CFF: Fahrraddiebe

CFF

Nach dem zweiten Weltkrieg herrschte in weiten Teilen Europas Armut. Häuser waren zerstört worden, Lebensmittel gab es nur begrenzt und Arbeit war eine Mangelware. Es galt die Städte wieder aufzubauen und zurück zu finden zu einem ’normalen‘ Leben. In dieser Zeit entstand der Trümmerfilm, der versuchte die Nachkriegszeit möglichst detailgetreu zu dokumentieren, während er gleichzeitig Einzelschicksale beschrieb. In Italien lief diese Art von Film unter der Bezeichnung Neorealismus.

Die Filme wurden – anders als in Italien sonst üblich – nicht im Studio, sondern größtenteils vor Ort gedreht. Der normale Ton wurde verwendet und einige der Darsteller waren nicht einmal Schauspieler. Die daraus entstandene Bewegung findet sich heute noch in den Dogma90 Filmen und hatte einen großen Einfluss auf das europäische Kino.

Bild von: anfibiamente.blogspot.de

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Einer der bekanntesten Vertreter dieses Genres ist Vittorio de Sica (1901 – 1974). Mit seinem Film Fahrraddiebe schuf er 1948 einen unglaublich authentischen Film, der mit seiner eigentlich recht einfachen Handlung ein klares Bild der damaligen Zeit zeichnet.

Er erzählt die Geschichte von Antonio Ricci, der nach dem zweiten Weltkrieg Probleme hat seine Familie zu versorgen. Immer wieder nimmt er kleine Arbeiten in Rom an. Während des Geld immer weiter zu schwinden droht und Antonio immer verzweifelter wird, wird ihm plötzlich ein sehr lukrativer Job angeboten. Dafür muss er lediglich mit seinem Fahrrad durch Rom fahren und Plakate anbringen. Doch die einfache Arbeit verkompliziert sich, als ihm bereits am ersten Tag sein Fahrrad gestohlen wird. Ohne dieses kann er jedoch seine Arbeit nicht ausführen.

Also begibt er sich auf eine erfolglose Suche nach seinem Fahrrad, versucht ein neues zu leihen oder gar zu kaufen und muss dabei immer wieder feststellen, dass er in einem Teufelskreis gefangen ist. Er hat kein Geld und damit auch keine Möglichkeit ein Fahrrad zu kaufen, jedoch braucht er ein Fahrrad um Geld verdienen zu können. Die Verzweiflung treibt ihn immer weiter voran.

Dies mag zunächst nicht sonderlich spannend klingen, ist es jedoch! Denn während er sich quält und immer weniger weiß, wie er zurecht kommen soll, begleitet ihn sein Sohn, vor dem er sein Gesicht nicht verlieren möchte. Man kann also beobachten, wie der starke Italiener langsam in Panik ausbricht, diese jedoch so weit verstecken möchte, dass er immer wieder in unliebsame Situationen gedrängt wird.

Besonders beeindruckend ist dabei, dass Lamberto Maggiorani – Antonios Darsteller – zum Zeitpunkt des Films keinerlei schauspielerische Erfahrungen nachweisen konnte. Dennoch schafft er es seine Rolle mit so viel Leben zu füllen, dass man sich als Zuschauer an vielen Stellen fragen kann wie viel Maggiorani selbst im zweiten Weltkrieg durchgemacht hat und wie ihn der Krieg beeinflusste. Die harten Zeiten, die gerade erst angebrochen waren, zeigen sich in seinem Gesicht und seinen Posen so stark, dass man beinah nicht von Schauspiel sprechen kann, da er nicht die Emotionen nachahmt, sondern viele von ihnen selbst gespürt haben wird.

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