„Natürlich wird er das mein Liebchen. Natürlich wird er das.“, sagte die Alte und lächelte Mano an.

Endlich kommt die 5. Episode. Die 6. ist auch schon fertig, oder zumindest so gut wie. Hui, Slow Motion [siehe letzten Artikel] geht voran.
Ab jetzt pack ich jedes Mal das Lied, aus welchem das Zitat stammt, mit auf den Blog. Teilweise passt nicht der komplette Text, sondern eben nur jenes Zitat, aber darauf kommt es ja nicht an. Nur das Zitat ist wichtig. •_•


Episode 5: So richtig kitschige Zufälle

And that time you shook my hand it felt so nice
I swear I’ve never felt this way about any other guy
and I never usually notice people’s eyes but..

Kate Nash- We get on

Es war ein Freitagabend. Statt auszugehen lag Mano in ihrem Bett und schlief. In ihrem Traum wanderte sie durch eine Höhle und stand plötzlich vor einem kleinen, alten Holzhaus, welches sie irgendwie an das Lebkuchenhaus aus Hänsel und Gretel erinnerte. Plötzlich ging die Tür auf und eine alte Frau mit grauen Haaren trat heraus. „Komm nur herein. Wenn du schon in meinen Traum eingedrungen bist, dann muss das einen Sinn haben.“, sagte die Alte und hielt Mano die Tür auf. Mit vorsichtigen Schritten trat Mano ein. „Es gibt einen Grund warum du hier bist. Du hast einen Wunsch und ich werde ihn dir erfüllen.“, sagte die Alte und geleitete Mano in ein kleines Zimmer, in welchem an einem Kamin zwei geblümte Sessel standen. Die beiden setzten sich und die Frau begann Mano zu mustern.
„Du hast ungewöhnliche Augen.“, sagte sie schließlich und starrte in Manos golden Augen. „Was auch immer du dir wünscht, mit diesen Augen wirst du es wohl bezahlen können.“
„Ähm… danke… aber ich weiß nicht ob Sie mir helfen können.“, sagte Mano zögernd.
„Ich bin mir sicher, dass ich dir helfen kann, also, was ist dein Wunsch?“
„Ich möchte den Mann, den ich Liebe, wiedersehn.“
„Das wird leicht, aber es ist an eine Gabe gebunden.“
„Ich habe hier nichts, das ich Ihnen geben könnte.“, antwortete Mano.
„Oh doch, dass hast du. Aber es wird nicht ganz preiswert.“
„Ich werde den Preis zahlen.“
„Junge Liebe ist so etwas Schönes und sehr profitabel.“, sagte die Alte leicht krächzend und erinnerte Mano immer stärker an eine Hexe aus einem Märchen.
„Ein Teil ist schon bezahl worden, daher ist der Preis nicht mehr so hoch, aber dennoch ist es Einiges, dass du entbehren musst.“
„Wer hat den anderen Teil bezahlt?“, unterbrach Mano die Alte.
„Das darf ich dir nicht verraten. Also, damit er zu dir kommt musst du mir zwei Versprechen und zwei Dinge geben. Zum einen wirst du mir deine Farbe und die Länge deiner Haare geben.“
„Meine Farbe?“
„Ja, deine Farbe. Deine Haar- und Augenfarbe. Zudem, und das ist Teil deines Versprechens, werden deine Haare nie mehr länger als bis zu deinen Schultern reichen dürfen.“
„Wozu soll das dienen?“, fragte Mano verwundert.
„Irgendwann wirst du das erfahren, aber nicht jetzt. Und schließlich musst du mir schwören, dass du ihm, wenn du ihn triffst, nicht sagst wer du bist. Wenn er dich erkennt, wenn er weiß, wer du bist, dann darfst du ihm alles gestehen. Aber bevor er dich nicht mit seinem Herzen erkennt wirst du ihm nichts sagen.“
„Er wird mich erkennen.“, sagte Mano und sprang auf.
„Natürlich wird er das mein Liebchen. Natürlich wird er das.“, sagte die Alte und lächelte Mano an. Dann wurde es plötzlich dunkel um Mano und sie erwachte.
Ein Blick auf die Uhr verriet ihr, dass es kurz vor zwei Uhr war. Sie gähnte und fiel dann in einen unruhigen Schlaf.
Also sie am nächsten Morgen erwachte und in den Spiegel sah erschrak sie für einen Moment. Sie rieb sich die Augen, blickte noch einmal in den Spiegel, betastete ihre Haare und begann dann panisch in der Wohnung auf und ab zu schreiten. Ihre Haut sah plötzlich weißlich aus. Ihr Haar war kurz und nicht mehr hellblond, sondern weiß. Und dann waren da noch ihre Augen. Ihre vorher goldfarbenen Augen waren nun schwarz. Sie erkannte sich kaum noch wieder, wie sollte da irgendwer Anderes sie erkennen? Ihr Telefon klingelte. Am Apparat war Jane.
„He, alles in Ordnung? Du klingst so komisch?“, sagte sie.
„Naja, gestern Abend ist noch einiges passiert…“, meinte Mano und durchwühlte ihren Kopf angestrengt nach einer passenden Erklärung.
„Na los, erzähl. Hast du doch noch einen Kerl abgeschleppt? Warst du noch draußen?“, fragte Jane interessiert.
„Nein. Ich war gestern noch beim Friseur und als ich dann zu Hause war hatte ich einen bösen Unfall. Keine Ahnung was genau passiert ist, auf jeden Fall wurde dieses Augenfärbedings beschädigt und jetzt hab ich gruselige schwarze Augen. Ich war gestern Abend noch im Krankenhaus und der Arzt meint, dass alles in Ordnung sei, dass meine Augenfarbe nun jedoch auf immer verschwunden sei. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir meine Haare nicht auch noch vorher bleichen lass.“ Würde Jane ihr diese Erklärung abkaufen?
„Na, dann hab ich genau das richtige um dich abzulenken. William veranstaltet für den Neuen eine Party. Der Typ hat doch echt noch einen freien Platz bekommen und hat sogar so gut abgeschnitten, dass Niemand wirklich Probleme wegen seinen Zeugnissen gemacht hat. Jetzt hat William noch einen neuen Literaturstudenten auf seiner Seite und ach yeah, der Kerl wohnt jetzt auch noch bei ihm.“ Es war klar gewesen, dass Jane Mano damit aufmuntern wollte. Feiern war für sie die Lösung für alle Probleme.
„Wir sehen uns dann heute Abend bei Will, okay?“, sagte Jane. Mano versprach zu kommen und legte auf.

„Die Haarfarbe lässt dich blasser aussehen, aber es sieht gut aus.“, kommentierte Emily Manos Frisörbesuch und Unfallgeschichte, als diese Mano abholte um mit ihr zu Williams Wohnung zu fahren. William war ein Sohn reicher Eltern und wohnte in einer riesigen Wohnung, welche aus einem riesigen Wohn- und Kochraum, einem riesigen Schlafzimmer, zwei Gästezimmern und zwei Bädern bestand. Er war schon seit zwei Jahren mit Jane zusammen und ein Jahr älter als sie. Zusammen mit ihrem großen Bruder hatte er eine Privatschule für Jungen besucht und irgendwann zufällig Jane kennengelernt. Er war, ebenso wie Jane, in dieser Stadt geboren und hatte sich geweigert aus ihr weg zu gehen.
„Ich bin echt auf den Neuen gespannt.“, plauderte Emily drauf los. Mano freute sich über diesen Themenwechsel, der sie nun nicht mehr vor eine Erklärungsnot stellte. Ihr war vollkommen bewusst, dass Jane und Emily nur auf ihre Lüge hereingefallen waren, weil sie Mano noch nicht besonders gut kannten. Kate würde sie wahrscheinlich sofort durchschauen.
Schon auf der Straße konnten Mano und Emily den Lärm aus Williams Wohnung hören. Einige seiner Gäste standen auf seinem großen Balkon, die Türen weit geöffnet, und ließen die Musik auf die Straße fluten. Die beiden betraten den großen Wohnraum und schoben sich durch die große Menschenmasse auf Jane zu. „Habt ihr ihn schon gesehen?“, fragte sie aufgeregt.
„Noch nicht.“, antwortete Mano und blickte sich in dem Raum um. Sie hätte beim besten Willen nicht sagen können, ob irgendwer der hier Anwesenden neu war. Sie kannte kaum jemanden auf dieser Party.
„Dann lass uns mal Will suchen. Der ist schon die ganze Zeit mit dem neuen Unterwegs.“, meinte Jane und wirkte dabei fast ein bisschen eifersüchtig.
Gemeinsam quetschten sie sich an Williams Freunden vorbei und fanden ihn endlich an der Bar stehend. „Hallo ihr drei holden Feen. Hier ist der Neue.“, sagte William und klopfte einem jungen Mann, mit zerzausten braunen Haaren, auf den Rücken, der neben ihm an der Bar stand und scheinbar gerade damit beschäftigt war Getränke zu mixen. Er drehte sich um und reichte Mano die Hand. Sie stand erstarrt da. Das konnte nicht sein. Es konnte nicht sein! Das war nicht möglich. „Serafin.“, flüsterte sie.
„Mein Name ist Serafin. Deinen habe ich gerade nicht verstanden.“, schrie er über den Lärmen und die Musik hinweg. Einen Moment lang starrte Mano ihn weiter an. Sie blickte ihm direkt in die Augen. Ihr Herz raste und für einen Augenblick schien die Welt still zu stehen. Dann ließ er ihre Hand los und wandte sich an Emily. Er hatte sie nicht erkannt. Sie hatten sich direkt in die Augen gesehen und er hatte sie ignoriert. Sie drehte sich um und verschwandt ins Badezimmer.

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