The man in the high castle [Review]

Was wäre wenn Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Was wäre, wenn er nicht durch die Atombombenabwürfe auf Japan, sondern auf die USA beendet worden wäre? Was wäre dann aus der Welt, Europa und den USA geworden? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich die Amazon Origins-Serie The man in the high castle.

Die bisher zehnteilige Serie folgt den Schicksalen mehrerer Amerikaner in den 60er Jahren. Der Zweite Weltkrieg ist mittlerweile beendet und die siegreichen Länder Japan und Deutschland haben die USA in zwei Teile aufgeteilt. Die Westküste gehört dabei nun Japan und die Ostküste Deutschland an. Unter anderem begleitet die erste Staffel Juliana, die in San Francisco lebt und ein relativ gutes Verhältnis zu den japanischen Besetzern hat. Alles ändert sich jedoch für sie, als ihre Schwester getötet wird, da sie einen verboten Film besitzt, der von dem sogenannten „Man in the high castle“ stammen soll. Er zeigt was hätte sein können, wenn die USA den Krieg gewonnen hätten. Um mehr über den sonderbaren Film und vor allem über die Gründe für den Tod ihrer Schwester zu erfahren, macht sie sich auf den Weg zu einem geheimen Treffpunkt des Widerstandes. Ein anderer ist der Widerstandskämpfer Joe aus New York, der sein Land befreien möchte. Sein erster Auftrag für den Widerstand führt ihn nach Canon City. Ausgerechnet in die Stadt, in der Juliana Antworten zu finden versucht…

Die sich von hier entwickelnde Handlung erinnert an frühe Agentenfilme der 50er, gepaart mit modernen Erzählmustern. Wie auch die Protagonisten, erfährt der Zuschauer keinerlei Informationen über den Man in the high castle. Viele haben bereits von den Filmen gehört, doch nur sehr wenige Menschen haben die Filme wirklich gesehen und keiner, nicht einmal Hauptpersonen des Widerstandes haben den Mann jemals kennengelernt. Die komplette Handlung entspinnt sich also um Gerüchte, die niemand zu bestätigen weiß. Und obwohl es noch nicht einmal klar ist, ob der Man in the high castle wirklich existiert, halten viele Amerikaner an der Hoffnung fest, dass es einen Ausweg aus der Besetzung gibt.

Was mich an der Serie wirklich fasziniert, ist dass zunächst ein relativ positiver Blick auf die Besetzung geworfen wird. Zwar ist die USA nicht frei, doch es mangelt an nichts. Die Technik hat sich viel schneller entwickelt, die Menschen sind gebildet und es gibt Nahrung und Wohlstand für alle. Doch mit jeder Entdeckung von Juliana und Joe, beginnt dieses Bild der „heilen Welt“ zu bröckeln. Gleichsam wird in dieser dystopischen Geschichte immer wieder gefragt was Freiheit wirklich bedeutet.

Es ist auch beeindruckend zu sehen, was für eine Vielschichtigkeit innerhalb der Geschichte aufgebaut wird. Seiten wie Gut und Böse scheint es Anfangs zu geben, doch Motive und Taten lassen schnell Ambivalenzen erkennen und wer zunächst als positive Figur eingeführt wird, kann schnell eine dunkele Seite hervorbringen.

Die Serie schafft es einen guten Spannungsbogen aufzubauen, der über sich über die komplette Staffel spannt, ohne dabei einzelnen Folgen zu produzieren, die uninteressant sind. Jede einzelne Folge für sich ist sehr spannend und verzichtet darauf nur einen spannenden Anfang und ein spannendes Ende mit einen Cliffhanger zu zeigen, zwischen denen nicht viel passiert, wie es heute leider viel zu oft bei Serien üblich ist.

Als Basis dient der Roman Das Orakel vom Berge von Philip K. Dick, dessen Werke unter anderem als Vorlage für die Filme Blade Runner, Total Recall und Minority Report dienten.

Insgesamt handelt es sich bei The man in the high castle um eine sehr, sehr gute Serie, die zeigt, dass man sich auch anders an das Thema der NS-Zeit heranwagen kann. Habt ihr zwischen den Jahren nichts zu tun, solltet ihr unbedingt diese Serie bei Amazon angucken!

3 Gedanken zu “The man in the high castle [Review]

    • Ich fand den Pilot schon recht stark. Klar, alle Figuren müssen eingeführt werden, aber das ist ja in jeder Sendung so. Ich fand es gut, dass die Sendung „nur“ eine Folge braucht um die Figuren einzuführen und nicht – wie häufig mittlerweile üblich – beinahe eine ganze Staffel.

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