Das Böse kommt auf leisen Sohlen [Buchrezension]

Was würdest du dafür geben wieder jung zu sein? Würdest du deine Seele hergeben? Oder wie wäre es damit ein wenig älter zu sein? Ein wenig zu reifen und diese lästigen Jahre zu überspringen, bis man endlich als Erwachsener wahrgenommen wird? Würdest du deine Familie dafür zurücklassen? Würdest du deinen besten Freund opfern? Was wirst du Mr. Dark geben um dein Ziel zu erreichen?

Das Böse kommt auf leisen Sohlen, ein Jugendroman von Ray Bradbury.

Ray Bradbury – Fahrenheit 415 – entführte uns 1962 in seinem Roman Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Something Wicked this way comes) das erste Mal in eine idyllische Kleinstadt, die von einem sonderbaren Jahrmarkt heimgesucht wurde. Nun ist eine neue deutsche Ausgabe mit Illustrationen von Reinhard Kleist veröffentlicht worden, die uns einmal mehr in die Welt von Jim und Will führt.

Der Jahrmarkt des Grauens hält Einzug

Bradburys Roman begleitet die beiden dreizehnjährigen Nachbarjungen Jim und Will, die gar nicht genug Erwachsen werden können um endlich tun und lassen zu können, was sie wollen. Als der Jahrmarkt von Mr. Dark in die Stadt Einzug hält und mit einem Karussell wirbt, welches jeden Mitfahrer verjüngert oder ältern lässt, ist Jim direkt Feuer und Flammen. Allen Warnungen Wills zum Trotz, möchte er unbedingt mit dem Karussell fahren, egal was er dafür geben muss. Hauptsache nicht mehr wie ein kleines Kind behandelt werden.

Auch Wills Vater träumt davon mit dem magischen Karussell zu fahren, denn er fühlt sich viel zu alt und befürchtet, dass Menschen ihn schon bald für den Vater seiner viel jüngeren Frau halten könnten. Da kommt Mr. Darks Angebot wie gerufen.

Doch ein solches Geschenk kommt nicht ohne einen entsprechenden Preis und schon bald müssen Jim und Will erfahren, was es mit dem Jahrmarkt wirklich auf sich hat.

Einer der gruseligsten Romane aller Zeiten

Das Böse kommt auf leisen Sohlen ist mit Abstand einer der gruseligsten Roman, die ich bisher in meinem Leben gelesen habe. Die Atmosphäre des Jugendromans jagt einem einen Schauer über den Rücken. Die Geschichte, in der immer Dunkelheit zu herrschen scheint, beginnt als eine philosophische Diskussion zweier Jungen über den Wunsch langsam Erwachsen zu werden und rutscht schnell in einige der unheimlichsten Ereignisse. Angefangen von Menschen, die sich in sich selbst verirren, Personen, die soweit altern, das sie einfach zu Asche zerfallen, oder Gestalten, die nie wirklich menschlich gewesen sein können.

Noch unheimlicher als diese Ereignisse selbst, ist die Frage ob nicht jeder Mensch einen Preis besitzt. Was ist, wenn wir einen Moment darüber nachdenken, was wir für unseren sehnlichsten Wunsch wirklich aufgeben würden. Wie würde das Ergebnis für jeden einzelnen von uns aussehen und noch viel schlimmer, können wir die Beweggründe der Protagonisten nicht plötzlich nachvollziehen?

Ergänzend zu diesem unheimlich intensiven Roman, der uns vielen unangenehmen Feststellungen gegenüberstellt, kommen die Tuschezeichnungen von Kleist, die die düsteren Ereignisse mit noch dunkleren Bildern versehen.

Die neue Ausgabe von Das Böse kommt auf leisen Sohlen, ist mit ebenso unheimlichen Illustrationen erschienen, wie sein Inhalt.

Bradburys Roman ist nicht sein bestes Werk, stellt jedoch einen wirklich sehr guten Roman dar, der gerade in der Jugendliteratur seines Gleichen sucht. Die Illustrationen sind unglaublich Intensiv und würden einen Kauf dieses Romans um ihrer selbst Willen rechtfertigen. Wer wirklich wissen möchte, wie es sich anfühlt sich zu gruseln, sollte nicht nach dem nächsten King greifen, sondern definitiv Das Böse kommt auf leisen Sohlen in der phantastischen Neuauflage des Aladin Verlags lesen.

Das Böse kommt auf leisen Sohlen | Ray Bradbury | 1962 (Neuauflage 2017) | Aladin Verlag | 352 Seiten | Bei Amazon bestellen


Dieser Roman wurde mir als journalistische Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

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