubringen, die im Hintergrund immer wieder sichtbar ist und über allen Handlungen der Protagonisten schwebt, denn die Ruhe täuscht. Genau dieser Kunstgriff ist es, der dafür sorgt, dass man zuversichtlich sein kann, dass ihre Geschichte auch über vier weitere Filme hinweg erzählt werden kann. Dabei werden wir vermutlich sehr viel über Dumbledore und Grindelwald erfahren, über die Vergangenheit der magischen Welt und vielleicht sogar mehr über die Zeit erfahren, die Voldemort hervorgebracht hat. Ich kann es auf jeden Fall kaum erwarten Teil zwei zu sehen.


Wer nicht immer wieder ins Kino gehen mag, kann sich die englische Fassung des Scripts übrigens bei Amazon bestellen.