Blog Projekte

Hier sind die Projekte der letzten Jahre aufgelistet. Darunter Filmlisten, Geschichten, oder bald auch Wearing Today

Wearing Today (2010~2011)
Filme 2010 (2010)
Morgenrot (2009~2010)


Wearing Today

365 Tage lang habe ich jeden Tag fotografiert, was ich getragen habe. Alle 365 Fotos in der chronologischen Reihenfolge können hier betrachtet werden.

365 Tage


Filme 2010

In dieser Kategorie werde ich alle Filme vorstellen, die ich im Jahre 2010 gesehen.

Januar

*Catch me if you can: Frank Abagnale war nicht nur Pilot, Arzt und Anwalt, sondern auch der jüngste Checkfälscher der USA. Doch nun will Carl Hanratty in fangen…. [USA 2002; mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Amy Adams, Martin Sheen und Nathalie Baye; von Steven Spielberg] Bewertung: Absolut genial! Spannend und humorvoll von Anfang bis Ende und das auch nach dem zehnten Sehen.
* The Virgin suicides: Einige Teenager in der Gegend von Detroit erleben in den 70er Jahren mit, wie die vier Töchter der Lisbon Familie nach dem Selbstmord der jüngsten Schwester von der strengen Mutter eingesperrt werden… [USA 1999; mit James Woods, Kathleen Turner, Kirsten Dunst und Josh Hartnett; nach einem Roman von Jeffrey Eugenides; von Sofia Coppola] Bewertung: sehr gute Verfilmung des gleichnamigen Romans.
*The Usual Suspects: Nach einem Raubüberfall werden fünf Verdächtige festgenommen, welche sich in der Untersuchungshaft kennenlernen und gemeinsam Verbrechen planen… [USA 1995; mit Gabriel Byrne, Kevin Spacey und Suzy Amis; von Christopher McQuarrie und Bryan Singer] Bewertung: Zunächst reichlich verwirrend und dann spannend bis zur letzten Minute.
*Antichrist: Während die Frau eines Psychologen mit ihrem Mann schläft fällt ihr Kind aus dem Fenster. Die Schuld an dem Tod gibt sich die Frau und verliert darüber den Verstand. Ihr Mann versucht sie zu retten… [Dänemark, Deutschland, Frankreich, Schweden, Italien, Polen 2009; Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg; von Lars von Trier] Bewertung: Sehr verstörend und Bildgewaltig.
*eXistenZ: Die nahe Zukunft… Videospiele sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft geworden und werden nur noch im Geist gespielt (ohne Joystick…). Nach einem Angriff auf die Spielentwicklerin Allegra Geller flieht sie gemeinsam mit Ted Pikul (einem Angestellten der Entwicklerfirma für die sie arbeitet) aufs Land um sich dort zu verstecken. Um herauszufinden ob mit ihrem Spiel alles in Ordnung ist muss sie es testen mit Ted zusammen, doch dabei scheinen die Grenzen von Spiel und Wirklichkeit immer weiter zu verschwimmen… [Kanada 1999; Jennifer Jason Leigh, Jude Law, ian Holm…; von David Cronenberg] Bewertung: spannend, verwirrend, genial (ich fand den Film total super *-*)
*Inglourious Basterds: Während des Zweiten Weltkriegs macht sich eine Truppe von Amerikanern nach Frankreich hin auf um dort Nazis zu metzeln… [USA, Deutschland 2009; Brad Pitt, Til Schweiger, Daniel Brühl…; von Quentin Tarantino] Bewertung: Ein abgedrehtes anderes Bild der „Geschichte“ des 2.WK. (sehr witzig)
*Sex and the City- The movie: Endlich beschließen Carrie und Mr. Big zu heiraten. Natürlich verläuft dies nicht ohne kleine und größere Katastrophen. Wie gut, dass Carrie ihre drei besten Freundinnen zur Seite stehen. [USA 2008; Sarah Jessica Parker, Kim Cattrall, Cynthia Nixon, Kristin Davis…; von Michael Patrick King] Bewertung: Ein Muss für Fans der Serie und ein wirklich schöner Film über Liebe, Freundschaft und die Großstadt.
*Hairspray: Tracy lebt in den 60ern ist klein, füllig und hat einen großen Traum: sie möchte in der Corny Collins Show als Sängerin und Tänzerin auftreten. Wie durch ein Wunder fällt eine der Tänzerinen aus und ein öffentliches Casting wird ausgeschrieben… [USA 2007; Nikki Blonsky, John Travolta, Queen Latifah, Zac Efron…; von Adam Shankman und Leslie Dixon] Bewertung: Wunderbar, irre-komisches Musical mit einem großen Spritzer Kitsch.
*Ebola Syndrome: Nachdem der Koch Kai in Honkong drei Menschen ermordet hat flieht er nach Johannesburg wo er sich mit Ebola infiziert. Dies nutzt er aus um „Rache“ zu nehmen an der Menschheit, die ihn immer wie Abschaum behandelt hat… [Hongkong 1996; Anthony Wong Chau-Sang…; von Herman Yau und Chau Ting] Bewertung: Sehr witzig wenn man auf sinnloses Gemetzel steht.

Februar

*Sherlock Holmes: Sherlock Holmes, der berühmte Detektiv, wird mit der Aufklärung eines neuen Falles beordert: Eine mysteriöse Sekte treibt ihr Unwesen in London, ihr Anführer scheint von den Toten zurück gekehrt zu sein und hält nun die Stadt mit „schwarzer Magie“ in Atem. [USA 2009; mit Robert Downey jr., Jude Law, Rachel McAdams…; von Guy Ritchie, Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram] Bewertung: Eine sehr gute schauspielerische Leistung, geniale Musik, Ästhetik und eine fabelhafte Umsetzung des Charakters von Sherlock Holmes machen diesen Film sehenswert. Großer Schwachpunkt des Films sind die übertrieben Special Effects und die teilweise den Erzählungen von Arthur Conan Doyle widersprechende Handlung.
*Memento: Nachdem seine Frau vergewaltigt und ermordet wurde hat Leonard Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis. Jetzt will er Rache nehmen. Nur seine Notizen, Polaroids und Tätowierungen helfen ihm bei der Suche nach dem Mörder weiter… [USA 2000; mit Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano…; von Jonathan Nolan, Christopher Nolan] Bewertung: Spannend, interessant und einen Hauch verwirrend. Eine Welt ohne Erinnerungen und Zeit, nur bestehend aus Liebe und Rache.
*Sherlock Holmes: s.o. [USA 2009; mit Robert Downey jr., Jude Law, Rachel McAdams…; von Guy Ritchie, Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram]
*Memento: s.o. [USA 2000; mit Guy Pearce, Carrie-Anne Moss, Joe Pantoliano…; von Jonathan Nolan, Christopher Nolan]
*Pulp Fiction: Vincent und Jules arbeiten für den Ganster Marsellus Wallace. Als dieser verreist soll Vincent mit seiner Frau Mia ausgehe… Dann ist da noch die Handlung mit Pumpkin und Honey Bunny, die ausgerechnet ein Café überfallen wollen indem Vincent und Jules sitzen… Und abschließend wird noch die Geschichte von Butch, einem Boxer erzählt, der mit Marsellus Wallace zusammenarbeitet… [USA 1994; mit John Travolta, Samuel L. Jackson, Uma Thurman, Bruce Willis…; von Quentin Tarantino, Roger Avary] Bewertung: Absolut lustig, abgedreht und wirr. Nicht umsonst einer der Kultfilme.
*Batman Returns: Aus den Kanälen von Gotham City taucht der Pinguin auf, ist plötzlich freundlich und lieb und bewirbt sich um den Posten des Bürgermeisters. Zur gleichen Zeit bekommt Batman eine weitere Rivalin Namens Catwoman und Bruce Wayne sieht sich plötzlich einer neuen Geliebten gegenüber. [USA 1992; mit Michael Keaton, Danny DeVito, Michelle Pfeiffer, Christopher Walken…; von Tim Burton, Daniel Waters] Bewertung: Witzig und skurril. Man verpasst zwar nichts wenn man diesen Film nicht guckt, doch sorgt er auch für einen lustigen Abend.
*Shaun of the Dead: Shaun lebt ein ganz normales Leben. Er ist Ende 20, arbeitet in einem Elektronikfaschgeschäft, hat einen Freundin und jeden Abend verbringt er Zeit mit seinen Freunden in einem Pub. Doch dann verwandeln sich plötzlich fast alle Menschen in Zombies und Shaun und seine Freunde müssen zusammen kämpfen. [GB 2004; mit Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield…; von Edgar Wright,
Simon Pegg] Bewertung: Irre lustig. Ein Zombiefilm mit Handlung! Man muss ihn einfach gesehen haben.
*Gegen alle Flaggen: Brian Hawke ist gerade auf die Insel Madagaskar gekommen und soll dort nun für die hübsche Bürgermeisterin Prudence Spitfire Stevens auf einem ihrer Schiffe mitfahren. Schnell stellt sich heraus, dass diese eigentlich Piraten sind… [USA 1952; mit Errol Flynn, Maureen O’Hara…; von George Sherman, Aeneas MacKenzie, Joseph Hoffman] Bewertung: Abenteuer-Liebes-Piratenfilm. Eine Art Vorläufer von Fluch der Karibik ohne Zombies. Wirklich witzig.
*Strange Bedfellows: In einer Laune heiraten die temperamentvolle Italienerin und der ernste, amerikanische Firmenleiter. Sie trennen sich kurz darauf und treffen sich erst nach 7 Jahren wieder. Wie es der Zufall will soll er die Leitung einer großen Firma übernehmen, muss dafür jedoch ein intaktes Familienleben nachweisen können… [USA 1965; mit Rock Hudson, Gina Lollobrigida…; von Melvin Frank ] Bewertung: Lustig, auch wenn es eine sehr typische 60er-Jahre Komödie ist.
*Shaun of the Dead: s.o. [GB 2004; mit Simon Pegg, Nick Frost, Kate Ashfield…; von Edgar Wright, Simon Pegg]
*300: Als das Persareich Sparta angreift ziehen 300 Kämpfer aus um die Persa zurückzuschlagen… [USA 2007; mit Gerard Butler, Lena Headey…; von Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael Gordon, Frank Miller, Lynn Varley] Bewertung: Ultimativ ästhetisches Abgemetztel. Wirklich sehenswert.

März

*Up in the Air: Ryan Bingham reist durch die USA um im Auftrag großer Firmen Angestellten in hohen Positionen mitzuteilen, dass sie gefeuert sind. Er liebt dieses Leben, bei welchem er nur knapp vier Tage im Jahr zu Hause in seiner Wohnung sein muss. Doch dann ändern zwei Frauen sein Leben… [USA 2009; mit George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick…; von Jason Reitman, Sheldon Turner] Bewertung: Sehr lustig und gleichzeitig recht tragisch. George Clooney überzeugt als einsamer Mann, dessen einziger Lebensinhalt darin besteht möglichst viele Flugmeilen zu sammeln und gleichzeitig erkennt, dass er nicht für immer alleine sein kann.
*Alice im Wunderland: Alice hatte schon als Kind seltsame Träume von einem fernen Ort. Als sie mitten auf ihrer Verlobungsfeier ein seltsames Kaninchen sieht und diesem folgt landet sie plötzlich in eben jener Welt, die sie aus ihren Träumen kennt, doch nun ist der Ort furchtbar düster, denn die rote Königin unterdrückt das Land und scheinbar nur Alice hat die Macht sie zu stürzen… [USA 2010; mit Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Johnny Depp:…; von Tim Burton, Richard D. Zanuck, Joe Roth, Suzanne Todd, Jennifer Todd] Bewertung: Mia Wasikowska stellt eine vollkommen neue Alice dar, die rational das Wunderland betrachtet und ihre eigene Stärke erkennen muss. Zusätzlich kreiert Tim Burton ein düsteres Wunderland voller bekannter Charaktere. Schade, dass Humpty Dumpty fehlt…
*Citizen Kane: Charles Kane, einer der reichsten Menschen der Welt stirbt. Sein letztes Wort „Rosebud“ gibt den Journalisten ein Rätsel auf. Was wollte der Mann der Welt mitteilen? Ein Journalist begibt sich auf die Suche nach der Lösung und erfährt dabei immer mehr über Kane, den berüchtigten Zeitungsmogul. [USA 1941; mit Orson Welles, Joseph Cotten, Dorothy Comingore, Agnes Moorehead…; von Orson Welles] Bewertung: Fantastische schauspielerische Leistungen und brillante Kameratechniken werden hier kombiniert und ergeben eine Film, der von Anfang bis Ende spannend ist..
*Shrek der Dritte: Shrek, ein Oger, soll König von Weit weit weg werden. Da er sich nicht dafür bereit fühlt macht er sich auf die Suche nach dem einzigen anderen möglichen Thronfolger. Gleichzeitig eröffnet Fiona, Shreks Frau und Tochter des Königs von weit weit weg, Shrek, dass sie schwanger ist und Prinz Charming möchte Rache an Shrek üben. [USA 2007; Animierter Film; von Chris Miller, Raman Hui, Aron Warner] Bewertung: Lustiger Computeranimierter Film, der Märchen und Legenden aller Art parodiert.
*Pans Labyrinth: Die kleine Ofelia glaubt an Feen und Märchen. Mitten im spanischen Bürgerkrieg zieht sie mit ihrer Mutter auf einen Militärstutzpunkt, da der Hauptmann ihr Stiefvater ist. Dort angekommen findet sie eine Fee, die sie ins Labyrinth des Pan führt. Er eröffnet Ofelia, dass sie die Tochter des Königs einer märchenhaften Welt ist. Um in diese Welt zurückkehren zu können muss sie jedoch erst einmal drei Aufgaben erfüllen… [Spanien, Mexiko 2006; mit Ivana Baquero, Ariadna Gil, Sergi López, Maribel Verdú…; von Guillermo del Toro, Alfonso Cuarón, Bertha Navarro, Frida Torresblanco] Bewertung: Gruseliger Fantasyfilm, bei dem Realität und Fiktion zu verschwimmen drohen.

April

*Coraline: Coraline zieht zusammen mit ihren Eltern in ein neues Haus. Während ihre Eltern gemeinsam an einem neuen Buch schreiben langweilt sich Coraline. Als Coraline eines Abends durch eine mysteriöse Tür geht landet sie in einer fremden Welt, in welcher sie die Personen aus ihrem Leben trifft. Hier jedoch kümmern sich ihre Eltern um sie und die Menschen sind alle lustig und freundlich. Coraline wird angeboten für immer dort zu bleiben, jedoch muss sie dafür einen Preis zahlen. . . [USA 2009; Animationsfilm; von Henry Selick, Claire Jennings, Mary Sandell] Bewertung: Ein wirklich sehr, sehr spannender und Gruselliger Film, der aus animierten Puppen besteht. Eigentlich ist es ein Kindergruselfilm, doch auch für abgehärtete Erwachsene ist er immer noch sehr spannend und erschreckend, da die Ereignisse recht unerwartet geschehen.
*Fight Club: Eines Tages lernt der Protagonist des Film, ein gelangweilter Büroarbeiter mit einer IKEA Obsession, in einem Flugzeug Tayler Durden kennen. Dieser plant die Welt aufzurütteln. Sein erster Schritt: die Gründung des Fight Clubs, in welchem gelangweilte Männer in Kämpfen wieder Fühlen lernen sollen. Doch dies ist erst der Anfang… [USA, Deutschland 1999; mit Edward Norton, Brad Pitt, Helena Boham Carter…; von David Fincher, Ross Grayson Bell, Art Linson] Bewertung: Wirklich genialer Film. Spannend, witzig und sehr gesellschaftskritisch. Gegen die IKEA Gesellschaft, die nach dem perfekten Beistelltisch sucht. Zum Teil leicht verwirrend, aber die aufgeworfenen Fragen werden alle wieder beantwortet. Zudem überzeugen Edward Norton, Helena Boham Carter und Brad Pitt vollkommen in ihre Rollen. Ein Hoch auf den Film!
*High School Musical 3- Senior Year: Das letzte Jahr der High School bricht an und die Protagonisten müssen sich entscheiden, wie ihre Zukunft aussehen soll… [USA 2008; mit Olesya Rulin, Zac Efron, Vanessa Anne Hudgens, Ashley Tisdale, Lucas Grabeel, Corbin Bleu, Monique Coleman…; von Bill Borden, Don Schain, Barry Rosenbush, Kenny Ortega] Bewertung: Sie tanzen, sie singen und sie denken über ihre Zukunft nach. Wirklich schön…
*Forbidden Planet/ Alarm im Weltall: Eine Rettungsmission soll Dr. Morbius von Altair 4 erretten. Als das Raumschiff den Planeten erreicht teilt der Professor jedoch mit, dass er nicht wünscht gerettet zu werden und warnt die Insassen des Raumschiffts davor den Planeten zu betreten, da dort etwas sonderbares vor sich geht. Die hält Kapitän Adams jedoch nicht davon ab auf eigene Faust den Planeten zu untersuchen… [USA 1956; mit Walter Pidgeon, Anne Francis, Leslie Nielsen…; von Fred M. Wilcox, Nicholas Nayfack] Bewertung: Interessanter Sci-Fi Film basierend auf Shakespears Der Sturm.
– Moulin Rouge
– Noises off
– 2001- A Space Odyssey
– Party Animals
– The messenger
– Colossus
– The Eye

Mai

– The Last Starfighter
– Die Stimme des Herzens
– Demon Seed
– Sweeny Todd
– Das Mädchen auf Seite eins
– Coco Chanel- Der Beginn einer Leidenschaft
– Shall we Dance (japanisches Originall)
– Die Schwester der Königin
– Das Schloss des Cagliostro
– Hardyman räumt auf
– Vincent will Meer
– Herr der Ringe- Die Gefährten

Juni

– Herr der Ringe- Die zwei Türme
– Tron
– Electric Dreams
– Moon
– Equus
– Dreamgirls
– Ju-on
– Ju-on 2
– The Call

Juli

– The boat that rocked (3 Mal hintereinander xD)
– Zehn Dinge die ich an dir hasse
– Abbitte
– (500) days of Summer
– Marie Antoinette
– Toy Story
– Toy Story 2
– Untraceable
– (500) days of Summer
– Monster AG
– Toy Story
– Radio Rock Revolution
– Silent Hill
– Rocky Horror Picture Show
– eine Anhäufung diverser Kurzfilme (Unikurzfilmabend sei dank ^^) [dies ist kein Filmtitel!!!]
– Requiem for a dream
– (500) days of summer
– Voices of a distant star
– She and her Cat (Kurzfilm)
– 5 Centimeters per Second
– Toy Story
– Toy Story 2
– The Fall
– Donnie Darko

August

– Frühstück bei Tiffanys
– Die Schöne und das Biest
– Cinderalla 3 Wahre liebe siegt immer (A Twist in Time)
– Keine halben Sachen
– Dark Water
– Tanz der Teufel
– 9
– Fight Club
– My Fair Lady
– Funny Face
– Zehn Dinge die ich an dir hasse
– Toy Story 3
– Inception
– Der Schatzplanet

September

– Eyes wide shut
– Strange Circus
– The place promised in our early days
– I’m a cyborg, but that’s OK
– A Nightmare before Christmas
– Requiem for a dream
– The Town
– Chihiros Reise ins Zauberland
– Das Mädchen, das durch die zeit sprang
– Die fabelhafte Welt der Amelié
– Coco Chanel- der Beginn einer Leidenschaft
– Shutter Island

Oktober

– Verwünscht
– Plötzlich Berühmt
– Findet Nemo
– Ponyo
– The Fall
– Verwünscht
– Lost in Translation
– Dreamgirls
– Dreamgirls
– Wag the Dog
– Die Prinzessin mit der großen Nase
– Stolz und Vorurteil (2005)
– Das Cabinet des Dr. Caligari
– An Education
– Sternenwanderer
– Panzerkreuzer Potemkin
– American Beauty
– Shaun of the Dead
– Die Frau des Zeitreisenden

November

– Die Spielregel (La règle du jeu)
– Moulin Rouge
– Prestige
– Der Zauberer von Oz
– Gottes Werk und Teufels Beitrag
– Constantine
– Das Mädchen mit dem Zauberhaar
– Prinzessin Mononoke
– Garden State
– Little Miss Sunshine
– Harry Potter and the Deathly Hollows- Part 1
– Citizen Kane
– Last life in the universe
– Die Deutschmeister
– Fahrraddiebe
– Bridget Jones: Schokolade zum Frühstück

Dezember

– Final Destination
– Somewhere
– Atonement
– Das Schweigen
– Final Destination 2
– Inception
– Die Geisha
– Außer Atem (À bout de souffle)
– Die Feuerzangenbowle
– Händler der vier Jahreszeiten
– Forrest Gump
– Inception
– Das große Krabbeln
– Die zauberhafte Welt der Beatrix Potter
– Sissi – Die junge Kaiserin
– Men in Black
– Underworld
– verlieben verboten
– Laws of Attraction
– Dawn of the Dead (1978)
– Woodoo – Schreckensinsel der Zombies
– Dantes Inferno
– Holiday (Die Schwester der Braut)
– Casanova (2005)


Morgenrot

Inhalt: Mano besitzt die Fähigkeit durch Träume anderer Menschen zu reisen. Dabei betritt sie nicht nur Träume von Erdenbewohnern, sondern auch die aus fremden Welten. Eines Tages lernt sie dadurch Serafin kennen. Damit sie ihn auch in der Realität treffen kann schließt sie einen Pakt mit einer mächtigen Hexe. Was Mano jedoch nicht weiß ist, dass Serafin ebenfalls einen Handel mit der Hexe abgeschlossen hat…


Morgenrot

Morgenrot
Wenn das Licht die Nacht bedroht
Denn im Traum allein
Kann ich bei dir sein
Und verflieg im Morgenrot
Asp- Duett der Incubi

Schnell atmend schreckte sie aus ihrem Traum hoch. Um sie herum breitete sich die kühle der Nacht aus. Der kleine Wecker zeigte an, dass es 4 Uhr sei. Tief seufzte sie und warf sich zurück auf ihre Kissen. Warum war sie nur jetzt erwacht? Musste sie gerade mitten aus diesem Traum rausgerissen werden? Was hatte er gesagt? Stumm wiederholten ihre Lippen seine letzten Worte: „Ich werde einen Weg finden! Ich werde dich finden! Wir werden uns treffen!“ Wie dumm. Sie seufzte noch einmal tief. Es gab keine Möglichkeit sich zu begegnen. Nur dort, in der kurzen Zeit vor dem Morgengrauen, in dieser mysteriösen Welt konnten sie sich sehen, miteinander sprechen und sich berühren. Das war ihr Schicksal als Traumgängerin. Sie konnte die in Träumen geformten Welten der Menschen bereisen. Wenn sie wollte konnte sie fremden Menschen begegnen oder alte Bekannte wieder treffen. Natürlich bemerkten die Menschen meist nicht, dass sie es tatsächlich war, die den Traum aufsucht. Sie dachten, dass sie nur eine Traumgestallt wäre. Ein Phänomen zur Verarbeitung der Erinnerungen. Wie sie sich doch irrten. Die Träume waren viel mehr. Es waren kleine Splitter einer Welt, die nur wenige wirklich bereisen konnten. Sie war eine von ihnen. Doch was nützte es ihr? Warum sollte sie durch fremde Träume laufen, unfähig selber einen Traum zu erschaffen?
Doch eines Tages änderte sich das alles schlagartig. Ihre verwünschte Gabe, die ihr manche unerfreuliche Wahrheit offenbart hatte trieb sie an die Grenzen einer sonderbaren Welt. Dort, an einer riesigen Klippe, über dem Meer breitete ein riesiger Baum seine Äste aus. Mitten zwischen dem Astgeflächt ragte ein kleines Haus hervor. Sich über dieses Gebilde wundernd fand sie sich plötzlich mitten in dem kleinen Haus wieder. Sie konnte das Meer überblicken und scheinbar unendlich weit sehen. Wo war sie nur dieses Mal gelandet? Gerade begann sie den Raum zu inspizieren, indem sie sich befand, als eine Person sie von hinten packte. Die Person hielt mit kräftigen Armen ihre Arme hinter ihrem Rücken zusammen. „Was machst du hier? Wer bist du? Wie bist du hier reingekommen?“, fragte der Mann mit lauter Stimme.
„Es tut mir leid, ich hab mich umgesehen und plötzlich war ich hier und…“, ihre Stimme brach. Panik machte sich in ihr breit. Sie hatte versucht sich dem Griff zu entwinden, doch es klappte nicht. Es klappte doch sonst immer alles, was sie wollte, solange sie in einem Traum war. Sie versuchte zu erwachen, doch es ging nicht. Mit dem Griff des Mannes schien auch der Traum sie festzuhalten.
„Also, wer bist du?“, wiederholte er noch einmal eindringlich seine Frage. „Wie hast du es geschafft hier einzudringen?“
„Es tut mir wirklich leid. Ich wollte hier nicht eindringen. Mein Name ist Mano und ich weiß wirklich nicht wie ich hierher kam.“, antwortete sie zögern und merkte, dass sich der Griff des Mannes verstärkte.
„Du kannst nicht einfach in einen fremden Traum hineinstolpern! Vor allem nicht, wenn eine magische Mauer Eindringlinge fernhalten soll.“, sagte er eindringlich und verstärkte weiter den Druck seiner Hände.
„Können sie mich bitte loslassen? Ich hatte wirklich keine böse Absicht.“
„Ach, deine böse Absicht also? Und da denkst du dir, dass du einfach so hier eindringen kannst? Sobald eine Tür irgendwo offen stehst gehst du auch einfach mal in das Haus, nicht wahr?“, fragte er mit barscher Stimme.
„Nein, nein! Ich konnte doch nicht ahnen, dass sie mich sehen…“
„Und das reicht als Grund?“, rief er.
„Natürlich nicht, aber ich kann doch nicht wählen wohin ich gehe. Bitte lassen sie mich frei.“
Zögernd lockerte er seinen Griff. Schnell entwand sie sich ihm komplett und wachte in der nächsten Minute panisch atmend auf.


Episode 1: Zurück ins Baumhaus

Und alles, was wir sind, im Labyrinth der Zeit verrinnt
Ist morgen schon verschwunden
Dem alten Geist nochmal beschwören
Sag kannst du mich noch hören?
Asp- Offährte

„Du siehst heute nicht gut aus.“, sagte Kate besorgt.
„Es geht schon. Ich hab nur ein bisschen zu wenig geschlafen“, antworte Mano und strich sich das lange weißlich-blonde Haar aus dem Gesicht. Auf ihrer hellen Haut traten die dunklen Ringe unter ihren Augen besonders gut hervor. Sie wollte Kate nicht beunruhigen und sich selber auch nicht. Außerdem würde ihr Kate niemals glauben. „Ach übrigens ich kann durch Träume von anderen Menschen laufen. Vielleicht hab ich dort sogar die Liebe meines Lebens gefunden, aber ich denke, ich hab ihn gestern für immer verloren.“ Selbst in ihrem Kopf klang diese kleine Rede lächerlich und vor allem viel zu kitschig. „Die Liebe meines Lebens…“, wiederholte sie stumm in Gedanken. Lächerlich. Sie atmete tief durch und ging weiter mit Kate in Richtung Schule.
Die beiden kannten sich schon nah zu immer. Kates Familie lebte nur drei Straßen von Manos entfernt. Die beiden hatten zusammen den Kindergarten besucht, die Grundschule und waren schließlich zusammen auf eine weiterführende Schule gekommen. Nun verbrachten sie ihr letztes Schuljahr zusammen. In zwei Wochen sollte die Abschlussfeier stattfinden und dann würden sich ihre Wege trennen. Zum ersten Mal in ihrem Leben würden sie nicht in der gleichen Stadt wohnen. Bei dem Gedanken grauste Mano jetzt schon. Aber so war das Leben eben. Sie würde fortgehen und Kunst und Design studieren und Kate war an einer Ballettschule angenommen worden.
„…meine Wohnung ist fast bezugsbereit. Einfach fantastisch! Die Lage, die Größe, Alles. Und wann kannst du umziehen? Mano, Mano! Du hörst mir ja gar nicht zu.“, plauderte Kate drauflos.
„Entschuldige, ich war mit meinen Gedanken wo anders.“, sagte Mano du blickte ihre Freundin entschuldigend an.
„Heute verzeih ich dir noch einmal. Aber nur ausnahmsweise!“, meinte Kate in gespielt strengem Ton. „Warum müssen wir überhaupt heute da hin? Als könnte nicht irgendwer anders diese dumme Aula dekorieren. Warum ausgerechnet wir?“, jammerte Kate.
„Vielleicht hättest du dich nicht zur Stufensprecherin wählen lassen sollen und mich nicht für die Dekoration vorschlagen sollen.“, antwortete Mano und unterdrückte ein Gähnen.
„Ach, ich wusste doch, dass da etwas war. Naja, so schlimm wird es sicherlich nicht.“

Natürlich kam es schlimmer. Bis zum Abend bastelten und dekorierten die beiden Freundinnen. Als Mano endlich nach Hause kam legte sie sich direkt ins Bett. Es war gerade einmal 20 Uhr, aber was machte das schon. Sie war so müde und der Tag war so anstrengend gewesen. Während sie im Bett lag und mit geschlossenen Augen darauf wartete einzuschlafen erinnerte sie sich wie sie ihm das zweite Mal begegnet war. Nachdem sie das erste Mal aus dem Baumhaus geflohen war fand sie sich am nächsten Abend plötzlich wieder dort. Sie hatte nicht vorgehabt noch einmal dorthin zurückzukehren, doch irgendetwas hatte sie hierher gebracht. Sie versuchte zu erwachen oder zumindest wo anders hin zu gehen. Es klappte nicht. Sie blieb an Ort und Stelle.
„Du hast dich also entschieden wieder hierhin zu kommen. Wenn das kein Zufall ist. Dafür, dass du dir nicht aussuchen kannst wohin du gehst überwindest du aber ziemlich häufig meine magische Grenze.“, hörte sie plötzlich eine Stimme hinter sich.
Mano drehte sich um und sah einen jungen Mann im Raum stehen. Sein braunes, kurzes Haar fiel ihm leicht in die Stirn. Er schien in etwa so alt zu sein wie sie. Seine schlanke, große Gestalt hätte ihr gefallen können, wäre sie nicht so sehr damit beschäftig gewesen panisch nach einer Fluchtmöglichkeit zu suchen. Mit großen Schritten trat er auf sie zu. Langsam lief sie rückwärts auf die Wand zu. Entschuldigend hob sie ihre Arme und sagte dann mit zitternder Stimme: „Ich kann wirklich nichts dafür. Ich komm hier nicht mehr raus und ich wollte gewiss nicht hier eindringen. Bitte glauben sie mir.“
„Ach, du kommst also zufällig hier rein? Schon klar. Niemand versucht jemals mit Absicht eine beinahe unüberwindbare Mauer zu überwinden. Ich glaube dir natürlich.“, sagte der Mann mürrisch und schritt weiter auf sie zu.
Mano begann an der Wand entlang rutschend ihm auszuweichen. Dabei viel ihr zum ersten Mal auf, dass der Raum rund war. Er erreichte sie und streckte seine Arme so gegen die Wand, dass sie rechts und links neben ihren Schultern auflagen. Ihre Gesichter waren nun keine 20 Zentimeter mehr voneinander entfernt. Sie konnte seinen verblüffend dunkelbraunen Augen sehen. „Was willst du hier?“, fragte er eindringlich und starrte sie an.
„Ich will gar nichts hier. Wie ich schon gesagt hab wollte ich nicht mehr hierhin kommen. Ich weiß auch nicht wie ich Ihre Grenze oder Mauer oder was auch immer überschritten habe.“, erklärte sie eilig und Panik begann sich rasend in ihr auszubreiten. Jetzt gab es kein entkommen mehr.
Einen Moment lang starrte er sie schweigend an. Dann entfernte er sich wieder von ihr und schritt zur Mitte des Raumes, wo ein großes Sofa stand, auf welches er sich setzte. Dann atmete er einmal tief durch und sagte dann: „Ich glaube dir.“
Vor Erleichterung begannen ihre Beine zu zittern und Mano ließ sich auf den Boden sinken. „Danke! Es… danke… wirklich….“, sagte sie.
„Es verwundert mich jedoch immer noch. Es muss einen Grund geben warum du hier hingekommen bist.“, meinte er brummig. Dann fügte er knapp hinzu: „Ich bin übrigens Serafin.“

Ja, es hatte einen Grund gegeben. Von dort an war sie jeden Abend, sobald sie eingeschlafen war, in seinem Baumhaus erwacht. Und sie hatte es genossen. Die Nächte in diesem kleinen Raum. Sie hatten geredet und geredet. Die Zeit schien dort rasend schnell zu vergehen. Kaum war sie dort, schon brach der nächste Tag an und sie verschwand zurück in einen Traumlosen schlaf. So waren die Regeln. Sobald die Sonne begann aufzugehen musste sie die Welt verlassen, in der sie gerade war. Und jetzt? Zum ersten Mal seit circa zwei Jahren erwachte sie in einer anderen Welt. Es war ein anderer Traum, in welchen sie nach dem Tag mit der Dekorationsarbeit fiel. Und nicht nur das. Nun konnte sie plötzlich wieder zwischen verschiedenen Welten hin und her wandern. Aber was nützte das ihr? Sie wollte nur in eine Welt. Sie wollte nur zurück in das Baumhaus. Ziellos streifte sie in dieser Nacht umher und das ohne Erfolg. Am Morgen erwachte sie, rastlos. Was war geschehen? Warum konnte sie nicht mehr zu ihm zurückkehren?


Episode 2: Zukunft

Let me give my love to you
Let me take your hand
As we walk in the dimming light
Or darling understand
That everything, everything ends
Death Cab for Cutie- Meet me on the Equinox

„Du siehst heute wieder so blass aus.“, sagte Kate und blickte sie besorgt an. „Das ganze hier scheint dir doch näher zu gehen als ich dachte.“
Es war der Tag der Abschlussfeier. In einer Woche würde Kate fortziehen und wenige Tage später würde auch Mano ihre neue Wohnung beziehen. Natürlich fand Mano es tragisch, doch dies war nicht der Grund für ihre Aufgewühltheit. Die Freundinnen würden sich nun seltener sehen, doch sie konnten sich immer noch treffen. Ganz anders stand es um sie und Serafin. Sie konnte ihn nicht mehr erreichen. Wie sehr sie sich auch bemühte, es gelang ihr einfach nicht mehr das Baumhaus zu betreten. Wie sollte sie ihn so nur jemals wiedersehen? Natürlich wusste sie, dass er irgendwo leben musste. Irgendwo war er. Warum hatten sie nur niemals darüber geredet? In all der Zeit. Sie hatten nie daran gedacht, dass sie die magische Barriere, die ihn und sein zu Hause beschütze, irgendwann nicht mehr überwinden werde können. Wieso hätten sie das auch annehmen sollen? Okay, sie hatten über ihre Herkunft gesprochen. Und natürlich hatten sie überlegt ob es möglich sei sich zu treffen. Doch dies schien beinahe unmöglich. Wie sich bald herausstellte schienen sich Manos Fähigkeiten erweitert zu haben. So konnte sie nun nicht mehr nur Träume von normalen Menschen besuchen, sondern auch ganz offenbar auch Träume von Wesen aus anderen Welten betreten. In der Welt aus der Serafin kam schienen Kräfte wie die Ihrigen vollkommen normal zu sein. Doch bald gab es deswegen Probleme. Gedanken wurden ausgekundschaftet und bald entwickelten sich die Fähigkeiten weiter. Manche begangen Dinge, die sie im Traum gesehen hatten, zu materialisieren. Immer schwerwiegender wurden die Probleme und bald brach ein Krieg aus. Um vor den Konflikten zu fliehen erschuf Serafin das Baumhaus und zog sich in dies zurück. Das Mano trotz allem in das Haus eindringen konnte war daher alles andere als verständlich.
„He, psst, du wurdest aufgerufen.“, flüsterte Kate Mano ins Ohr. Sie saßen in der dunklen Aula der Schule und die Zeugnisse wurden verteilt. Mano war so sehr in ihre Gedanken vertieft gewesen, dass sie gar nicht zugehört hatte. Nun schritt sie langsam auf das Podium zu, nahm das zusammengerollte Zeugnis entgegen, lächelte einmal in die Kamera ihres Vaters und gesellte sich dann zum Rest des Abschlussjahrgangs, der nun rechts neben dem Podium stand, und wartete dort auf Kate.
Wie hatten sie nur so dumm sein können. Natürlich gab es keine Zukunft für sie. Er lebte in einer fernen Welt, ihre einzige Möglichkeit sich zu treffen war das Baumhaus und dort konnten sie auch nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang zusammen sein. Es war komplett wahnsinnig gewesen auf irgendwas zu hoffen. „Ich werde einen Weg finden! Ich werde dich finden! Wir werden uns treffen!“, hatte er gesagt. Schöne Worte, aber wem nutzten diese. Sie würden sich nicht wieder sehen. Es war ihr schmerzlich bewusst. Es gab keine Möglichkeit. Sanft, am Rande ihres Bewusstseins nahm Mano war, wie ihr Tränen die Wangen entlang flossen und wie Kate sie in den Arm nahm. Der Tanz, die große Feier und der ganze Abend, an dem die Schüler ihren Schulabschluss feierten und auf ihre Zukunft anstießen, wehte an Mano vorbei. Sie nahm gar nicht wirklich wahr was geschah. Es war ihr aber auch egal. Eine Gleichgültigkeit hatte von ihr besitzt ergriffen. Dann würden sie sich nicht wieder sehen. Es war nicht so, dass sie jemals auf eine Zukunft mit ihm hatte hoffen können. An diesem einen Abend, damals, als er so lange davon gesprochen hatte, hatte sie kurz daran geglaubt, dass es eine Möglichkeit für sie beide gäbe. Damals…
Es war ein wunderbarer Tag gewesen oder vielmehr eine wunderschöne Nacht. Sie war im Baumhaus aufgewacht und dort saß er auf dem Sofa, über ein altes Buch gebeugt und war so vollkommen vertieft gewesen, dass er sie gar nicht bemerkt hatte. Einen Moment hatte sie ihn beobachtet, wie er dort saß und plötzlich so vollkommen gewirkt hatte. Dann hatte sie sich an ihn heran geschlichen, ihn von hinten umarmt und sanft geküsst. Den Rest des Abends hatten sie zusammen auf dem Sofa gesessen und er hatte ihr aus dem alten Roman vorgelesen. Schließlich hatte er irgendwann eine Pause eingelegt und sie an sich gezogen. Einen Moment saßen sie so da und sie spürte seine warme Haut. Sein sanfter Duft drang in sie ein. Sie schloss die Augen. Dann hörte sie seine leise Stimme an ihrem Ohr: „Denkst du nicht auch, es wäre leichter, wenn wir beide in der gleichen Welt leben würden? Wenn wir einfach beisammen sein könnten? Immer.“
„Das wäre schön.“, flüsterte Mano entspannt.
„Ich glaub ich habe eine Möglichkeit gefunden. Es gibt einen Hoffnungsschimmer. Ich habe gehört, dass es eine Frau geben soll, die Wünsche erfüllt. Sie wird uns helfen können. Ganz sicher!“
„Denkst du wirklich, dass das geht?“, fragte Mano und drehte sich rasch um. Sie starrte ihn gespannt an. Seine dunklen Augen funkelten.
„Ja, ich bin mir sicher. Es geht ja nur darum einen Weg zu finden. Es wird klappen.“
„Ich weiß ja nicht…“, flüsterte Mano und rückte ein wenig von ihm weg. Dann fing sie an betreten das Sofa anzustarren.
„Willst du es etwa nicht?“, fragte er aufbrausend und ergriff ihre Hand, mit der sie sich auf dem Sofa abgestützt hatte.
„Natürlich will ich. Ich möchte eine Zukunft mit dir. Ich möchte bei dir sein, aber es geht nicht.“, flüsterte sie heiser und mit bebender Stimme.
„Ich werde einen Weg finden! Ich werde dich finden! Wir werden uns treffen!“, rief er und zog sie an sich heran und dann plötzlich schreckte sie hoch. Um sie das dunkle Zimmer. Ja, sie wollte diese Zukunft. Sie wäre für immer bei ihm geblieben. Stattdessen würde sie nun in ein kleines Apartment in eine anonyme Stadt ziehen. Alleine.


Episode 3: Wünsche

In Deinen Augen nur
Kann ich mich sehn
In Deinem Herzen
Kann ich mich verstehn,
In Deinen Händen erst
Kann ich mich spürn,
In Deiner Seele
Will ich Dich berührn
Samsas Traum- K.haos Prinz und Wind Prinzessin

Serafin stand vor dem abgelegenen Haus. Es war in einer Höhle verborgen. „Wie clever.“, dachte er. Wie sollte bloß irgendwer auf die Idee kommen, dass diese mysteriöse Frau hier verborgen wohnte. Ihre Kundschaft musste schon lange ausbleiben. Er war unterwegs zu einer sogenannten Hexe. Ihre Fähigkeiten sollten besonders stark ausgeprägt sein. Er hatte einmal eine Erzählung über sie gelesene und sich danach auf die Suche begeben. Wenn jemand ihm helfen konnte, dann sie. Er hatte viele Menschen fragen müssen und schließlich war er über einen alten Mann gestolpert und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der Alte hatte auf dem Boden mitten in einer der letzten großen Städte gelegen. Serafin hatte ihn übersehen und war einfach über ihn gefallen. Er hatte sich lange entschuldigt, dem Alten etwas zu Essen spendiert und war darüber mit ihm in ein Gespräch gekommen. Der Mann hatte noch den Anfang des Krieges erlebt und wusste daher wohin sich die Hexe zurückgezogen hatte. Serafin war sofort aufgebrochen und hatte nun besagte Höhle entdeckt. Und tatsächlich stand dort ein kleines, altes Holzhaus drin.
Vorsichtig klopfte er an die Tür. Innen hörte er Schritte und dann öffnete eine Frau die Tür. Sie musste circa 30 sein. Ihr dunkles, fast schwarzes Haar bedeckte ihren Rücken. „Ich würde gerne mit der Besitzerin dieses Hauses sprechen.“, sagte er unsicher.
„Bitte, sie steht vor Ihnen.“, antwortete sie mit einem Lächeln.
„Ähm… dann hab ich mich sicher geirrt.“, meinte er und wollte sich schon zum Gehen wenden, als sie freudig lächelnd sagte: „Sie haben sicherlich einen Wusch und den kann ich Ihnen erfüllen. Also kommen Sie und treten Sie herein.“
Unsicher folgte er ihr ins Innere des Hauses. Die Wände waren hell gestrichen und durch die Fenster schien Tageslicht hineinzufallen, obwohl es in der Höhle doch dunkel war. Vor einem kleinen Kamin setzte sie sich auf einen geblümten Sessel und blickte ihn erwartungsvoll an. Er rührte sich nicht und blickte sie nur verdutzt an.
„Ich kann schon verstehen, dass Sie verwundert sind. Aber ganz ehrlich, denken Sie, dass jemand mit meinen Fähigkeiten das Altern einfach erträgt? Ich glaub wohl kaum. Los setzen Sie sich, trinken Sie eine Tasse Tee und schildern Sie mir ihr Problem.“
Er setzte sich auf einen zweiten geblümten Sessel, dessen Muster sich bösartig mit der ebenfalls geblümten Tapete biss. Neben ihm lag auf einem kleinen Tisch ein kleines Körbchen mit Wolle und Strickzeug.
„Was beschäftigt Sie?“, fragte die Frau und blickte ihn durchdringend an. Ihre grünen Augen schienen sich direkt in sein Inneres zu graben und dort nach einer Antwort zu wühlen.
„Ich habe eine Bitte und ich habe die Hoffnung, dass Sie mir diese gewähren würden.“, formulierte er vorsichtig.
„Wahrscheinlich kann ich Ihnen helfen, doch meine Hilfe kann ich Ihnen nur gewähren, wenn Sie mir eine entsprechende Gabe geben.“
„Was für eine Gabe?“, fragte er verwundert.
„Der Preis kann unterschiedlich ausfallen. Es kommt immer darauf an, wie groß Ihr Wunsch ist. Je größer, desto größer die Gabe. Bitte denken Sie nicht von mir, dass ich habgierig sei. Es ist nur so, dass meine Kräfte auch beschränkt sind. Die jeweilige Gabe wird mit meiner Magie vermischt und kann somit Ihren Wunsch erfüllen. Also, wie kann ich Ihnen helfen?“
Serafin atmete einmal tief durch dann sagte er: „Es gibt ein Mädchen, welches ich unbedingt treffen möchte. Nur stammt sie nicht aus diesem Land und ich befürchte, dass sie noch nicht einmal aus dieser Welt stammt. Ich weiß nicht wo sie lebt und ich kann sie nicht alleine erreichen. Bitte können Sie sie für mich finden und mich zu ihr bringen?“
Eine Pause folgte. Die Frau blickte ihn weiter durchdringend an. „Es wird schwierig und der Preis wird sehr hoch sein.“, brach sie schließlich hervor.
„Der Preis ist mir egal. Solange ich bei ihr sein kann ist das nicht von Bedeutung.“
„Sag so etwas nicht Jüngling! Es könnte dich dein Leben kosten oder noch mehr. Dann bringt dich keine Magie der Welt mehr zu ihr!“, fuhr sie ihn an und sprang plötzlich auf. Er zuckte zusammen und starrte sie an.
„Wirf nicht so leichtfältig dein Leben weg. Warte ab, wie hoch der Preis sein wird und entscheide dann ob du gehen möchtest.“, sagte sie nun sanft und ging zu einer kleinen Kommode, die unter einem der Fenster stand. Aus dieser holte sie eine kleine Schatulle hervor, mit welcher sie zurück zum Sessel ging, sich dort setzte und die kleine Kiste dann öffnete. Nacheinander zog sie mehrere kleine Gegenstände hervor. Zunächst nahm sie eine kleine Glaskugel heraus, welche sie Serafin reichte und ihn anwies die Kugel in beide Hände zu nehmen. Anschließend zog sie einen kleinen Beutel hervor, aus welchem sie eine lange goldene Kette zog, an welcher ein weißlich- goldener Kristall hing und matt leuchtete. Sie legte die Kette an und plötzlich durchzog ihr schwarzes Haar einige graue Strähnen und auf ihrem Gesicht tauchten einige Falten auf. „Leider bricht diese Kette langsam um sie herum bestehende Zauber.“, erklärte die Frau, die nun aussah, als sei sie mindestens 50. Serafin wusste genau, dass diese Frau schon mindestens 100 Jahre alt sein müsste.
„Wie heißen Sie?“, fragte die Frau ruhig und schloss ihre Augen.
„Serafin.“, sagte er.
„Serafin, schließ deine Augen. Denk an das Mädchen. Denk an sie mit aller Kraft.“
Er tat wie geheißen.
„Sie lebt sehr, sehr weit weg. Der Preis wird sehr hoch sein. Zunächst einmal musst du in ihre Welt. Dann möchtest du auch noch dort sie treffen, was den Preis noch erhöht. Abschließend sprichst du nicht ihre Sprache. Wenn du sie bisher in einem magischen Raum getroffen hast, so hat die Magie für euch als Übersetzer fungiert, doch wenn du bei ihr bist, so wirst du sie nicht verstehen können. Du wirst mir wichtige Dinge geben müssen und selbst dann bedeutet es nicht, dass du tatsächlich mit ihr zusammen leben wirst können.“
„Solange ich in ihrer Nähe sein kann ist mir alles egal.“, sagt Serafin mit Nachdruck.
„Für die Reise in die andere Welt musst du die Fähigkeit zu Träumen aufgeben. Somit verlierst du die Gabe der Magie und damit die Möglichkeit sie in einem magischen Raum treffen zu können.“
„Wenn ich bei ihr bin brauch ich sie nicht mehr dort zu treffen. Dann kann ich sie immer sehen, wenn ich meine Augen öffne.“, antwortete er.
„Denk nicht, dass es so leicht sein wird. Aber es ist nun einmal deine Entscheidung. Das zweite was du bezahlen musst um in den Ort, in dem sie lebt, zu kommen ist ein Teil deiner Erinnerung. Du wirst sie nicht an ihrem Äußeren erkennen können.“
„Wie soll ich sie dann finden?“, fragte er verwundert.
„Sei nicht albern, ich dachte sie würde so viel für dich bedeuten. Zudem hast du sie bisher noch nie wirklich gesehen, sondern immer nur ein Abbild ihrer Person. Zusätzlich wirst du sie, wenn du sie wirklich liebst, erkennen. Es gibt keinen größeren Zauber als der Augenblick, indem man das erste Mal in die Augen der Person blickt, die man von ganzem Herzen liebt.“
„Dann werde ich sie erkennen!“, sagte er entschieden.
„Schließlich wirst du mir noch etwas geben müssen um ihre Sprache zu sprechen. Du musst mir das einzige Wort geben, welches du bisher in ihrer Sprache kennst: ihren Namen.“
„Das ist kein großes Hindernis, ich werde sie auch so finden.“, unterbrach er die Hexe.
„Bist du bereit all dies zu bezahlen? Auch wenn du weißt, dass du in einer fremden Welt landen wirst, vollkommen auf dich alleine gestellt, ohne die Möglichkeit Magie zu gebrauchen und in der Gewissheit, dass du weder wissen wirst wie sie aussieht, noch wie sie heißt?“
„Ja! Ich bin bereit all dies zu bezahlen, wenn ich dann nur bei ihr sein kann.“
„Dann sei es so!“, rief die Hexe und plötzlich erstrahlte ein helles Licht, welches durch Serafins immer noch geschlossene Augenlider drang. Das Licht schien in ihn einzudringen und ihn von innen zu erwärmen. Die Wärme stieg weiter an, bis er das Gefühl hatte zu schmelzen, dann hörte er ein lautes Rauschen. Er wollte die Augen öffnen, konnte aber nicht, und hatte nun das Gefühl, dass etwas Nasses und Kaltes ihn umgab. Plötzlich war alles still. Kein Ton drang mehr an seine Ohren und dann, so überraschend, wie die Stille gekommen war, drang plötzlich Lärm an seine Ohren. Die Geräusche wirkten unnatürlich und künstlich. Das heize Gefühl in ihm verschwand und er konnte seine Augen wieder öffnen. Er lag auf einem rauen, feuchten Untergrund. Um ihn herum erstreckten sich gewaltige Bauten, die bis in den Himmel zu reichen schienen. Der Himmel über ihm war schwarz und doch war es nicht dunkel. Ein sonderbares Licht ging von den Bauten aus. Vorsichtig richtete er sich auf und blickte sich um.
Er konnte auf eine breite Straße blicken, die mit dem gleichen dunklen Material bedeckt war, wie der kleine Weg, auf dem er gerade saß. Auf der Straße eilten einige Personen schnell vorbei und sonderbare, glänzende Gegenstände bewegten sich hinter den Menschen über die Straße. Er stand vorsichtig auf. Seine Beine fühlten sich betäubt an, als hätte er sie für lange Zeit nicht benutzt. Zudem fühlte er sich entkräftet und hungrig. Wie lange hatte er wohl schon dort gelegen?
Vorsichtig tastete sich Serafin an einer Wand entlang und lief auf die breite Straße zu. Die Menschen eilten an ihm vorbei und achteten nicht auf ihn. Er wandte sich nach rechts und ging langsam weiter, wobei er sich an der steinerne Wand abstütze. Bald stieß er auf eine sonderbare, glatte, spiegelnde Oberfläche, in welcher er sich kurz musterte. Sein Gesicht wirkte ausgemergelt, ein kurzer Bart bedeckte sein Gesicht und die Kleidung, die er trug, sah befremdlich und schmutzig aus. Noch ein wenig weiter ging er die Straße entlang und sank dabei immer weiter an der Wand hinab, bis er schließlich auf dem Boden aufkam. Dort saß er einen Moment, bis plötzlich einer der Passanten stehen blieb und ihn ansprach. „Ist alles in Ordnung? Kann ich Ihnen helfen?“, fragte eine Stimme. Serafin blickte mit verschwommenem Blick die Person an. Dann brach er zusammen.


Episode 4: Verstand und Gefühl

Ich sehe dich am Morgen
Wenn du die Straße runtergehst
Ich sehe dich am Abend
In Gedanken bin ich bei dir wenn du schläfst
Noel Pix- Der Weg zu dir

„Vielleicht werde ich langsam verrückt.“, dachte Mano und blickte sich noch einmal um. Sie war sich für einen Moment sicher gewesen, dass gerade Serafin genau an ihr vorbei gegangen war. Nun, wo sie die Straße hinunterblickte und nur eine riesige Menschenmasse sah, die sich gelangweilt die Straße hinunterbewegte, war sie sich sicher, es sich nur eingebildet zu haben. Wie sollte dies auch passieren können? Er war unendlich weit fort. Und doch hatte sie des Öfteren das Gefühl ihn zu sehen. Letztens hatte sie im Supermarkt zwei junge Männer gesehen, von denen einer Serafin so ähnlich sah, dass sie sich umgedreht hatte und den beiden gerade folgen wollte, als sie feststellte, dass die beiden plötzlich zwischen den hohen Regalreihen verschwunden waren. Sie musste damit aufhören, dass wusste sie. Sie konnte nicht ihr Leben daran verschwende, wie in einem kitschigen Märchen auf den Traumprinzen zu warten, der sie schließlich aus ihrem Turm erretten würde. Sie müsste eigenständig hinaus kommen. „Schluss! Das hast du dir nur eingebildet.“, sagte sie sich und ging weiter.
Mano lebte nun seit knapp einem Monat in ihrer neuen Wohnung. Die Uni hatte vor drei Wochen begonnen und nun war sie auf dem Weg um zwei ihrer Kommilitoninnen zu treffen, mit welchen sie zusammen an ihrem ersten Projekt arbeiten würde. Emily, Jane und sie waren per Zufall in eine Gruppe gesteckt worden und verbrachten nun zusammen die Zeit in diversen Seminaren zusammen. Zum Glück hatte sich herausgestellt, dass die Drei perfekt zusammen arbeiten konnten und sich bestens verstanden. Somit war das Leben in der neuen Stadt angenehm. Die Drei entdeckten jede Woche einen neuen Ort, den sie aufsuchen konnten, und verbrachten nun nicht mehr nur die Zeit in der Uni zusammen, sondern auch ihre Freizeit. Heute trafen sie sich vor einem großen Einkauf um dort einige Dinge für ihr Projekt zu kaufen. Emily war bereits da. Sie stach mit ihren schwarzen, extrem langen Haaren und ihrer fast weißen Haut aus der Menge heraus. Als sie Mano entdeckte eilte sie auf sie zu und begrüßte sie freudig. „Jane lässt dich grüßen. Sie sagt, sie kommt später nach und wir sollen schon alleine vorgehen. Ihr Freund hat irgendein Problem und das musste sie jetzt dringend lösen.“, erklärte sie.
„Ihr Freund war doch dieser abgedrehte Literaturstudent, oder?“, fragte Mano und versuchte sich an ihn zu erinnern.
„Jaja, genau der. Naja, machen wir uns eben einen schönen Tag zu zweit.“, sagte Emily und betrat das Kaufhaus.
Nach knapp zwei Stunden hatten sie so gut wie alle Gegenstände für ihr Projekt zusammen und suchten nun, mit Einkaufstaschen beladen, ein Café, in welchem sie sich ausruhen konnten. Heiter schwatzen sie über diverse Themen. Mano erzählte gerade von einer Ausstellung, die sie gemeinsam besuchen könnten, als Emilys Handy klingelte. Es folgte ein kurzes Gespräch, dann legte sie auf und teilte Mano mit, dass Jane nun doch noch kommen würde. Und schon einige Minuten später wuselte Jane in das Café und ließ sich mit einem gestressten Gesichtsausdruck auf den letzten freien Stuhl fallen, der noch nicht mit Einkaufstaschen beladen war.
„Ratet einmal, was William dieses Mal getan hat.“, forderte Jane die beiden Anderen auf und strich sich dabei genervt ein paar Strähnen ihres braunen, mit pinken Strähnen durchzogenen Haars, aus dem Gesicht. Emily und Mano blickten sie nur stumm an.
„Er hat so einen Kerl auf der Straße gefunden und das wohl schon vor knapp einem Monat. Unfassbar, dass er mir das erst jetzt erzählt! Ach und nicht nur, dass er da so einen Kerl findet, ins Krankenhaus bringt und ihn da auf seine Kosten behandeln lässt, nein, er lässt ihn auch noch bei sich wohnen und das jetzt schon für EINEN Monat und erst jetzt sagt er etwas darüber und das auch nur weil er meine Hilfe braucht. ‚Dein Vater hat doch den großen Einfluss, ne‘.“, murrte sie und ahmte die tiefe Stimme ihres Freundes nach. „Ja, hat er wohl. Hab ich gesagt und er so ‚Dann kannst du mir sicher helfen, neeeee?‘, meint er und ich so: ‚Der kann nur die Uni beeinflussen, sonst gar nichts und angenommen bist du doch schon vor einer halben Ewigkeit worden und dumm bist du auch nicht, also was willst du eigentlich?‘ Ich war da schon echt sauer wegen der Sache mit dem Obdachlosen, der zwar recht gepflegt aussah, aber man weiß ja nie, was solche Leute machen. Und William starrt mich einen Moment mit seinen Kitschaugen an und sagt dann: ‚Mein Freund hier braucht einen Studienplatz, hat aber keine Unterlagen, ist aber total schlau. Du kennst doch bestimmt eine Möglichkeit ihn da irgendwie noch rein zu bekommen, eh?‘ Und dann hab ich angefangen zu schreien. Einen Monat lang hat der den doofen Penner vor mir versteckt!“, mittlerweilen schrie Jane und unterhielt damit das komplette Café. Die wenigen anderen Besucher starrten Jane an und fingen an zu murmeln.
„Und was ist dann passiert?“, fragte Mano im beruhigenden Ton.
„Dann hat dieser Clown mich mit dem Penner alleine gelassen um mit ihm zu reden und der hat mir so ne herzzerreißende Geschichte erzählt. Irgendwas davon, dass er hier hin gekommen sei und dann sei er überfallen worden und hätte nun Probleme sich zurecht zu finden und seine ganzen Unterlagen, die er dabei gehabt hätte, die sein jetzt weg und da wo er herkommt, kann er Niemanden erreichen, weil das so ein Piss- Kaff ist, in dem die Momentan irgendwelche Probleme haben. Naja, zumindest hat sich herausgestellt, dass der Kerl wohl ganz in Ordnung ist. Ich hab dann gerade noch ein bisschen herumtelefoniert und jetzt darf er den Aufnahmetest nachträglich mit all den Nachrückern machen und kann dann noch angenommen werden.“
Jetzt wo Jane geendet hatte lehnte sie sich an und blickte sich ruhig im Café um. Wer Jane zum ersten Mal traf würde niemals auf die Idee kommen, dass sie die Tochter des Dekans sei und zu einer der angesehensten Familien der Stadt gehörte. Ihr unkonventionelles Aussehen, ihre laute Art und ihre Sprechweise sorgten dafür, dass sich viele Leute ihr nicht zu nähern wagten. Wer sie jedoch kennen lernte, der bemerkte schnell, dass sie durchaus nett und liebenswürdig war.
„Wieso hat William diesen Kerl überhaupt aufgenommen?“, fragte Emily vorsichtig.
„Weil er nun einmal so ist. Früher hat er streunende Hunde, Katzen und Igel aufgenommen und jetzt nun einmal so einen Kerl. Ich mein, der scheint echt vernünftig zu sein, aber man kann doch nicht einfach so einen Kerl mitnehmen…“, sie seufzte tief und legte dann ihren Kopf auf den Tisch.
„Der sollte häufiger seinen Verstand benutzen.“, murmelte sie leise.
„Er handelt nun einmal nach seinem Gefühl.“, sagte Mano.
„Scheint wohl so…“, flüsterte Jane nur.


Episode 5: So richtig kitschige Zufälle

And that time you shook my hand it felt so nice
I swear I’ve never felt this way about any other guy
and I never usually notice people’s eyes but…
Kate Nash- We get on

Es war ein Freitagabend. Statt auszugehen lag Mano in ihrem Bett und schlief. In ihrem Traum wanderte sie durch eine Höhle und stand plötzlich vor einem kleinen, alten Holzhaus, welches sie irgendwie an das Lebkuchenhaus aus Hänsel und Gretel erinnerte. Plötzlich ging die Tür auf und eine alte Frau mit grauen Haaren trat heraus. „Komm nur herein. Wenn du schon in meinen Traum eingedrungen bist, dann muss das einen Sinn haben.“, sagte die Alte und hielt Mano die Tür auf. Mit vorsichtigen Schritten trat Mano ein. „Es gibt einen Grund warum du hier bist. Du hast einen Wunsch und ich werde ihn dir erfüllen.“, sagte die Alte und geleitete Mano in ein kleines Zimmer, in welchem an einem Kamin zwei geblümte Sessel standen. Die beiden setzten sich und die Frau begann Mano zu mustern.
„Du hast ungewöhnliche Augen.“, sagte sie schließlich und starrte in Manos golden Augen. „Was auch immer du dir wünscht, mit diesen Augen wirst du es wohl bezahlen können.“
„Ähm… danke… aber ich weiß nicht ob Sie mir helfen können.“, sagte Mano zögernd.
„Ich bin mir sicher, dass ich dir helfen kann, also, was ist dein Wunsch?“
„Ich möchte den Mann, den ich Liebe, wiedersehn.“
„Das wird leicht, aber es ist an eine Gabe gebunden.“
„Ich habe hier nichts, das ich Ihnen geben könnte.“, antwortete Mano.
„Oh doch, dass hast du. Aber es wird nicht ganz preiswert.“
„Ich werde den Preis zahlen.“
„Junge Liebe ist so etwas Schönes und sehr profitabel.“, sagte die Alte leicht krächzend und erinnerte Mano immer stärker an eine Hexe aus einem Märchen.
„Ein Teil ist schon bezahl worden, daher ist der Preis nicht mehr so hoch, aber dennoch ist es Einiges, dass du entbehren musst.“
„Wer hat den anderen Teil bezahlt?“, unterbrach Mano die Alte.
„Das darf ich dir nicht verraten. Also, damit er zu dir kommt musst du mir zwei Versprechen und zwei Dinge geben. Zum einen wirst du mir deine Farbe und die Länge deiner Haare geben.“
„Meine Farbe?“
„Ja, deine Farbe. Deine Haar- und Augenfarbe. Zudem, und das ist Teil deines Versprechens, werden deine Haare nie mehr länger als bis zu deinen Schultern reichen dürfen.“
„Wozu soll das dienen?“, fragte Mano verwundert.
„Irgendwann wirst du das erfahren, aber nicht jetzt. Und schließlich musst du mir schwören, dass du ihm, wenn du ihn triffst, nicht sagst wer du bist. Wenn er dich erkennt, wenn er weiß, wer du bist, dann darfst du ihm alles gestehen. Aber bevor er dich nicht mit seinem Herzen erkennt wirst du ihm nichts sagen.“
„Er wird mich erkennen.“, sagte Mano und sprang auf.
„Natürlich wird er das mein Liebchen. Natürlich wird er das.“, sagte die Alte und lächelte Mano an. Dann wurde es plötzlich dunkel um Mano und sie erwachte.
Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es kurz vor zwei Uhr war. Sie gähnte und fiel dann in einen unruhigen Schlaf.
Also sie am nächsten Morgen erwachte und in den Spiegel sah erschrak sie für einen Moment. Sie rieb sich die Augen, blickte noch einmal in den Spiegel, betastete ihre Haare und begann dann panisch in der Wohnung auf und ab zu schreiten. Ihre Haut sah plötzlich weißlich aus. Ihr Haar war kurz und nicht mehr hellblond, sondern weiß. Und dann waren da noch ihre Augen. Ihre vorher goldfarbenen Augen waren nun schwarz. Sie erkannte sich kaum noch wieder, wie sollte da irgendwer Anderes sie erkennen? Ihr Telefon klingelte. Am Apparat war Jane.
„He, alles in Ordnung? Du klingst so komisch?“, sagte sie.
„Naja, gestern Abend ist noch einiges passiert…“, meinte Mano und durchwühlte ihren Kopf angestrengt nach einer passenden Erklärung.
„Na los, erzähl. Hast du doch noch einen Kerl abgeschleppt? Warst du noch draußen?“, fragte Jane interessiert.
„Nein. Ich war gestern noch beim Friseur und als ich dann zu Hause war hatte ich einen bösen Unfall. Keine Ahnung was genau passiert ist, auf jeden Fall wurde dieses Augenfärbedings beschädigt und jetzt hab ich gruselige schwarze Augen. Ich war gestern Abend noch im Krankenhaus und der Arzt meint, dass alles in Ordnung sei, dass meine Augenfarbe nun jedoch auf immer verschwunden sei. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir meine Haare nicht auch noch vorher bleichen lass.“ Würde Jane ihr diese Erklärung abkaufen?
„Na, dann hab ich genau das richtige um dich abzulenken. William veranstaltet für den Neuen eine Party. Der Typ hat doch echt noch einen freien Platz bekommen und hat sogar so gut abgeschnitten, dass Niemand wirklich Probleme wegen seinen Zeugnissen gemacht hat. Jetzt hat William noch einen neuen Literaturstudenten auf seiner Seite und ach yeah, der Kerl wohnt jetzt auch noch bei ihm.“ Es war klar gewesen, dass Jane Mano damit aufmuntern wollte. Feiern war für sie die Lösung für alle Probleme.
„Wir sehen uns dann heute Abend bei Will, okay?“, sagte Jane. Mano versprach zu kommen und legte auf.

„Die Haarfarbe lässt dich blasser aussehen, aber es sieht gut aus.“, kommentierte Emily Manos Frisörbesuch und Unfallgeschichte, als diese Mano abholte um mit ihr zu Williams Wohnung zu fahren. William war ein Sohn reicher Eltern und wohnte in einer riesigen Wohnung, welche aus einem riesigen Wohn- und Kochraum, einem riesigen Schlafzimmer, zwei Gästezimmern und zwei Bädern bestand. Er war schon seit zwei Jahren mit Jane zusammen und ein Jahr älter als sie. Zusammen mit ihrem großen Bruder hatte er eine Privatschule für Jungen besucht und irgendwann zufällig Jane kennengelernt. Er war, ebenso wie Jane, in dieser Stadt geboren und hatte sich geweigert aus ihr weg zu gehen.
„Ich bin echt auf den Neuen gespannt.“, plauderte Emily drauf los. Mano freute sich über diesen Themenwechsel, der sie nun nicht mehr vor eine Erklärungsnot stellte. Ihr war vollkommen bewusst, dass Jane und Emily nur auf ihre Lüge hereingefallen waren, weil sie Mano noch nicht besonders gut kannten. Kate würde sie wahrscheinlich sofort durchschauen.
Schon auf der Straße konnten Mano und Emily den Lärm aus Williams Wohnung hören. Einige seiner Gäste standen auf seinem großen Balkon, die Türen weit geöffnet, und ließen die Musik auf die Straße fluten. Die beiden betraten den großen Wohnraum und schoben sich durch die große Menschenmasse auf Jane zu. „Habt ihr ihn schon gesehen?“, fragte sie aufgeregt.
„Noch nicht.“, antwortete Mano und blickte sich in dem Raum um. Sie hätte beim besten Willen nicht sagen können, ob irgendwer der hier Anwesenden neu war. Sie kannte kaum jemanden auf dieser Party.
„Dann lass uns mal Will suchen. Der ist schon die ganze Zeit mit dem neuen Unterwegs.“, meinte Jane und wirkte dabei fast ein bisschen eifersüchtig.
Gemeinsam quetschten sie sich an Williams Freunden vorbei und fanden ihn endlich an der Bar stehend. „Hallo ihr drei holden Feen. Hier ist der Neue.“, sagte William und klopfte einem jungen Mann, mit zerzausten braunen Haaren, auf den Rücken, der neben ihm an der Bar stand und scheinbar gerade damit beschäftigt war Getränke zu mixen. Er drehte sich um und reichte Mano die Hand. Sie stand erstarrt da. Das konnte nicht sein. Es konnte nicht sein! Das war nicht möglich. „Serafin.“, flüsterte sie.
„Mein Name ist Serafin. Deinen habe ich gerade nicht verstanden.“, schrie er über den Lärmen und die Musik hinweg. Einen Moment lang starrte Mano ihn weiter an. Sie blickte ihm direkt in die Augen. Ihr Herz raste und für einen Augenblick schien die Welt still zu stehen. Dann ließ er ihre Hand los und wandte sich an Emily. Er hatte sie nicht erkannt. Sie hatten sich direkt in die Augen gesehen und er hatte sie ignoriert. Sie drehte sich um und verschwandt ins Badezimmer.


Episode 6: Déjà-vu

Seeing things that I know can’t be
Am I dreaming
When I saw you walkin‘ past me
almost called your name
got a better glimpse
and then I looked away
it’s like I’m losing it
Beyonce- Déjà-vu

Jane und Emily klopften immer wieder gegen die Badezimmertür. „Was ist los Mano? Alles in Ordnung? Komm raus, bitte.“, sagten sie immer wieder. Nach knapp einer Stunde kam Mano schließlich aus dem Badezimmer und fragte Emily, ob sie sie nach Hause bringen könnte. „Ich glaub der Unfall hatte doch größere Auswirkungen auf mich.“, sagte sie. Wieder eine Lüge mehr, aber darauf kam es jetzt ja nicht an.
Bei Mano angekommen brachte Emily sie herein und kochte einen Tee. „Meine Großmutter sagt immer ‚Tee hilft gegen alles‘.“, meinte sie und machte sich in der Küche zu schaffen. Mano legte sich auf das kleine Sofa, welches in dem winzigen Wohnraum/ Küche stand. „Was ist gestern Abend eigentlich genau passiert?“, fragte Emily noch einmal. „Ich wollte… ähm…“, stotterte Mano nur und starrte dann weiter geradeaus die gegenüberliegende Wand an. Ihre Augen waren gerötet. „Du bist gerade gar nicht ins Bad gegangen wegen dem Unfall, stimmt‘s?“, fragte Emily. Erwischt. Was soll’s. „Hm.“, machte Mano nur. „Okay, du willst es mir nicht verraten. Hm.. mal schauen. Du vermisst deine Freunde und das ist dir klar geworden, als du Williams Freunde gesehen hast?“, fragte Emily vorsichtig. Mano wandte ihren Kopf und starrte sie an. Ihr Blick flackerte leicht. „Das ist es wohl nicht? Denkst du, dass du die Nacht alleine hier verbringen kannst, oder soll ich hier bleiben?“ Mano wandte ihren Kopf zurück. „Also eher nicht? Ich fahr dann nach Hause und lass dich allein, okay? Morgen geht es dir sicherlich besser.“ Im Vorbeigehen berührte Emily leicht Manos Arm und verließ dann die Wohnung.
Wie hatte er sie nur nicht erkennen können? Klar, ihre Haare waren anders, aber ihre Statur und ihre Bewegungen waren gleich geblieben. „Argggg, was ist eigentlich los mit mir?! Es war dunkel, das ist alles.“, rief sie sich selbst zu. Erschöpft bedeckte sie sich mit der dünnen Decke, die auf dem Sofa lag und schlief ein.

„Ich wollte fragen, ob es dir besser geht?“, fragte Jane am Telefon.
„Ja, alles bestens. Ich glaub der Unfall hatte doch größere Auswirkungen auf mich als gedacht.“
„Das hast du gestern schon gesagt, ne? He, komm rüber zu Will, wir machen alle zusammen ein großes Frühstück. Von gestern Abend sind noch Berge an Baguettes und Salat da.“
„Okay, bin gleich da.“, antwortete Mano und stand auf. Bevor sie rüberfuhr ging sie noch schnell duschen und zog sich etwas Frisches an. Ihr Rücken war bösartig verspannt. Vielleicht hätte sie nicht auf dem winzigen Sofa schlafen sollen, sondern in ihr Bett gehen sollen.

„Ach, da bist du ja wieder! Endlich wieder aus dem Bad gekommen?“, fragte William und grinste. Mano wusste warum sie ihn unsympathisch fand. Er hatte ein Talent dafür unpassende Dinge zu sagen. „Yup. Ich bin durch einen magischen Tunnel wieder in meiner Wohnung gelandet.“, antwortete sie genervt. „Okay… ähm… da vorne ist Essen. Bedien dich einfach.“, sagte er. Offensichtlich hatte ihr genervter Ton ihn überrascht.
In dem Raum waren noch eine Handvoll von Williams Freunden. Dazu Emily, Jane und – Mano stockte der Atem- Serafin. Er stand dort und plauderte ganz lässig mit Emily. „Huhu!“, rief Emily und winkte Mano herüber. Langsam durchquerte sie den Raum und merkte dabei, wie ihr Herz anfing heftig zu schlagen.
„Guten Morgen! Alles wieder in Ordnung?“, fragte Serafin.
„Ja, alles Bestens.“, brachte Mano mit Mühe hervor.
„Ich geh mir eben was zu essen holen.“, meinte Emily und ließ die beiden allein zurück.
„Ich hoffe, du bist gestern nicht vor mir geflohen…“
„Nein, nein!“, unterbrach Mano ihn. „Mir ging es nur nicht so gut und da…“
„Bist du geflohen. Schon okay. Wie hießt du noch einmal?“, fragte er.
„Mano.“
Keine Regung. Er wirkte nicht so, als würde der Name ihm irgendetwas sagen. Er blickte sie nur einfach weiter freundlich an. Zu dumm, dass dies das einzige Wort war, welches er nicht mehr kannte.
„Ein ungewöhnlicher Name.“, sagte er und lächelte.
„Wo kommst du eigentlich her?“, fragte sie.
„Ach, eine ganz kleine Stadt. Die kennt fast niemand. Ist auch recht weit entfernt.“, meinte er verlegen. Er log. Dass merkte Mano sofort. Er fasste sich verlegen ans Ohr. So reagierte er immer. Sie wusste es, schließlich kannte sie ihn schon seit Jahren.
„Achso.“, sagte sie nur. Lass ihn nicht auffliegen. Spiel mit.
„Ich weiß, dass das ein bisschen übereilt kommt, aber du wohnst doch auch hier in der Gegend, nicht? Zumindest hat Emily sowas erzählt. Würdest du mir vielleicht ein bisschen die Gegend zeigen? Ich bin nicht so der Partymensch oder der Postpartymensch.“
„Klar, warum nicht.“, antwortete Mano. Sie war sich sicher, dass wenn sie beide nur einen Moment ungestört sein könnten, dass er sie direkt wiedererkennen würde.

„Dort gibt es gutes Brot.“, sagte Mano und deutete auf ein kleines Geschäft. „Da ist ein netter kleiner Park.“ Ein Fingerzeig nach links. „Und hier gibt es super viele Bücher.“, meinte sie und blieb vor einer Buchhandlung stehen. Er strahlte sie begeistert an. Natürlich gefiel es ihm. In all den Jahren hatte er offenbar nichts anderes getan als zu lesen. „Weißt du, ich hab hier letztens ein Buch gefunden, indem ging es um Menschen, die in Träumen herumgelaufen sind. Und irgendeine der Personen konnte sogar in besonders verborgene Träume herein. Dann hat die Person aber festgestellt, dass es immer nur bei der gleichen Person funktionierte.“ Ein Frontalangriff. Irgendwie musste er darauf reagieren.
„Das klingt ja interessant. Ein Fantasyroman?“, fragte er. Nichts. Gar nichts. Wie konnte er nicht überrascht sein.
„Sowas in der Art.“, meinte Mano und starrte ihn an. Ihre Augen trafen sich. Er blickte einfach nur freundlich zu ihr hinüber. „Es war so lustig, wie die beiden Protagonisten sich zum ersten Mal trafen. Er hat sie angeschrien, dass sie doch nicht einfach in seinen Traum eindringen darf.“
Verwunderung. Einen Moment blitzte so etwas in seinen Augen auf. „Ich glaub, ich hab gerade ein Déjà-vu. Vielleicht hab ich den Roman doch gelesen.“
Klar, nur ein Déjà-vu. Idiot, du hast das doch selber erlebt.
„Wir sollten wieder zu den Anderen zurückgehen.“, sagte er noch und wand sich schon zum gehen.


Episode 7: Runde 2

Commonly connected by, well, something bigger
A phenomenon that sets off the eternal trigger
And lets the light through that usually goes around
KT Tunstall- Girl and the Ghost

Okay, er hatte sie nicht erkannt. Aber das würde sie noch ändern. Wenn sie nur genug Andeutungen machen würde, dann würde er sie sofort wiedererkennen. Sie zog das Kleid, welches sie trug, zu Recht und klingelte dann bei William. „Oh, Mano, was tust du denn hier? Kommst du jetzt extra schon hier hin um mich zu mobben oder was ist los, hm?“
„Ich würde gerne mit Serafin sprechen.“
„Ähm, okay.“, entgegnete er ihr und rief dann Serafin, der einen Moment später an der Tür erschien.
„Hallo. Guten Morgen. Was kann ich für dich tun?“, fragte er und lächelte Mano freundlich an.
„Ich wollte fragen ob du vielleicht Lust hättest ein wenig Zeit mit mir zu verbringen. Ich habe ein kleines Buchantiquariat entdeckt, das dir sicher gefallen wird.“
„Uuuuu, vorsichtig, sie schmeißt sich an dich heran!“, rief William. Nach einem bösen Blick von Mano hob er entschuldigend die Hände und verschwand dann irgendwo in der Wohnung.
„Also?“, fragte Mano vorsichtig.
„Klar, warum nicht.“, sagte er, nahm seine Jacke von der Garderobe und verließ mit ihr zusammen die Wohnung.

„Gefällt es dir hier?“, fragte sie.
„Ja, schon, aber…“ Er seufzte.
„Was, aber?“
„Hm… das ist schwer zu erklären. Da ist eine Person, die ich vermisse, seit ich hier bin.“
„Ich vermiss auch meine Freunde. Es ist schwer plötzlich von ihnen getrennt zu sein.“, meinte Mano. Dabei hätte sie am liebsten gesagt: „Ja, mich vermisst du! Aber ich stehe hier vor dir und du bemerkst es nicht!“
„Nein, bei ihr ist es etwas… anders.“, gab er verlegen zu.
„Uuuuh, eine SIE?“, sagte sie und kicherte. In ihren Gedanken stellte sie sich vor, wie sie Serafin zu schütteln begann und immer wieder rief: „Mich! Mich! Mich! Meinst du! Nur mich! Ich bin HIER!“ Dummes Schweigegebot.
„Ja, aber es ist schwierig. Es scheint fast so als wären wir nie am gemeinsamen Ort. Und wenn wir es sind, dann sind wir es doch nicht. Und wenn ich sie berühre schmerzt es, weil es nicht echt ist. Und jetzt finde ich sie nirgendwo mehr und dabei dachte ich, dass wir verbunden wären. Mehr sogar als das…“
„Ich meinte nur, mein Herz sei Eurem so verbunden,/ Dass nur ein Herz in beiden wird gefunden. / Verkettet hat zwei Busen unser Schwur:/ So wohnt in zweien eine Treue nur.“, zitierte Mano.
„Ähm.. was?“
„Das ist von Shakespeare.“
„Ach so.“, sagte er und atmete auf. Warum nur wirkte er irgendwie… erleichtert?
„Und sie ist nun in deiner Heimatstadt?“, fragte Mano.
„Nein, nein, sie wohnt hier. Deshalb bin ich auch hierher gezogen.“, sagte er und sah betreten von ihr weg. „Ich weiß, es klingt so dumm einem Mädchen hinterher zu laufen, aber ich weiß, dass es sich lohnt.“
„Weiß sie, dass du hier bist?“, fragte Mano.
„Nein, sie hat keine Ahnung. Ich wollte sie überraschen. Oder vielmehr ging alles so schnell, dass ich gar keine Zeit hatte sie zu benachrichtigen und jetzt kann ich sie nicht erreichen und finde sie nicht.“
„Wie heißt sie denn?“
Gespannter Blick von Mano und betretenes auf den Boden starren von Serafin.
„Wenn ich das wüsste…“, sagte er schließlich.
„Wie, du kennst nicht ihren Namen? Aber du weißt sicherlich zumindest wie sie aussieht.“ Wie konnte er meinen Namen vergessen?
Er schüttelte den Kopf.
„Ich wusste das alles, aber ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Ich sehe vor mir immer nur diese großen, strahlenden Augen.“
„Wurdest du bei dem Überfall angegriffen und hast dabei dein Gedächtnis verloren?“, fragte sie bestürzt.
„Eigentlich nicht, aber alle Erinnerungen an sie sind so verschwommen. Und jetzt bin ich hier gestrandet. Ich kann sie nicht finden und such sie doch. Ich hab Angst davor, dass sie genau neben mir steht und ich sie nicht erkenn. Ich dachte, dass wenn ich sie nur sehen würde, wenn ich sie einmal berühren würde, dass dann alle Erinnerungen wieder kommen würden.“, er seufzte.
„Und was ist, wenn das nicht klappt?“, fragte Mano und starrte ihn an. Sie war stehen geblieben. Jetzt blieb auch er stehen und blickte sie an.
„Es wird klappen. Ich werde einfach ihre Hand ergreifen.“, sagte er und ergriff Manos Hand. „So. Und dann werde ich ihr in die Augen sehen und alles wird ganz klar sein. Und dann weiß ich, dass sie es ist und ich werde sie niemals wieder gehen lassen.“ Er ließ ihre Hand wieder los und lächelte sie an.
„Ja, ich werde sie finden!“
Mano starrte ihn weiterhin an. Da stand sie genau vor ihm und er hielt ihr einen Vortrag darüber, dass er eben sie finden wolle und dass er sie auf jeden Fall erkennen würde. Wie dumm, dass er es aber nicht tat. Wie ausgeklügelt, dass sie nichts sagen durfte und er nicht wissen konnte, was vor sich ging.

Episode 8: Der Trommler

First kiss and the first time that I felt connected to anything
The weight of water, the way you told me to look past everything I had ever learned
The final word in the final sentence you ever uttered to me was love
Snow Patrol- Make this go on forever

Schließlich gingen sie noch in das Antiquariat und dann getrennt nach Hause. Fassungslosigkeit begleitete Mano. Wie konnte er sie nur vergessen haben? Und nicht nur das, nein, er stand auch noch vor ihr und spürte nichts. Ja, es schien die große Liebe zu sein. Ihr Verstand sagte ihr, dass sie ihn gehen lassen sollte, doch ihr Herz…
Es wurde wieder Wochenende und wieder versammelten sich alle bei William. Auch Mano war gekommen. Rasch entdeckte sie Serafin, der auf einem der Sofas saß und von einigen Mädchen umringt war. Als er sie entdeckte eilte er auf sie zu. „Gut, dass du kommst. So kann ich endlich dieser Meute entkommen.“, sagte Serafin und schob sie ein Stück weiter durch das Gedränge an einen freien Ort an der Wand.
„Na, schon erfolgreich dein Mädchen gefunden?“, fragte sie und blickte ihm dabei tief in die Augen.
„Nicht hier, nein.“, sagte er und lächelte. Offenbar hatte er ihre Bemerkung für einen Witz gehalten. Wie konnte man auch hoffen, dass gerade eine der vielen weiblichen Bekanntschaften Williams die Richtige sei.
„Deine ganze Geschichte erinnert mich an das Märchen der Trommler.“, meinte Mano schließlich nach kurzem Schweigen.
„Das kenn ich gar nicht.“
„Der Trommler ist ein Märchen der Gebrüder Grimm. Es geht darum um einen jungen Trommler, der eines Tages an einem See ein Stück Leinen findet und mit nach Hause nimmt. In der Nacht erscheint ein Mädchen bei ihm, dem das Stück gehört und welches es braucht um damit wieder nach Hause zurückkehren zu können. Der Trommler verliebt sich natürlich direkt in sie. Doch wie es die Umstände wollen wir sie von einer bösen Hexe auf einem Glasberg festgehalten. Also eilt er los, durch den Wald der Riesen, auf den Glasberg, löst dort drei Aufgaben, besiegt die Hexe, rettet das Mädchen und geht mit ihr zu seinen Eltern. Als sie vor dem Elternhaus stehen warnt sie ihn und sagt ihm dass er seine Mutter nicht auf die rechte Wange küssen darf, sonst würde er sie vergessen. Er lacht nur darüber und meint, dass er sie nie vergessen könne. Also geht er rein, küsst seine Mutter auf die rechte Wange und vergisst das Mädchen. Es vergeht einige Zeit und schließlich verloben ihn seine Eltern mit einer Anderen. Auf seiner Verlobungsfeier taucht seine Geliebte wieder auf, doch er erinnert sich nicht an sie.“
„Das ist ja ein schreckliches Märchen. Geht es denn noch gut aus?“, fragte Serafin bestürzt.
„Natürlich, es ist ein Märchen. Aber nur weil es dort gut geht heißt es nicht, dass es in der Realität auch gut gehen muss.“, entgegnete sie entschieden.
„Hm, da wäre ich mir gar nicht so sicher.“
„Okay, wie stellst du dir das ganze vor? Du kannst doch nicht einfach kreuz und quer durch die Stadt ziehen und sie suchen? Und was ist wenn deine Erinnerungen zurückkommen und sie sich plötzlich komplett verändert hat? Was ist, wenn sie plötzlich eine andere Haarfarbe hat und du deshalb einfach an ihr vorbei läufst?“, meinte Mano.
„Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich werde sie auf jeden Fall erkennen!“, sagte er nochmal entschieden.
„Und was wenn nicht? Was wäre wenn ich es wäre und du es einfach die ganze Zeit nicht bemerken würdest?“, fragte sie schließlich und starrte ihm tief in seine Augen. Irgendeine Reaktion. Irgendetwas.
„Dann würdest du es mir einfach sagen. Dann könntest du sagen: He, du erinnerst dich nicht, aber ich bin diejenige welche.“
„Und was ist, wenn ich das nicht könnte?“
„Warum solltest du so etwas nicht sagen können?“, fragte er und blickte sie verwirrt an.
„Vielleicht geht es ja einfach nicht. Vielleicht hindert mich etwas daran.“
Serafin begann zu lachen.
„Was ist so komisch?“, fragte Mano leicht gereizt.
„Es ist nur die Tatsache, dass du hier stehst und versuchst mir Gründe zu nennen, warum du das Mädchen sein könntest, dass ich suche. Dabei ist das doch komplett irrelevant, weil du nicht sie bist.“, sagte er, grinste und tätschelte ihr dann den Kopf. „Nimm es mir nicht übel. Du bist ja nett und alles, aber du bist nicht sie.“
Sie schob seinen Arm wirsch weg. „Und was ist wenn doch? Was wenn ich dich ständig schon getroffen hab? Was wenn ich alles über dich weiß. Und wenn ich…“

Ein grelles, weißes Licht- ein surrendes Geräusch- ein greller Piepton und dann nichts mehr. Einfach gar nichts. Null. Und dann wieder Konturen, wieder Formen, wieder Luft, die die Lungen füllte. Wieder ein Herzschlag, wieder ein Zucken des Organismus. Wieder Leben. Vorsichtig öffnete Mano die Augen und blickte sich um. Sie lag auf einem Bett in einem altmodisch eingerichteten Haus. Über ihr breitete sich der bunte Blumenhimmel des Bettes aus. Wo war sie. Vorsichtig richtete sie sich auf und durchquerte den Raum. Sie öffnete die Tür, trat vorsichtigen Schrittes in den Korridor und schritt langsam die knarrende Holztreppe hinunter. Unten angelangt hörte sie plötzlich eine Stimme aus einem Blumensessel am Kamin. Sie wandte sich um und entdeckte die alte Frau, der sie im Traum begegnet war. „Setz dich mein Liebchen.“, forderte die Alte sie auf.
Mano blieb stehen und fragte: „Was ist passiert?“
„Beinahe hättest du unsere Abmachung gebrochen und das hätte recht schreckliche Folgen für dich gehabt. Daher dachte ich, ich hol dich da vorher raus. Gut, dass ich dich den ganzen Abend wachsam beobachtet habe.“
„Was für Folgen? Wie haben sie mich beobachtet? Wie haben sie mich rausgeholt?“, fragte Mano.
„Die Folgen können unterschiedlich sein. Je nachdem gegen was du verstößt. Aber bei einem magischen Vertrag wie diesem wäre wahrscheinlich dein Leben in meine Hände gefallen oder du wärst gestorben. Naja, in beiden Fällen wäre dein Leben beendet gewesen. Was deine zweite Frage betrifft. Nun ja, ich habe dich mit meinen Augen beobachtet. Wie wäre es mir sonst möglich gewesen? Und drittens habe ich dich einschlafen lassen.“
Schweigen folgte auf diese Erklärung.
„Ich wäre gestorben?“, fragte Mano schließlich.
„Ja, das wäre die Konsequenz gewesen.“, sagte die Alte und blickte Mano mit einem seltsamen Blick an. War es Mitleid oder Enttäuschung?
„Er hat den anderen Teil bezahlt, nicht wahr?“, fragte Mano und blickte der Alten fest in die Augen.
„Ja, das hat er. Sein Preis war sein Gedächtnis. Oder zumindest Teile davon. Er kann sich an jeden Augenblick mit dir erinnern, nur eben nicht an dein Aussehen oder deinen Namen.“
„Er hat gar nichts bemerkt.“, sagte Mano und ließ sich auf einen der Sessel fallen.
„Es scheint beinahe so.“, meinte die Alte und blickte Mano weiterhin sonderbar an. „Ich glaube, ich sollte dich jetzt zurückschicken.“, sagte sie schließlich und im nächsten Moment wachte Mano auf.

Sie lag in einem unbekannten Schlafzimmer. Sie hörte Stimmengemurmel. Das Licht einer Straßenlaterne fiel in das Zimmer, so dass Mano einige Umrisse sehen konnte. Da standen ein kleiner dunkler Schrank, ein kleiner Tisch mit einem dazu passendem Sessel, das Bett und ein kleiner Nachtisch mit einer Lampe darauf. Neben dem Bett kniete eine Gestalt. Die Arme verschränkt auf dem Bett und darauf der Kopf. Die langen dunklen Haare bedeckten die Person halb. Es war Emily. Langsam richtete sie sich im Bett auf. Emily erwachte und blickte zu Mano.
„Du bist wieder aufgewacht.“, sagte sie freudig und schaltete dann das kleine Licht auf dem Nachtisch an.
„Was ist passiert?“, murmelte Mano.
„Du bist plötzlich eingeschlafen. Gut, dass Janes Bruder da war. Der ist ja Mediziner und kennt sich daher aus. Er meinte, dass er es noch nie erlebt hat, dass jemand einfach so eingeschlafen ist. Du musst schon ziemlich erschöpft gewesen sein.“, erklärte Emily. Mano fiel auf, dass Emily irgendwie sehr müde aussah. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen und ließen sie älter wirken.
„Möchtest du dich noch einen Moment ausruhen?“
„Nein, ich geh lieber nach Hause.“
„Dann bring ich dich aber.“, sagte Emily, stand auf und half Mano aus dem Bett.


Episode 9: Zweifel

Worte sind dafür zu schwach,
ich befürchte, du glaubst mir nicht.
Mir kommt es vor, als ob mich jemand warnt,
dieses Märchen wird nicht gut ausgehen.
Die Toten Hosen- Alles aus Liebe

„Hallo, ist Serafin da?“
„Mano, du läufst ihm echt ein bisschen zu viel hinterher. Langsam wird es peinlich.“, sagte William und starrte Mano an, die wieder einmal vor seiner Tür stand. Dann verschwandt er irgendwo in seiner Wohnung und sie wartete in seinem Korridor.
„Heeeeee, Mano, du bist es.“, rief Jane, die gerade um die Ecke wuselte und sie freudig begrüßte.
„Will ist zwar ein bisschen gemein, aber auffällig ist es ja schon. Hast du nicht am Anfang erzählt, dass du einen Freund hast?“
„Also… ähm… ja… aber da ist nichts mehr.“, sagte Mano.
„Oh, dass tut mir leid. Aber bist du sicher, dass du wirklich weiter hinter Serafin herlaufen möchtest? Er sucht doch die ganze Zeit nach diesem mysteriösen Mädchen. Da hast du eh keine Chance.“
„Vielleicht ja doch.“, meinte Mano und lief leicht rosa an.
„Dann Mal viel Glück.“, sagte Jane.
„Wofür Glück?“, fragte Serafin, der in eben diesem Moment den Korridor betrat.
„Ach, nur für ein Projekt.“, antwortete Jane und zwinkerte Mano zu.
„Wollen wir dann los?“
„Ja, lass uns gehen.“, entgegnete Mano und warf Jane einen raschen Blick zu.

Sie liefen gemeinsam durch einen Park. Die letzten Sonnenstrahlen des Herbstes erwärmten den Boden. Der Wind wurde langsam immer kälter.
„Hast du eigentlich schon irgendeinen Anhaltspunkt gefunden? Weißt du wer sie ist?“, fragte Mano. Ein masochistischer Akt.
„Leider immer noch nicht.“ Da war Bedauern in seiner Stimme. Wirklich, aufrichtiges Bedauern. Er vermisste sie. Nein, mich.
„Denkst du nicht, dass du sie vielleicht niemals finden wirst? Vielleicht suchst du aber auch an dem falschen Ort…“
„Nein, ich weiß, dass ich sie finden werde. Wirklich. Ich bin mir sicher.“
Dann solltest du mich wohl erkennen? Nicht wahr? Wieder nur gedacht und nicht ausgesprochen. Stattdessen dann: „Aber vielleicht bringt es ja nichts? Warum konzentrierst du dich nicht einfach auf jemanden anderen?“
Er blieb stehen. Sie ging noch einige Schritte weiter, drehte sich dann um und blickte ihn an.
„Du denkst wirklich, dass ich sie so einfach vergessen kann? Ich bin extra hierhergekommen und nun soll ich einfach aufgeben? Ich soll mir einfach eine Andere suchen? ‚Ach ist ja nicht so schlimm. Vergess sie einfach.‘, hat William gesagt. Aber ich kann das nicht. Ich kann nicht aufhören nach ihr zu suchen!“, brachte Serafin hervor und wurde beim Sprechen immer lauter.
„Du jagst ein Phantom! Du könntest genauso gut nach dem Wind suchen. Du wirst sie nicht finden! Du bist blind. Sie könnte genau hier stehen und du würdest es nicht bemerken!“, energisch geantwortet. Besser hätte ich sagen sollen ‚du bemerkst es nicht‘. Hab ich natürlich nicht getan. Mano begann zu zittern, ebenso Serafin, der zornig auf sie zuschritt und dann ihren Arm ergriff und sie anschrie: „Was denkst du dir eigentlich? Was glaubst du mache ich hier? Ich irre nicht einfach blindlings durch die Straßen. Ich suche an allen Orten, an denen sie sein könnte. Besuche Musen und all solchen Kram. Was meinst du, warum ich mit dir überhaupt zu solchen Orten gehe? Ich geh nicht mit dir da hin, weil es so ein nettes Date ist, sondern weil sie dort sein könnte. Weil sie Kunst liebt!“
„Du bist so ein Idiot! Kannst du dich nicht einfach in mich verlieben? Kannst du dir nicht vorstellen, dass ich das Mädchen wäre.“, sagte Mano und merkte wie sie gegen die Tränen ankämpfen musste.
„Nein, das kann ich nicht.“, entgegnete er ruhig und ließ ihren Arm los. Dann blickte er sie kalt an.
„Du bist eben nicht sie. Daher kann es zwischen uns nichts werden.“
Dann ging er und ließ sie im Park zurück.

Mano ging alleine nach Hause. In der Nacht besuchte sie wieder die Alte. Sie riss die Tür auf, stürmte in den Wohnraum und starrte die Frau an. „Warum tun Sie uns das an? Wieso können wir nicht einfach glücklich werden?“, schrie Mano, ergriff die Schultern der Frau und schüttelte sie. Mit einer Kraft, die Mano ihr nicht zugetraut hätte, schob die Alte sie fort.
„Ach, tu nicht so unschuldig. Du weißt genau, warum ihr nicht zusammen seinen könnt. Im Endeffekt solltest du mir danken, dass ich ihn beschütze.“, sagte sie ruhig.
„Beschützen?! Als würden Sie ihn vor mir schützen müssen. Sie sind einfach nur verbittert und einsam und machen sich nun einen Spaß daraus uns auseinander zu bringen.“
„Einsam bin ich ganz gewiss nicht und ich würde es niemals wagen mir einen Spaß daraus zu machen euch leiden zu sehen. Nein, ich rette ihn vor dir. Du solltest mir wirklich dankbar sein.“
„Man muss ihn nicht vor mir beschützen! Sie zerstören ihn nun innerlich.“
„Rede dir ruhig ein, dass ich die Böse bin.“, sagte die Alte.
„Ich werde einen Weg finden um ihren Fluch zu brechen.“, rief Mano und stürmte aus dem Haus und aus dem Traum.

Als hätte ich das Schicksal aufhalten können. Ich beobachtete die beiden schon so lange und doch hatte ich noch die Hoffnung sie beide retten zu können. Wie dumm von mir so etwas zu vermuten. Aber irgendwann entwickelt man solche Ideen. Ich hatte doch schon längst begriffen, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen würde und so langsam hatte auch Mano begannen zu begreifen. Zweifel stiegen in ihr auf und diese bezogen sich nicht nur auf ihre Zukunft mit Serafin, sondern auch auf ihre Vergangenheit und auf Ereignisse, die sie längst vergessen wähnte und die nun langsam wieder ans Tageslicht zurückkehrten.


Episode 10: Augenblicke

And I never wanted anything from you
Except everything you had and what was left after that too, oh
Happiness hit her like a bullet in the head
Struck from a great height by someone who should know better than that
Florence and the machine- Dog Days are over

„Whaaaa ich hab dich fast gar nicht erkannt!“, rief Kate, rannte auf Mano zu und umarmte sie dann stürmisch. Sie ließ sie wieder los und betrachtete die Haare eingehend.
„Was hast du nur gemacht? Reicht es nicht, dass du dir die Haare gefärbt hast? Musstest du sie gleich auch noch abschneiden? Und warum trägst du eigentlich farbige Kontaktlinse?“, fragte sie eilig.
„Die langen Haare mochte ich eben nicht mehr und die Augenfarbe hab ich einem Unfall zu verdanken.“, murmelte Mano.
„Du lügst.“, sagte Kate entschieden. „Vielleicht kannst du andere Menschen täuschen, aber ich kenne dich. Also, was ist passiert?“
„Das kann ich dir wirklich nicht erklären. Es tut mir leid.“, sagte Mano und blickte Kate tief in die Augen.
„Okay, wenn du einen Grund dazu hast, dann sag es mir eben nicht.“, meinte Kate und blickte sie ein wenig gekränkt an.
„Ich würde es dir wirklich gerne erklären.“, entgegnete Mano entschieden.
„Ist schon gut.“, antwortete Kate und umarmte Mano noch einmal. „Komm, lass uns das Gleis verlassen.“
Nach all den Turbulenzen und dem Streit mit Serafin hatte sie nicht mehr mit ihm gesprochen. Oder vielmehr er nicht mehr mit ihr. Deshalb hatte sie beschlossen einige Tage zu Kate zu fahren. Viel zu lange hatten sie sich nicht mehr getroffen und das durch einen Feiertag verlängerte Wochenende schien wie geschaffen dafür zu sein.
Gemeinsam durchquerten sie den Bahnhof, stiegen dann in eine Bahn und fuhren zu Kates kleiner Wohnung. Zumindest hatte sie jene als klein bezeichnet. Neben einem geräumigen Wohnraum befanden sich dort noch zwei große Schlafzimmer, eine große Küche in deren Mitte eine Kochinsel stand und ein großes Bad.
„Das ist mein Zimmer. Und dort ist das Schlafzimmer meiner Mitbewohnerin, die auch Tanz studiert.“, erklärte Kate und deutete auf die Türen.
„Das hier ist purer Luxus.“, meinte Mano und stellte ihren kleinen Koffer in Kates Schlafzimmer.
„Najaaaaa.“, sagte jene nur und setze sich auf das kleine Sofa, welches in ihrem Zimmer stand. „Vielleicht ein bisschen.“, murmelte sie dann.
Es war ein ruhiger Samstagmorgen als die beiden zur Innenstadt aufbrachen. Sie liefen von einem Geschäft zum nächsten, machten ab und zu Halt und aßen gegen Mittag in einem kleinen Restaurant. Als sie am Nachmittag wieder zurückkehrten waren sie erschöpft und durchgefroren. Langsam zog der Winter auf. Während Mano ihren dünnen Mantel ablegte und sich ins Wohnzimmer setze bereitete Kate Kaffee zu und kam dann mit ihm und einem Teller voller Plätzchen in das Zimmer.
„Meine Mutter wollte dir auch noch ein paar Plätzchen schicken. Sie sollten bald bei dir ankommen.“, meinte Kate, während Mano sich bereits auf das Gebäck gestürzt hatte.
„Ich hätte auch kein Jahr ohne ihre Kekse ausgehalten.“, sagte Mano und grinste.
„Das dachte ich mir schon. Vielleicht solltest du sie häufiger anrufen. Sie macht sich Sorgen um dich.“
„Okay, dann ruf ich sie noch häufiger an.“, meinte Mano.
„Hast du eigentlich schon wieder etwas von deinem Onkel gehört?“, fragte Kate.
„Seit ich umgezogen bin nicht mehr. Seit ich im vorletzen Oberschuljahr bei ihm ausgezogen bin hab ich eh kaum mit ihm gesprochen. Zur Abschlussfeier in der Schule ist er auch nicht gekommen. Wäre ich nicht die Tochter seiner verstorben Schwester und seine einzige Verwandte, dann hätte er ohnehin schon vor Jahren den Kontakt zu mir abgebrochen.“, meinte Mano.
„Zumindest hat er sich seit dem Tod deiner Eltern um dich gekümmert.“, entgegnete Kate.
„Ja, aber nur, weil er es als seine Pflicht angesehen hat. Und von ‚kümmern‘ kann kaum die Rede sein, denn schließlich war er fast nie zu Hause.“, gab Mano zurück.
„Naja, dafür hat meine Mutter sich ja rührend um dich gekümmert.“, sagte Kate und grinste breit.
Es stimmte. Fast ihre komplette Kindheit hatte Mano bei Kate verbracht. Dort hatte sie irgendwann auch wochenlang übernachtet. In die Familienurlaube war sie mitgefahren und zu den Familienfesten war sie ebenfalls gegangen. Kates Vater hatte manchmal Scherze darüber gemacht und gemeint, dass er zwei Töchter habe.

Viel zu schnell war der Sonntag gekommen. Den Samstagabend hatten die beiden damit zugebracht sich zu unterhalten und schließlich einen Filmmarathon gestartet. Nun war es bereits Sonntagmittag. Die beiden Freundinnen hatten gemeinsam Mittagessen zubereitet und hatten schließlich beschloss noch ein wenig in dem kleinen Park auf der gegenüberliegenden Straßenseite spazieren zu gehen. Nachdem sie ein wenig gelaufen waren kamen sie an einen kleinen Weiher, an dessen Ufer sich bereits eine dünne Eisschicht gebildet hatte. Sie blieben dort stehen und beobachteten eine Weile wie einige übriggebliebene Vögel am kalten Wasser umherliefen.
„Du möchtest mir wirklich nicht erzählen was passiert ist, richtig?“, unterbrach Kate die Stille.
„Ich würde gerne, aber ich weiß nicht wie ich es dir erklären kann ohne, dass es sich anhört als hätte ich mir die ganze Sache nur ausgedacht.“, entgegnete Mano.
„Verstehe.“, gab Kate zurück. „Hat sich eigentlich die Sache mit dem Jungen geklärt?“, fragte sie plötzlich.
„Was?“, sagte Mano entgeistert und starrte sie an.
„Also bitte. Du warst so häufig mit deinen Gedanken wo Anders. Und dann hast du auch noch zwischendurch so verträumt gelächelt.“
„War das wirklich so auffällig?“, antwortete Mano, der klar war, dass sie ihrer besten Freundin nichts vormachen konnte.
„Und wie!“, bestätigte Kate und lächelte.
Mano seufzte, dann sagte sie: „Naja, irgendwie schon. Nur hatte er einen Unfall und leidet seitdem an Gedächtnisschwund. Er weiß zwar, dass er Gefühle für jemanden hatte, aber er kann sich an Nichts erinnern.“
„Dann musst du um ihn kämpfen! So ein dummer Unfall kann euch doch nicht auseinander bringe.“, meinte Kate.
Langsam umrundeten sie den Weiher und überlegten sich dabei alle möglichen Pläne um Mano und Serafin zusammen zu bringen. Schließlich wurde es für Mano Zeit zurück zu fahren. Gemeinsam gingen sie zum Bahnhof. Seit Wochen hatte sie sich nicht mehr so leicht gefühlt. Sie war sich nun sicher, dass sie die Sache mit Serafin irgendwie klären könnte.
Zusammen gingen sie durch den Bahnhof und auf das Gleis.
„Wir sind viel zu früh hier.“, meinte Kate und deutete auf die Anzeigetafel. „Vor deinem Zug kommt noch ein Anderer an. Du hast mich nur wieder viel zu früh hierher gebracht, weil du immer befürchtest, dass du den Zug verpasst.“
„Jedes Mal, wenn du nachgeguckt hast, wann ein Zug fährt haben wir ihn verpasst.“, meinte Mano und lächelte.
„Das eine Mal haben wir den Zug bekommen.“, entgegnete Kate und tat so, als würde sie schmollen. Sie blickte sich ein wenig um, musterte die ankommenden Züge auf den anderen Gleisen und wand sich dann an Mano: „Wir dürfen nicht wieder so lange warten, bis wir uns wiedersehen.“
„Spätestens an Weihnachten sehen wir uns doch eh.“, sagte Mano.
„Ich will dich aber auch Mal besuchen. Du musst mir deine Wohnung zeigen, die Stadt in der du wohnst und vor allem mir endlich den Jungen vorstellen, der dir schon so lange den Kopf verdreht.“
„Klar!“, meinte Mano und lächelte Kate an.
Und dann plötzlich veränderte sich die Situation. Die Zeit schien anders zu vergehen. Ein Mann eilte zwischen Kate und Mano her und stieß dabei versehentlich gegen Kate. Ohne sich umzublicken lief er weiter. Er achtete nicht auf Kate, die plötzlich das Gleichgewicht verlor. Er bemerkte nicht, wie Mano versuchte ihre Hand zu ergreifen. Er sah nicht wie Kate nach hinten von der Plattform fiel und wie der kurz darauf eintreffende Zug sie mit sich riss. Von all dem bemerkte der Fremde gar nichts. Aber er hörte den gellenden Schrei des Mädchens, welches mit einem Mal auf die Knie fiel und laut zu schluchzen begann. Und dann sah er die Menschenmasse, die herandrängte.


Episode 11: Erwachen

Ach und könnte ich doch nur ein einziges Mal
die Uhren rückwärts drehen!
denn wie viel von dem
was ich heute weiß,
hätt ich lieber nie gesehn.
Wolfsheim- Kein zurück

Sie wusste nicht was dann passiert war. Sie konnte nicht erklären wie sie den Bahnsteig verlassen hatte. Wusste nicht warum sie sich plötzlich so beunruhigt fühlte. Sie sank in einen dunklen Traum. Da war nichts. Kein Licht, nur Schatten. Dunkelheit. Undurchdringlich türmte sich die Finsternis vor ihr auf und verschluckte jedes Geräusch. Sie konnte nicht sagen wie viel Zeit vergangen war oder wo sie war. Sie wusste auch nicht wer die Person war, die da neben ihr saß und sie aus geröteten Augen anstarrte.
„Charlie! Schnell hol einen Arzt! Nun mach schon, sie ist aufgewacht!“, rief eine erschöpft klingende Stimme. Eilige Schritte. Eine Tür wurde geöffnet und geschlossen.
„Mach dir keine Sorgen, alles wird wieder gut.“, flüsterte die weibliche Stimme. Einen Moment noch hielt Mano ihre Augen offen, dann schloss sie sie wieder. Wer war diese Frau und warum sah sie so beunruhigt aus? Vorsichtig öffnete Mano wieder die Augen. Um sie herum konnte sie weiße Wände erkennen. Sie schien in einem Bett zu liegen. Links neben sich sah sie den grauen Himmel durch ein Fenster. Vor dem Fenster ein Ständer mit einer Infusionsflasche. Rechts von ihr die müde Frau mittleren Alters, deren hellbraunes Haar ungepflegt aussah. Sie saß auf einem Stuhl und blickte erleichtert zu Mano hinüber, welche sie verwirrt musterte.
„Alles wird wieder gut.“, wiederholte sie.
Einen Moment dachte Mano nach und kam dann zu der Erkenntnis, dass sie in einem Krankenhauszimmer war. Kurz darauf kam ein erschöpft wirkender Mann mit einem Arzt ins Zimmer gestürmt. Der Arzt musterte Mano, fühlte ihren Puls, blickte ihr in die Augen und meinte dann: „Es scheint alles in Ordnung zu sein. Sie sollte sich aber auf jeden Fall noch ein paar Tage schonen.“
Nach dieser Einschätzung verließ er den Raum und ließ Mano mit den beiden Menschen zurück. Erst jetzt registrierte sie, dass es sich um Kates Eltern handelte. Sie kannte die beiden schon lange, aber bisher hatten sie immer recht gepflegt gewirkt. Nun sahen sie erschöpft aus, ihre Kleidung wirkte irgendwie unordentlich und ihre Haare waren strähnig.
„Möchtest du etwas trinken, mein Schatz?“, fragte Kates Mutter und reichte Mano einen kleinen Becher, indem ein Strohhalm steckte. Langsam hob Mano ihren Kopf, zu mehr fehlte ihr die Energie, und trank einen Schluck. Dann ließ sie sich zurück in die Kissen fallen.
„Was ist passiert?“, flüsterte sie dann leise.
„Du bist auf dem Bahnsteig zusammengebrochen und bist beinahe zwei Wochen nicht aufgewacht. Die Ärzte haben gesagt, dass kann bei einem Schock passieren.“, antwortete Charles, Kates Vater.
Mano spürte wie ihr warme Tränen geräuschlos die Wangen hinab liefen. Sie konnte nicht sagen warum dies passierte.
„Was für ein Schock?“, murmelte sie leise.
Kates Eltern warfen sich einen langen Blick zu. Kates Mutter schüttelte den Kopf, stand auf und verließ dann den Raum. Charles setzte sich auf den Stuhl, auf welchem bis eben noch seine Frau gesessen hatte.
„Mano kannst du dich nicht mehr an das erinnern, was auf dem Bahnsteig passiert ist?“, fragte er liebevoll. Sie wand ihren Kopf langsam nach rechts und starrte ihn an. Immer noch flossen Tränen ihre Wangen hinab.
„Nein.“, hauchte sie schließlich.
Charles ergriff ihre Hand und blickte ihr tief in die Augen. Dann flüsterte er: „Kate ist von einem Zug erfasst worden.“
Mano begann zu zittern. Sie starrte ihn mit aufgerissenen Augen an. Das konnte nicht wahr sein.
„Nein.“, hauchte sie abermals.
„Es tut mir so schrecklich leid.“, sagte er.
„Nein.“, murmelte sie nun etwas energischer.
Vorsichtig drückte er ihre Hand.
„Nein.“, sagte sie abermals.
Sie begann zu schluchzen. Ihre Tränen flossen jetzt schneller. Vorsichtig hob Kates Vater ihren Oberkörper an und umarmte sie.
„Es tut mir so leid.“, flüsterte er ihr ins Ohr. Dann hielt er sie fest, bis sie aufhörte zu zittern und zu schluchzen und in einen unruhigen Schlaf fiel.

Im Traum fand sie sich plötzlich wieder in dem kleinen Haus der alten Frau wieder. Es war nicht mehr die Dunkelheit, die sie umfing, sondern dieser Ort, der ihr langsam so verhasst war.
„Da bist du ja wieder.“, sagte die Alte und schob Mano zu einem der Sessel. Sie selbst setzte sich auf den daneben stehenden. Mano sprang direkt wieder auf und blickte die Frau wild an.
„Machen Sie, dass sie wieder lebt!“, rief sie.
„Das kann ich nicht.“, antwortete die Frau ruhig.
„Ich weiß, dass Sie das können! Ich zahle jeden Preis!“, schrie Mano und begann wieder zu zittern.
„Es geht nicht um den Preis.“, entgegnete die Frau leise.
„Machen Sie sie wieder lebendig! Machen Sie, dass sie wieder da ist. Tauschen Sie uns aus. Sie hätte nicht sterben dürfen!“, schrie Mano und stürmte auf die Alte zu. Sie ergriff ihre Schultern und begann sie zu schütteln.
Die Alte legte ihre Hände auf die Manos und sagte dann: „Es liegt nicht in meiner Macht die Toten zurück zu holen. Das kann niemand.“
Erschöpft sank Mano auf den Boden. Dann begann sie zu schluchzen und starrte die alte Frau lange an. Unter Tränen presste sie hervor: „Bitte, lassen Sie sie zurückkehren.“
„Es tut mir leid.“, sagte die Alte und ergriff liebevoll Manos Hände.
„Warum nur?“, murmelte Mano nun immer wieder und starrte auf den Boden vor sich, der sich von ihren Tränen dunkel färbte.
„Das kann ich dir nicht sagen.“, sagte die Alte und lehnte sich in ihrem Sessel zurück.
„Ich bitte Sie darum.“, antwortete Mano und blickte zu ihr auf.
„Es würde dich noch mehr verletzten, als du es ohnehin schon bist.“
„Bitte, sagen Sie es mir. Ich zahle den Preis dafür!“, flehte Mano nun eindringlicher.
„Der Preis ist das Wissen.“, sagte die Alte und seufzte.
„Bitte, lassen Sie mich zumindest wissen warum Sie starb.“, bat Mano.
„Du bist ganz sicher, dass du es wissen möchtest? Obwohl es danach kein Zurück mehr für dich geben wird?“, fragte die Alte.
Mano nickte.
Einen Moment schien die Alte noch zu überlegen. Aber da sie keine ausgesprochenen Wünsche zurückweisen durfte blieb ihr nichts anderes übrig, als den Wunsch zu erfüllen.
„Es ist wegen dir passiert.“, sagte sie schließlich nach einer kurzen Pause.
„Wegen mir?“, fragte Mano verwirrt.
„Oder eher in Folge dessen, dass sie so viel Zeit mit dir verbracht hat. Alles kostet schließlich seinen Preis.“
„Was soll das heißen?“, fragte Mano und starrte die Alte entsetzt an.
„Das soll heißen, dass ihre Lebensenergie aufgebraucht war. Oder viel mehr, dass du sie aufgebraucht hast.“
„Aber wie? Warum?“, sagte Mano perplex.
„Jede magische Kraft muss durch irgendetwas genähert werden. Für alles muss ein entsprechender Preis gezahlt werden. Erfülle ich einen Wunsch, so muss mir jemand einen Preis geben. Aber für manche Fähigkeiten nimmt der Benutzer jener einfach gewaltsam eine Gegenleistung. Es ist wie bei einem Parasit. Der Benutzer lebt so lange von seinem ‚Wirt‘, bis dieser schließlich stirbt. Da die natürliche Zeit jedoch noch nicht gekommen ist stirbt der ‚Wirt‘ eines unnatürlichen Todes.“, erklärte sie.
„Ich versteh das nicht.“, sagte Mano und blickte starr die alte Frau an.
„Wann immer du in den Traum eines anderen Menschen eindringst verbrauchst du etwas von der Lebensenergie der Person. Je häufiger du das tust, desto schneller ist die Energie der betreffenden Person aufgebraucht. Wanderst du nur selten in dem Traum einer Person, so hat das kaum Auswirkungen, aber wenn du beinahe jede Nacht den Traum einer bestimmten Person aufsuchst, so verbraucht dies unheimlich viel Energie.“
Mano begann stärker zu zittern.
„Also muss jede Person sterben, die in meiner Nähe ist? So wie Kate?“, fragte Mano und blickte mit einem entsetzten Blick die Frau an. Jene nickte.
„So wie meine Eltern?“, fragte Mano. Wieder antwortete die Frau mit einem leichten Nicken.
„Und meine Großeltern?“, fragte sie. Wieder Nicken.
„Und Serafin wird auch sterben?“, fragte Mano und zitterte nun wieder so heftig, dass die Worte nur schwer zu verstehen waren.
Die Alte bückte sich zu Mano und umarmte sie.
„Nein, er nicht. Er wurde erst geschützt durch die Welten, die ihr durchdringen musstet um euch zu sehen und nun kann er nicht mehr träumen, also kannst du auch nicht mehr in seine Träume eindringen.“
Noch einmal schluchzte Mano, dann stieß sie die Alte von sich weg, stand auf und bewegte sich rückwärts von ihr weg. Zornig funkelte sie die Frau an.
„Sie lügen!“, sagte Mano.
„Ich hab dir gesagt, dass du die Wahrheit…“ Mano unterbrach sie und sagte wieder:
„Sie lügen!“
Dann wandte sie sich um, verließ das Haus, verließ den Traum und erwachte.


2 Gedanken zu “Blog Projekte

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